Die Auferstehung sozialistischer Mythen (3): Die Macht der Unterdrückung

Von Amos Zweig.

Dies ist der dritte Teil einer Reihe, die nach dem Eindruck einer Unterhaltung entstand, die ich mit einem Bekannten über den Kapitalismus und den Sozialismus führte. Mein Gesprächspartner hatte unter anderem die These aufgestellt, dass durch Ressourcenkriege, die Ausbeutung von Drittweltländern sowie Korruption in der Pharmaindustrie ähnlich viele Menschen bereits umgekommen seien wie im Sozialismus. Dies versuche ich mit dieser Beitragsreihe zu widerlegen. Im vergangenen Teil musste ich sowohl dem Kapitalismus als auch dem Sozialismus ein schlechtes Zeugnis hinsichtlich der Kriegsaffinität ausstellen.

Ich habe allerdings einen markanten Unterschied zwischen kapitalistischen und sozialistischen Systemen beobachtet: Es schien mir, dass die brutale und langanhaltende Unterdrückung der Bevölkerung öfter in sozialistischen Systemen vorkam als in kapitalistischen. Bei den Beispielen UdSSR, Volksrepublik China, Kambodscha, Nord-Korea und zu einem kleineren Grad auch Vietnam folgte auf die Machtübernahme der Sozialisten eine gezielte ideologische Säuberung, in der die Reichen sowie viele politische Gegner enteignet, öffentlich als Volksfeinde angeprangert, und in Arbeitslager geworfen oder exekutiert wurden. Die Unterdrückung jeglicher Kritik an der regierenden Partei und die permanente Suche nach und Vernichtung von Volksfeinden sind oft permanente Bestandteile des Regierungssystems in sozialistischen Ländern.

Kritiker des Kapitalismus würden hier vielleicht die Kolonisation als Gegenbeispiel anbringen. Ich streite nicht ab, dass die Kolonialmächte an vielen Orten die lokale Bevölkerung enteignet haben, die lokale Gesellschafts- und Wirtschaftsstruktur zerschlugen und Widerstand brutal unterdrückten. Ich weiß allerdings nicht, zu welchem Grad man diese Verbrechen zu Füßen des Kapitalismus legen kann und inwiefern andere Gesellschaftssysteme oder Ideologien auch noch zur Verantwortung zu ziehen sind. Und von Arbeitslagern und Massenexekutionen habe ich im Zusammenhang mit der Kolonisation noch nie gehört. Zwischen 1917 und 1991 fiel mir der oben beschriebene Trend jedenfalls vermehrt bei sozialistischen Regimen auf.

Um einen quantitativen Vergleich von Kapitalismus und Sozialismus hinsichtlich der Unterdrückung der eigenen Bevölkerung zu machen, werde ich in diesem Abschnitt im Detail die USA und die UdSSR zwischen 1917 und 1991 bezüglich Konzentrationslagern, Zwangsarbeit, systematischer Vernichtung, Exekution und Enteignung vergleichen. Ich werde nicht auf Zwangsrekrutierung, Sklaverei und die Indianerkriege eingehen. Zwangsrekrutierung gab es in beiden Systemen, und die Sklaverei (respektive Leibeigenschaft) wurde in beiden Ländern in den 1860ern abgeschafft. Die Vertreibung und Vernichtung der Indianer, die ein fürchterliches Kapitel der US-Geschichte darstellt, hat aus meiner Sicht eher mit der Formung des Großstaates USA zu tun als mit der Unterdrückung der eigenen legalen Bevölkerung. Sie ist daher eher mit der gewaltsamen Expansion des Großfürstentums Moskau gegen Osten vergleichbar, die Schritt für Schritt zur Annexion von ganz Sibirien und zur Formung des Großstaates Russland geführt hat.

Konzentrationslager in den USA

In den USA wurden während des Ersten Weltkriegs circa 250.000 Deutsche oder Personen mit deutscher Herkunft unter Beobachtung gestellt. 6.300 wurden verhaftet und verhört und 2.048 wurden von 1919 bis 1920 in Lagern inhaftiert. Circa 2.000 Besatzungsmitglieder von Handelsschiffen wurden ebenfalls in Lagern festgehalten. Güter und Patente im Wert von circa 1 Milliarde US-Dollar wurden von Deutschen Privatpersonen und Firmen konfisziert.

Im Zweiten Weltkrieg wurden circa 11.507 Personen deutscher Abstammung und 110.000 - 120.000 Personen japanischer Abstammung in Konzentrationslagern festgehalten. 62 Prozent der Personen japanischer Abstammung waren US-Bürger. Wie in einer Untersuchung von 1980 klar wurde, wurden viele der japanischstämmigen Personen eher aufgrund von Rassismus inhaftiert, als dass sie eine tatsächliche Gefahr darstellten. 1988 entschuldigte sich die US-Regierung bei den betroffenen Japanern und deren Nachkommen und zahlte ihnen ein Äquivalent von 3,39 Milliarden heutigen US-Dollar an Reparationszahlungen.

Während des zweiten Weltkiregs wurden auch noch 2.200 Personen japanischer Abstammung und 4.500 Personen deutscher Abstammung aus Südamerika in US-Konzentrationslager gebracht. 1881 Italiener oder italienischstämmige US-Bürger wurden ebenfalls in Lagern festgehalten. Total also circa 144.000 Personen. Die USA hatte zu diesem Zeitpunkt eine Bevölkerung von 140 Millionen. Dies bedeutet also insgesamt 0,1 Prozent Personen in Konzentrationslagern. Die meisten festgehaltenen Personen wurden bis und mit 1945 freigelassen, bis Ende 1948 waren alle wieder frei. Viele von ihnen hatten jedoch all ihr Hab und Gut verloren.

Liste komplett, Auftrag erfüllt

Aber bei aller dabei verübten Ungerechtigkeit kann die Lagerproblematik der USA wirklich in keiner Art und Weise mit der Terrorisierung der eigenen Bevölkerung durch die Regierung der UdSSR verglichen werden. Wikipedia schreibt: Von 1930 bis 1953 waren in den Lagern mindestens 18 Millionen Menschen inhaftiert. Mehr als 2,7 Millionen starben im Lager oder in der Verbannung. In den letzten Lebensjahren Stalins erreichte der Gulag mit rund 2,5 Millionen Insassen seine größte quantitative Ausdehnung. Fachleute gehen heute davon aus, dass insgesamt rund 28,7 bis 32 Millionen Menschen in der Sowjetunion Zwangsarbeit zu verrichten hatten. Sogar bei der maximalen Population der UdSSR von 290 Mio. im Jahr 1991, ergibt dies 10 bis 11 Prozent der gesamten Bevölkerung. 0,9 Prozent der gesamten Bevölkerung starben alleine in den Arbeitslagern.

Diese Zahl beinhaltet allerdings nicht die direkten Exekutionen. Allein während des "Großen Terrors", 1936–1938, wurden je nach Quelle 681.000 bis 750.000 Menschen exekutiert. Dies entspricht ca. 0,4 Prozent der gesamten damaligen Bevölkerung!

Während in den USA im Ersten und Zweiten Weltkrieg Personen, die direkt vom Feindesland abstammten, verdächtigt und teilweise ungerecht inhaftiert wurden, konnte in der UdSSR jeder zu jedem Zeitpunkt inhaftiert werden. Studenten, Ingenieure, Religiöse, jeder der jemals einer anderen politischen Partei zugehörig oder sympathisch war, sogar bevor es die Sozialisten überhaupt gab, stand unter Generalverdacht. Jeder, der einmal im Ausland war oder Briefkontakt mit jemandem im Ausland hatte, ja sogar sowjetische Soldaten, die im Ausland in Kriegsgefangenschaft gerieten, wurden alle nach ihrer Rückkehr in die Arbeitslager geworfen. Unabhängig davon, ob sie mit den Alliierten gegen Essen kooperierten oder ihrem eigenen Land treu blieben und hungerten, kamen alle nach ihrer Rückkehr für zehn Jahre in die Arbeitslager. Viele Menschen wurden auch einfach zufällig verhaftet. Fehlte zum Beispiel bei einem Gefangenentransport eine Frau von der Liste, so schnappten sie sich einfach eine Frau von der Straße. Liste komplett, Auftrag erfüllt.

Salziges Essen und kein Wasser

Es ist wahr, dass in den USA vielleicht 144.000 unbescholtene Bürger durch Inhaftierung in Konzentrationslagern enteignet wurden. In der UdSSR wurden jedoch alleine zwischen 1929 und 1933 zwei Millionen Kulaken enteignet und deportiert. Ein Kulak ist ein nicht ganz so armer Bauer, sprich ein Mitglied der Bourgeoisie, sprich ein Ausbeuter und Volksfeind. Zwei weitere Millionen Kulaken wurden zwangsumgesiedelt. Circa 600.000 starben dabei an Krankheit, Hunger, und Exekution. Circa 4 Millionen Menschen verhungerten in der anschließenden Hungersnot in der Ukraine, die mit dem Namen Holodomor in die Geschichte einging. In einer anderen regierungsverursachten Hungersnot verhungerten in der UdSSR von 1921 bis 1922 weitere 5 Millionen Menschen.

In den USA gab es von 1933 bis 1974 ein Goldverbot. In dieser Zeit kam es zu Hausdurchsuchungen, dem Aufbrechen von Bankschließfächern, zu massiven Verstößen gegen das Eigentumsrecht also. In der UdSSR gab es allerdings auch eine Goldkonfiszierung. Diese begann 1929 und funktionierte folgendermaßen: Jeder der je ein privates Geschäft besaß oder sonst irgendwie reich gewesen war, jeder Goldschmied oder Zahnarzt, sowie jeder, der für Goldbesitz denunziert wurde, wurde direkt verhaftet und ins Gefängnis gesperrt. Dort gab es kein Wasser und nur sehr salziges Essen. Wasser kriegte man nur, wenn man sein verstecktes Gold preisgab. Wer kein Gold hatte, war verloren.

Während japanische Gefangene in US-Konzentrationslagern diverse Baseball- und Footballteams bildeten, schufteten Millionen von russischen Inhaftierten in mehr oder weniger normaler Kleidung bei -50°C und mangelhafter Ernährung in den Goldminen der Kolyma. Gemäß einer Dokumentation schliefen sie in Holzbaracken, wo ihre feuchten Haare teilweise in der Nacht an den Brettern anfroren, weil es so kalt war (Doku: 48:21). Ein Gefangener berichtete, aufgrund von Skorbut 13 Zähne verloren zu haben (Doku; 58:21).

Wer mehr über die absolut unvorstellbaren Zustände wissen will, unter denen die gesamte Bevölkerung der UdSSR litt, der soll einmal ein paar hundert Seiten von A. Solschenizyns Werk Der Archipel Gulag lesen. Aus meiner Sicht sollte dieses Werk in jedem Land zur Pflichtlektüre gehören. Eine gewisse Kenntnis der fürchterlichen Verbrechen Maos und Pol-Pots sollte ebenfalls in keiner Grundbildung fehlen.

Wenn man immer wieder das Gleiche tut ...

Anhand all dieser schrecklichen Zahlen und Vergleiche sollte es meiner Meinung nach eindeutig bewiesen sein, dass der Sozialismus als politisches und wirtschaftliches System zu viel schlechteren Lebensbedingungen führt als der Kapitalismus. Das heißt nicht, dass der Kapitalismus perfekt ist, aber er ist definitiv weniger schlimm als der Sozialismus. Und wer dies immer noch bestreitet, der soll mir bitte eine Zeit in der Geschichte nennen, wo die Mehrheit der Flüchtlinge weltweit nicht aus sozialistischen Staaten raus und in kapitalistische Staaten hinein zu gelangen versuchte. Eigentlich sollte diese Tatsache alleine schon reichen, die ganze Frage definitiv zu beantworten.

Und wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendeine Art von Sozialismus, die anders ist als alle, die bisher versucht wurden, und die sehr toll wäre. Ich kann mir dies nicht vorstellen, aber vielleicht ist es ja so. Aber wer keine genaue Vorstellung hat, wie die fürchterlichen wirtschaftlichen und unterdrückerischen Katastrophen der bisherigen Versuche in Zukunft vermieden werden können, wer nicht immerhin eine logisch konsistente Theorie hat, wieso die bisherigen Versuche schiefgingen und wie ein neuer Versuch sich gegen genau dieses Schiefgehen absichern könnte, der sollte meiner Meinung nach sehr vorsichtig sein, bevor er sagt: „Der Sozialismus wurde noch nie richtig probiert.“ Denn diese Aussage impliziert, dass es eine gute Idee wäre, es noch einmal zu probieren, bloß diesmal richtig. Aber wenn man nicht weiß, was man diesmal anders machen muss, dann wird es mit größter Wahrscheinlichkeit wieder genau gleich rauskommen. Wieso sollte es auch nicht? Auch hier gilt der vielgeliebte Spruch: „Wahnsinn ist, wenn man immer wieder das Gleiche tut, aber ein anderes Resultat erwartet.“

Den ersten Teil dieses Beitrages lesen Sie hier.

Den zweiten Teil dieses Beitrages lesen Sie hier.

Amos Zweig hat an der ETH Zürich Ingenieurswissenschaften mit einem Schwerpunkt auf Robotics und Artificial Intelligence studiert und beschäftigt sich auf einem eigenen Blog mit philosophischen und ethischen Fragen.

Quellen

https://www.heritage.org/index/book/chapter-4

www.econlib.org/library/Enc/EconomicFreedom

https://www.globalhungerindex.org/de/results/

https://www.heritage.org/index/heatmap

SOVIET HEALTH CARE FROM TWO PERSPECTIVES by Diane Rowland and Alexandre V. Telyukov

Soviet Health Care System - DAVID S. FRIEDENBERG

https://www.reddit.com/r/AskHistorians/comments/73aiiu/what_was_healthcare_like_in_the_soviet_union/

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Kriegen_und_Schlachten_im_20._Jahrhundert

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Milit%C3%A4roperationen_Russlands_und_der_Sowjetunion

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_concentration_and_internment_camps#United_States_of_America

https://en.wikipedia.org/wiki/Internment_of_Japanese_Americans

https://en.wikipedia.org/wiki/Internment_of_German_Americans

https://en.wikipedia.org/wiki/Internment_of_Italian_Americans

https://de.wikipedia.org/wiki/Gulag

https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Terror_(Sowjetunion)

https://de.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_Sowjetrussland_1921%E2%80%931922

https://de.wikipedia.org/wiki/Holodomor

https://de.wikipedia.org/wiki/Entkulakisierung

A. Solschenizyn – Der Archipel Gulag – 1973

https://youtu.be/oo1WouI38rQ

https://en.wikipedia.org/wiki/Mao_Zedong

https://en.wikipedia.org/wiki/Khmer_Rouge

https://en.wikipedia.org/wiki/Pol_Pot

https://pixabay.com/de/photos/leistung-bar-gesch%C3%A4ft-diagramm-18134/

https://pixabay.com/de/photos/kommunismus-kommunist-hammer-moskau-17071/

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sybille eden / 14.09.2019

Sehr richtig Herr Jungnickel !  Im Grunde gibt es weder einen “Kapitalismus” noch einen “Sozialismus”, beides sind Propagandabegriffe der Linken. Marx hat den Begriff Kapitalismus propagiert, um die damals noch freie Marktwirtschaft zu diffamieren und somit zu bekämpfen. Und die Sozialreformer erfanden für sich den Namen” Sozialisten”, um glauben zu machen, sie seien sozial, also gut und gerecht. Der Begriff Kapitalismus ist äusserst infam und perfide, soll er doch suggerieren, daß es in einer Marktwirtschaft nur um die “Produktion” von Kapital geht. Herr ZWEIG , ihre Gegenüberstellung ist zu oberflächlich und zeitgeistig, es müsste die OFFENE GESELLSCHAFT mit ihrer freien MARKTWIRTSCHAFT, und die TOTALITÄRE, GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT mit ihrer gelenkten PLANWIRTSCHAFT gegenübergestellt werden ! Alle anderen Begriffe sind Erfindungen des linken “Klassenkampfes” und historisch falsch. Denn sie wissen doch sicher : wer die Deutungshoheit der Sprache in der gesellschaftlichen Ausseinandersetzung hat schreibt die Geschichte. Und das haben, leider, seit über 100 Jahren die LInken !

Karla Kuhn / 14.09.2019

Herr Paffendorf, “Alexander Solschenizyn schrieb in seinem Archipel Gulag, die Zustände in den Lagern der Bolschewisten seien schlimmer gewesen als die in den nationalsozialistischen. ”  Das Buch habe ich gerdezu verschlungen, wurde doch in der DDR mit keinem Wort darüber berichtet.  Obwohl ich glücklicherweise weder im Gulag noch in einem KZ war, ist die Beschreibung der Zustände in beiden Lagern NICHT miteinander zu vergleichen. Hier wie dort wurde gemordet, in Konzentrationslagern wurden JUDEN teils VERGAST, nur weil sie Juden waren, da wurde auch nicht vor KINDERN halt gemacht.  Ich vergleiche das immer mit Gift, Botulinum soll giftiger sein als…. EGAL BEIDE SIND GIFT !!!

Rainer Möller / 14.09.2019

Zweig hat vollkommen recht, dass die Lagerverhältnisse in den USA nicht mit denen in der UdSSR vergleichbar waren. Aber er zeigt nicht auf, ob und wieso dieser Unterschied systembedingt war. Kann er das aufzeigen? Ich kann mir problemlos einen Kapitalismus vorstellen, in dem 15 Prozent der Bevölkerung auf Dauer als Volksfeinde in Arbeitslager gesteckt werden. Die regierenden Parteien des Westens wären damit einverstanden, die großen Unternehmen wären damit einverstanden - warum also nicht?

peter luetgendorf / 14.09.2019

Lieber Herr Zweig, die unterschiedliche Behandlung von Kriegsgefangenen könnte auch ein Thema werden. Gruß

Gerhard Hotz / 14.09.2019

Man muss zwischen Kapitalismus und Sozialismus, linken und rechten Ideen, die richtige Balance finden, beide integrieren. Man braucht ein linkes u n d ein rechtes Bein, um gehen zu können (Ernst Jünger). Im schrankenlosen Kapitalismus dominieren die Reichen und Schlauen, die Armen gehen unter. Im uneingeschränkten Sozialismus werden die Fleissigen und Innovativen entmutigt, die Gesellschaft stagniert. Man muss denjenigen, die nicht mithalten können, helfen, aber nicht zu sehr, denn Arbeit muss sich lohnen, und man muss die Reichen zugunsten der Armen schröpfen, aber nicht übermässig, sonst wandern sie aus.

Werner Arning / 14.09.2019

Doch, ich glaube Angela Merkels Vater ging 1962 mit seiner Familie freiwillig von einem kapitalistischen in ein sozialistisches System. Also gab es doch den ein oder anderen, der dem umgekehrten Weg folgte. Die Leute von der RAF gingen auch freiwillig in die DDR. Da fühlten sie sich weniger verfolgt. Von den Polizisten des Kapitalismus. Und von faschistoiden staatlichen Strukturen. Es gibt sie, die Freiwilligen des Sozialismus. Einen Brillenträger aus Kambodscha durfte man während der dortigen sozialistischen Blütezeit natürlich nicht fragen, was er vom Sozialismus hält. Da würde man wohl eine dumme Antwort bekommen haben, falls er diese zu geben, überhaupt noch in der Lage gewesen wäre.

Marcel Seiler / 14.09.2019

Vielen Dank dem Autor (und Achgut) für diese Artikelserie!

Wilfried Paffendorf / 14.09.2019

Alexander Solschenizyn schrieb in seinem Archipel Gulag, die Zustände in den Lagern der Bolschewisten seien schlimmer gewesen als die in den nationalsozialistischen. Das ist schon alleine wegen der klimatischen Bedingungen im Norden des europäischen und asiatischen Rußlands nachvollziehbar. Und im Bolschewismus gab es - etwa im Gegensatz zum Nationalsozialismus - keine Ethnie, keine religiöse gesellschaftliche Gruppe, keinen sozialen Stand und keine Berufsgruppe, die nicht eine Zeit lang dem Verdacht der “Konterrevolution” und Subversion und somit brutalster Verfolgung und Ausrottungsversuchen unterworfen wurde.

Dr. Gerd Brosowski / 14.09.2019

Empfehlenswert ist auch das Buch des englischen Historikers Orlando Figes: “Die Flüsterer, Leben in Stalins Russland”, deutschsprachige Ausgabe erschienen im Berlin- Verlag, Berlin. Meine Ausgabe stammt aus dem Jahr 2008; ich hoffe sehr, dass das Buch noch erhältlich ist. Es handelt sich um ein breit angelegtes Portrait der russischen Gesellschaft zur Zeit Stalins; es besteht aus Dutzenden von Erzählungen einzelner Personen, jede dieser Erzählungen wäre es wert, Grundlage eines historischen Romans zu sein. Wer das Buch einmal gelesen hat, wird es immer wieder zur Hand nehmen.

Thomas Taterka / 14.09.2019

Ungebremst - verwandelt der Kapitalismus die Welt in ein moralisch verwaistes Dienstleistungs - Hurenhaus, der Kommunismus hingegen in eine finstere Strafanstalt von paranoiden Insassen und sadistischen Vollzugsschergen. Lieber Amos, ich bin ganz sicher , daß eine Unterhaltung mit Ihnen nicht der Gefahr ausgesetzt ist ,langweilig und flach zu werden und freue mich auf Ihre nächste Textvergabe. Bis dahin habe ich hoffentlich Gelegenheit, Ihre zahlreichen Quellenangaben zu studieren, die Sie, Gott sei Dank, nicht in den Text ,sondern in den Anhang gestellt haben. Verbindlichsten Dank für die blitzgescheite Lektüre ! ( Ich liebe intellektuelle Bergtouren bei herbstlichem , klaren Hochdruckwetter. Können Sie bestimmt verstehen, - ODER ? )

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