Amos Zweig, Gastautor / 21.06.2020 / 14:00 / Foto: Pixabay / 7 / Seite ausdrucken

Coop-Meinungsfreiheit

Es gibt mittlerweile fast täglich Fälle, in denen das Recht auf freie Meinungsäußerung verletzt wird. In der Schweiz z.B. nahm Coop (Einzel- und Großhandelsunternehmen der Schweiz, Anm. d. Red.) kürzlich die Rapunzel-Produkte aus dem Sortiment. Grund: Der Rapunzel-Gründer hatte sich kritisch über die Corona-Maßnahmen geäußert. Am vergangenen Samstag trafen in Zürich rund 10.000 Black-Lives-Matter-Demonstranten auf circa 50 Demonstranten gegen die Corona-Einschränkungen. Die BLM wurde teilweise übergriffig und vertrieb die kleinere Partei. Ein Dozent der Fachhochschule St. Gallen äußerte sich auf Facebook kritisch gegen die Ehe für alle. Daraufhin forderten einige, er solle fristlos entlassen werden.

Diese und ähnliche Vorfälle haben eines gemeinsam: Die Äußerung einer Meinung wird physisch geahndet. Jemand sagt etwas, und andere wollen ihn deshalb entweder tätlich angehen, oder ihm seine Lebensgrundlage entziehen. Egal was man zu den einzelnen Themen denkt, diese Tatsache ist extrem problematisch!

Denn wenn es in einer Gesellschaft eine Meinungsverschiedenheit gibt, dann gibt es nur drei Möglichkeiten damit umzugehen: Man kann getrennte Wege gehen, man kann miteinander reden, oder man kann kämpfen. Wenn man jemanden also daran hindert, zu sagen was er denkt, dann gibt es noch separieren oder kämpfen. Eine friedliche Auftrennung existierender Länder kommt allerdings heute für die meisten Leute kategorisch nicht infrage. Bleibt also noch kämpfen. Dies kann natürlich für die stärkere Partei kurzfristig angenehm sein. Denn wenn man die Anderen einfach unterdrückt, dann muss man sich nicht mit ihren mühsamen Kritikpunkten auseinandersetzen.

Nur die Lüge braucht Gewalt als Krücke

Langfristig ist dies allerdings sehr problematisch. Denn sollten die Anderen etwas Wahres zu sagen haben, dann ist es für die Gesellschaft ein Verlust, sie nicht zu hören. Ist ihre Botschaft jedoch falsch, dann ist es am besten, sie in einem offenen Diskurs zu widerlegen. Egal, ob wahr oder falsch, Meinungen zu unterdrücken kann langfristig sehr gefährlich sein. Denn die Unterdrückung einer Überzeugung löscht diese nicht etwa aus, sondern verfestigt und radikalisiert sie oftmals umso mehr. Durch die Unterdrückung kann auch eine falsche Theorie leicht an Zulauf gewinnen, denn die Unterdrückung ist echt und wird dann gerne als „Beweis“ angebracht. Da dies alles im Untergrund stattfindet, weiß die Gesellschaft nicht, was da im Verborgenen gärt und heranwächst, bis es sich dann irgendwann in Gewalt entlädt.

Wir sehen also, dass es in jedem Fall besser ist, Anderen ihre freie Meinungsäußerung zu lassen. In einem offenen Diskurs wird sich stets die Wahrheit durchsetzen, nur die Lüge braucht Gewalt als Krücke. Versucht also jemand, die freie Meinungsäußerung Anderer durch physische Maßnahmen zu unterbinden, so hat er entweder dieses Argument noch nicht bedacht, oder seine Motive sind vielleicht nicht so rein, wie er selbst glaubt oder behauptet.

Ich sage hier natürlich nicht, dass die Handelskette Coop eine Diktatur anstreben will. Firmen, Institutionen und Politik tun bloß, was der öffentlichen Meinung gefällt. Die Verantwortung liegt in jedem Fall bei uns, der Bevölkerung selbst. Wir müssen uns wieder auf den zentralen Wert der freien Meinungsäußerung besinnen und uns bewusst Mühe geben, auch Menschen mit anderen Meinungen leben und sprechen zu lassen. Dies ist nicht immer angenehm, denn es kann kurzfristig zu heftigen verbalen Konfrontationen kommen. Aber es ist allemal besser, als wenn das Argument unterdrückt und dann in Zukunft mit Gewalt ausgetragen wird.

 

Amos Zweig, geb. 1990, absolvierte seinen Master in Maschinenbau an der ETH Zürich und arbeitet als freier Journalist. Seinen Blog finden Sie hier.

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Leserpost

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beat schaller / 21.06.2020

Herr Zweig, ich stimme Ihrer Meinung zur freien Meinungsäusserung zu. Ob Coop aber eine Diktatur oder was auch immer anstreben will, das interessiert mich eigentlich nicht.  Ich kann zum Glück selber entscheiden wo und was ich kaufe.  Ich kaufe keinen VW, keinen Audi, keinen Porsche, Mercedes oder BMW, weil mir die Schleicherei und die Bescheisserei nicht passt. Damit hat sich’s dann für mich. Den Rest besorgt der Markt ganz alleine. b.schaller

Andi Nöhren / 21.06.2020

Coop Schweiz und die Ihresgleichen: Die Eliten aus der Politik und die Eliten aus der Wirtschaft machen immer gemeinsame Sache. Sie haben die gleichen Interessen. Für beide Gruppen sind die Untertanen nur Menschen, die arbeiten, konsumieren sollen zum Nutzen der Anteilseigner und zum Abführen von Steuern.

F. Auerbacher / 21.06.2020

Wenn ich Sie richtig verstehe argumentieren Sie für Meinungsfreiheit, weil es nicht gut bzw. sogar unmöglich sei, die Wahrheit zu unterdrücken. “Wir sehen also, dass es in jedem Fall besser ist, Anderen ihre freie Meinungsäußerung zu lassen. In einem offenen Diskurs wird sich stets die Wahrheit durchsetzen ...” Diese Vermischung von Wahrheit und Meinung verdunkelt das Problem statt es zu erhellen. Meinungen sind nicht wahrheitsfähig und Wahrheiten nicht meinungsfähig (so zumindest der Tenor einer beeindruckenden Reihe von Denkern wie Hume, Moore Weber und anderen). Was die Idee des “offenen Diskurs” anlangt, will ich gar nicht erst anfangen zu argumentieren. Sogar Habermas hat zugegeben, dass so etwas nur theoretisch möglich ist.

Enrique Mechau / 21.06.2020

Natürlich wollen die Gegner der freien Meinungsäußerung die Diktatur, nämlich ihre! Nur mit ihrer Meinung versehen, basta! Dass so etwas in der Schweiz möglich ist, seltsam. Bisher dachte ich das sei ein ausschließlich deutsches Problem. Aber wie gesagt. die Politbagage gehört in die Wüste geschickt und die Großkonzerne zerschlagen und in beherrschbare Einheiten überführt.

Giovanni Brunner / 21.06.2020

Sehr geehrter Herr Zweig, Sie schrieben, dass Firmen, Institutionen und die Politik bloß tun, was der öffentlichen Meinung gefällt. Dem widerspreche ich entschieden! Sie tun dies was einer lautstarken, teilweise in Sprache und Verhalten aggressiven Minderheit gefällt. Die Mehrheit der Bevölkerung hat mit Gender Gaga, Klimaschwachsinn, blödsinnigen Rassismus und gegen Rääächts Diskussionen nichts am Hut. Es geht Ihnen am A. vorbei. Die Frage ist doch nun, wieso knicken Firmen, Institutionen und Politiker vor diesen Vollhonks ein? Warum ignorieren Sie diese Ansammlung von Koffern nicht,  oder aber warum wehren sie sich nicht und zahlen mit gleicher Münze zurück?

Wolf Hagen / 21.06.2020

Solange es keine echte Meinungsfreiheit in Deutschland gibt, wie etwa in den USA, ist es mittlerweile zu spät für den echten Diskurs. Zulange schon wird in Deutschland, unter zur Hilfenahme fadenscheiniger Argumente und verfassungswidriger Gesetze, zensiert. Und genau das ist, in einer von Linksextremen durchsetzten Gesellschaft, auch gewollt.

Volker Seitz / 21.06.2020

Ich stimme Ihrer Argumentation zur freien Meinungsäußerung zu.  Aber RAPUNZEL -  Produkte kaufe ich nicht mehr, seit ich weiß, dass die Firma den Abmahnverein Deutsche Umwelthilfe ( DUH) finanziell unterstützt und damit wirbt bzw. geworben hat.

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