Deborah Ryszka, Gastautorin / 24.01.2021 / 11:00 / Foto: Gresbek / 25 / Seite ausdrucken

Neil Diamond wird 80: Musik, nur für Frauen?

Ja, mancher behauptet wohl, es sei typische Frauenmusik. Darf man das heutzutage überhaupt noch sagen? Oder gilt das schon als frauenfeindlich? Wie dem auch sei, es geht um typische Frauenmusik. Schnulzige Melodien und noch schnulzigere Texte. Aber die Musik hat es in sich, sie hat Klasse und berührt. Entweder zum Tanzen oder zum Schmachten. Die Rede ist von Neil Leslie Diamond.

Der US-amerikanische Singer/Songwriter feiert am 24. Januar seinen 80. Geburtstag und mit ihm vermutlich die ganze (Frauen-)Welt. Schließlich komponierte der für vier Golden Globes und dreizehn Grammys nominierte Musiker – sowie ein Golden Globe und ein Grammy-Gewinner – nicht nur Welthits, sondern hütet schon seit über 50 Jahren die Bühne.

Hierzu gab der Weltmusiker 2017 sein Greatest Hits-Album „50“ heraus und tourte im selben Jahr um die Welt. Das Tragische hierbei: Diamond musste diese Welttournee aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Die Diagnose: Morbus Parkinson. Die Konsequenz: Der Weltmusiker beendete seine Konzert-Karriere. Das hält ihn aber nicht davon ab, weiterhin Musik zu machen. Dabei kam etwa 2020 eine Neuinszenierung seiner Greatest Hits mit dem London Symphony Orchestra heraus.

2008 ein erneuter Durchbruch

Doch zurück zum Anfang seiner Karriere. Neil Diamond, der bis heute über zwanzig Studioalben veröffentlichte, schaffte recht schnell den Aufstieg. Sein Song „I‘m A Believer“, der er für „The Monkees“ komponierte, wurde ein Welterfolg. Gleiches gilt für seine veröffentlichten Singles. Alleine drei von ihnen kamen in die Top Ten der US-Charts. „Cherry Cherry“, „Solitary Man“ und „You‘ll Be A Woman Soon“. Echte Klassiker.

Danach ging es für ihn Schlag auf Schlag. Während er tatkräftig weitere Songs auf die Platte brachte und sich auf den Bühnen austobte, erschien 1976 eines seiner erfolgreichsten Alben, „Beautiful Noise“. Zudem entstanden Welthits, wie „Sweet Caroline“, „Song Song Blue“ und „Cracklin‘ Rosie“. Unvergessen auch die Ballade „You Don‘t Bring Me Flowers“ mit der US-amerikanischen Sängerin Barbra Streisand (die, nebenbei gesprochen, mit Diamond in der Highschool im Schulchor sang), die 1980 bei der Grammy-Verleihung Premiere feierte.

Nachdem es etwas stiller um den Mann mit der Gitarre geworden war, gelang Diamond 2008 ein erneuter Durchbruch. Mit seinem 27. Studioalbum „Home Before Dark“ schaffte er es mal wieder in die US-amerikanischen Charts. Hierbei blieb sich der Singer/Songwriter seinen Wurzeln treu. Das ganze Album hindurch umweht ein typisch Diamond'scher, typisch amerikanischer Sound die Ohren.

Auch sogenannte Frauenmusik kann gut sein

Das ist nicht nur dem einprägsamen, rhythmischen Sound vieler Diamond-Songs zu verdanken, sondern insbesondere seiner einzigartigen Stimme. Sie sprüht nur so vor Wiedererkennungswert. Nirgendwo auf der Welt singt vermutlich irgendjemand wie der Singer/Songwriter. Seine Stimme besticht mit einer rauchig-tiefen, aber zugleich auch samtigen Basis.

Das Beste hierbei? Seine Stimme ähnelt einem guten schottischen Scotch, der mit zunehmendem Alter immer besser wird. Seine späteren Live-Performances bezeugen dies grandios. Ebengleiches gilt für das Instrumentalspiel. Anstatt einen Hit nach dem anderen zu spielen, entwickeln die Musiker raffinierte, spritzige Instrumentensoli. Somit kommen auch anspruchsvolle Musikliebhaber voll auf ihre Kosten.

Festzuhalten bleibt: Ob man nun Diamonds Musik mag oder nicht, man muss den Hut vor diesem Ausnahmetalent ziehen. Nicht umsonst coverten ihn etwa Musikgrößen wie Johnny Cash mit „Solitary Man“ oder Frank Sinatra und Elvis Presley mit „Sweet Caroline“. Diamond zeigte: Auch sogenannte Frauenmusik kann gute Musik sein. Nicht viele schaffen das.

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Mike Petz / 24.01.2021

Vor fünf Jahre habe ich mit meiner Frau ein Konzert von ihm in München besuchen dürfen. Wir haben uns die Karten zu Weihnachten geschenkt. Was dieser Musiker da mit seinen 75 Lenzen stimmlich wie auch körperlich performte war absolute Oberklasse! Das Publikum war bunt gemischt von jung bis alt und die Anzahl der Frauen und Männer war ca. gleich. Neil Diamond live zu sehen war ein Kindheitstraum meinerseits. Er hat mich mit seiner “Frauenmusik” an diesem Abend glücklich gemacht. Happy Birthday alter weißer (weißer) Mann!!!

Claudius Pappe / 24.01.2021

Bitte keine Werbung der Bundesregierung auf dieser Seite. Schon gar nicht von dem Ministerium der Frau Dr. gerügt Giffey, Männer kennt dieses Ministerium nicht, sorry, nur bärtige Männer sind zugelassen.

Edgar Timm / 24.01.2021

Neil Diamond ist nicht nur ein großartiger Musiker und angenehmer Mensch ohne Skandale, sondern auch äußerst diszipliniert. Anlässlich eines Konzertes in Kiel stand er 10 Minuten nach 20 Uhr auf der Bühne , machte nach anderthalb Stunden eine kurze Pause, während seine Band ihre Professionalität nachweisen konnte und kehrte dann für eine weitere Stunde zurück. Zwei Zugaben und ein großartiger Abend ging viel zu früh zu Ende. Ein solches Ethos habe ich bei anderen “Größen” der Musikszene nur in kleinen Clubs erlebt

Tanja Krienen / 24.01.2021

Nicht zu vergessen seine Rolle im Jazzsinger-Remake als Jude, der den Jazz lebt und sich darum schwarz tünchen muss. Nicht so er. Das machte er nicht. Das war bah.

Frank van Rossum / 24.01.2021

Ergänzend zu erwähnen ist seine Rolle im Film “The Jazz Singer” (mit Laurence Olivier) zu dem er die Filmmusik beisteuerte sowie den Soundtrack zum Film “Jonathan Livingston Seagull”.

Paul Siemons / 24.01.2021

Nicht eher einem irischen Scotch?

Sabine Schönfelder / 24.01.2021

Helmut Ehmer / 24.01.2021 “Weltmusiker”, was ist denn das?  - So etwas Ähnliches wie ein „Weltfußballer“ bei der Fifa. Hai capito?

Frances Johnson / 24.01.2021

Ich versuchte öfter, herauszufinden. ob er mit dem Biochemiker Jared Diamond verwandt ist. Direkt nicht. Aber beide sind Abkömmlinge von emigrierten Ostjuden, und beide sind aus einem ähnlichen Holz geschnitzt, auch die Gesichtszüge gleichen sich. Jareds Buch Collapse traf einige Dinge so genau auf den Punkt, dass er massiv dafür angefeindet wurde, vermutlich besonders aus Frankreich wegen seines Kapitels über Haiti, vielleicht auch noch wegen Ruanda. Es gab Kolonialismus und Koloniaschissmuss, in dem Franzosen und Belgier Spezialisten waren. Beide Diamonds sind, wie ich finde, auf jeweils ihrem Gebiet echte gems, Juwelen eben. Neil hat es erfasst, das menschliche Kain und Abel-Problem,  mit dem Mobbing des Außergewöhnlichen und auch mit dem Weiterleben in anderer Form. Und Jared stieß vermutlich in den Kern des Zusammenhangs zwischen Klima und Wald vor, die Saurier, Heißzeit, lebten zwischen Koniferen.  Das will keiner hören, die arme Holzindustrie. Besonders lesenswert zu Neils Musik, versteht sich: Das Kapitel über die Osterinseln.

Frances Jonathan / 24.01.2021

Musician for ladies? Kann ich bestätigen. Ich mag ihn. Er konnte sein eigenes Meisterwerk bei mir mit nichts toppen: Jonathan Livingstone Seagull. In Coronazeiten muss man höher fliegen. Wie Jonathan. Lonely looking sky, lonely sky, lonely sky….

Riccardo Tesse / 24.01.2021

Sehr geehrte Frau Ryszka, ich möchte ihnen da nur zustimmen. Ihre Hommage entspricht ziemlich genau meinen zwiespältigen Reaktionen. Btw: ‘‘Emergency Room’’ ist für mich das TV-Serien-Äquivalent zur Kunst N.Ds. Immerhin war er Gast beim Abschiedskonzert der Band, wurde in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und zigtausende Am. Football resp Fußball-Fans singen ‘Sweet Caroline’ - obwohl letzteres meinen Verdacht wiederum stützen würde, dass Fußball im Stadium eine homoerotische Massenveranstaltung ist. Mit freundlichen Grüßen, Tesse

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