Anhand ihrer Facebookseite würde man nicht vermuten, dass es sich bei der „Tagesschau“ um eine Nachrichtensendung handelt. Statt Nachrichten gibt es dort nur Fotos und Überschriften („Tempolimit in Frankreich“, „12.000 Euro Strafe“) ohne Artikel. So werden die Leser nicht durch Text gestört, sondern können frei assoziieren, eine Art Rorschachtest. Diese Woche gab es dort u.a. ein Foto der US-Fahne mit dem Text: „987 Menschen durch Polizei getötet.“ Dazu hatte die Redaktion offenbar einen nachträglichen Einfall, den sie als Kommentar postete:
Zur Info: Dem Bericht zufolge waren 22 Prozent der Erschossenen männliche Afroamerikaner, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung der USA nur sechs Prozent ausmacht. 19 von ihnen waren demnach unbewaffnet, als sie von der Polizei getötet wurden. 2017 erschossen US-Polizisten dem Bericht zufolge insgesamt 68 Unbewaffnete. Laut US-Bundespolizei FBI wurden im vergangenen Jahr 46 Beamte im Dienst getötet.
Was will der Kommentar über „männliche Afroamerikaner“ sagen? Will die „Tagesschau“ auf die bedauerliche Tatsache aufmerksam machen, dass Angehörige dieser demografischen Gruppe in den USA weit überproportional straffällig werden? Will sie den Lesern Rechenaufgaben stellen („Wie viele der von der Polizei erschossenen männlichen Afroamerikaner waren bewaffnet?“)? Oder soll der Zahlenvergleich suggerieren, amerikanische Polizisten würden in großer Zahl gesetzestreue Bürger erschießen, weil diese eine dunkle Hautfarbe haben?
Die Gniffke-Doktrin
Wir könnten nur raten, hätte „Tagesschau“-Chefredakteur Kai Gniffke nicht verraten, welche Doktrin zur Anwendung kommt. Als der mutmaßliche Vergewaltiger und Mörder einer Freiburger Studentin, Hussein K., festgenommen wurde, fragten viele Zuschauer, warum die „Tagesschau“ darüber schweigt, während sie sehr wohl über Todesschüsse in den USA berichtet (sofern es sich bei den Erschossenen um Schwarze, bei den Schützen um weiße Polizisten handelt). Gniffke erklärte, worauf es ankommt:
Wenn in den USA Polizisten schwarze Bürger umbringen, im Einsatz töten … dann betrifft das ein gesellschaftliches Phänomen, nämlich das Phänomen der Rassendiskriminierung, das dahinter steckt, und das ist ja ein Thema, das gesamtgesellschaftlich in den USA so eine große Rolle spielt und auch diskutiert wird, deshalb ist das für uns ein Thema, das auch in der Tagesschau auftauchen kann. Anders war das für uns im Fall der getöteten Studentin. Dieser Fall ist fürchterlich, und wir sind überhaupt nicht gefühlskalt, aber es ist tatsächlich so, dass es sich um einen Einzelfall, einen Kriminalfall, gehandelt hat, der aus unserer Sicht eben nicht diese gesellschaftliche, diese nationale oder internationale Relevanz hat.
Die von der „Tagesschau“ auf Facebook präsentierte Statistik soll also glauben machen, amerikanische Polizisten würden gezielt „männliche Afroamerikaner“ erschießen – weil sie im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung überrepräsentiert sind. Vergessen wird, dass die Polizisten es bei Einsätzen, bei denen es zur Gewaltanwendung kommt, nicht mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung zu tun haben, sondern überproportional häufig mit Verbrechern.
Wollte man also feststellen, ob Polizisten beim Gebrauch der Schusswaffe nach der Hautfarbe „diskriminieren“, dürfte man als Referenzwert nicht den Anteil der jeweiligen Gruppe an der Gesamtbevölkerung heranziehen, sondern deren Anteil beim Verüben schwerer Straftaten. Laut der Statistik des FBI machten Schwarze im Jahr 2015 51 Prozent aller Mordverdächtigen aus und 53 Prozent derer, die eines Raubüberfalls verdächtigt wurden. Und von den 543 bekannten Tätern, die zwischen 2005 und 2016 einen Polizisten ermordet haben, waren 206 Schwarze, das sind 38 Prozent.
Auf das Weglassen kommt es an
Nicht minder wichtig – und von der „Tagesschau“ vergessen – ist, dass auch die Opfer von Gewaltkriminalität unverhältnismäßig oft Schwarze sind. 7.881 Schwarze wurden 2016 in den USA getötet; in 90 Prozent der Fälle waren andere Schwarze die Täter. Das bringt es mit sich, dass die Polizei überproportional oft in Viertel gerufen wird, die mehrheitlich von Schwarzen bewohnt sind, so dass es dort auch, statistisch betrachtet, häufiger zu Schießereien mit Gangstern kommt.
Die Hauptgefahr für das Leben der gesetzestreuen Bürger – die mehr als 97 Prozent der schwarzen Bevölkerung ausmachen – geht nicht von der Polizei aus, sondern von schwarzen Jugendlichen mit Pistolen (auch die von der „Tageschau“ zitierten Unbewaffneten sind übrigens weder per se unschuldig noch ungefährlich: Der Begriff erfasst auch alle, die versucht haben, einen Polizisten im Zweikampf zu überwältigen oder ihm die Waffe zu entreißen).
Fazit: Dass amerikanische Polizisten aus Gründen der „Rassendiskriminierung“ Schwarze erschießen, lässt sich aus der von der „Tagesschau“ veröffentlichten Statistik nicht folgern. Das Beispiel zeigt vielmehr, wie die „Tagesschau“ durch das Weglassen von Information erst die „Relevanz“ einer Nachricht erzeugt, die dann Rechtfertigung dafür ist, sich einem Thema zu widmen.
Bei den in Deutschland von muslimischen Migranten verübten Morden ist es genau umgekehrt: Weil die „Tagesschau“ sich verbietet zu erkennen, dass hinter Taten wie in Kandel, Oldenburg, Prien, Pforzheim, Köln, Hanau, Grafing oder Kiel – die zum Teil am helllichten Tag an belebten öffentlichen Orten vor den Augen von Kindern stattfanden – ein gesellschaftliches Phänomen steckt, macht sie daraus „Einzelfälle“ ohne „gesellschaftliche Relevanz“.
„Relevanz“ ist ein Codewort dafür, wie gut eine Nachricht ins Weltbild passt.
Beitragsbild: Magicwarrior1 CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Dass die sich noch nicht mal mal schämen. Unglaublich das alles.
Die journalistische Qualität der Tagesschau erreicht täglich neue Tiefststände. Die Berichte sind aber auch gleichzeitig entlarvend. So beschäftigte sich die gestrige TS mit Trumps angeblicher Bezeichnung einiger Länder als „Dreckslöcher“. Guter Journalismus wäre es gewesen, über die Behauptung zu berichten, sowie über Trumps Dementi. Alles weitere hätten man getrost dem Zuschauer überlassen können, insbesondere die moralische Einordnung. Aber nein, das wäre kein ÖR 2018. Daher musste sogleich ein UNO Funktionär zitiert werden, der zwar auch keine Ahnung hatte was Trump genau gesagt hat oder nicht, der sich aber felsenfest sicher war, dass es auf alle Fälle rassistisch war. Und damit nicht genug, obzwar die TS nur 15 Minuten lang ist, verwendete man weitere wertvolle Sendeminuten dazu, über das zu berichten, was andere Medienhäuser (natürlich allen voran CNN) darüber berichtet haben. Das Entlarvende daran ist, dass es die nabelschauende Echoverkammerung der sich seriös wähnenden „Leitmedien“ verrät: entscheidend ist nicht das Faktum bzw. Nichtfaktum, sondern nur was die „richtigen Leute“ darüber sagen. Womit im Ergebnis das Motto der TS lauten müsste: „Nachrichten sind passé, einzig die Meinung zählt“.
Übrigens, der Anteil der schwarzen Bevölkerung in den USA beträgt 12 bis 13% im Moment. Die 6% auf die man sich bezieht sind nur die männlichen, durch diesen faulen statistischen Trick wirkt die Zahl doppelt so hoch als sie bezogen auf den Bevölkerungsanteil eigentlich wäre. Frauen spielen in der Statistik fast keine Rolle, trotzdem werden sie hier nur bei den weißen mitgezählt. Das sollte dringend noch in dem Text erwähnt werden.
Das Problem kann doch nur gelöst werden, indem der Rundfunkbeitrag endlich abgeschafft wird. Dann sind Gniffke & Co. gezwungen, für ihre Art „Nachrichten“ auch zahlende Kunden zu finden. Ehe es allerdings soweit kommt, muss eine Regierung gewählt sein, die genau das auf ihre Agenda setzt. Mir fallen auf die Schnelle nur 2 Parteien ein, die das vorhaben. Oder eine der jetzt regierenden übernimmt diese Forderung aus populistischen Gründen, um nicht im Orkus der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden (Österreich lässt grüßen - der Wandel der ÖVP kam nicht von ungefähr!).
Meines Wissens und das des Internets machen Schwarze etwa 13% an der Gesamtbevölkerung aus und nicht 6% wie von der Tageschau beschrieben.
Diese Manipulationen der Zuschauer in den Öffentlich Rechtlichen sind erschreckend, weil sie für die meisten schwer durchschaubar sind. Selbst Beschwerden beim Rundfunkrat dürften fruchtlos sein. Noch einfacher lässt sich der Zuschauer beim Spielfilm in die Irre führen. Denn da kann man ihm unter dem Deckmantel der Fiktion noch viel mehr unterjubeln. Jüngstes Beispiel: Die letzten Teile "Tannbach" strotzen vor Ungereimtheiten und historischen Fehlern. Da werden zweimal Handgranatendepots der Amerikaner unmittelbar an der Demarkationslinie zwischen der Bundesrepublik und der SBZ / "DDR" thematisiert. Sie sind so schwachsinnig verbuddelt, dass ein (West-)Junge beim Spielen dabei zu Tode kommt. Dass aber an der Grenze von "DDR" - Genzgenossen tausende Minen vergraben und Menschen zerfetzt wurden und andere beim Fluchtversuch befehlsgemäß erschossen oder verwundet worden, thematisiert das streckenweise durchaus sehenswerte Fernsehdrama nicht. Die "Amis" müssen eben ihr Fett wegkriegen, da muß halt die Wahrheit hinterher hinken. Übel, oder?
Ebenfalls "vergessen" wird gerne, daß es bei der amerikanischen Polizei auch schwarze Polizisten gibt. Also die Meldung "US-Polizist erschießt Schwarzen Bürger" kann auch bedeuten: Schwarz erschießt Schwarz.