Der Sonntagsfahrer: Die Auferstehung des Diesels

„Der Gekreuzigte ist auferstanden von den Toten, das verkündet uns nicht nur die Frohe Botschaft, das ist die Frohe Botschaft“, hört man in diesen Tagen von den Kanzeln herab. Auf ganz besonders aufmerksame Ohren dürfte diese Mitteilung in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden treffen, denn dort feiert ein ganz besonders Verfemter und Verfolgter seine fröhliche Auferstehung: der Dieselmotor.

Liebe Wiesbadener, frohlocket zur Ostermesse, egal ob in der Marktkirche oder St. Bonifazius, denn die Vernunft ist nicht elektrisch, sondern ökumenisch. 

Der Herr steuerte die Wiesbadener Stadtwerke in den vergangenen Jahren durch ein finsteres grünes Tal, eine göttliche Prüfung für alle Beförderungsfälle und Mitarbeiter mit praktischem Verstand. Radikale Wiedertäufer aus Wiesbaden folgten ihren Hohepriestern in Berlin und kauften Wasserstoff- und Elektrobusse, als gäbe es kein Morgen. „Wiesbaden zeigt, wie umweltfreundlicher Nahverkehr geht“, ließen sie die Gläubigen wissen, und machten sich umgehend ans Werk. Sechs Millionen Euro wurden alleine für die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Busse in die Tempel der grünen Industrie geschickt, eine Summe, die ausreichen würde, um tausend Schulkindern im Jahr das Kopfrechnen beizubringen. 

Bald stellte sich heraus, dass nur drei bis vier Busse hintereinander betankt werden konnten, weil danach der Druck in der Tankanlage zu gering war. Erst nach einer Meditationszeit von drei bis vier Stunden stellte sich wieder genügend Druck ein, um weiterzutanken. Dies aber auch nur sehr vorübergehend: Die Wasserstoff-Tankstelle auf dem Betriebshof (weitere 2,3 Millionen Euro wurden dafür in den Himmel über Wiesbaden geschickt) stellte ihren Dienst schließlich komplett ein. Schuld soll ein kleines Ersatzteil sein, das sich leider nirgendwo auf der Welt auftreiben lässt. Ob es sich dabei um eine göttliche Fügung handelt oder um wohlmeinende Sabotage eines mit höherer Weisheit Gesegneten, wird der Gemeinde wohl ewig verborgen bleiben. Schade eigentlich, sonst könnte man der Person in lichteren Zeiten das Bundesverdienstkreuz verleihen.

So ähnlich wie der Marsch durch das Rote Meer 

Die Sache ersparte den Busfahrern zumindest den Stau durch die schweren Diesel-Tankfahrzeuge, die den Wasserstoff viermal in der Woche aus der Ferne heranzauberten. Im Übrigen hätte der grüne Wundertrank, so er denn in die Tanks der Brennstoffzellenbusse gelangt wäre, nach eineinhalb Jahren 16 Euro statt sechs Euro gekostet. Dem Wiesbadener Stadtkämmerer mag ein Stein vom Herzen gefallen sein, als er von der Havarie hörte. Ich persönlich würde an seiner Stelle ein leises Dankesgebet in Richtung St. Bonifatius schicken. 

Leider sind auch die reinen Elektrobusse der Landeshauptstadt nicht das Gelbe vom Ei, wie der Osterhase sagen würde. Es fehlt an Abstellplätzen für die unter Batterie-Insuffizienz leidende Flotte. Wenn der Herr Kälte nach Wiesbaden schickt, kommen die Vorzeigefuhren mitunter nicht weiter als 50 Kilometer und verenden unplanmäßig an irgendeiner der zahlreichen Steigungen. Doch leider fehlt es an Ladestationen und – welch göttlicher Humor – auch an Strom. Die Busse brauchen viel mehr, als aus dem derzeitigen Netz abgezweigt werden kann. Ein neues Umspannwerk beim Betriebshof sollte gebaut werden, aber es gab nur ein Placebo: Ein 6.000 Quadratmeter großes Solarzellendach über dem Busdepot. Das musste allerdings wieder abgebaut werden, weil Elektrobusse einen gewissen Hang zur Selbstentzündung haben. In den vergangenen beiden Jahren sind bei einem Großbrand auf einem Betriebsgelände der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) mindestens 20 Busse vollständig zerstört worden, in Hannover wurden acht Busse ein Raub der Flammen, und im Bus-Depot der Rheinbahn in Düsseldorf wurden 38 Fahrzeuge zerstört. Löschen kann man die praktisch nicht, schon gar nicht, wenn sie unter einem hochspannenden Solardach kokeln, allenfalls kann man den Segen erteilen, urbi et orbi.

Das von der Wirklichkeit missionierte Wiesbaden schafft jetzt jedenfalls 36 neue Dieselbusse an, weil das wohl die einzige Möglichkeit ist, die Lücke zwischen grünen Fantasien und 49-Euro-Ticket zu schließen. Der Diesel, so sagt ein Sprecher der Wiesbadener ESWE-Versorgungs AG, diene jetzt „noch mal als Brückentechnologie“, womit er offenbar eine sehr große Spannweite anpeilt. Die Überbrückung zwischen Wunsch und Wirklichkeit bedarf schon ganz besonderer Fähigkeiten – so ähnlich wie der Marsch durch das Rote Meer. 

Klima- und Umwelt-Missionare im Kanzlerdom zu Berlin

Die gebrauchten Wasserstoffbusse werden jetzt erst mal ins am anderen Rheinufer liegende Mainz abgeschoben, die Mainzer kann man ohnehin nicht leiden, und außerdem können die aufgrund einer anderen göttlichen Volte noch etwas länger Geld zum Fahrerhäuschen rauswerfen. Mainz ist durch Gewerbesteuereinnahmen des Corona-Impfstoffherstellers BioNTech zu einem Überschuss von rund einer halben Milliarde Euro im Haushalt gekommen, der nachhaltig vernichtet werden muss. Nachdem die dortigen Koryphäen die Menschheit mit der Covid-Impfung beglückt haben, nehmen die Wiesbadener nun mit der Lieferung ihrer Wasserstoffbusse biblische Rache. 

Möglicherweise ließ der Herr das kleine Experiment zu, um das ganze Land vor größerem Schaden zu bewahren, niemand vermag es zu sagen, denn Gottes Wege sind verschlungen und bisweilen seltsam. Der Wiesbadener ESWE-Geschäftsführer Jan Görnemann, der seine Hände aufgrund späten Eintritts in die Chefposition in Unschuld wäscht, sagt derweil interessante Dinge. Seine Vorgänger hätten bis zuletzt „Hitparaden-Management“ betrieben. Man habe immer der Erste sein wollen, anstatt auf das Große und Ganze zu achten. Das ist eigentlich eine sehr schöne Beschreibung für die Klima- und Umwelt-Missionare im Kanzlerdom zu Berlin.

Wasserstoff werde sich zunehmend als Baustein der Energiewende etablieren, hat Robert Habeck dekretiert, und prophezeit: „Das wird jetzt in kurzer Zeit einen sehr schnellen Hochlauf erleben. Alle stehen eigentlich Gewehr bei Fuß.“ Der Bund und auch die EU hätten die Wasserstoffproduktion als „Projekt von besonderem strategischen Interesse“ definiert. Allerdings kann man damit nicht Busfahren. Warum die Wiesbadener Dieselbusse als „Projekt von besonderem praktischen Interesse“ definieren. Sie wollen offenbar  lieber Fahren als Gewehr bei Fuß stehen. 

Ein kleiner Gruß aus der Küche

Zuletzt hatte unser Umweltpapst ja einen Auftritt bei den Indianern in Brasilien, wo er mit Luiz Inacio Lula Rauchzeichen austauschte. Bei der Signalübermittlung gab’s aber offensichtlich Missverständnisse: Habeck erhoffte ein brasilianisches Konzept für grünen Wasserstoff. Lula verstand aber nur Busbahnhof und gab seinen Segen für den Ölkonzern Petrobas, im Amazonas-Mündungsbecken Erdöl zu fördern.

Und hinterher schickte er dem Bundes-Vegetarier noch einen kleinen Gruß aus der Küche: Das aus Umweltgründen in Deutschland seit 2022 boykottierte brasilianische Rindfleisch darf künftig nach China (1,3 Milliarden Einwohner), Mexiko (110 Millionen Einwohner), und eine Reihe arabischer Staaten (120 Millionen Einwohner) geliefert werden. „Rekordexporte und Eroberung Chinas“ freuen sich die Brasilianer.

Nachdem wir nun andächtig der offensichtlich von ganz oben gewollten Geschichte von der Auferstehung des Diesels gelauscht haben, wünsche ich allen Achse-Lesern auch noch einen schönen Osterbraten, respektive eine gelungene Brückenmahlzeit. We shall overcome.

 

Von Dirk Maxeiner ist in der Achgut-Edition erschienen: „Hilfe, mein Hund überholt mich rechts. Bekenntnisse eines Sonntagsfahrers.“ Ideal für Schwarze, Weiße, Rote, Grüne, Gelbe, Blaue, sämtliche Geschlechtsidentitäten sowie Hundebesitzer und Katzenliebhaber, als Zündkerze für jeden Anlass(er). Zu beziehen hier.

Foto: Association "Les amis de Bédélia"

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Ännlin Cecilia / 09.04.2023

@ Thomas Szabo Wie recht Sie haben! Sie haben die aktuelle Politik treffend auf den Punkt gebracht.

Mathias Rudek / 09.04.2023

Ein Oster-Schmankerl von besonderer Güte. Danke Herr Maxeiner!

Peer Doerrer / 09.04.2023

Immer wieder erstaunlich der rot -grüne Hype um Wasserstoff nach dem Abfackeln des riesigen mit Wasserstoff gefüllten Zeppelins “Hindenburg” im Jahre 1937 . Klasse Bild -Doku dazu auf Youtube .Wie würde eine Massenkarambolage solcher Autos auf der Autobahn enden ? Und erst der Mix mit brennenden elektrischen Kisten aus denen Funken sprühen und wie bei der Hindenburg den Wasserstoff entzünden ?

Dieter Grimm / 09.04.2023

Herr Maxeiner hat die Gabe die Fakten einer totalen Verblödung der Klimageschädigten satirisch aufzuarbeiten um geistig gesunden, mit Verstand gesegnete Menschen zum Lachen über soviel geballte Inkompetenz zu bringen. Allen Achse Fans ein frohes und besinnliches Osterfest.

Rainer Schweitzer / 09.04.2023

Kriminelle in Wiesbaden haben >8 Mio. € Steuergeld vernichtet. Für nichts und obwohl Fraunhofer-Ingenieure vor Jahren schon analysiert haben, daß moderne Diesel-Stadtbusse in der Gesamtbetrachtung die mit Abstand umweltfreundlichste Alternative sind. Aber was ist schon die Umwelt, wenn es um das Klima geht? Glückliche Wiesbadener!

Helmut Driesel / 09.04.2023

  Ich wüsste jetzt wirklich nicht, warum Rindfleisch aus Brasilien oder Argentinien eingeführt werden müsste. Damit die Bauern hier ruhigen Gewissens stilllegen können? Und solange die deutsche Administration ein Problem damit hat, Vorschriften zur Qualitätssicherung zu erstellen und durchzusetzen, muss sich niemand über die Häme und Niedertracht der Vegetarier wundern.

Heinrich Bleichrodt / 09.04.2023

Herr Maxeiner: Genial. Danke. Steter Tropfen höhlt den Stein; machen Sie weiter.

Gerard Doering / 09.04.2023

Einfach phänomenal Herr Maxeiner wie sie abermals vorführen das die Muse die Grünen küsst. So kommt auch mein geliebtes Rumpsteak aus Argentinien, die haben ja einen Vertrag damit die deutschen Bauern es sein lassen. Für die Verhandler gilt es strenge Umweltbestimmungen vorauszusetzen und die können nach meinen Recherchen nur lauten Argentinien hui Brasilien Pfui.Man hat wohl reagiert. Auf der Verpackung meines Rumpsteaks steht nun nicht mehr Argentinien sondern aus eigener Herstellung. Das heißt für mich nichts anderes als dass die Jungbullen mit dem Schiff nach Deutschland gelangen, möglicherweise sogar noch in tragenden Kühen. Ein Spruch auf der Verpackung sagt schon fast alles aus. Der heißt:” machen macht den Unterschied” womit ihre Berichterstattung zu den komischen Autobussen die jetzt endlich ersetzt werden wieder einmal Vollgültigkeit hat. Ach so, und um Missverständnissen über die Herkunft meines Rumpsteaks vorzubeugen sage ich hiermit dass es aus meinem Backofen stammt bevor ich es verzehre. Zum Abschluss noch einen sehr weiser Spruch von der Verpackung: jeder Einzelne kann die Welt liebenswerter machen für sich für uns für alle was wir tun. Frohe Ostern

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