Volker Seitz / 28.01.2024 / 11:00 / Foto: Unsplash / 21 / Seite ausdrucken

Warum Wasser in Afrika nicht knapp sein müsste

Nicht das Fehlen von Wasser-Ressourcen, sondern ihre ineffiziente Nutzung, mangelnde Investitionen und Missmanagement sind der Grund für die Knappheit von Wasser in Afrika. 

In der Antwort der Kleinen Anfrage der Fraktion der CDU/CSU – Drucksache 20/9176 vom 13. Dezember 2023 werden zahllose von der Bundesregung finanzierte Projekte zur Risikovorsorge, Wasser- und Sanitärversorgung in Afrika aufgelistet. Mir sind solche (vergeblichen) Projekte schon seit Jahrzehnten z.B. aus dem Niger erinnerlich. Da sollten sich die „Experten“ fragen, weshalb die Projekte offenbar auf wenig Gegenliebe stoßen. Die Papiere lesen sich oft so, als werde Afrika in ihnen jeweils neu entdeckt.

Es mag paradox scheinen, aber in Afrika gibt es genug Wasser. Nicht das Fehlen von Wasser-Ressourcen, sondern ihre ineffiziente Nutzung, mangelnde Investitionen und Missmanagement sind der Grund für die Knappheit. Der ungleiche Zugang zu Wasser spiegelt den Abstand der sogenannten Eliten in Afrika zum Volk wider. Südlich der Sahara haben immer noch mehr als 60 Prozent der Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die Wasserversorgungs-Systeme und die Abwasserentsorgung sind ineffizient. 

Für das politische Führungspersonal ist die Wasserversorgung der Bevölkerung kein Kernthema, weil es sich andere Hygienestandards leisten kann. Die Führungseliten haben Wasserreservoire und Filter und verbrauchen, neben Mineralwasser, pro Kopf sechsmal so viel sauberes Wasser wie die übrige Bevölkerung. Ein wichtiges Beispiel für den Dünkel: Bei den Wohlhabenden in den Städten ist das Wasser kein seltenes Gut von unschätzbarem Wert wie in den Dörfern. Gerade in ländlichen Regionen sind Wasserstellen oft kilometerweit weg. 

Für Waffen ist oft mehr Geld vorhanden als für Bildung

Trotzdem ist es diesen Eliten oft schlicht egal (oder sie verdrängen das Problem), ob sich auf dem Lande die Lebensbedingungen verbessern, wenn Strom und Wasser zu ihnen kommt. Viele Dörfer im ländlichen Afrika sind auch nicht an das Stromnetz angeschlossen. Nicht zu vergessen: Die Landwirtschaft beschäftigt etwa 65 Prozent der arbeitenden Bevölkerung.

Die niedrige Priorität, die Wasser- und Sanitätswesen in Afrika beigemessen wird, spiegelt sich in den jeweiligen Staatshaushalten wider. Wenn auch gelegentlich in den Budgets versteckt, zeigt sich, dass für Waffen oft mehr Geld vorhanden ist als für Bildung, Gesundheit oder eben Trinkwasser-Versorgung. Lediglich Ägypten, Botswana, Gabun, Mauritius, Tunesien, Kenia und Südafrika haben ein halbwegs ausreichendes Wassermanagement. Achtzig Prozent der Krankheiten in Afrika lassen sich nach Schätzungen von Ärzten auf unreines Wasser und schlechte Sanitärversorgung zurückführen. Die meisten Gewässer enthalten Krankheitserreger aus menschlichen Ausscheidungen, weshalb entsprechende Erkrankungen weit verbreitet sind. Nur in Kenia und Südafrika verfügen laut Weltwasserbericht der Vereinten Nationen mehr als 75 Prozent der Menschen über sanitäre Einrichtungen.

Die Wasserversorgung in vielen Ländern ist mehr oder weniger zufällig. Der größte Teil der Bevölkerung, besonders in den Elendsvierteln der Städte und auf dem Land, muss oft über lange, gefährliche Fußwege Wasser in Eimern heranschleppen. Wer den ganzen Tag damit beschäftigt ist, kilometerweit entfernte Brunnen oder Wasserlöcher anzusteuern, kann nicht viel anderes tun. Die Mechanismen, die bei fehlender Wasserversorgung wirken, sind katastrophal. 600 Millionen der 1,4 Milliarden Menschen in Afrika leben heute in den Städten, 60 Prozent in Armenvierteln ohne ausreichende Wasserversorgung. Die ungestüme und ungeregelte Urbanisierung hat zum Kollaps der oft noch aus der Kolonialzeit stammenden sanitären Infrastruktur geführt. In undichten Leitungen geht Wasser verloren. Werden Anlagen nicht korrekt betrieben, steht alles still. Entwicklungsländer müssen umdenken und in sparsames Wasser- und Abfallmanagement investieren.

Aber viele afrikanische Regierungen ergreifen nicht einmal einfache Maßnahmen wie die Trennung von Haushalts- und Industrieabwässern. Abwässer werden allesamt in Flüsse geleitet, die städtische Abfallwirtschaft wird nicht modernisiert, es gibt kein zeitgemäßes Recycling. Nach Informationen des Britischen Geologischen Dienstes (BGS) wird im Schnitt weniger als ein Viertel des erneuerbaren Grundwassers für Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Industrie genutzt. In einigen Ländern sind es sogar weniger als 10 Prozent.

Viele afrikanische Länder könnten fünf Jahre Dürre überleben

Derzeit werden nur fünf Prozent der Ressourcen genutzt. Lediglich fünf Prozent des afrikanischen Ackerlands werden bewässert, und weniger als zehn Prozent des Wasserkraftpotenzials fließen in die Stromerzeugung. Dabei fehlen den Regierungen meist nicht die Mittel; es ist schlicht ein Versagen der politisch Verantwortlichen. In Afrika südlich der Sahara gibt es reichlich Grundwasser. Auch die britische Hilfsorganisation „WaterAid UK“ kam in zwei Studien zu dem Ergebnis, dass fehlende Investitionen dazu führen, dass das Wasser nicht genutzt oder schlecht gemanagt wird.

Im Einklang mit dem British Geological Survey kommt WaterAid zu dem Ergebnis, dass die meisten afrikanischen Länder mindestens fünf Jahre Dürre überleben könnten. Auch ein UN-Bericht für die UNESCO kommt zu dem Ergebnis, dass zu wenig in Ausrüstung und Infrastruktur investiert wird. Es mangle an Institutionen, ausgebildeten Fachleuten und Wissen über die Ressource. Nirgendwo bleibt so viel landwirtschaftliche Fläche ungenutzt wie in Afrika. Mangels Ernährungssicherung sind aber viele Länder der Region deshalb auf teure Nahrungsmittelimporte angewiesen.

„Wer nicht bereit ist, die Dinge zu sehen, wie sie sind, und sie beim Namen zu nennen, auch wenn es weh tut, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit die falschen Antworten der Entwicklungshilfe geben… in einer solchen idealisierenden Haltung steckt auch mangelnde Bereitschaft, den anderen ernst zu nehmen.“ (Kurt Gerhardt, Koordinator des Bonner Aufrufs).


Volker Seitz ist Botschafter a.D. und Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“, dtv, 2021 (11. Auflage)

Foto: Unsplash

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Steven Benayas / 28.01.2024

Entschuldigung wenn ich widerspreche, aber von welchen Ländern mit Wassermangel in Afrika sprechen Sie genau? Ich habe einige viele bereist und kann Ihnen versichern das es ein vielen Ländern Afrikas ganz sicher kein Wasserproblem gibt, wenn nicht sogar in den meisten Ländern Afrikas. Und übrigens, hat sich schon mal jemand gefragt wie Menschen in Ländern Afrikas die letzen 1000 Jahre überlebt haben, obwohl es dort angeblich Dürre, bzw. kein Wasser gibt . . . ich kann das ganze Theater nicht mehr ernst nehmen.

Hermine Mut / 28.01.2024

Welche Rolle spielt denn bei der afrikanischen Stromversorgung Photovoltaik ?

Yehudit de Toledo Gruber / 28.01.2024

Ein großartiger Artikel! Dazu etwas drastisch aber realistisch eingeschätzt finde ich den Kommentar von @J.Braun. Ergänzend zu unseren beiden unsäglichen Steuergeldverschwender-Ministerinnen Schulze + Lemke, finde ich auch den ganzseitigen Artikel in der aktuellen “Junge Freiheit” 5/24. Diese aufgelisteten Milliarden (auch für Indien) welche uns hierzulande fehlen - d a s wären echte Demonstrationsmotive unserer offenbar wieder marschierbereiten Bevölkerung. Entschuldigung, aber die Schwarzen können und wollen es offenbar nicht.  Sie werden gepampert und bemitleidet, und das ist bequem. Als ich noch in Cuba lebte, sah ich mir das damalige Haiti an. Sozusagen fast “nebenan”. Und noch drastischer zeigt sich die Gesamtinsel heutzutage. Geteilt in zwei Staaten: Das vorwiegend schwarze Haiti, welches in Mord und Totschlag versinkt, und die andere Hälfte als “Dominikanische Republik”, mit vorwiegend weißer Bevölkerung, die aus ihrem Insel-Teil wenigstens preiswerte Reiseziele und einigermaßen gepflegte Landschaften machte. Und übrigens auch im sozialistischen Cuba, dessen Bevölkerung zu einem Großteil aus farbiger Bevölkerung besteht, lernte ich damals zügig, wo (und warum) die Dinge funktionieren und wo eben nicht. Santiago zum Beispiel, eine eher “schwarz-dominierte” Stadt präsentierte sich eben deutlich anders als Trinidad oder Mantanzas. Im Großen wie im Kleinen. Und hier in München erlebe ich es besonders ungemütlich - direkt vor meiner Tür -die ziemlich unterschiedlichen Verhaltensweisen zwischen uns “Übriggebliebenen” und den “Neuankömmlingen”.

D. Jaun / 28.01.2024

@J. Braun Wenn es nur so einfach wäre! Je höher die Bildung, je tiefer die Geburtenrate. Schon mal daran gedacht?

Jochen Lindt / 28.01.2024

Bei Bevölkerungsexplosion ist jede Ressource zu knapp.  Die korrupten afrikanischen Herrscher wissen längst das, was unser Sozialsystem bei weiterer Immigration aus Afrika demnächst erfahren wird.

Talman Rahmenschneider / 28.01.2024

Schöne Karte auf wikipedia/Kongo (Fluss) vom Kongo und seinen Nebenflüssen. Abgebildet neben der Demokr. Rep. Kongo (zweitgrößtes Land Afrikas) auch Gabun, Kamerun, Tansania CAR und das African Rift, dieses bergig.

gerhard giesemann / 28.01.2024

Gar nichts muss knapp sein - wenn sie nicht so unverschämt viele wären. It’s the demography, stupid.

Talman Rahmenschneider / 28.01.2024

Völlig richtig: “Atlas enthüllt gigantische Wasser-Reserven unter Afrika”, spiegel, Axel Bojanowski.

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