Besuche deutscher Außenminister scheinen in Israel keinen besonderen Eindruck mehr zu machen. Heiko Maas hat sich wirklich Mühe gegeben, die unglückseligen Auftritte seines Vorgängers zu korrigieren und in seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem starke Zeichen gesetzt. Allerdings weniger für Israelis als für Deutsche. Sein achtbares Bekenntnis gegen Judenhass macht hier weitaus weniger Eindruck als in Deutschland, weil es hier, anders als dort, eine Selbstverständlichkeit ist.
Neue politische Impulse kann man auch von diesem Besuch nicht erwarten. Eher diplomatische Versuche der Reparatur nach Jahren dilettantischer deutscher Nahost-Politik. „Die Beziehungen zwischen Berlin und Israel sind seit Jahren kühl“, erklärt die Frankfurter Allgemeine selbstbewusst, „was vor allem am Siedlungsbau im besetzten Westjordanland liegt.“ Pech für Deutschland! Denn der Siedlungsbau wird weitergehen, 700.000 jüdische Bewohner des Westjordanlandes und Ost-Jerusalems lassen sich weder deportieren noch wollen sie, bei einem Zuwachs von durchschnittlich fünf Kindern pro Familie, demnächst ihren Nachwuchs obdachlos sehen. Wann wird man das in Berlin, Paris und Brüssel begreifen? Die amerikanische Regierung hat einen Schritt in Richtung politische Vernunft vorgeführt, indem sie eine längst bestehende Realität – Jerusalem als Hauptstadt Israels – offiziell anerkannte. Kein deutscher Politiker hat sich bisher in ähnlich vernünftiger Weise dazu geäußert.
Auch Heiko Maas hat die Gelegenheit verpasst. Sein Besuch blieb befangen in den gewohnten Stereotypen. So schien auch die israelische Öffentlichkeit zu empfinden: In keiner der maßgeblichen Zeitungen des Landes war groß von seinem Hiersein die Rede. Nur die wenig gelesene Tageszeitung HaAretz (Auflage 70.000), an der ohnehin ein deutscher Medienkonzern (DuMont) mit 25 Prozent Aktienkapital beteiligt ist, veröffentlichte einen ausführlichen Artikel über den Antrittsbesuch des deutschen Ministers. Doch die landesweit wahrgenommenen Medien wie Yediot Acheronot, Israel HaYom oder Jerusalem Post haben Heiko Maas, falls überhaupt, nur höflichkeitshalber erwähnt.
Beitragsbild: A.Savin CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Ehrlich gesagt habe ich den aktuellen AM-Besuch nach den Steinmeier- und Gabriel-Blamagen auch nicht verfolgt um mich nicht unnütz aufzuregen. Wohltuend zu wissen, wie die großen israelischen Medien damit umgehen. Danke für den Kurzbericht Herr Noll.
„Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen.“ Diesen Satz hat Maas während seiner Ansprache in der Gedenkstätte Yad Vashem gesagt. Diese Aussage muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Der amtierende Außenminister-Darsteller wurde WEGEN AUSCHWITZ Politiker. Ein oder zwei Nummern kleiner ging es wohl nicht? Laut Wikipedia trat Maas 1989 der SPD bei. Und seine Entscheidung für diesen Schritt hatte damals also keine tagespolitischen Gründe, es war wohl auch nicht das Bedürfnis eines jungen Menschen, in den Ortsverband einer Partei einzutreten, um sich vor Ort in der Gemeinde, in der Stadt aktiv an der Kommunalpolitik zu beteiligen. Und natürlich war es auch nicht der Ehrgeiz eines Jurastudenten, der politisch reüssieren wollte. Nein, der junge Heiko fühlte sich mit 23 Jahren angetrieben von – Auschwitz. Und vermutlich gaben grade die schlaflosen Nächte, die er wohl wegen Auschwitz gehabt haben musste, ihm den nötigen Ansporn, bei den Jusos so richtig Karriere zu machen. Fast ist man geneigt zu sagen: Auschwitz sei Dank! In einem aber muss ich Maas doch sehr zustimmen: wenn er hinsichtlich Deutschland und Israel vom „Wunder unserer Freundschaft“ schwadroniert, dann halte ich es in der Tat für sehr ver-wunderlich, dass Israel die Beziehung zu Deutschland (wenn überhaupt jemals!) auch weiterhin als Freundschaft sieht, angesichts des deutschen Antisemit-, äh, ich meine angesichts des deutschen Bedürfnisses nach Israel-Kritik. Ob Maas bemerkt hat, dass es dieses tollen Wunders ohne den Holocaust nie bedürft hätte? Fazit: schon wieder vergeigt ein deutscher Politiker es in Israel. Ich komme langsam an den Punkt, an dem mich an den deutschen Peinlichkeiten rund um „die Juden“ einfach nichts mehr wundern kann.
Ich sage es mal so: Man kann darüber hinwegsehen.
Danke und weiter. Maas knüpft da an, wo "Gutedel" Steinmeier aufgehört hat. Eine mediale Flüstertüte, so leer wie hohl, eine geschmacklose Flüssigsemantik absondernd, die in der heissen Syntax Negev ratfatz verdunstet. Nichts von Bestand. Ein blutleerer Avatar. Schätze, daß sein letztes Machwerk, das Netzwerk-DG als Handlungmuster für die Lösung der Probleme der Israelis herhalten muss, mangels Inspiration, versteht sich. Outsourcing von Verantwortungslosigkeit. Der Bub hat eine grosse Brille.
Soweit ich es überblicke, war Israel immerhin das zweite Land, das Heiko Maas als Außenminister besucht hat. Nachdem Frankreich traditionell als Nr. 1 gesetzt ist, ist das durchaus ein Ausrufezeichen. Nun ist mir Herr Maas sicher nicht sympathisch, aber im Gegensatz zu Gabriel und Nahles bezeichnet er die Mullahs im Iran buw. die PLO nicht als alte (gute) Freunde. Und er hat Abbas auch nicht (wie Schulz) mit stehenden Ovationen bedacht, nachdem er die Israelis (im EU-Parlament) als "Brunnenvergifter" bezeichnet hat. Und Maas hat sogar moslemische Schüler dafür kritisiert, weil sie in Deutschland (!) eine jüdische Mitschülerin gemobbt haben. Natürlich hat er das Wort mit "m" gemieden, aber vielleicht stimmt das Sprichwort schon, wonach der liebe Gott jedem, dem er ein Amt gibt, auch Verstand gibt. Obwohl; das Amt hat er nicht von Gott, sondern von Merkel.
Es zeugt von unglaublicher menschlicher Grösse Benjamin Netanjaus und dem unendlichen Friedenswillen Israels, diesen Typen überhaupt einreisen zu lassen, ihm kostbare Zeit Bennys zu schenken und sogar nach Yad Vashem zu lassen. Ich bin mir sicher, dass HM die Grösse dieses Entgegenkommens nicht annähernd zu begreifen in der Lage ist.
Nur höflichkeitshalber erwähnen reicht doch schon. Der Mann war als Justizminister eine Katastrophe und ist als Außenminister nicht der Rede wert. Und das Deutschland, das er vertritt, zur Zeit eigentlich auch nicht. Es schmerzt mich, das schreiben zu müssen.