Georg Etscheit / 25.06.2023 / 14:00 / Foto: Meanos, Public domain / 33 / Seite ausdrucken

Cancel Cuisine: Irische Butter

Das vor allem in Bayern strapazierte Klischee glücklicher Kühe auf grüner Weide trifft, wenn überhaupt, am ehesten auf Tiere in Irland zu. Da sollte man eigentlich viel öfter zu irischer Butter greifen.

Vor ein paar Jahren dachte ich noch an einen schlechten Witz, wenn davon die Rede war, dass pupsende und rülpsende Kühe für die Anreicherung der Atmosphäre mit extrem klimaschädlichem Methan mitverantwortlich seien. Jetzt droht daraus bitterer Ernst zu werden. Die irische Regierung erwägt nämlich, in den nächsten drei Jahren bis zu 200.000 Milchkühe zwangsschlachten zu lassen, um „die Klimaziele“ zu erreichen. 

Bis 2025 müssten 65.000 Milchkühe pro Jahr „aus dem Markt“ genommen werden. Insgesamt zehn Prozent des irischen Viehbestandes sollen laut einer Sprecherin des Agrarministeriums in Dublin durch „andere Aktivitäten“ ersetzt werden, das wären rund 700.000 Tiere. Auf irischen Weiden grasen fast sieben Millionen Rinder, etwa doppelt so viele Viecher wie Menschen.

Dabei war die irische Milchproduktion bislang eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen. Goldgelbe Butter von der feuchten Insel in den Kühlregalen deutscher Supermärkte zeugt davon. Irische Butter, vertrieben vor allem unter dem Markennamen Kerrygold, ist nicht nur ob ihrer attraktiven Farbe beliebt, sondern auch wegen ihrer Streichfähigkeit. 2018 exportierten die Iren Butter im Wert von mehr als einer Milliarde Euro. Für Deutschland ist Irland nach den Niederlanden der wichtigste Butter-Lieferant.

Ich dachte immer, dass irische Butter voll künstlicher Zusatzstoffe sei und griff lieber zu deutscher Markenbutter. Doch wenn die mir zugänglichen Informationen stimmen, ist die besondere Konsistenz und Farbe irischer Butter das Ergebnis der Ernährung der Kühe ausschließlich mit frischem Gras. Irische Kühe verbringen nämlich wegen der vom Golfstrom verursachten milden Witterung auf der nicht umsonst „grün“ genannten Insel fast das ganze Jahr unter freiem Himmel und mümmeln, was das Zeug hält, ohne dass sich der Rohstoff Gras je erschöpfen würde.

Man setzt auf „muttergebundene Kuhhaltung“

Deutschen Kühen dagegen wird der Luxus des Weidegangs immer seltener zuteil. Seit die EU die Bauern dazu gezwungen hat, große, angeblich tierfreundlichere Laufställe zu bauen, lassen viele Landwirte ihre Viecher aus Gründen einer effizienteren Bewirtschaftung ganzjährig im Stall. Und weil zudem die natürliche Futterbasis in Form von Grünland für die hierzulande überdimensionierten Viehbestände nicht ausreicht, landet massenhaft (importierter) Futtermais in den Trögen deutscher Milchkühe. Mais enthält weniger Carotin als Gras, deshalb die schon fast aufdringliche, goldgelbe Farbe irischer Butter. Außerdem soll Butter von der Insel infolge eines höheren Gehalts an ungesättigten Fettsäuren gesünder sein.

Das vor allem in Bayern strapazierte Klischee glücklicher Kühe auf grüner Weide trifft, wenn überhaupt, am ehesten auf irische Tiere zu. Weidekühe sind nämlich seltener krank als ihre Artgenossen, die im Stall mit Gras-Silage – vergorenem Grünschnitt – und Kraftfutter ernährt werden. Außerdem müssen sie weniger Milch liefern als Hochleistungskühe anderswo. Die irische Ornua-Kooperative („Kerrygold“), an der etwa 14.000 irische Bauern beteiligt sind, wirbt zudem damit, dass die für sie tätigen Landwirte eine „muttergebundene Kuhhaltung“ praktizierten. In Deutschland werden Kälber meist kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt und in sogenannten Iglus mit der Flasche aufgezogen. 

Bei so viel Öko und Tierschutz sollte man eigentlich viel öfter zu irischer Butter greifen, auch wenn es sich um ein aus Sicht von Klimaschützern „böses“, weil importiertes Produkt handelt. Doch daraus wird wohl nichts, weil die Iren offenbar drauf und dran sind, freiwillig ihre Landwirtschaft zu ruinieren. So, wie es schon die Niederlande vorgemacht und dabei zum Teil gewalttätige Proteste der Landbevölkerung provoziert haben. Vielleicht sollte sich die Regierung in Dublin wieder einmal daran erinnern, dass nicht zuletzt der Siegeszug ihrer Landwirtschaft vergessen gemacht hat, dass einst Millionen Iren ihrer Heimat den Rücken kehrten, weil sie sonst verhungert wären.

Ich werde jetzt jedenfalls öfter mal zu irischer Butter greifen. Und würde es sehr begrüßen, wenn es auch eine gesalzene Variante gäbe. Irische Butter, die nicht für den Export bestimmt ist, ist nämlich traditionell immer salzig. Hält länger und schmeckt besser, mir zumindest. 

 

Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.

Foto: Meanos, Public domain

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Leserpost

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Gerd Quallo / 25.06.2023

Die Iren erkennen BDS an und waren nahe dran, eine Kennzeichnungspflicht für israelische Produkte aus Siedlergebieten zu beschließen. Seitdem kaufe ich keine irische Butter mehr. Die Cancelnden canceln. Auch irische Butter Ist ohnehin einfach nur Butter.

Gus Schiller / 25.06.2023

Ein Biologe namens Benecke ruft dazu auf, “Eier und Milchprodukte nicht mehr zu verzehren, weil dies zu tausenden von Hitzetoten führen würde.” Gut, kann man machen wird aber nichts bringen. Alle Tiere und Tierprodukte abschaffen und künftig gibt es Millionen Arbeitslose. Nur noch “gesundes, co2 freies” aus Palm- und Kokosöl heimischer Produktion funktioniert nicht. Wo sollen die ganzen Pflanzen angebaut werden? Nicht jede Wiese lässt sich problemlos zu einem Acker umwandeln. Grosse Teile der norddeutschen Moorflächen sollen wieder vernässt werden. Soll die Bevölkerung wieder nur Grütze und Rüben essen wie vor 200 Jahren? Die Lebenserwartung war entsprechend. Also zurück in die Zukunft.       .

Sabine Heinrich / 25.06.2023

Ist den Iren - damit meine ich den Machthabern dieses so sympathischen Landes mit seinen äußerst liebenswerten, lebensfrohen, gastfreundlichen Menschen - nun auch die Gen- Giftspritze aufs Gehirn geschlagen? - In meinem Bekanntenkreis habe ich immer öfter den Eindruck!- Hände weg von den irischen glücklichen Kühen! - Wann endlich endet der Wahnsinn der Brüssel-Diktatoren? - Au weia - muss ich nun wegen eines erneut aufmüpfigen Beitrags mit einer Hausdurchsuchung rechnen? - Wie wär’s wenn die lieben Naturfreunde einfach Bären und Wölfe über Irland auskippen - dann hat sich das Problem mit den Rindern schnell auf natürliche Art gelöst.  

Esther Burke / 25.06.2023

Wenn der Kuh- (warum nicht Rinder- ?) -bestand in Irland um 200 000 reduziert werden soll (aus welchen Gründen auch immer) , warum lassen die dann nicht einfach weniger Kühe künstlich besamen, bis die gewünschte Zahl erreicht ist ?Warum keulen, wenn einfach auch weniger nachgezüchtet werden kann ? - Kapiere ich nicht.

Ronald Mader / 25.06.2023

Man möge mich berichtigen, doch meines Wissens wird der besonders streichfähigen (nicht nur irischen) Butter Rapsöl beigemengt. Doch prinzipiell muss ich Hrn. Etscheit recht geben. Als “Westcountry” Bewohner schätze ich die regionalen Milch und Butterprodukte der ganzjährig freilaufenden Rinder sehr. Ob Kerrygold tatsächlich noch Kerrygold ist, bezweifle ich mittlerweile. Immerhin ist Kerrygold nicht nur in Ire und UK erhältlich, sondern auch “am Kontinent” und Übersee. Geht sich das mit rein irischer Produktion aus?

A. Ostrovsky / 25.06.2023

Rinderproduktion, oder auch industrielle Massentierhaltung beinhaltet immer auch den Tod der Tiere zum Zweck der Verwertung des Fleisches, des Felles und sogar des Gehörns. Bei einer Art, die das dreßigste Jahr nicht erreicht, werden statistisch gesehen in drei Jahrmen zehn Prozent, des Bestandes geschlachtet. So rein mathematisch-statistisch ist das kein Aufreger. Wenn wegen eines eingebildeten Virus allerdings in kürzesster Zeit fast der gesamte Bestand getötet wird, ohne wenigstens eine Verwertung anzustreben, ist das einfach boshafte Dummheit. Am Ende wird fast die gesamte Körpermasse der Tiere in CO2, Methan und Wasserdampf verwandelt, nur die Zwischenschritte kann man bedingt beeinflussen. Unter dem Strich (man sagt auch in der Gesamtbilanz) ist das Ergebnis nur die Zunahme der Dummheit, so oder so. Man kann so alt werden wie eine Kuh und lernt immer noch was dazu. Meistens ist das Bullshit.

Frank Mora / 25.06.2023

Gesalzene irische Butter gibt es zu kaufen. Die Alufolie ist “silbern” und nicht “Golden=Gelb”.

Hans-Peter Dollhopf / 25.06.2023

Cromwell wollte mit dem Überfall auf Irland der Einmischung der katholischen Nachbarinsel in den englischen Bürgerkrieg zuvorkommen. Das Expeditionsheer brachte Tausende Sicheln zur Vernichtung der Ernte mit und tötete den gesamten Nutzviehbestand, um einen Holodomor zu erzeugen. Nun weiß niemand, was die Iren ihrerseits in England angestellt hätten. Aber dass eine irische Regierung heute einen eigenen kleinen Holodomor am Volk inszeniert, lässt tief in die “Ideenwelt” des Green New Deal blicken!

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