Cora Stephan / 21.09.2023 / 11:00 / Foto: Jerome / 17 / Seite ausdrucken

Stimme der Provinz: Migrantische Protestwähler

Einige Zuwanderer, die schon länger hier leben, begegnen der grenzenlosen Migration nach Deutschland resoluter als mancher Deutscher. Und legen mitunter ein Wahlverhalten an den Tag, das die Altparteien vor Schreck erbleichen ließe.

Baumärkte sind eine Welt für sich. Ich bin sicher, deretwegen wurde das Mobiltelefon erfunden – weil man sich so leicht verirren kann. Frau steht in der Gartenabteilung, Mann bei Kärcher oder bei Makita. Wie sonst sollen sie wieder zueinander finden?

Und wenn man sich gefunden und auch noch Glück hat, dann arbeiten dort sogar Leute, die sich auf ihren Job verstehen. So einer ist Aday Nergiz, wie ich ihn hier nennen will. Klein, Türke, eigentlich Aramäer. Ein charmanter Verkäufer, ach was: Verführer, der Rabatt gewährt, wo immer es möglich ist. So erstehen wir anstelle einer Astschere für 99 Euro eine für 139 – abzüglich 20 Euro Rabatt. Also geben wir 20 Euro mehr aus. Aber wer kann einem Rabatt schon widerstehen?

Als wir im Außenlager nach Biberschwänzen suchen, macht er uns auf das Gasflaschenlager aufmerksam: Dort stehen keine roten Gasflaschen mehr. „Wegen Rheinmetall“, sagt der Mann und schaut, als ob wir sofort begreifen müssten. „Rheinmetall!“, wiederholt er. Okay, Rheinmetall will Panzer direkt in der Ukraine warten und bauen, aber braucht die Firma dafür rote Gasflaschen?

Egal. Aday sieht eben rot. Jahrelang habe er die SPD gewählt, versichert er. Damit ist es vorbei. Seit die SPD Kriegspartei ist. Und seit Nancy Faeser alle Welt in die Arme schließen will. Aday wird bei der Hessenwahl die Unaussprechlichen wählen.

Dinge, die kein Durchschnittsdeutscher sagt

Das erinnert mich an meine Freundin, die Jahre vor 1989 aus Ungarn nach Deutschland geflohen ist – der Freiheit wegen. Heute kommen junge Männer, weil der Sozialstaat sie lockt, meint sie bitter, und bringen ihre reaktionären, frauen- und freiheitsfeindlichen Kulturen mit. Sie würde zurückgehen nach Ungarn, wenn es dafür nicht schon zu spät wäre.

Kayra ist in Deutschland geboren, sie ist durch und durch deutsch, hat aber eher konservative türkische Eltern, die sich hier nicht zurechtgefunden haben und in die Türkei zurückgegangen sind. Sie macht es rasend, dass viele der seit 2015 Eingewanderten sich aufführten „wie kleine Paschas“. Sie sagt Dinge, die kein Durchschnittsdeutscher zu sagen wagte, müsste er doch fürchten, als Ausländerfeind in Verschiss zu geraten.

„Parasiten“, nennt sie diejenigen, die in Deutschland nur das Sozialsystem schätzen, aber nicht alles andere: „Freiheit. Vor allem für die Frauen.“ Und die jungen Männer, die da kommen, mehr und mehr davon, verachteten die Deutschen doch nur: „Weil wir uns von denen ausbeuten lassen. Weil wir ihnen das Geld hinterherwerfen. Weil wir nichts von ihnen fordern, nichts verlangen, ihnen alles durchgehen lassen.“ Und weil die deutsche Justiz ihnen selbst bei schweren Straftaten – Vergewaltigung oder gar „Ehrenmord“ – mit Verständnis begegnet.

Schade um die vielen schönen Stimmen

Gut, das sind nur zwei Stimmen unter vielen. Aber es ist kein Geheimnis, dass viele gerade in der gut integrierten türkischen Community fürchten, mit all denen in einen Topf geworfen zu werden, die hier nicht ankommen, sondern versorgt werden wollen. Und das wird besonders die SPD treffen, die lange glaubte, migrantischer Stimmen sicher zu sein. Innenministerin Nancy Faeser scheint das immer noch zu glauben, die nicht genug kriegen kann von all den jungen Männern, die sich etwa nach Lampedusa schleusen lassen, in der Erwartung, von dort aus weiter nach Mama-Merkel-Land zu gelangen.

Und deren Stimmen will man doch haben, oder? Wenigstens auf kommunaler Ebene? So steht es jedenfalls im Wahlprogramm der hessischen SPD vom 17. Juni 2023: Wir wollen erreichen, „dass alle Menschen, die länger als sechs Monate in hessischen Kommunen leben, ein kommunales Wahlrecht erhalten“.

Uffz! Jetzt, da der eine oder andere Journalist endlich mal das Wahlprogramm gelesen hat und darob stutzte, rudert man bei der SPD zurück. War einfach nur ein saublöder, redaktioneller Fehler. Gemeint ist: „nach sechs Jahren rechtmäßigen Aufenthalts in Deutschland“. Schade um die vielen schönen Stimmen.

Aber war es wirklich ein Fehler? Die hessische Spitzenkandidatin, Innenministerin Nancy Faeser, möchte doch ein Einbürgerungsgesetz durchsetzen, das Ausländern bereits nach fünf Jahren Aufenthalt die deutsche Staatsangehörigkeit hinterherschmeißen will? Wer also soll nach sechs Jahren wählen dürfen – alle jene, die sich für eine Staatsbürgerschaft nicht qualifiziert haben? Aday wählt am 8. Oktober die Unaussprechlichen. Kayra auch. Aber die in Berlin haben den Schuss noch immer nicht gehört.

 

Cora Stephan, geb. 1951, ist Publizistin und Schriftstellerin. Sie veröffentlichte Beiträge in zahlreichen Medien, darunter beim NDR. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Soeben ist ihr neuer Roman „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“ erschienen.

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Gabriele Klein / 22.09.2023

Machte genau die gleichen Erfahrungen wie die Autorin bei meinen Gespraechen mit “schon länger hier Lebenden”  Kann dem nur zustimmen. Ich habe allerdings keinerlei Vertrauen in ehrliche Wahlen mehr so wie der Ablauf der Dinge u. verdächtig knappen Ergebnisse nun mal des Öfteren waren.  Von daher glaube ich nicht dass es noch eine Rolle spielt wer was wählt. Entscheidend ist wie gezaehlt wird, so Stalin und ich wähne hier die Handschrift von Stalinisten. Ich glaube nicht, dass die Migrationspolitik den v.d. Autorin angesprochenen Kriterien folgt, u. ein Stimmenfang angedacht ist, sondern betrachte den ungeprueften Einlass teils Schwerstkrimineller als einen Baustein in einer Kriegsfuehrung, die darauf abhebt, möglichst ohne Waffengewalt via Korruption, Kauf von Politikern (siehe USA wo man es zum Glueck wenigstens versucht aufzuarbeiten ) ein Land niederzumachen um es möglichst “unverstrahlt” am Ende zu uebernehmen. Alle Mosaiksteinchen, von Covid,, Impfung, Sterben d. Alten in Folge, Fluten mit ungeprueften Leuten ohne Idenditaet, Sterilisation kleiner Kinder, Szenen die an die chinesische Kulturrevolution erinnern,Teile ein und desselben Bildes sind. Ich empfehle dazu auch die Interviews von Sowell, der eine vergleichbare These vertritt. Siehe das Interview zwischen Thomas Sowell und Levin zu Sowell’s neuem Buch “Social Jucstice Fallacies” (Fox News) wo er meint dass z.B. das mit d. Geschlechtswechsel KEINE Bewegung von unten ist sondern eine von oben inszenierte Gehirnwäsche . Ich habe Sowell’s u. Levin’s Buecher noch nicht gelesen, sie scheinen jedoch der Muehe wert zu sein. Vor ein paar Monaten regte sich in Kanada ob des Trans Kindermissbrauchs bei den etwas länger dort lebenden Muslimen massiver Widerstand, sie beschränkten sich nicht auf die Wahlurnen sondern gingen auf die Strasse mit den Worten “you have crossed the Red Line”. Es geht um mehr als nur Stimmenfang an Wahlurnen, denn nur bei echten Wahlen macht Stimmenfang Sinn

Silas Loy / 21.09.2023

Ebend. Das nächste Mal werden wir von den Türken “befreit”.

Peter Krämer / 21.09.2023

An ihrem Wohlstand leiden meistens nur die, denen er auf leichte Weise zugefallen ist, z. B. Erben oder Besserverdienende in Jobs, die Spaß machen. Jemand, der sich seinen Besitz selber erarbeitet hat, teilt ungern mit anderen.

S. Andersson / 21.09.2023

Also die Nancy…. hat doch recht. Ich bin auch dafür das diejenigen die sich hier nicht benehmen können ein Wahlrecht haben sollen ob die mit dem Bus oder mit der Bahn da hin gebracht werden wo die her gekommen sind. Insgesamt haben die Alt Genossen samt der EU in Brüssel den Schuss nicht gehört. Ich denke aber das der Popo denen auf Grundeis geht. Es braucht nicht mehr lange und die Fäuste in den Taschen der Menschen werden raus geholt. Mir geht es zwar viel zu langsam aber…. die AFD bedankt sich heute wieder für die kostenlose Wahlhilfe

E. Albert / 21.09.2023

Diese beiden Stimmen sind keine Einzelfälle. Die Türken und Inder, die ich erlebt habe, schimpften, wie die Rohrspatzen, mit Begrifflichkeiten, die ich als Deutsche nicht einmal denken darf! Die sind alle sauer: haben sich jahrzehntelang etwas aufgebaut - und werden jetzt mit den “Glücksrittern” auch optisch in einen Topf geworfen. Immer wieder höre ich, was “ihr Deutschen” denn da machten?! Ich entgegne dann immer, dass ICH das nicht gewählt habe und bitte dann stets darum, dass Protest und Engagement auch von dieser “Community” kommen muss - denen kann schließlich keiner “Rassismus” oder “Nazitum” vorwerfen! (Und selbst wenn es versucht wird - es geht dann erst recht voll nach hinten los…)

Thomin Weller / 21.09.2023

Inzwischen ist es so das Russlanddeutsche und Polen zusammen sich vor deutsche Rentner stellen und dieses vor dem XXX schützen. Es hat seinen Grund warum in vielen Herkunftsländern die Polizei mit einem Knüppel auf die einschlägt und zuschlägt. Eine andere Sprache verstehen sie häufig nicht. Das was sich in Deutschland Polizei nennt ist ein großer Witz. So groß, das Bürger schon selbst für die Sicherheit ihrer Kinder und Umgebung sorge müssen. Das staatliche Totalversagen wird eskalieren. Wie es scheint gewollt, damit endlich das Notstandsrecht ausgerufen werden kann. Extra dafür wurde der CIA Eikonal Doppelagent und Kubark Folterexperte Steinspalter gewählt. Er gibt die Unterschrift. Es ist ein Religionskrieg dieser abartig widerlichen Institution Deutsche Christen alias Reichskirche. Deutschland hat vergessen sie zu Köpfen wie die Franzosen süffisant erzählen. Leider haben sie recht. Es sind die weltältesten Schläferbanden, stehend in einem Meer aus Menschenblut. Im Namen der Kirche wurden weit mehr Menschen getötet als in allen Weltkriegen zusammen.

Moritz Cremer / 21.09.2023

GENAUSO ALLE meine Sport Kollegen im Park: Kurden, Perser, Türken, Albaner, Serben, Kroaten usw

Jens Kruse / 21.09.2023

Die beiden sind nicht die einzigen. Mein Türkischer Gemüsehändler kam Ende der 60er Jahre nach Deutschland und hat in einer Fabrik malocht. Als er genug gespart hatte zog er aus dem Wohnheim in eine eigene Wohnung und holte seine Frau nach. Er hat weiter geackert und seine Frau hat geputzt. Als sie das Geld zusammen hatten haben sie sich mit einem kleinen Gemüsestand selbstständig gemacht und Heute gehört ihnen eine ganze Häuserzeile in der denkmalgeschützten Innenstadt. Die Söhne haben studiert und einer sitzt in für die Schwefelpartei im Stadtrat. Der libanesische Schneider von der anderen Straßenseite hat einen ähnlichen Hintergrund und kommt öfter zum Gespräch rüber. Beide und auch die Kinder sind sich einig dass es so in Deutschland nicht mehr weitergeht. Einhellige Aussage: Wir holen hier zuviele Verbrecher rein. Das was hier ankommt sind entweder Glücksritter für die das ganze Dorf den Trip nach Europa bezahlt hat oder Kriminelle die vor der Strafverfolgung in ihren Herkunftsland geflohen sind. Sie werden bei der nächsten Wahl anstatt der SPD nun die Partei wählen deren Namen man nicht aussprechen darf.

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