Thomas Rietzschel / 18.11.2019 / 14:59 / 13 / Seite ausdrucken

Schwarzbraun ist die Haselnuss, schwarzbraun bin auch ich

Ende letzter Woche wurde der Vorsitzende des Medienausschusses im rheinland-pfälzischen Landtag abgewählt. Gemeinsam entzogen SPD, CDU, FDP und Grüne dem AfD-Mann Joachim Paul das Vertrauen. „Hintergrund war“, so die FAZ, „der Verdacht, dass er 2011 für eine NPD-nahe Zeitschrift geschrieben haben soll". 

Außerdem „soll er eine E-Mail-Adresse mit dem Namen ‚Blackshirt‘ benutzt haben“. Als eine bloße Fahrlässigkeit lässt sich das nicht abtun. Handelt es sich doch um ein Wort, mit dem der Volksmund den paramilitärischen Flügel der „Nationalen Faschistischen Partei“ Italiens, die spätere Leibgarde Benito Mussolinis, bezeichnete. 

Lange bevor sich die Pariser Existentialisten schwarz uniformierten, hatten die italienischen Veteranen des Ersten Weltkriegs die Farbe für sich entdeckt. Sie war das modische Signal der Feinde des Sozialismus, auch für Hitlers „Schutzstaffel“, die SS. Deshalb sei auch für den rheinland-pfälzischen Landtag ein Abgeordneter untragbar, der sich nicht von den Trägern schwarzer Hemden „distanziert“, erklärt Christian Baldauf, Chef der schwarzen CDU-Fraktion. 

Ein anderer, der Genosse Heiko Maas, kann da nur von Glück sagen, dass er sein Mandat nicht am Rhein, sonder in Berlin an der Spree versieht. Zählen doch nachtdunkle Hemden zu den Kleidungsstücken, mit denen er modisch besonders auffällt.

Als er im Juli dieses Jahres den Uffizien in Florenz ein Bild zurückbrachte, das die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges geraubt hatten, hatte er das schwarze Shirt überdies mit einen braunen Sakko kombiniert. Der letzte Schrei und ein Fauxpas, der ihm in Rheinland-Pfalz womöglich zum Verhängnis geworden wäre. 

Doch soweit würde es natürlich nie kommen, nicht solange im schwarzbraunen Outfit noch ein roter Geck steckt. 

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Alexander Schilling / 18.11.2019

Sehr geehrter Herr Rietzschel, entschuldigen Sie bitte, aber was haben Sie denn nur? Seitdem sich gezeigt hat, wie viele Früchtchen durch bloßes Schütteln am Baume der Erkenntnis zu Fall gebracht werden konnten (wenn auch das Reich des Geistes keine Republik, und erst recht kein Rechtsstaat zu sein scheint), war es doch bloß eine Frage der Zeit, bis sich die Einsicht Bahn brechen würde, dass bei einer bestimmten Art von Baumpflege die Benutzung eines Schneidewerkzeugs viel weniger Umstände macht… Entre nous: Dass die Operation, pardon: politische Exekution dann noch chirurgisch präzise von hinten angesetzt und kollektiv durchgeführt wird - wer aus dem Publikum sollte an dergleichen Schönheitsfehlern, ach wo: Kinkerlitzchen denn bitteschön Anstoß nehmen? Fühlt man sich doch des allgemeinen Beifalls sicher, wenn man, immer in dieselbe Ecke schielend, mit grölender Stimme hinausposaunen kann, man habe “aus der Geschichte gelernt”?

K.Richter / 18.11.2019

Wenn Idiotie wachstumsfördernd wäre, könnten große Teile der “politischen Elite”, OHNE Leiter, aus der Dachrinne des Reichstagsgebäudes saufen.

Christian Feider / 18.11.2019

Ausschussorsitzende abzuwählen scheint Atparteiensport zu werden…. Sie sollten sich fragen ,was passiertwenn die Mehrheiten sich wenden und Sie einmal auf der Oppositionsbank sitzen…ich würde beim abwaehlen zb bei einem Stegner nicht unbedingt die Grenze ziehen…eine Strafanzeige wegen seiner Aufforderung,nicht nur Sachen,sondern auch das Personal der Opposition anzugreifen, waere sicher.

A. Ostrovsky / 18.11.2019

Schwarz ist das neu Rot, Quasi intensives Rotrot. Aber Braun geht gar nicht. Und Hundekrawatte ist völlig out. Warten wir mal ab.

Marc Blenk / 18.11.2019

Lieber Herr Rietzschel, das schlage ich locker. Schon immer ist meine Lieblingsfarbkombination -  und jetzt kommt es: blau und braun! Damals konnte ich natürlich nicht ahnen, dass das mal zu einem Klassiker des modischen Rechtsstigmas bei linken Menschensortierern werden würde und die Garantie dafür, als ein leibhaftiger Nazi eingeordnet zu werden. Und dann - bitte behalten sie Contenance -  obwohl Rock and Roller -, besitze ich darüber hinaus eine braunfarbene Kniebundhose in Tweed! Das dürfte bei Leuten, die meinen die Exklusivrechte im Definieren politischer Ansichten, Kulturen und Weltanschauungen zu besitzen, echte Jubelstürme auslösen, so glasklar mal wieder einen in die richtige Feindesschublade gesteckt zu haben. Und da es für diese Leute so etwas wie Vielfalt und Diversität, jedenfalls bei autochthonen Deutschen, nicht geben kann, gibt es da auch nur eine einzige Schublade, in der man landen kann: Nazi! Der häufigste Beruf des neudeutschen linken Menschi ist der des Buchhalters und Archivars für abweichendes politisches Verhalten. (Man schaue sich den Monty Python Sketch ‘Berufsberater beim Arbeitamt’ an. Zum einen natürlich wegen der guten Unterhaltung und zum andern um diese Sorte Menschi besser zu verstehen).... Man sollte sich als alter weißer Mann blonde Zöpfe flechten lassen, einen dunklen Fusselsalafistenbart wachsen lassen und eine SA - Uniform dazu tragen. Damit dann in der Fußgängerzone Maobibeln verteilen, um diesen Einfaltspinseln vorzuführen, dass es zur Erfassung der Wirklichkeit etwas mehr bedarf als eine totalitäre Gesinnung, den Geist eines koreanischen Blockwarts und den Charme eines Betonmischers.

Andreas Bitz / 18.11.2019

Schwarzhemden, schwarzer Block: Da gibt es doch nicht nur äußerlich Gemeinsamkeiten. Gegen Verschissmus!

Alex Micham / 18.11.2019

Schön brav weiter Block wählen, liebe Rheinland-Pfälzer.  Nur so könnt ihr den inneren Hitler besiegen.

Roland Müller / 18.11.2019

Es wird immer schwerer den Gedanken zu verdrängen, das wir von Geistesgestörten umzingelt sind.

Wilfried Cremer / 18.11.2019

Schwarzbraun ist ok, wenn man ein bisschen Glitzer dranhängt. Also Heiko, mach den Heino, dann geht es wieder aufwärts!

Andreas Müller / 18.11.2019

Na, die Genossen sind doch vorne dran im Kampf gegen den Verschissmuss, nicht nur in Dümpten. Immerhin haben sie keinen Hefekranz niedergelegt - das läßt doch schon mal hoffen.

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