Die Süddeutsche recherchiert in Sachen Achse des Guten und Scholz & Friends. Spät, aber immerhin. Im Zuge der Recherche erreichte uns die unten folgende Anfrage. Wir möchten sie unseren Lesern nicht vorenthalten, mitsamt unseren Antworten auf die Fragen. Wer die Hintergründe nicht kennt, findet in unserem Dossier Denunziantengate die wichtigsten Achse-Beiträge zum Thema.
Hallo Herr Broder,
bitte entschuldigen Sie die Funkstille, hier war einiges los, und die tagesaktuellen Themen gingen vor. Jetzt aber Sie würden mir sehr helfen, wenn sie mir die folgenden Fragen beantworten könnten.
Gerne stichpunktartig (dann stimme ich die fertigen Zitate nochmal mit ihnen ab), gerne nur einen Teil davon, wenn Sie wenig Zeit haben.
Besten Dank im Voraus und viele Grüße, Simon Hurtz
1. Dirk Maxeiner schreibt, dass Sie "stapelweise Emails von Agenturen und Unternehmen" erhalten hätten, die nicht mehr bei Ihnen werben wollten, woraufhin Sie den Vertrag mit Ihrer Anzeigenagentur aufgelöst hätten. Unter dem Beitrag und in sozialen Medien haben daraufhin zahlreiche Leser angekündigt, sie finanziell zu unterstützen. Hält der Anzeigenboykott noch immer an? Und wenn ja, können Sie die Verluste durch die direkte Unterstützung Ihrer Leser kompensieren? Zusammengefasst: Kann man einen Monat später vielleicht sogar sagen, dass die Aktion von Hensel ein Eigentor war, was die Finanzierung von Achgut angeht?
Antwort: Dirk Maxeiner schreibt nicht, dass bei uns stapelweise E-Mails eingegangen sind. Dirk Maxeiner schreibt, dass diese E-Mails bei unserer Anzeigen-Agentur eingegangen sind. Sie hat uns daraufhin gebeten, den Vertrag mit ihr aufzulösen; das haben wir dann getan. Der Name der Achse des Guten ist dauerhaft bei Anzeigenkunden und Mediagenturen beschädigt, er steht seitdem auf sogenannten Blacklists, mit denen Unternehmen oder Agenturen die Werbung auf bestimmten Seiten ausschließen. Es gibt diese Listen, aber es ist sehr schwierig und zeitaufwendig herauszufinden, wo sie geführt werden. Noch schwieriger ist es, wieder von diesen Listen herunterzukommen. Der dafür notwendige Aufwand übersteigt unsere Möglichkeiten. Die Frage, wie sich der Vorfall insgesamt auf unsere Finanzierung auswirkt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten, das können wir frühestens in einem Jahr beurteilen. Und werden es Ihnen gerne mitteilen, sobald Sie uns Ihre Steuererklärung geschickt haben.
2. A propos Eigentor: Hensel hat seinen Job gekündigt - er sagt: Wegen den massiven Drohungen gegen ihn und seine Familie habe er sich und seinen Arbeitgeber "aus der Schusslinie" nehmen wollen. Beunruhigt es Sie, wie erbittert der Kampf um die politische Deutungshoheit insbesondere im Internet geführt wird? Wäre es in diesem Fall angebracht gewesen, deeskalierend einzuwirken auf Ihre Unterstützer einzuwirken (obwohl die Aktion natürlich von Hensel ausging)?
Antwort: Dass Hensel seinen Job gekündigt hat, ist eine Version, die er verbreitet. Dafür haben wir Verständnis, müssen es aber nicht glauben. Uns beunruhigt, mit welchen Mitteln Herr Hensel uns denunziert hat. Seine Agitation hat sich dann gegen ihn selbst gerichtet, dafür ist Herr Hensel ganz und gar selbst verantwortlich. „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“, heißt ein ewig gültiges Sprichwort. Herr Hensel ist in dieser Auseinandersetzung nicht das Opfer, sondern der Täter, so sehr er sich auch bemüht, diesen Zusammenhang umzukehren. Das möchten wir hier noch einmal in aller Deutlichkeit festhalten. Er hat die Achse des Guten in einen Topf mit Rechtsradikalen geworfen und hat versucht, die finanzielle Basis der Achse des Guten zu vernichten. Die einzige Möglichkeit, sich gegen solch eine Denunziation zu wehren, liegt darin, Öffentlichkeit herzustellen. Das haben wir getan. Was hat Herr Hensel erwartet? Beifall? Herr Hensel hatte alle Zeit der Welt, die Situation zu deeskalieren, indem er seine Vorwürfe zurücknimmt, die werbetreibende Wirtschaft entsprechend informiert und sich bei uns entschuldigt. Das hat er bis heute nicht getan. – Finden Sie es nicht frivol, den Opfern einer Attacke zu raten, sich um eine De-Eskalation zu bemühen, während der Täter sich in die Rolle des Opfers hineinfantasiert? Kommt Ihnen so was nicht bekannt vor? Wo haben wir das schon mal erlebt?
3. Scholz & Friends hat am 16. Dezember mit einer Stellungnahme reagiert, in der die Agentur sich klar von den "politischen Aktivitäten unseres ehemaligen Mitarbeiters Gerald Hensel" lossagt. Halten Sie diese Distanzierung für glaubwürdig und reicht Ihnen das als Signal aus?
Antwort: Die Stellungnahme kam viel zu spät, dadurch erweckte die Agentur den Eindruck, sie unterstütze ihren Mitarbeiter und seine Methoden. Auch Hensel hat alles getan, um einen solchen Eindruck zu erwecken, bis zu dem Moment, da er von sich aus „kündigte“.
4. Hätten Sie genauso reagiert, wenn Hensel Beamter, Bäcker oder Student gewesen wäre? Welche Rolle spielt es also, dass er bei einer Agentur arbeitet, wenn er selbst auf seinem privaten Blog eine solche Aktion initiiert? (Das ist ein Punkt, den Hensel mir gegenüber selbst hervorgehoben hat, deshalb frage ich danach.)
Anwort: Teil 1 der Frage: Beamte, Bäcker und Studenten denunzieren die Achse des Guten nicht, sie lesen sie eher. Allerdings wäre ein Aufruf, „rechte“ Seiten zu boykottieren, wohl auch im Walde ungehört verhallt, wenn er von einem Beamten, Bäcker oder Studenten gekommen wäre. Hensel hat bei allen seinen „privaten“ Aktivitäten immer auf seine einflussreiche Tätigkeit als Werber abgehoben. Und Kollegen aufgefordert, es ihm gleichzutun.
Teil 2 der Frage: Siehe oben. Die Agentur hat sich bis zum 16. Dezember nicht von Herrn Hensel distanziert. Herr Hensel arbeitete bei Scholz & Friends nicht als Pförtner, sondern als „Strategy Director“. S&F arbeitet unter anderem für die Bundesregierung und Bundesbehörden und hat sich um weitere Etats im Bereich der politischen Meinungsbildung bemüht. Wenn der „Strategy Director“ eines solchen Unternehmens versucht, die ökonomische Basis eines regierungskritischen Blogs zu vernichten, dann tangiert das unmittelbar Interessen seines Arbeitgebers und ist keine Privatangelegenheit mehr. Das scheint S&F inzwischen genauso zu sehen, sonst hätte man sich ja nicht getrennt. Hensel hat im Zusammenhang mit seinen Aktivitäten selbst immer wieder auf seinen Arbeitgeber Bezug genommen und sich seines beruflichen Netzwerkes bedient, ohne dass seitens von S&F dagegen eingeschritten wurde. S&F hat im Übrigen bis heute kein Gespräch mit uns in dieser Sache gesucht.
Beitragsbild: Coyau CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Ich habe mir die Sponsoren bei S&F angesehen und werde künftig deren Werbung / Produktwerbung explizit blocken; Patenschaft habe ich gerne übernommen.
Ich möchte den Ausführungen im Leserbrief des Herrn Janssen hier ausdrücklich zustimmen, denn so ist es.
So nicht, ihr Hensels, S&F oder wie ihr sonst noch heißt- auch ich bin seit diesem unsäglichen Geschehen Patin, damit die "Achse" weiterhin zur Informations- und Aufklärungssuche im politischen und gesellschaftlichen Geschehen beitragen kann. Christel Bosau
Auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist: Ich habe nach diesem "Vorfall" eine Patenschaft übernommen und bitte alle Leser/innen, dies ebenfalls zu tun. Ohne Blogs wie die "Achse" sähe unsere Informatinslandschaft trostlos aus.
Auch ich habe mich an der Diskussion im Internet beteiligt und diese intensiv verfolgt. Ich habe dies aus freien Stücken getan und auch die meisten Beiträge Gleichgesinnter empfand ich als selbst motiviert. Nicht wenige haben neue Aspekte und Sichtweisen eingebracht. Das hier von der Süddeutschen, wie auch von anderen Zeitungen und insbes. von anders denkenden Mitdiskutanten immer wieder, behauptet wird, wir seien fremd- oder von der Achse gesteuert, ärgert mich doch sehr stark! Sowenig ich eine Süddeutsche, eine Zeit oder ARD und ZDF brauche um mir sagen zu lassen, was ich denken und wie ich handeln soll, brauche ich eine Achse des Guten! Nur bietet die Achse eine Platform für Meinungen, die ich sonst nicht hören würde und die ich mit meiner Lebenserfahrung und Weltsicht häufig sehr plausibel finde und daher ihre Verbreitung fördere. Die Unterstützung ist für mich daher selbstverständlich sei es verbal oder finanziell. Damit haben wohl viele Zeitungen im Zeitalter des Wählerschwunds große Probleme. Ehrlich gesagt wäre es mir ziemlich egal, wenn sich Herr Broder oder Herr Maxeimer oder sonst wer mit der Achse eine goldene Nase verdienen würden....
"Scholz & Friends" - diesen Namen wird man sich auf lange, sehr lange Zeit merken müssen, als ein Beispiel dafür, wie es in unserer linken Republik unter Merkel mittlerweile zugeht...
" Finden Sie es nicht frivol, den Opfern einer Attacke zu raten, sich um eine De-Eskalation zu bemühen, während der Täter sich in die Rolle des Opfers hineinfantasiert? Kommt Ihnen so was nicht bekannt vor? Wo haben wir das schon mal erlebt?" Dazu paßt das Zitat von Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht." " Beamte, Bäcker und Studenten denunzieren die Achse des Guten nicht, sie lesen sie eher. " Genau so ist es und zwar mit großem Interesse und viel Freude, obwohl ich weder zu den Beamten, Bäckern und Studenten gehöre. Ich (und sicher auch die Leser der Achse) halten es mit Heinrich Hoffmann:"Der größte Lump......." Fazit, Herr Hensel hat sich mit seiner Aktion gegen die Achse ein faules Ei gelegt, was er nun nicht verspeisen will.