Amos Zweig, Gastautor / 25.10.2019 / 12:30 / Foto: Oixabay / 18 / Seite ausdrucken

Die Ressource “Köpfchen” ist unendlich

Von Amos Zweig.

In letzter Zeit höre ich oft das Argument, dass unendliches Wachstum auf einer endlichen Welt nicht möglich ist und dass darum der Kapitalismus zum Scheitern verurteilt ist und früher oder später zusammenbrechen wird. Oft wird diese Aussage einfach so hingestellt wie eine mathematische Ungleichung, die so offenkundig ist, dass sie keiner weiteren Ausführung bedarf. Wie die meisten propagandistischen Aussagen hängt sie eine falsche Schlussfolgerung an eine intuitiv logisch klingende Aussage, um die Schlussfolgerung zusammen mit der intuitiven Akzeptanz der ersten Aussage durchzuschmuggeln.

Der jeweils implizierte Grund hinter der Aussage, dass unendliches Wachstum unmöglich ist, ist der Ressourcenverbrauch. Ressourcen sind endlich, also kann man logischerweise nicht immer mehr davon verbrauchen. Hier wird gerne der Ökologische Fußabdruck angeführt, dass zum Beispiel Deutschland mindestens drei Erden bräuchte, um seinen momentanen Ressourcenverbrauch nachhaltig zu decken. Ferner kommt noch hinzu, dass der Ressourcenverbrauch oft direkt mit Umweltschäden in Verbindung gebracht wird, und Umweltschäden, so wird argumentiert, entziehen uns die Lebensgrundlage der Zukunft, machen das Problem also noch schlimmer (siehe auch hier, hier, hier, hier und hier).

Als erstes muss man hierzu sagen, dass Ressourcenverbrauch nicht zwingend mit Umweltschädigung einhergehen muss. Dies kommt natürlich darauf an, wie und mit welcher Technologie die Ressourcen eingesetzt werden. Filter und Katalysatoren kommen einem zum Beispiel in den Sinn. Des Weiteren scheint mir die Katastrophenstimmung, was Ressourcen angeht, absolut nicht angebracht. Auf fossile Brennstoffe gehen wir in einem späteren Abschnitt noch genauer ein. Aber grundsätzlich befindet sich Materie in einem ewigen Kreislauf. Ressourcen werden abgebaut, konsumiert, ausgeschieden, und regenerieren sich wieder. Fäkalien sind Dünger, CO2 in der Luft beschleunigt das Pflanzenwachstum, diverse Abfälle können recycelt werden, sprich: sind selber wieder Ressourcen für andere Produkte.

Solange es allerdings günstiger ist, die Ressourcen direkt abzubauen, anstatt sie zu recyceln, werden sie auch so gewonnen werden. Je mehr sich dieses Kostenverhältnis jedoch wandelt, umso mehr wird natürlicherweise recycelt werden. Nun sagen ein paar Verfechter des obigen Arguments natürlich, dass dies zwar vielleicht für Kupfer und Eisen stimmt, aber nicht für alle Ressourcen. Seltene Erden zum Beispiel werden teilweise in so kleinen Konzentrationen eingesetzt, dass man sie nicht recyceln kann. Vielleicht wird man aber, wenn ihr Preis genügend steigt, extra eine neue Technologie hierfür entwickeln. Und wenn es wirklich unmöglich sein sollte, dann gilt alles, was wir weiter unten über fossile Energieträger sagen werden, im übertragenen Sinn auch für diese Materialien.

Nicht mehr, sondern besser

Trotzdem stimmt der Einwand, dass man nicht immer mehr Ressourcen gleichzeitig verbrauchen kann. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Wirtschaft nicht immer weiter wachsen kann. Es würde dies nur bedeuten, wenn Wachstum nichts anderes wäre, als mehr des exakt Selben zu tun, was wir gerade heute tun. Dies ist aber nicht so. Ich will zum Beispiel nicht immer mehr Smartphones haben, ich will vor allem ein besseres Smartphone haben. Und wenn die alten Smartphones recycelt und zu neuen, besseren Smartphones gemacht werden, dann ist das auch Wachstum. Ich will auch nicht mehr Medikamente haben, sondern bessere, und genau gleich verhält es sich mit vielen Dingen. Natürlich, bei Wohnungen, zum Beispiel, gilt oft: Größer ist besser – aber meine Wohnung kann auch größer werden, indem ich einen Esstisch kaufe, den ich nach Gebrauch zu einem Couchtisch zusammenfalten kann.

Man kann die Wertschöpfung also unendlich weiter steigern, ohne dafür mehr Materie zu brauchen, denn die primäre Wertschöpfung liegt in der Funktionalität eines Objekts, die durch eine raffinierte Anordnung der Materie zustande kommt und nicht in der Materie selbst. Je abstrakter ein Produkt, umso deutlicher wird dieser Sachverhalt. Die Qualität von Computerprogrammen kann nahezu beliebig verbessert werden, ebenso verhält es sich mit Unterhaltungsmedien und Dienstleistungen. Schneller, effektiver, günstiger, schöner, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Somit steht die Menge von Ressourcen dem unendlichen Wachstum theoretisch nicht im Weg.

Allerdings, bloß weil alle immer wachsen wollen, heißt das nicht, dass allen dies auch immer gelingt. In unterschiedlichen Zeitrahmen gehen gescheiterte Individuen, Firmen, und auch Staaten in Konkurs. Im freien Markt steigen Akteure, die mehr materiellen Wert für die Gesellschaft generieren auf, und diejenigen, die weniger generieren, gehen unter. Leider gibt es auch viele unschöne Gründe, warum einige aufsteigen und andere abfallen, Gründe wie Gewalt, Manipulation, Ausnutzung, Korruption, Amtsmissbrauch, und die Plünderung des Gemeinguts. Es würde jedoch zu weit gehen, diese hier ebenfalls alle besprechen zu wollen.

Schöpferische Zerstörung

Das Untergehen des Erfolglosen ist ein genauso essenzieller Teil des freien Marktes wie das Aufsteigen des Erfolgreichen – eine Tatsache, die die meisten Gegner des Kapitalismus leider nicht verstehen. Denn durch diese sogenannte Schöpferische Zerstörung werden wieder Ressourcen und Kapazitäten frei, die dann für bessere Produktionsprozesse genutzt werden können. Erfolgreiche Prozesse können sich nur darum verbreiten, weil die ineffizienteren gleichzeitig verschwinden. Durch diesen Ablösungsprozess verbreiten sich die effizienteren Produktionsprozesse organisch durch die gesamte Wirtschaft, was zu der – für den Kapitalismus so typischen – Qualitäts- und Effizienzsteigerung führt.

Für die Menschen in der ineffizienteren Firma ist dies allerdings ein sehr unangenehmes Ereignis, obwohl man auch sagen muss, dass viele relativ schnell wieder eine neue Nische finden, entweder bei der erfolgreicheren Konkurrenz oder in einem anderen Sektor. Trotzdem ist diese neue Nische oft weniger komfortabel als die vorherige Position, und manche Menschen schaffen den Wechsel auch nur sehr schwer oder gar nicht mehr. Ein funktionierendes soziales Auffangnetz ist daher essenziell, um diesen Prozess abzufedern und sicherzustellen, dass kein Mitglied der Gesellschaft total unter die Räder kommt.

Obwohl dieser Prozess für die betroffenen Personen sehr unangenehm ist, ist er essenziell für den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Gesellschaft. Denn ohne Schöpferische Zerstörung herrscht sehr bald Stillstand, und Stillstand ist keine Lösung. Stillstand bedeutet, dass sich alles Schlechte und Ineffiziente anstaut, bis es sich irgendwann in einem gewaltigen Knall entlädt. Egal, ob dieser Knall dann eine Revolution, ein Krieg oder ein Bürgerkrieg ist, die Konsequenzen sind verheerend und viel schlimmer, als ab und zu die Stelle zu verlieren. Auch so ist also unendliches Wachstum möglich, das ewige Wachstum des Erfolgreichen auf Kosten des Obsoleten.

Armutsfaktor Bevölkerungswachstum

Was allerdings durchaus wahr ist, ist die Aussage, dass die Anzahl der Menschen auf der Erde nicht ewig wachsen kann und somit auch nicht wird. Menschen benötigen Nahrung, daher ist die Anzahl der Menschen begrenzt durch die Kapazität der Erde, Nahrung zu erzeugen. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wie sich das Bevölkerungswachstum auf der Erde stabilisieren kann: Stabilisierung der Geburtenrate oder Hunger und Krieg. Wohlstand ist – gemäß meinem Wissensstand – der beste bekannte Weg, das Bevölkerungswachstum friedlich zu stabilisieren.

Je wohlhabender eine Gesellschaft ist, umso weniger Kinder haben die Leute im Schnitt. Was wären also die produktivsten Maßnahmen, um das globale Bevölkerungswachstum friedlich zu stabilisieren? Dr. Bjørn Lomborg und sein Team haben eine ähnliche Frage untersucht [siehe hier und hier]. Sie haben untersucht, wie Entwicklungshilfe möglichst effektiv eingesetzt werden könnte, was interessanterweise beinahe die gleiche Frage ist. Sie sind unter anderem auf folgende Ansätze gestoßen: Freihandel, universeller Zugang zu Verhütungsmitteln, Verbesserung der medizinischen Grundversorgung durch Impfen und Bekämpfen von Tuberkulose.

Nicht nur stabilisiert eine Steigerung des Lebensstandards die Geburtenrate, sondern Geburtenkontrolle führt ihrerseits auch zu einer Steigerung des Lebensstandards! Frauen mit Geburtenkontrolle tendieren dazu, erst dann Kinder zu kriegen, wenn sie wirtschaftlich in der Lage sind, gut für diese zu sorgen. Sie können dann mehr Ressourcen in ein Kind investieren, was dazu führt, dass dieses Kind später im Schnitt erfolgreicher sein wird, sprich noch mehr Ressourcen in seine Kinder investieren kann, etc.

Hauptaussage des ökologischen Fußabdrucks

Der ökologische Fußabdruck ist, wie alle Kennzahlen, ein sehr grobes Werkzeug. Er berücksichtigt nur Produktion und Konsum von Biomasse und somit auch CO2-Emission. Dabei kann CO2-Emission ungefähr mit dem Verbrauch fossiler Energieträger gleichgesetzt werden. Auffallend beim Studium der Daten des Global Footprint Networks ist, dass circa die Hälfte des gesamten Fußabdrucks von CO2-Emission stammt. Gemäß meinem Verständnis ist also die Hauptaussage des ökologischen Fußabdrucks, dass wir momentan mehr Energie verbrauchen als in Form von Biomasse nachwächst. Eine Folge davon ist, dass die Menge von CO2 in der Atmosphäre zunimmt. 

Was geschieht aber nun, wenn die fossilen Energieträger auslaufen? Je knapper fossile Brennstoffe werden, umso mehr wird ihr Preis steigen. Dies führt dann dazu, dass die Produktion von vielen, vielleicht sogar von allen Gütern teurer wird, und dies wiederum führt dazu, dass die Leute weniger von diesen Gütern konsumieren werden. Knappheit führt zu Verzicht und zu einer Schrumpfung des Konsums auf die Grundbedürfnisse.

Gleichzeitig führen die steigenden Preise dazu, dass ein enormer Wettbewerb um Energieeffizienz beginnt. Firmen, die ein Produkt energieeffizienter herstellen können, werden die ineffizienteren Firmen vom Markt drängen, und so steigt die Energieeffizienz der Produktion. Des Weiteren wird aufgrund der hohen Energiepreise die Suche nach alternativen Energiequellen massiv gesteigert werden, und es wird vermutlich wieder mehr manuelle Arbeit geben.

Drittens werden sich weniger energieintensive Ausweichprodukte verbreiten. Bücher und Zeitungen anstatt Filme und Internet, oder Virtual Reality Tourismus anstatt Reisen. Gewisse alte Technologien werden vermutlich eine Renaissance erleben, aber es wird sicher auch neue Produkte, Materialien, und Technologien geben, die ihre ineffizienteren heutigen Konkurrenten verdrängen werden.

Irrsinnig hoher Lebensstil

Leider ist es auch wahr, dass die Verknappung von Ressourcen wie Öl auch dazu führen könnte, dass mehr Kriege darum geführt werden. Dies ist aber leider nichts Neues. Stammesgesellschaften, Feudalgesellschaften, Monarchien, Theokratien, sozialistische, faschistische und auch kapitalistische Gesellschaften führen seit jeher Krieg um begehrte Ressourcen. Unter welchem Gesellschaftssystem dieser Trieb mehr oder weniger ausgeprägt ist, kann ich leider nicht quantitativ belegen. Er ist jedoch nicht eine Konsequenz des freien Marktes, sondern eher eine Konsequenz der menschlichen Gier und Rücksichtslosigkeit.

Ein Punkt, wo ich den Verfechtern des Arguments jedoch recht geben muss, ist, dass wir heutzutage einen irrsinnig hohen Lebensstandard haben. Natürlich ist das toll und angenehm, aber durchaus nicht notwendig, um zu überleben oder glücklich zu sein. Menschen haben während vielen Generationen als ganze Familie in einem Zelt oder einem Zimmer gelebt, an den meisten Tagen bloß eine Mahlzeit zu sich genommen, sich am Morgen an einem Eimer Wasser gewaschen und tagein, tagaus die gleichen Kleider getragen. Und obwohl dies vielleicht für viele heute unmöglich vorstellbar ist, hat es gut geklappt. Anstatt im Fitnessstudio zu trainieren, könnte man auch täglich ein bisschen Holz hacken oder auf einem Feld arbeiten, und anstatt Zierpflanzen könnte man auch Kartoffeln im Garten anbauen. Ein Haus muss nicht auf 25 Grad geheizt sein, man braucht keine Bananen und Mangos, keine Kinofilme, keine Strandferien, etc. ...

Sich dies ab und zu vor Augen zu führen, hat durchaus positive Effekte, unabhängig davon, ob die Schrumpfung kommen wird, oder ob wir mit erneuerbaren Energien unseren momentanen Lebensstandard weiterführen werden können. Erstens nimmt es einem die Angst und entschärft so die Katastrophenstimmung, und zweitens kann ein bisschen freiwilliger Verzicht einem das Leben sehr viel angenehmer und entspannter machen.

Kapitalismus auch ohne Wachstum

Im Gegensatz zu den Exponenten des Arguments, sehe ich es jedoch nicht als notwendig an, dass man freiwillig von allem entsagt, was man gerne hätte. Ich sehe vielmehr, dass die Schrumpfung unserer Wirtschaft auf ein nachhaltiges Niveau ganz natürlich und von selber geschehen wird, wenn die fossilen Energieträger mit der Zeit knapper werden. Sogar wenn die Wirtschaft massiv schrumpfen sollte, wird das Gesetz von Angebot und Nachfrage weiterhin wirken, und der freie Markt wird weiterhin die Allokation der nun knapperen Ressourcen so ausrichten, dass die wichtigsten Bedürfnisse der Meisten mit der größtmöglichen Effizienz befriedigt werden können.

Es kann sein, dass die Produktion von Luxusgütern in einer Krise durch den Staat reguliert oder verboten werden wird, wie dies bereits oft geschah, um die Menge der verfügbaren Ressourcen für das Erfüllen von Grundbedürfnissen zu erhöhen. Ob dies netto einen positiven oder negativen Effekt hat, fällt mir schwer zu beurteilen. Aber die Befriedigung der Grundbedürfnisse sollte definitiv dem freien Markt überlassen werden, da dieser immer effizienter ist als staatliche Zentralplanung.

Das heißt, es braucht gar keinen großen politischen Aktivismus, keine CO2-Steuer und auch keine tausend Verbote, welche die Freiheit jedes Einzelnen einschränken. Der Kapitalismus als Wirtschaftssystem kann ebenso gut das Wachstum wie auch die Schrumpfung der Wirtschaft optimal steuern. Somit ist es ein Trugschluss der Verfechter des Arguments, dass der Kapitalismus scheitern würde, falls unendliches Wachstum nicht möglich wäre.

Scheitern immer relativ

Der Kapitalismus ist ein Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, in dem der freie Markt durch Angebot und Nachfrage die Produktion und Verteilung von Gütern reguliert. Ein Gesellschaftssystem kann nur relativ zu einem anderen Gesellschaftssystem scheitern, wenn es nämlich unter ähnlichen Umständen zu einem deutlich schlechteren Ausgang führt. Was dabei besser oder schlechter ist, unterliegt dem Ermessen der Bevölkerung.

Somit könnte man sogar im Fall einer globalen Wirtschafts-, Energie-, Gesundheits-, oder Hungerkrise nicht zwingend von einem Scheitern des Kapitalismus sprechen. Von einem Scheitern des Kapitalismus kann man nur dann sprechen, wenn der freie Markt die Katastrophe herbeigeführt hätte oder wenn eine andere Gesellschaft mit einem anderen Wirtschaftssystem unter ähnlichen Umständen deutlich bessere Resultate erzielen würde.

Darum kann man zum Beispiel sagen, dass der Sozialismus überall dort, wo er versucht wurde, gescheitert ist. Denn sozialistische Staaten verkamen immer sehr schnell zu Parteidiktaturen, wo die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung drastisch anstieg und die Effizienz der Produktion und damit der Lebensstandard ebenso drastisch fielen. Sozialismus ist also relativ zum Kapitalismus gescheitert.

Mit Sicherheit ist unser heutiges System, um das Zusammenleben der Menschen zu organisieren, nicht optimal. Um das zu realisieren, braucht man bloß einmal um sich zu schauen. Wie man es allerdings verbessern könnte, das ist eine der Fragen, welche die Menschen immer diskutieren müssen und nie abschließend beantworten können. Es gibt keine abschließende Antwort, da die Umstände sich ständig ändern. Alles, was es gibt, ist ein ewiges Anpassen, Flicken und Verbessern und der ewige Dialog darüber, was denn nun eigentlich besser wäre und was nicht.

Der freie Markt ist nicht tot zu kriegen

Abschließend muss noch einmal betont werden, dass der Kapitalismus nichts mit einem Pyramidenschema zu tun hat, das auf ständigem Mengenwachstum basiert. Das sagen bloß Leute, die nicht einmal ansatzweise verstanden haben, wie der Kapitalismus funktioniert. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage wird immer wirken, unabhängig davon, ob die Menschen es verstehen oder nicht, und der freie Markt ist bis dato die effizienteste bekannte Art, die Arbeitsteilung und die Allokation von Ressourcen zu steuern, um die Bedürfnisse der Menschen möglichst gut zu erfüllen. Dies gilt in Zeiten des Wirtschaftswachstums genauso wie in Zeiten der Rezession.

Sogar wenn er verboten wird, wie es in Diktaturen meistens der Fall ist, kommt der freie Markt in Form des Schwarzmarktes wieder auf. Der freie Markt ist nicht tot zu kriegen, denn er ist letztendlich nichts anderes als Tauschhandel, und von einem freiwilligen Tausch profitieren immer beide beteiligten Parteien, und darum wird der Anreiz zum Tauschen auch immer existieren. Das eingangs erwähnte Argument ist somit absolut nicht haltbar, insbesondere dessen zweiter Teil. Denn, sogar wenn unendliches Wachstum nicht möglich sein sollte, was keinesfalls erwiesen ist, hat diese Tatsache per se überhaupt nichts mit einem Scheitern des Kapitalismus zu tun.

Im Ganzen scheint es mir, dass die Verfechter dieses Arguments primär von einem antikapitalistischen, antifreiheitlichen Grundethos angetrieben werden. Sie suchen primär nach einem Grund, wieso der Kapitalismus scheitern muss, weil sie wollen, dass er scheitert. Aber, unabhängig davon, ob dieser Wunsch von einer edlen oder von einer niederen Emotion her stammt, es macht das Argument, dass der Kapitalismus wegen Ressourcenknappheit scheitern wird, kein Stückchen wahrer.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf amoszweig.com.

Foto: Pixabay

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H.Störk / 25.10.2019

KREEP findet man auf dem Mond. Kalium - Seltene Erden - Phosphor. Lauter gute Dinge, die in einer Mondkolonie nützlich wären. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Leute sich einbilden, dieser eine Planet hier wäre alles, was die Menschheit hat - die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber welches Kind bleibt sein Leben lang in der Wiege?

Hans-Peter Dollhopf / 25.10.2019

Korrektur: Mein Leserbrief von soeben hatte auch einen Anfangsteil, der beim Einfügen von mir Schussel vergessen wurde. Er lautet: Die Formulierung “unendliches Wachstum auf einer endlichen Welt” ist ein Widerspruch in sich. Wegen der Endlichkeit der Welt muss zwangsläufig auch die Menge der jemals in ihr vorkommenden Konsumenten endlich bleiben. Dieser endlichen Anzahl an Konsumenten wird es damit unmöglich sein, ihren Verbrauch ins Unendliche zu steigern. Und sie wird es auch nie wollen! Warum das? Wegen des abnehmenden Grenznutzens! Wer das fantasierte “unendliche Wachstum” bekämpfen will, erklärt einem Hirngespinst den Krieg. Etwa so wie einst die Inquisition das Sozialkonstrukt der Hexen.

Hans-Peter Dollhopf / 25.10.2019

Alles Wirtschaftswachstum war schon immer und wird immer bleiben: ein zeitlich begrenzter endlicher Prozess. Also Finger weg von den grünen Quatsch-Forderungen auf Basis von Quatsch-Annahmen! Aber darüber hinaus:  “Der Grenznutzen bestimmt auch die Lebenszufriedenheit oder das Glück von Menschen.” (wikipedia) Darum lasst doch einfach die Menschheit sich mit effizienten Technologien so lange selbst entwickeln bis alle Bedürfnisse aller Menschen an ihren Grenznutzen gelangen, dann hört jede weitere Nachfrage automatisch auf, gleichzeitig sind dann aber auch (außer Greta natürlich) alle immer glücklich und zufrieden. Und diesen glücklichen Zustand von endlichem Produzieren für einen endlichen Konsum auf höchstem Niveau durch eine endliche Anzahl von Menschen auf einem endlichen Planeten, den lasst uns dann stabilisieren! Und meinetwegen über den Markt mit immer besseren Technologien auch immer und immer und immer und immer, bis ins Unendliche, umweltverträglicher (wenn das mal nicht selbst unnötig umweltschädigend ist).

sybille eden / 25.10.2019

Herr SCHLEIF hat also das “WESEN” des Kapitalismus begriffen ! Er kennt alle “Grosskapitalisten ” persönlich und weiss daher ,daß sie nur um der Sicherstellung des Maximalprofits auf der Welt sind . Und er glaubt, daß es eine “INSTANZ” geben muss, die die Lösungen koordinieren muss ! Und ich glaube auch, daß er denkt, daß die PLANWIRTSCHAFT die Lösung aller Übel ist! Herr Schleif sie haben ja rein garnichts vom Text verstanden, aber vom bösen profitgierigen Kapitalisten verstehen sie wohl eine Menge ? Das hat Karl Marx ja auch von sich gedacht…....

B.Kröger / 25.10.2019

Sehr guter Analyse zum Thema Ressourcen! Qualitatives Wachstum entspricht eben nicht quantitativem Wachstum. Vielen Dank Herr Zweig.

Eugen Richter / 25.10.2019

Der Mensch hat bisher bezgl sehr vieler Ressourcen die Erdkruste nur angekratzt. Und draußen im All fliegen oft diverse Ressourcen herum, die nur darauf warten eingefangen zu werden. Für die extrem enge Behausung bzw. Datscha eine Linken unvorstellbarer Frevel. Und das Bevölkerungswachstum wird seit Malthus immer wieder als Katastrophe beschworen. Lächerlich. Alle Menschen der Erde eng nebeneinander gestellt bedecken die Insel Mallorca.

Andreas Rühl / 25.10.2019

Aber was ist mit Phosphat? Das Problem wird so abgewiegelt von Amts wegen, dass mich das Grausen befaellt

Michael Puhlmann / 25.10.2019

@Gerd Schmitt 1.) Deshalb sollte die Geldmenge ja nach dem Goldstandard bemessen sein. 2.) Darum sollte die Marktwirtschaft sozial sein. 3.) Fanatismus ist für die Marktteilnehmer gefährlich, nicht für den Markt an sich.

sybille eden / 25.10.2019

Danke Herr Zweig für diesen grossartigen Artikel ! Diese ewige Mär von der Endlichkeit der Ressourcen und des “Kapitalismus” ist doch ein uralter linker Hut ! Schon vor etwa 50 (!) Jahren stellte der “Club of Rome”, mit seinen Autoren Medarovic und Pestel fest, daß dieses Szenario um die Jahrtausendwende (!) eintreffen wird ! Aber es wird immer weiter fabuliert, weil es ,wie sie ja zutreffend schreiben, von Leuten propagiert wird, die ebend fanatische Feinde der Freiheit und Freunde der Knechtschaft sind. Ein überwiegender Teil dieser Menschen wird auch ihren Text garnicht geistig verstehen ! Denn wer Marx und Marcuse gelesen hat und “versteht”, ist dazu schier nicht in der Lage !

Wilfried Cremer / 25.10.2019

Die Verteufelung des Wachstums ist sowas wie Selbsthass. Ausgerechnet die Naturvergötzer sehen nicht den Kreislauf der Natur. Wächst ein Pilz, der Holz zersetzt, denn etwa nicht? Machen kleine Lebewesen in den Kläranlagen um die Scheiße Linker einen Bogen?

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