Henryk M. Broder / 29.10.2017 / 14:35 / Foto: Tim Maxeiner / 3 / Seite ausdrucken

Refugees not welcome – Erst einladen, dann abweisen

Die neue Seite des Auswärtigen Amtes - "rumours about germany - facts for migrants" -, mit der Migranten davon abgehalten werden sollen, sich auf den Weg nach Deutschland zu machen, ist das schäbige Nachspiel zu einem gruseligen Vorspiel, für das eine andere Bundesbehörde verantwortlich zeichnet, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Das Amt beschäftigt in der Nürnberger Zentrale und über 80 Außenstellen etwa sechs bis sieben Tausend Mitarbeiter, die unermüdlich ihre eigenen Arbeitsplätze sichern. Wie jedes soziale Netzwerk ist auch das BAMF auf Nachschub von Menschenmaterial angwiesen. Deswegen hat die Behörde bereits 2014, also vor dem überraschenden Ausbruch der Flüchtlingswelle, einen 17 Minuten langen "Werbefilm für das gelobte Deutschland" drehen lassen , der im August 2015 von Stefan Aust in der WELT angemessen rezensiert wurde. 

Die Hauptrolle spielt ein Mann namens Abbas, der sich selbst so vorstellt: "Ich komme aus dem Irak. In meiner Heimat kann ich nicht mehr leben. Ich wurde dort verfolgt und meine Familie bedroht. Daher möchte ich in Deutschland Asyl beantragen, und ich hoffe, hier ein sicheres Leben zu führen.“ Wer und weswegen ihn in seiner Heimat verfolgt und bedroht hat, blieb ungesagt. Ebenso was er kann und wie er sich seinen Lebensunterhalt in Deutschland verdienen möchte.

Das einzig Authentische und Ehrliche an diesem Film war der Nachspann: "Bei den in diesem Film gezeigten Schutzsuchenden handelt es sich um Schauspieler mit einer erfundenen Fluchtgeschichte."

Und jetzt kommt die Fortsetzung. Es ist, als würde ein Dealer seinen eigenen Kunden abraten, bei ihm einzukaufen. Die deutsche Einwanderungspolitik ist eine Katastrophe mit Ansage, aber dem BAMF geht es prächtig. Und im Auswärtigen Amt überlegt man sich, "die sieben großen Lügen der Menschenhändler" als Theaterstück den Goethe-Instituten im Irak, in Syrien und in den Magbreb-Staaten anzubieten.

Foto: Tim Maxeiner

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Leserpost (3)
Alexander Till / 29.10.2017

Womöglich sollten mit dem BAMF Werbefilm Assads Soldaten “abgeworben” werden, damit die “moderaten Islamisten"denselben und die Russen (Marinestützpunkt) leichter vertreiben können, um womöglich dann eine Pipeline durchs Land bauen zu können. Also wäre der Film in seiner hinterhältigen Absicht doch “authentisch”. -Nur geklappt hats halt nicht. Und nur darum wirkt es jetzt so hirnlos.

Dietmar Schmidt / 29.10.2017

Lieber Herr Broder, eigentlich nicht zu fassen und nicht zu glauben. Aber es ist wahr, eine traurige Wahrheit und die Verantwortlichen sind wahrscheinlich noch in Amt und Würden. Gruß Dietmar Schmidt

Gertraude Wenz / 29.10.2017

Lieber Herr Broder, “nur die Achse lässt mich leben”, in Anlehnung an einen bekannten Schlager! Bei all der Trostlosigkeit ringsumher ist sie eine kleine Aufmunterung jeden Tag. Dass Politiker ohne Weitblick und anscheinend ohne die geringste Intelligenz eine solch verantwortungslose Flüchtlingspolitik betrieben haben und bis heute betreiben, ist mit normalem Verstand nicht zu erfassen. Blauäugiger und naiver hätten Siebenjährige nicht sein können. Wenn Politiker bei den Sondierungsgesprächen frisch und fröhlich mit bedeutungsvoller Miene vor Wichtigtuerei fast platzen, einig allein in der Gegnerschaft zur AfD, wird mir fast schlecht. An nichts ist zu erkennen, dass ihnen endlich mal ein Licht, sprich Kronleuchter aufgeht, über das, was sie unserem Land angetan haben. Wie kann Frau Merkel übers ganze Gesicht strahlen, voll in sich ruhen und ohne den geringsten Selbstzweifel diese dämliche Raute formend sich selbstbewusst den Kameras präsentieren? Sie, die eigentlich angeklagt werden müsste! Die Grünen plustern sich auf, als hätten sie die Wahl gewonnen. Sie dürften doch eigentlich die Koalitionsvereinbarungen nur zu den paar Prozentpunkten bestimmen, die sie eingefahren haben. Genauso wie die FDP. Also kleine Brötchen backen. Dazu passt ihr Auftreten überhaupt nicht. Nur knap 9% der Bevölkerung wünschen sich eine grüne Politik, 91% dagegen überhaupt nicht! Ich fürchte, man wird dem neuen Regierungsprogramm einen sehr grünen Anstrich verpassen, obwohl fast 100% der Bevölkerung das nicht will! Das ist doch auch nicht demokratisch. Die Zugeständnisse auch nur, damit Jamaika überhaupt zustande kommen kann. Mir wäre eine Minderheitenregierung lieber. Aber da könnte ja plötzlich die AfD ab und zu zum Verbündeten aufsteigen. Igitt!

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