Volker Seitz / 26.12.2020 / 14:00 / Foto: Htfischer / 13 / Seite ausdrucken

60 Jahre Unabhängigkeit (10): Somalia und Madagaskar

1960 gilt als das „Jahr Afrikas“. Nicht weniger als 17 ehemalige europäische Kolonien erlangten damals ihre Unabhängigkeit. Sie nahmen recht unterschiedliche Entwicklungen, leider nur allzu häufig keine gute. Wie die 17 afrikanischen Staaten heute dastehen, wird in dieser zehnteiligen Reihe erläutert. Heute zum Abschluss: Somalia und Madagaskar

Somalia

Bevölkerung 15,4 Millionen; BIP nicht bekannt; Demographisches Wachstum 3%; Alphabetisierung; nicht bekannt; UNDP Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index, abgekürzt HDI): nicht bekannt ; Letzter Wechsel des Präsidenten: 2017

Somalia galt noch bis in die 1960er Jahre als die „Perle Ostafrikas“. Heute gilt es als Musterbeispiel eines „gescheiterten Staates“ (failed state). Der Staat Somalia am Horn von Afrika mit der Hauptstadt Mogadischu entstand aus einer italienischen Kolonie und einem britischen Protektorat. Der britische Teil löste sich später (Somaliland) von dem Staatsgebiet. Das Land liegt am Indischen Ozean und grenzt an Dschibuti, Äthiopien und Kenia. Seit dem Sturz der Regierung unter Siad Barre 1991 und dem folgenden Bürgerkrieg gibt es keine handlungsfähige Regierung mehr. Somalia ist sehr instabil, staatliche Strukturen sind kaum vorhanden. 2012 bildete sich eine Übergangsregierung, die weite Teile des Landes nicht kontrolliert.

Das Land wird von lokalen Clans und Terroristen der islamischen Schabab-Miliz (die auch in Kenia gemordet haben) beherrscht. Die Miliz ist mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbunden und kämpft seit 2007 für die Errichtung eines „islamischen Gottesstaates“. Islamische Unterdrückung betrifft alle Lebensbereiche. Die Rebellen wurden zwar von Truppen der Afrikanischen Union (Amison) aus Mogadischu vertrieben, kontrollieren aber immer noch ländlichen Regionen und verüben häufig terroristische Anschläge in der Hauptstadt. Ohne die Unterstützung der Streitkräfte der Afrikanischen Union ginge die Hauptstadt Mogadischu innerhalb kürzester Zeit wieder an die Terror-Organisationen. Kaum eine Woche vergeht ohne Terroranschläge. Es gibt weder funktionsfähige Justiz noch eine effiziente Administration. Die somalische Gesellschaft wird von Stammesdenken und Clan-Strukturen beherrscht. Wer sich in Somalia aufhält, muss sich der Gefährdung durch Terroranschläge und kriminell motivierte Gewaltakte bewusst sein. Vor der Küste Somalias besteht weiterhin ein Risiko von Piratenangriffen.

Am 8. Februar 2017 wurde Abdullahi Mohamed von 300 wahlberechtigten Parlamentariern zum Präsidenten gewählt. Er war 2010/11 Ministerpräsident und hat neben der somalischen die amerikanische Staatsbürgerschaft. 

Das Land verfügt kaum über Einnahmequellen und hängt am Tropf der Entwicklungshilfe. Somalia verfügt vor seiner Küste über große Erdölvorkommen, die noch nicht gefördert werden. Der Hafen Mogadischus erwirtschaftet jährlich etwa 200 Millionen Dollar. Etwa die Hälfte dieser Einnahmen wird für den Präsidenten und die Parlamentarier ausgegeben.

Im Demokratieindex 2019 von The Economist ist Somalia nicht gelistet. CPI Platz 179 von 180.

Madagaskar 

Bevölkerung 27 Millionen; BIP 463 $; Demographisches Wachstum 2,7%; Alphabetisierung 71,6%; UNDP Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index, abgekürzt HDI): 161. Rang von 189. Letzter Wechsel des Präsidenten: 2019

Madagaskar mit der Hauptstadt Antananarivo liegt vor der Ostküste von Mosambik im Indischen Ozean. „La Grande Île“, „die große Insel“, nennen die Madagassen ihre Heimat. Die Bevölkerung soll von Indonesiern und Afrikanern abstammen. Die indonesische Komponente der madagassischen Kultur kommt sehr deutlich in der Sprache zum Ausdruck, die eng verwandt ist mit einem Dialekt auf Borneo. Die Amtssprachen von Madagaskar sind Malagasy und Französisch. Madagaskar ist eine der größten Inseln der Welt und mehr als anderthalbmal größer als Deutschland. Politische Krisen haben das Land in seiner Entwicklung immer wieder zurückgeworfen. Die Entwicklung wurde seit der Unabhängigkeit von Frankreich von zahlreichen politischen Krisen gekennzeichnet. Nach einer Periode des Sozialismus ist Madagaskar seit dem 19. August 1992 eine Republik (offiziell: République de Madagascar). Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der Exekutivgewalt ist der direkt für fünf Jahre gewählte Staatspräsident. 

Der frühere madagassische Staatschef Andry Rajoelina hat die Stichwahl am 19. Dezember 2018 mit 55,66 Prozent gegen Marc Ravalomanana, ebenfalls ein früherer Präsident, gewonnen. 2009 stürzte Rajoelina mit Hilfe der Militärs Ravalomanana und trat selbst an die Staatsspitze. Die Rivalität zwischen beiden Politikern prägt seit Jahren Madagaskars Politik. Wegen des Putsches bekam die Regierung keine Hilfsgelder mehr. Bei der folgenden Wahl 2013 durften beide auf internationalen Druck nicht mehr antreten. Beide waren erfolgreiche Unternehmer und hatten im Wahlkampf versprochen, die Insel aus der Armut zu führen. Rajoelina pflegt enge Kontakte nach Frankreich, wo er die letzten Jahre verbrachte. 

Seit Jahren gibt es nicht genug Nahrung auf der Insel, Madagaskar muss viele Lebensmittel importieren, auch das Hauptnahrungsmittel Reis. Madagaskar ist hauptsächlich ein Agrarland: Export von Kaffee, Vanille, Gewürznelken, Pfeffer, Sisal, Kakao, Holz und Graphit. Die Struktur ist von der französischen Kolonialzeit geprägt. Über 80% der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft in bäuerlichen Klein- und Kleinstbetrieben und leben überwiegend von Subsistenzwirtschaft. Der Anteil der Landwirtschaft am Brutto-Inlands-Produkt liegt bei 30%. Nur knapp fünf Prozent der ländlichen Bevölkerung hat Zugang zu Elektrizität. 

Eine der höchsten Geburtenraten der Welt

Das Land ist reich an Bodenschätzen: Chrom, Glimmer, Graphit, Edelmetalle und Edelsteine. Deren wirtschaftliche Bedeutung und ihr Anteil am Export sind bislang noch gering. Rio Tinto hat investiert, betreibt eine Ilmenit-Mine bei Fort Dauphin und verschifft Titansand nach Kanada, und Sherritt baute die größte Nickel- und Kobaltmine der Welt bei Moramanga. Die wirtschaftliche Entwicklung Madagaskars leidet unter der schlechten Verkehrsinfrastruktur (es gibt nur wenige gute Straßenverbindungen, die ganzjährig befahrbar sind), aber auch unter Rechtsunsicherheit und Strukturschwächen der öffentlichen Verwaltung. „Staatliche Institutionen in Madagaskar dienen oft den Interessen der Eliten statt denen der breiten Bevölkerung“, stellte die Weltbank fest. 

Die biologische Vielfalt Madagaskars ist eine der höchsten der Erde. Rund 200.000 bekannte Arten gibt es auf Madagaskar, davon kommen 150.000 ausschließlich dort vor. So z.B. 60 Arten von Lemuren, die nur auf der Insel existieren. Die Primatenart Cleese-Wollmaki wurde 1990 entdeckt. Der Name ehrt den britischen Schauspieler John Cleese („Monty Python“), der sich für den Erhalt der Lemuren auf Madagaskar einsetzt. Obwohl das Land seit den 1990er Jahren mehr als 700 Millionen US-Dollar für den Naturschutz erhielt, hat die Insel trotz immer neuen nationalen Umwelt-Aktionsplänen zum Regenwaldschutz seit dem Jahr 2000 mehr als 2,3 Milliarden Hektar Waldfläche verloren. Kaum ein Fünftel Madagaskars ist noch bewaldet. Bis Ende 2020 sollen weitere 6,4 Milliarden US-Dollar an Entwicklungs- und Umwelthilfe fließen. Die Bevölkerung ist weniger an dem Regenwaldschutz interessiert, die Menschen gewinnen durch das Roden und Niederbrennen der Wälder Platz für ihre Reisplantagen. 

2017 und 2018 war auf der Insel erneut die Pest ausgebrochen. Betroffen waren vor allem Hafenstädte und die Hauptstadt Antananarivo. Die WHO zählte 2.300 Krankheitsfälle. Etwa 10 Prozent starben an der Infektionskrankheit. Grund für den Ausbruch waren die schlechten Hygienebedingungen: Ratten, Mücken und Flöhe übertragen die Beulenpest-Bakterien auf den Menschen. Diese vergiften das Blut und können zu Nieren- und Leberversagen führen. Die Lungenpest wird über die Atemluft von Mensch zu Mensch übertragen. 

Der derzeitige Präsident hat versprochen, nach den Wahlen die Armut zu bekämpfen. In seiner früheren Amtszeit war ihm dies aber nicht gelungen. Jeder Fortschritt beim Kampf gegen Armut und Unterentwicklung wird auch in Madagaskar durch die wachsende Bevölkerung wettgemacht. Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt. Jeder Dritte kann nicht lesen und schreiben; die Geburtenrate zählt zu den höchsten der Welt. Die korrupten Regierungen seit der Unabhängigkeit haben dazu geführt, dass jeder dritte Madagasse unter der Armutsgrenze lebt. Gut ausgebildete junge Leute verlassen die Insel. Über 60.000 qualifizierte Madagassen leben allein in Frankreich. 

Im Demokratieindex 2019 von The Economist belegt Madagaskar Platz 85 von 167. CPI Platz 158 von 180. 

Fazit

Schon im Jahr 2000 kritisierte der nigerianische Journalist Chika Onyeani in seinem viel gelesenen Buch „Capitalist Nigger“ das verschwenderische Leben der Eliten und die Armut der Bevölkerung auf einem Kontinent, der reichlich durch Bodenschätze gesegnet ist. Auch verurteilt er die andauernde Erwartungshaltung gegenüber den ehemaligen Kolonialherren und den Weißen. Afrikanische Staaten seien nicht einmal fähig, die Grundversorgung der Bevölkerung ohne Import von Technologie aus dem Ausland zu gewährleisten. Auch die Wartung und Erneuerung der Technologie benötige Hilfe von außen.

In diesen Tagen wird in deutschen Zeitungen die „Schuldenlast“ afrikanischer Staaten thematisiert. Dazu schrieb mir der Wissenschaftler Professor Dr. Hans F. Illy aus Freiburg, ein langjähriger Kenner Afrikas: „Gibt es auch nur ein afrikanisches Land, das in den letzten 60 Jahren Bankrott gegangen ist? Nein und warum: Die Regierungen wurden immer wieder regelmäßig ‚entschuldet‘ und mit neuen Krediten versorgt. Das ist doch die Existenzberechtigung von Weltbank, KfW etc.; deren Umsatzorientierung ist atemberaubend. Ich habe öfters von afrikanischen Regierungsbeamten gehört, dass man sich über dieses Thema keinerlei Sorgen macht und immer wieder Auswege findet... die ‚Kooperation‘ muss ja weiter gehen... Wir sollten uns viel mehr Mühe geben, diese Sichtweise zu erfassen und nicht stöhnen unter einer immer weiter steigenden Verschuldung. Afrika stöhnt überhaupt nicht. Dies ist allein eine westliche Perzeption...“ 

Die meisten Staaten Afrikas müssen auch 20 Jahre nach dieser scharfen Kritik auf bessere Zeiten hoffen. Warum kommen sie nicht vom Fleck? Es gibt viele Gründe, aber Bevölkerungswachstum ohne entsprechende Arbeitsplätze, Rechtsunsicherheit, Korruption und das Desinteresse politischer Eliten, das zu ändern, sticht hervor. Die meisten Unternehmen interagieren mit dem Staat auf informellen Kanälen, über persönliche Verbindungen und Schmiergeldzahlungen. Neue Präsidenten gelten oft als Hoffnungsträger, die der Misswirtschaft ein Ende bereiten. Dann vergeht ein Jahr, und der erste Korruptionsskandal taucht auf. Entwicklungspolitiker – die Milliarden verteilen – preisen oft angebliche Erfolge, aber sie nehmen nicht zur Kenntnis, dass diese in der gelebten Wirklichkeit für die meisten Menschen unerheblich sind. Länder, die besonders stark unterstützt wurden, haben erstaunlich geringe Fortschritte gemacht. Potenziell reiche Staaten sind viel zu oft arme Länder, wenn man von der jeweils regierenden Clique einmal absieht. 

1960 lebten in Afrika rund 230 Millionen Menschen. Derzeit spricht man von 1,3 Milliarden, und für 2050 werden 2,5 Milliarden prognostiziert. Das Thema ist sensibel, aber es wird ja nicht besser, wenn man es verdrängt. Denn die Klimakrise ist auch eine Bevölkerungskrise. Der kürzlich bekannt gewordene Rückzug des Bundesentwicklungsministers Gerd Müller ist kein großer Verlust für die deutsche Entwicklungspolitik. Mit dem größten Etat seit Bestehen dieses Ministeriums (weit über 10 Mrd. € jährlich) hätte er etwas z.B. in den Schlüsselproblemen Bildungsmisere und Familienpolitik verändern können, und nicht nur seine Haltung zelebrieren. Sein Nachfolger/seine Nachfolgerin kann es nur besser machen mit konkreten Taten mit den Afrikanern und Afrikanerinnen, die bisher von ihren Herrschern nur ausgebeutet worden sind. 

Ende der Afrika-Serie "60 Jahre Unabhängigkeit"

Teil 1 über Mauretanien und Senegal finden Sie hier.

Teil 2 über Mali finden Sie hier.

Teil 3 über Niger und Tschad finden Sie hier.

Teil 4 über Burkina Faso und Elfenbeinküste finden Sie hier.

Teil 5 über Togo und Benin finden Sie hier.

Teil 6 über Nigeria finden Sie hier

Teil 7 über Kamerun und Zentralafrikanische Republik finden Sie hier

Teil 8 über Gabun und Republik Kongo finden Sie hier

Teil 9 über Demokratische Republik Kongo finden Sie hier

Teil 10 über  Somalia und Madagaskar finden Sie hier.

 

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe erschien im September 2018. Drei Nachauflagen folgten 2019 und 2020. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

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Sabine Heinrich / 26.12.2020

Kurz vor Schluss eine Frage. Wo sind die Millionen- (Milliarden-)spenden von “Brot für die Welt” geblieben? Wo die der “Band Aid”, als es um Biafra ging (vor ca. 30 Jahren).  Als mir vor etwa 15 Jahren endlich bewusst wurde, dass meine Spenden für Afrika nichts - aber auch gar nichts bewirken, fließt kein Cent mehr in Richtung dieses Kontinents. Vielen Dank für Ihre erhellenden Beiträge, werter Herr Seitz!

Gerhard Schmidt / 26.12.2020

Tja, nicht so einfach mit der “Freiheit”. Mein Tipp: Einfach wieder kolonisieren und gut is. Die Chinesen haben da derzeit in Afrika keinerlei Skrupel, obwohl oder weil) sie das Spiel schon von früher her kennen (damals allerdings noch von unten)...

Volker Seitz / 26.12.2020

@ Patrick Calman Ja, grundsätzlich schon.  Das wäre sehr aufwendig und ich fürchte, dass es dafür ebenfalls nur eine begrenzte Zahl von interessierten Lesern gäbe. Ich freue mich allerdings, dass Professor Vogt von der Universität Görlitz die vorliegende 10 teilige Serie im nächsten Semester als Lehrmaterial nutzen will. Auch erfahre ich immer wieder, dass meine Texte in Lehrbüchern nachgedruckt und in Gymnasien besprochen werden. Dafür hat sich die Arbeit gelohnt.

Albert Pflüger / 26.12.2020

Die Zustände in Afrika scheinen mir nicht die Folge, sondern geradezu eine Voraussetzung für den Kolonialismus zu sein. Wie die Sklavenhändler, so haben auch die Kolonialherren sich auf örtliche Despoten gestützt, um ihre Geschäfte zu betreiben. Bis heute scheint es so zu sein, daß die Geschäfte dieser Schmarotzer gut laufen, heute bekommen sie ihr Geld aus der Entwicklungshilfe, ohne Gegenleistung in Form von Sklaven, es reichen Fotos von armen hungrigen Kleinkindern und der eine oder andere Vertrag über die Ausbeutung von Bodenschätzen, z. B. für die hiesigen Batterieautos, die gern mit Hilfe von Kindern abgebaut werden. Von denen gibt es so viele, daß man damit nicht geizen muß und sich Sicherheitsvorkehrungen weitgehend schenken kann. Wer da ernsthaft den Kolonialismus beschuldigt, an den Zuständen schuld zu sein, verwechselt Ursache und Wirkung!

Gerhard Maus / 26.12.2020

Vielen Dank für diese kompetente und eindrucksvolle Dokumentation. Auf jeden Fall wert, zum Nachschlagen aufgehoben zu werden.

Patrick Calman / 26.12.2020

Ist es moeglich eine solche Serie ueber den ganzen Afrikanischen Kontinent zu machen ?

Pauline Gossner / 26.12.2020

An A. Ostrovsky:  Ihre Hoffnung, dass Somalis nicht nach D. kommen, muss ich leider enttäuschen.  Sie sind schon hier! “Geflüchtete”. Ich selbst habe einen 20jährigen Somalier 2015/16 kennengelernt. Er nahm an einem Deutschkurs teil, an einer Berufsschule - im Alter von 20J. hatte er ein (1!) Jahr Schulunterricht in Somalia genossen! Auf meine Frage (auf Englisch; er verstand ganz passabel einfaches Englisch):  “How much did you pay for your transfer from Turkey to Italy?”, antwortete er. “Nothing”. Ich:  “Why?”  Er: “Because I helped”.  Ich fragte ihn nach dem Bootsmann, dem Verantwortlichen. Er:  “A Somali man”.

Bernhard Freiling / 26.12.2020

@ Willi Wicher + Sicher will ich Sie nicht belehren. Nur Ihrer Frage zustimmen, wo auf dieser Welt denn eine Klimakrise herrscht. Von den Stürmen in den Köpfen der Klimagläubigen, aufgrund fehlerhafter Vernetzung der Synapsen, mal abgesehen. ++ Ich lebe in Thailand. Hier ist “die Klimakatastrophe” längst Alltag. Ergebnis? Diese “naive Bevölkerung” nimmt das einfach nicht zur Kenntnis. In Deutschland begehrten die Bauern auf, müßten sie 2 Mal pro Jahr ernten. Die Thais freuen sich darüber. In Deutschland spricht man ab 30°C von Hitzefrei für die leidende Bevölkerung. An ungefähr 5 oder 10 Tagen im Jahr. Bei dieser Temperatur zieht der Thai seine Jacke aus - behält den Pullover aber noch an. An ungefähr 300 Tagen im Jahr. In “Schwierigkeiten” gerät er erst, sollte die Temperatur tatsächlich mal unter 20° fallen. Dann schmeckt ihm noch nicht mal mehr sein Eiskaffee.  ++ Wenn Sie mich fragen: Die “Klimakatastrophe” ist der größte Fake, der je unter die Menschheit gebracht wurde. Wir haben die besten Wissenschaftler, die dieser Planet je gesehen hat. Die werden mit fast jedem Problem fertig. Gegen Hochwasser bauen die Dämme und gegen Niedrigwasser Bewässerungsanlagen. Gegen gar kein Wasser Meerwasserentsalzungsanlagen. Gegen Hitze bauen die Klimaanlagen und gegen Kälte Heizungen. Immer effizientere. Gegen Stürme bauen die sturmsichere Gebäude und gegen Erdbeben erdbebensichere. Und wem vertrauen wir? Diesen Spezialisten? Nein! Wir vertrauen den Scharlatanen, den neuen Alchemisten, die “den Königen” versprechen, Wetter und Klima machen zu können. Nicht morgen oder übermorgen. Aber in 100 Jahren. Und dafür fordern sie heute schon mal gigantische Vorleistungen von Ihnen und mir. In 100 Jahren werden wir ja sehen. ++ Also, sollten Sie mich nochmal fragen: Wir werden von Idioten dominiert.  So einfach ist das. Alles Imagination, Indoktrination und Suggestion. So gekonnt in Szene gesetzt, daß sogar Klardenker wie Herr Seitz diesen Unsinn in ihrer Denke verankert haben.

A. Ostrovsky / 26.12.2020

Wenn ich auch nur ein Mal im Leben den Gedanken gehabt hätte, dass man den Somalis irgendwie helfen könnte, wäre ich vermutlich längst dort. Aber was soll ich davon halten, dass die 60 Jahre nach der Unabhängigkeit noch keinen funktionierenden Staat haben? Und warum soll ich mir über diese Leute irgendwelche Gedanken machen. Meine einzige Bitte ist, dass die nicht hier her kommen. Wir können ihnen dort nicht helfen und hier schon gar nicht. Wer das glaubt ist ein Narr, der einer unendlich lächerlichen Illusion aufgesessen ist. Es ist doch unübersehbar, dass diese Leute NICHT ZUR ZUSAMMENARBEIT fähig sind. Das brauchen wir hier nicht. Wir haben selbst viel zu viele, mit denen man nichts anfangen kann. Und die Geschichte von dem armen somalischen Kind, das da in eine Welt geboren wird, in der es sich nicht frei entwickeln kann, erreicht mich nur peripher. Auch ich wurde in eine feindliche Welt geboren, die meine Freiheit und meine Entfaltung seit jeher mit vielen Mitteln beschädigt hat.

Horst Jungsbluth / 26.12.2020

Ich habe alle Beiträge mit großem Interesse gelesen und ernüchtert feststellen müssen, dass in keinem einzigen dieser Staaten in den letzten 60 Jahren nennenswerte Fortschritte erzielt wurden, obwohl fast alle reichlich über Rohstoffe verfügen (hier wohl besonders DR Kongo), bis auf Gabun alle Entwicklungshilfe erhalten und zudem Rücküberweisungen von im Ausland lebenden Bürgern in die klammen Kassen fließen. Alle Staaten leiden unter der geringen Lebenserwartung, die auch von der erschreckend hohen Baby- und Kindersterblichkeit beeinflusst wird.  Die jeweiligen “Präsidenten” betrachten Land und Leute wohl als ihr Eigentum und die “Staatsdiener” führen sich als kleine Kopien auf und da sie so viele sind oder manche gar nicht existieren, aber trotzdem aus dem Staatssäckel versorgt werden, können diese Staaten gar nicht funktionieren, wobei Somalia wohl am schlimmsten dran ist. Die besten Werte dank des Erdöls weist wohl Gabun auf, aber der Preis sinkt und die Quellen sind endlich, was den schwerreichen Bongo-Clan wohl wenig kratzt. Die Milliarden an Valuta für die Entwicklungshilfe haben, so glaube ich jedenfalls, mehr Schaden angerichtet, als Nutzen gestiftet, viele Entwicklungshelfer führen sich wohl selbst wie kleine Könige auf und instruieren die Eingeborenen, wie sie am besten nach Europa gelangen, anstatt Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Es gibt einfach keine afrikanische Schweiz, leider nicht einmal ein afrikanisches Costa Rica und auch in den anderen afrikanischen Staaten sieht es kaum besser aus.  Man komme mir bitte nicht mit dem Begriff Kolonialismus, die Zustände sind hausgemacht.

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