Vergangene Woche fuhr eine der berühmtesten Frauen der Welt eine öffentliche Schmierkampagne gegen einen der berühmtesten Männer der Welt. Millionen Menschen wurden dabei Zeugen eines Angriffs, bei dem Meinungen und Gefühle mehr wert sind als Fakten. Kaum ein Medium berichtete anfänglich darüber – das Thema war unter dem Moralaspekt nicht sehr ergiebig: Bei der Dame handelt es sich um J. K. Rowling, Harry Potter-Autorin, politische Aktivistin, Frontkämpferin für Flüchtlinge und Bedürftige. Beim Verleumdeten um Donald Trump.
Die Attacke begann damit, dass Rowling ein Video auf Twitter postete, das den US-Präsidenten zeigt, wie er Leute begrüsst und dabei einen kleinen Jungen im Rollstuhl übersieht. Rowling schrieb ihren 11,3 Millionen Followern: "Wenn dir jemand zeigt, wer er ist, glaube es - Maya Angelou." Dann reichte sie eine Reihe wütender Tweets nach: "So, ja. Dieser Clip von Trump, der absichtlich ein behindertes Kind übersieht, seine ausgestreckte Hand ignoriert, das berührte mich zutiefst." Und: "Wie schrecklich, dass Trump sich nicht überwinden kann, die Hand des kleinen Jungen zu schütteln, der ja nur den Präsidenten berühren möchte." Sie nannte ihn ein narzisstisches Monster.
Digitale Räume wie Twitter sind unzweifelhaft eine Plattform für schäumende, frustrierte Seelen, ein Ventil, Dampf abzulassen und sich derweil die Bestätigung von Gleichgesinnten einzuholen. Bei einer Millionen-Followerschaft rasen solche Vorwürfe schneller um den Globus als Harry Potter auf seinem Besen durchs Quidditchspiel – Rowling erhielt für ihr Trump-Bashing in kurzer Zeit eine Rekordzahl von fast einer halben Million Likes.
Die britische Phantastin verbreitete eine Lüge
Das Problem ist, die britische Phantastin verbreitete eine Lüge. Rowling dachte offenbar, dass Trump in zu wenige Fettnäpfchen tritt und erfand noch eins dazu: Der Clip, den sie postete, war irreführend geschnitten worden. In einer längeren Version sieht man, wie Trump bei Betreten des Raumes zuerst auf das Kind zugeht, sich zu ihm hinunterbeugt, mit ihm spricht – länger als mit allen anderen im Raum.
Nun kann man Trump ja einiges vorwerfen und manches davon zu Recht. Und ja, es kann auch mal vorkommen, dass man etwas postet, das sich im Nachhinein als falsch erweist. Zahlreiche ihrer Follower wiesen Rowling auf das gefälschte Video hin – tagelang. Ihre Verachtung für Trump muss aber grösser sein als ihr Sinn für Gerechtigkeit: Während all der Zeit entschuldigte sie sich weder für den Lügentweet noch stellte sie ihn richtig, sie löschte ihn auch nicht. Die Botschaft: Auch wenn Trump vielleicht keinen Fehler machte, so bleibt er trotzdem ein Ungeheuer – ihre Verleumdung dient offensichtlich einem höheren Zweck. Erst als die Mutter des Jungen am Montag klarstellte, ihr Sohn sei gar nicht von Trump ignoriert worden, entfernte Rowling die Tweets und entschuldigte sich bei Mutter und Sohn. Nicht aber bei der Person, die sie diskreditiert hatte.
Dass eine reiche, berühmte Frau die sozialen Medien missbraucht, um den verhassten Präsidenten zu diffamieren, ist das eine. Dass die Mainstream-Medien, die ja ansonsten schnell sind beim Beklagen des Niedergangs der Fakten, das Thema erst in Folge ihrer Rechtfertigung aufgriffen, und selbst dann nicht Rowlings Denunziation, sondern die "Entschuldigung" zur Schlagzeile machten, zeugt von einem verschrobenen News-Verständnis.
Wenn das Gute auf einmal böse wird, bleiben es eben Geschichten aus Hogwarts.
Tamara Wernli arbeitet als freischaffende News-Moderatorin und Kolumnistin bei der Basler Zeitung. Dort erschien dieser Beitrag auch zuerst.
Beitragsbild: Daniel Ogren CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Schade, dass die Presse so etwas deckt. Aber es geht ihr ja mehrheitlich eh darum, Trump schlecht zu machen.
Das ist wirklich amüsant. Man sollte ja meinen, dass eine Verfasserin von Kindergeschichten über Zauberer in besonderer Weise für die Wirklichkeit hinter den komplexitätsreduzierenden massenmedialen, sprachlichen und politischen Fassaden sensibilisiert ist. Weit gefehlt! Die linke Aktivistin Rowling scheint vielmehr identisch mit ihren Protagonisten und lügt und betrügt in aller Öffentlichkeit. Was für eine jämmerliche Schriftstellerin ist das denn?
Vor allen Dingen ist die Geschichte uralt und schon x-mal richtig gestellt. Das kann eine Frau Rowling durchaus wissen.
Erschreckend, wie sich mutmaßlich aufgeklärte Menschen in einen Hass gegen ein Phantom hineinsteigern können und, unbeirrt der Tatsachen an ihren Irrtümern festhalten. Schon Schiller kannte solche Zeitgenossen: „Gefährlich ist's, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn.“
Ich erinnere mich an einen Twitter-Beitrag dieser Dame, in dem sie von Europa die unbegrenzte Aufnahme von Flüchtlingen aus der ganzen Welt forderte. Einer der ersten Antworten unter diesem Beitrag war der Vorschlag eines Users, 20 Flüchtlingen die Reise nach Großbritannien zu finanzieren, vorausgesetzt, dass Mrs. Rowling diese Refugees in einer ihrer zahlreichen Villen nicht nur unterbringt, sondern auch versorgt und zwar auf Dauer. Daraufhin verschwand Rowlings Tweet, plötzlich und wie von Zauberhand. Womit bewiesen wäre: Harry Potter gibt es wirklich...!
Nennt man so ein Verhalten nicht "Mobbing"?
Die Spezialistin für Mystery Fiction will nun auch in der "Sozialen Echokammer" ganz oben schwimmen mit gefälschten News. Wenn ganz Hollywood, Bono, Sting, Rowling und Co. gegen Trump zu Felde ziehen, scheinen sie um nichts anderes als um ihre Populismus-Pfründe zu fürchten. Ihr politischer Instinkt hat sie weitgehend verlassen. Die Guten sind sie längst nicht mehr, also versuchen sie mit billigem Populismus Follower zu sammeln. Solidarität auf niedrigstem Niveau, mit Demokratie hat das allerdings nichts zu tun. - Zugleich ein Beispiel dafür, wie Figuren wie J. K. Rowling die Glaubwürdigkeit von Facebook als "Nachrichtenkanal" in den Dreck treten. Bei unserem Justizminister dürfte das nich unter "mutiges Engagement für die gute Sache" durchgehen.