Cora Stephan / 25.01.2024 / 10:00 / Foto: Unsplash/Joshua Hoehne / 35 / Seite ausdrucken

Preisverleihungen nur noch auf Bewährung!

Wer einen Preis verliehen bekommt, weil er was besonderes geleistet hat, sollte sich sehr genau überlegen, mit wem er künftig redet. Sonst ist der womöglich nachträglich wieder futsch.

Sollten Sie einmal in irgendeine Villa eingeladen werden zum freien Meinungsaustausch in privatem Rahmen, womöglich gar in Potsdam, so seien Sie bitte vorsichtig. Sofern Sie die Einladung nicht gleich in den Reißwolf stecken, was empfehlenswert ist, fordern Sie bitte die Teilnehmerliste an, samt Informationen über den biografischen und politischen Hintergrund dieser Personen. Erst dann können Sie sicher sein, nicht etwa ungewollt an einem Geheimtreffen von Rechtsextremisten mit umstürzlerischen Plänen teilzunehmen.

Immerhin könnten verdienstvolle Rechercheure von „Correctiv“ die Versammlung ausspionieren, um Anstößiges zu finden oder gefunden zu haben behaupten – und die beruflichen und privaten Folgen für Sie wären existenziell.

So geschehen mit Teilnehmern an einem Gesprächskreis in der Villa Adlon am Lehnitzsee. Davon haben Sie gewiss allenthalben gehört und gelesen, weshalb Sie auch wissen, was dort geschehen ist: auf einem geheimen „Nazitreffen“ im November haben „Rechtsextreme“ Pläne „für millionenfache Abschiebungen geschmiedet“. Sie haben also „Vertreibungen“ beziehungsweise „Deportationen“ geplant, heißt es klärend in anderen Medien, schließlich ist die berüchtigte Wannseevilla ja nur einen Krähenflug entfernt. Um es ganz deutlich, nämlich mit Georg Restle, zu sagen: „Deportationen zur Erhaltung des ‚reinen, deutschen‘ Volkes. Das ist lupenreine NS-Ideologie, die direkt nach Auschwitz führte.“

Davon stimmt zwar gar nichts, aber es trifft ja die Richtigen

Und natürlich war die AfD, vertreten mit vier Mitgliedern eher minderen Ranges, der Drahtzieher. Der Grünen-Vorsitzende Konstantin von Notz meint, es gebe nun dank „Correctiv“ den Beweis dafür, dass die AfD ein „viertes Reich“, „ein arisches Deutschland“ inklusive „Lager“ errichten wolle, denn der Skandal-Redner des Treffens, Martin Sellner, befürworte „die Ausweisung von ALLEN Menschen mit Migrationshintergrund, egal ob Deutsche oder nicht“. Davon stimmt zwar gar nichts, aber es trifft ja die Richtigen.

Tatsächlich hat der Identitäre Martin Sellner, eine Person aus „bräunlich grundiertem Milieu“ (Spiegel), Thesen über „Remigration“ aus seinem allgemein erhältlichen Buch zum Thema vorgetragen. Das Wort wurde prompt zum „Unwort des Jahres“ gekürt. Begründung von Jury-Mitglied Ruprecht Polenz: Wer „Remigration“ sagt, wolle seine „wahren Absichten verschleiern: die Deportation aller Menschen mit vermeintlich falscher Hautfarbe oder Herkunft, selbst dann, wenn sie deutsche Staatsbürger sind.“ Auch das stimmt nicht.

Die CDU-Mitglieder, die auch in der Villa anwesend waren, haben wahrscheinlich während des Vortrags den Raum für eine Zigarettenpause verlassen. Oder sie haben Sellners Thesen mit denen von Olaf Scholz („im großen Stil abschieben“) oder Nancy Faeser verwechselt und für angemessen und sinnvoll gehalten. Mal schauen, wann hier Parteiausschlussverfahren eingeleitet werden: Sie hätten mindestens protestieren, vor allem aber den schauerlichen Ort stante pede verlassen müssen.

Auch irgendwelche Jugendsünden sprechen gegen Sie!

Das Verlassen hat auch ein Anderer unterlassen, ein IT-Unternehmer aus Ilmenau, der Exomium-Geschäftsführer Christoph Hofer. Der hatte im Jahr 2021 beim vom Wirtschaftsministerium und der Europäischen Union geförderten Gründerpreis „TheXAward“ den dritten Platz belegt. Der Preis soll ihm nun wieder entzogen werden, „rechtssicher“, hofft das Wirtschaftsministerium. Kleinlaut heißt es nun: „Zum damaligen Zeitpunkt seien keine Anhaltspunkte zur politischen Gesinnung des Preisträgers bekannt gewesen.“

Künftige Preisträger sind also vorher einer gründlichen Gesinnungsprüfung zu unterziehen, und, merken Sie sich das, auch irgendwelche Jugendsünden sprechen gegen Sie! Und seien Sie dankbar, wenn Ihnen nicht gleich Berufsverbot oder Enteignung droht.

Zu warnen ist, ganz nebenbei, auch vor jeglichem Kontakt zur Neugründung namens „Werteunion“. Die besteht zwar überwiegend aus (ehemaligen) CDU-Mitgliedern, aber der neben dem „umstrittenen ehemaligen Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz“ Hans-Georg Maaßen „maßgebliche Drahtzieher“ soll ein gewisser Markus Krall sein, der jahrelang „im Austausch mit Heinrich XIII. Prinz Reuß“ gestanden hat, „der inzwischen als mutmaßlicher Rechtsterrorist angeklagt ist.“ Kontakte können nicht nur bei „Corona“ gefährlich sein. 

Auf der sicheren Seite

Und gegen die Versuchung, sich in einer Villa (!) oder andernorts gesprächsweise auszutauschen, kann man sich wappnen. Wer auf ganz sicher gehen will, verlässt am besten nicht mehr das Haus, das haben wir ja alle während der Panikpandemie eingeübt und gelernt. Außerdem streiken die Bahner, es fährt also kein Zug nach Nirgendwo. Auch an den Stammtisch in der Kneipe zu wechseln, wo man sich womöglich mit den auf die Regierung schimpfenden Nachbarn austauschen könnte, hat man sich abgewöhnt und wird man sich dank des Endes der Mehrwertsteuersenkung auch gar nicht wieder angewöhnen (Olaf Scholz 2021: die Mehrwertsteuersenkung „schaffen wir nie wieder ab“).

Daheimbleiben, lautet die Devise! Oder, aber das ist nichts für sensible Gemüter: Sie lassen sich bei der nächsten (Regierungs-, Propaganda-)Anstandsdemonstration hinter einem Transparent fotografieren, auf dem „Afdler töten“ steht. Beliebt ist auch „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“. Damit sind Sie auf der richtigen, also der sicheren Seite.

 

Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“.

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Leserpost

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Margit Broetz / 25.01.2024

Die meisten Preise würde mensch mit Charakter ohnehin ablehnen! Friedensnobelpreis? Treffsicherster Indikator für die größten Schandgestalten der Menschheit, fast ohne Ausnahmen. Literaturnobelpreis (außer bei Handke)? Prinzipienlose Zeitgeistsurfer. Bundesverdienstkreuz? Ehrenzeichen für raffgierige Opportunisten und korrupte Geschäftemacher. Karlspreis? Ekelerregende Strippenzieher im Dienste der Menschenschinder unserer Tage. Preis für das Lebenswerk? Verleiht man an Kinder sobald sie den Laufstall Universität verlassen haben.

A. Ostrovsky / 25.01.2024

@Peter Holschke : >> was die Russen mit ihm machen würden, wenn er frei weg in ihre Hände fallen würde.<<  Es wäre absurd, auf die Russen irgendwelche Erwartungen zu setzen. Die sind von einer anderen Art, so wie die Amerikaner nicht von meiner Art sind. Sie waren und sind alle samt Besatzer. Punkt. Aber richtig absurd wird es erst, wenn der Klamauk-Dödel aus Kiiv Forderungen an mich geltend macht. Dann ist die Grenze überschritten. Ich bin da wirklich in einem Konflikt. Ich habe Mitleid mit den Loosern, aber ich kann die Hofnarren absolut nicht leiden.

A. Ostrovsky / 25.01.2024

@Rolf Mainz : >>Ob das dem ureigenen Interesse der deutschen Bevölkerung entspricht, sei dahingestellt.<<  Ich kann dem Begriff der deutschen Bevölkerung nicht viel abgewinnen. Die Bevölkerung des Landstriches, der früher Deutschland war, ist in zunehmendem Maße gar nicht deutsch. Aber das sind die Einzigen, die überhaupt noch zählen. Und was das ureigenste Interesse der nicht-deutschen Bevölkerung des ehemaligen Deutschlands betrifft, geht mir das 10 Meter ... Es hat überhaupt keinen Bezug zu meinen Interessen, ob die nun ureigenst sind oder nur kulturelle Anmaßung. Die “deutsche Bevölkerung” hat überhaupt nichts mit mir zu tun.

Helmut Kassner / 25.01.2024

Da kann man sich doch auch ein gutes Beispiel an den Ordens-und Preisverleihungen in der damaligen “DDR” nehmen. Es ging schon damals nicht darum eine besondere Leistung zu würdigen, es war immer die Gesamtpersönlichkeit, ihr Verhalten, ihre Einstellungen usw. zu bewerten. In den Anträgen und Begründungen musste deshalb immer auch davon die Rede sein, dass die Person eine positive Einstellung zur “DDR”, zur Partei der Arbeiterklasse und zum Sozialismus hat. Je dicker diesbezüglich aufgetragen wurde, desto größer waren die Chancen. Es sei aber auch erwähnt, dass schon im Vorfeld abgeklärt wurde wer welche Auszeichnungen bekam. Da gab es feste Kontingente.

A.Schröder / 25.01.2024

Preis verliehen bekommen war schon immer auf Bewährung. Wo ist die Neuigkeit? Verliehen kommt von verleihen. Nicht verschenken oder verkaufen. Auch Dauerleihgabe ist nicht verschenkt. Wer sich nicht im Sinne des Verleiher verhält muß es ggf. zurückgeben. Keiner ist verflichtet etwas anzunehmen.

Thomas Taterka / 25.01.2024

Besengte gehen demonstrieren gegen Besengte . Groundhog Day forever .

Dr. Klaus Schmid / 25.01.2024

Irre, da können Leute irgend etwas ohne jeden Beleg behaupten und ihnen nahestehende Politiker und Medienmenschen blöken das als Verstärker nach - und eine ganze Nation rennt dann Amok. Könnte da der Psychiater Prof. Meins mal eine Analyse der Patienten machen?

Gerd Maar / 25.01.2024

Zugleich , oder in Neudeutsch “zeitgleich” wird die Abrissbirne für ihre katastrophalen Fehlentscheidungen mit Ehrungen überschüttet. Und keine Chance dass der Ordensfrau jemals ein Preis aberkannt wird.

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