Peer Ederer, Gastautor / 18.08.2019 / 06:22 / Foto: Pixabay / 56 / Seite ausdrucken

Populäre Fleischirrtümer (4): Falschalarm Sünde

Um ein Stück Fleisch essen zu können, muss ein Tier sterben. Daran führt beim jetzigen Stand der Technik kein Weg vorbei, und das wird auch noch einige Jahrzehnte so bleiben. Diese Tiere haben Emotionen, Gedanken, ein Sozialleben und scheinen den Tod zu fürchten. Damit stellt sich die ethische Frage, ob wir Menschen diese Tiere töten dürfen. Deutschlands aktuell liebster Philosoph und Tierethiker, Prof. Dr. Richard David Precht, Bestsellerautor und Fernsehmoderator mit eigener ZDF-Sendereihe, ist der Ansicht, dass es in Zukunft nur noch drei bis vier Schlachthöfe geben werde – als Gedenkstätten.

Im polnischen Spudlow ist eine solche Gedenkstätte bereits von der deutschen Tierrechtsorganisation „Pro Animale für Tiere in der Not" in einer ehemaligen Kirche errichtet worden. Auch der frühere Landwirtschaftsminister Schleswig-Holsteins behauptete 2017, dass es keine ethische Rechtfertigung für Tierhaltung mehr gebe, wofür er von der internationalen Tierschützerszene ausgiebig gefeiert wurde. Sein Name: Robert Habeck, derzeit als Realo eingestufter Bundesvorsitzender der Grünen. Sollte Habeck der nächste Bundeskanzler werden, dann werden Verbote für Fleischprodukte in Deutschland wohl nicht mehr weit weg sein.       

Die Argumentation der Tierrechtsaktivisten sowie des grünen und vegetarischen Mainstreams in Deutschland, dass Tiere nicht für Menschen sterben oder anderswie leiden dürfen, lautet in etwa so: Genauso wie im 19. Jahrhundert die Sklaverei abgeschafft wurde und im 20. Jahrhundert die Frauengleichberechtigung erzielt wurde, so sei es jetzt an der Zeit, auch den Tieren ihr moralisches Recht auf tötungsfreies und artgerechtes Leben zu garantieren. Wer Tieren dieses Recht nicht gewährt, wird als Speziesist bezeichnet, in Anspielung auf die Begriffe Rassist und Sexist. Tiere nicht mehr zu nutzen, ist für die Tierliebhaber somit Teil einer ethischen Evolution zu einer besseren Welt.

Eine fundierte moralische Argumentation gegen diese Position – dass es ethisch erlaubt ist, Tiere zu töten – ist nicht einfach. Wer Tiere für sich töten lässt, weil er deren Fleisch essen möchte, sollte sich ethisch aufrüsten, um eine Diskussion mit einem Tierrechtler nicht zu verlieren. Das könnte früher notwendig sein als mancher denkt, denn die politische Partei mit entsprechenden Gesetzesvorhaben zur Verbesserung und Rettung unserer Welt, steht kurz davor, die stärkste Kraft in Deutschland zu werden. Daher ein Exkurs in die Ethik. 

Natur: Täglicher Überlebenskrieg

Der Torero setzt zur finalen Estocada an, dann wenige Sekunden später bohrt sich das Schwert an den Rippen vorbei mitten in das Herz des schwarzen Bullen, worauf dieser auf der Stelle in sich zusammensackt. Ist das moralisch gerechtfertigt oder nicht? Aus der Sicht des Bullen muss das bejaht werden. Er wurde von der Natur genetisch darauf programmiert, sich in einen Kampf auf Leben oder Tod zu begeben, damit er seine Gene weitervererben kann. Soweit der Bulle das für sich selbst einschätzen kann, geht dieser Kampf für ihn so in Ordnung. Dass er den Kampf nicht gewinnen konnte, war ihm nicht bewusst. Leiden musste er bei dem Kampf auch nicht. Im Gegenteil, während des Kampfes war er von körpereigenen Amphetaminen so hochgepuscht, dass es vermutlich die schönste Zeit seines Lebens war. Das behaupten jedenfalls tierärztliche Untersuchungen. Schmerzen hat er folglich keine gespürt, und der Tod war ein schneller. Aber auch wenn der Bulle einverstanden ist, sind wir Menschen damit einverstanden?

Kulturhistorisch könnte der Wendepunkt vielleicht auf das Jahr 1977 gelegt werden, als Disney seinen 23. Animationsfilm herausgab: Bernard und Bianca. Die Geschichte von zwei Mäusen und ihren putzigen Freunden von der Rettungsgesellschaft auf der guten Seite, und den Menschen, die entweder böse oder blöde oder beides sind, auf der schlechten Seite. Mit Bernard und Bianca und allen weiteren Disney-Filmen mit sprechenden Tieren seit den 70er Jahren hat sich das Bild der guten und lieben Tiere, die genauso denken und fühlen wie wir Menschen, in jedes Kinderherz eingebrannt. Diese Kinder sind mittlerweile nicht nur erwachsen geworden, sondern meistens auch in Städten aufgewachsen, in denen Lebensmittel im Supermarkt gekauft werden. Eine natürliche Beziehung zur Natur haben diese mittlerweile erwachsen gewordenen Kinder meist nicht mehr, stattdessen haben sie ein disneyesques Verhältnis zu Tieren und Pflanzen.

Die Natur ist jedoch weder ein Disney-Schmusezoo, noch ist sie ein Jean-Jacques Rousseau-artiger edler Wilder. Die Natur ist ein täglicher Überlebenskrieg für seine Teilnehmer, der mit Giften, Dornen, Klauen und Zähnen erbittert geführt wird. Es ist ein Fressen und Gefressenwerden. Im Vergleich zu ihrer natürlichen Situation ergeht es den Tieren in menschlicher Obhut fast immer wesentlich besser als in freier Wildbahn. Vor die Wahl gestellt und bei rationaler Betrachtung würde jedes Tier die Bedingungen der Massentierhaltung über das Leben in der Wildnis bevorzugen. Aber Tiere besitzen keine rationale Betrachtungsfähigkeit. Sie handeln ihrem evolutionären Auftrag entsprechend, und der heißt: Meine Gene muss ich weitergeben. Eine Tiergattung, die das nicht tut, stirbt relativ schnell aus – das ist das Gesetz der natürlichen Evolution.   

Genetisch ähnlich, ethisch verschieden

In der Disney-Ethik dagegen hat der Bulle, dem der Torero gerade das Leben ausgelöscht hat, dasselbe gute Herz und dieselbe schützenswerte Persönlichkeit wie ein Mensch. In der Disney-Ethik könnte sich dieser Bulle mit uns unterhalten, uns seine Wünsche und Sehnsüchte mitteilen, so wie er es in den Disneyfilmen auch tut. Nichts davon ist real.

Parallel zu den sprechenden Tieren der Disneywelt haben wir in den Wissenschaften erkannt, dass diese Tiere tatsächlich hochkomplexe Sozialstrukturen entwickeln, intelligent handeln können, miteinander differenziert kommunizieren, und sogar so etwas wie Kultur entwickeln – alles, um möglichst fit für die Evolution zu sein und um ihre Gene weitergeben zu können. Wir wissen mittlerweile auch, dass Menschen zu 97 Prozent dasselbe Genmaterial haben wie Orang-Utans – und übrigens auch zu 60 Prozent dieselben Gene wie Fruchtfliegen und Bananen besitzen. In unseren Gehirnen sind es dieselben Regionen und dieselben chemischen Vorgänge, die bei Mensch wie Tier Freude oder Leid, Wohlfühlen oder Schmerzen empfinden lassen. Der biologische Abstand zwischen Mensch und Tier ist in den letzten Jahrzehnten der Forschung auf ein Minimum geschrumpft. Ethisch aber haben sich Mensch und Tier voneinander weg entwickelt: Tiere fressen weiterhin Tiere, selbst ihre Artgenossen und Nachkommen, während die Menschenfresserei weitgehend ausgestorben ist und mit harten Strafen sanktioniert wird.           

Wenn wir also den Tieren so ähnlich sind und unser auf Bernard und Bianca getrimmtes Gefühl sagt, dass diese Tiere auch genauso fühlen und wertvoll sind wie wir, dann lautet die logische Schlussfolgerung vieler Philosophen und Ethiker, dass es an der Zeit ist, diesen Tieren denselben grundgesetzrechtlichen Schutz zu gewähren, wie wir Menschen ihn genießen. Mindestens aber sollte für alle empfindungsfähigen Säugetiere und Vögel derselbe Würdeschutz gelten, wie die Menschenrechte es für Menschen etabliert haben. Daraus würde zwingend folgen, dass keines dieser Tiere mehr für Menschen getötet werden darf, und auch Tiere nur noch so gehalten werden dürfen, wie sie es in freier Wildbahn täten. Zum Beispiel könnte es noch Milch geben, aber nur gemolken von Kühen, die sich frei auf der Wiese bewegen können und nicht gesundheitliche Schäden durch Intensivhaltung oder Züchtung erleiden müssen und deren Milch nicht von den Kälbern selbst benötigt wird. Milch würde es nur noch in pharmakologischen Mengen geben.

Die kumulative kulturelle Evolution

Wenn Sie nun sagen, so ein Quatsch, Mensch ist Mensch und Tier ist Tier, dann sind Sie bereits in die Speziesmus-Falle der Tierrechtler getappt, aus der Sie argumentativ kaum herauskommen. Denn genauso haben Rassisten und Sexisten bis vor gar nicht langer Zeit auch argumentiert und dennoch haben wir uns anschließend zu einer besseren Welt entwickelt.

In diesem Beitrag ist nicht der Platz, um in die wissenschaftlichen Tiefen einer Ethik-Diskussion einzugehen, um die neusten Konzepte der Teleologie oder Deontologie zu ergründen, und wie schwierig es ist, die Tierrechtsethik argumentativ auszuhebeln. Ich möchte hier wenigstens ein geeignetes ethisches Argument schildern, warum Tierrechte nicht gerechtfertigt sind, und warum Tiere weiterhin für das Wohl der Menschen genutzt und getötet werden können und dürfen.

Es gibt keine einzige Tiergattung, die kumulative kulturelle Evolution erzielt hat. Tiere haben sehr wohl Kultur und Wissen. Elefantenherden unterscheiden sich kulturell voneinander und die Mutterkühe sammeln erstaunlich viel Wissen an. Sowohl Elefanten wie Wale scheinen zu lernen, welche Art von Menschen ihnen gefährlich sind (in der Regel Mitbewohner derselben Gegend), und welche Art von Menschen ihnen helfen würden (in der Regel Touristen und Wissenschaftler). Sie scheinen dieses Wissen auch an ihre Kinder weiterzugeben. Aber selbst Elefanten und Delphine lernen nicht kumulativ kulturell. Die Menge ihres potenziellen Wissens steigt nicht an. Das hat nur die menschliche Spezies geschafft.

Wie, wann und warum die Menschen anfingen kumulativ kulturell zu lernen, ist noch umstritten, aber irgendwann in der Steinzeit fing unsere Spezies an und malte Bilder an die Wand, begann den Lauf der Himmelskörper zu berechnen und bildete eine abstrakte Sprache aus, die synthetisiertes Wissen vermitteln konnte. Vor etwa 6.000 Jahren kam dann Schrift hinzu, und seitdem wuchs die kumulative kulturelle Evolution immer schneller an.

Ohne Pflichten keine Rechte

Diese kumulativ kulturelle Evolution erlaubte es der Menschheit, eine Moral zu entwickeln, in der das Individuum sich der Erfüllung von gemeinschaftlichen Zielen zuwenden kann (oder soll), die nicht mit der Weitergabe seines eigenen persönlichen Erbguts an die nächste Generation verknüpft sind. Diese Moralfähigkeit wiederum ist die Basis für Rechte und Pflichten in einer Gemeinschaft – auch der Menschenrechte.

Keine einzige Tiergattung ist zur kumulativen kulturellen Evolution fähig, kann daher auch per Definition kein Mitglied einer moralischen Gemeinschaft werden und kann daher auch nicht gemeinschaftliche Pflichten eingehen oder gemeinschaftliche Rechte genießen. Ein Tierrecht kann es nicht geben, weil es auch keine Tierpflichten geben kann. Tiere sind nicht rechtsfähig, weil sie nicht pflichtfähig sind. Sie sind daher im Ergebnis tatsächlich der menschlichen Spezies untergeordnet und dürfen von der menschlichen Spezies zum Zweck ihres eigenen Wohlergehens genutzt werden. Im Gegenteil, aus der Sicht der Tiere ist ihre Benutzung sogar vorteilhaft, denn auf diese Weise werden enorm viele ihrer Artgenossen erzeugt und ihrer Gene an folgende Generationen weitergegeben. Die evolutionäre Aufgabe des Tieres, für seinen Fortbestand zu sorgen, ist durch die Indienst-Stellung beim Menschen bestmöglich erfüllt.

In einem Punkt haben die Tierrechtler recht: Nur weil Dinge schon immer so waren, ist diese Feststellung keine Rechtfertigung für die Zukunft. Sklaventum und Frauenunterdrückung waren zehntausende von Jahren der Standard der menschlichen Existenz und wurden selbst von den führenden Ethikern der früheren Zeit nicht hinterfragt. Ethik entwickelt sich, sie ist selbst auch kumulativ fortschrittlich. Wer sich für sein Steak entscheidet, nur weil das schon immer so richtig war, der bewegt sich auf eher schwachem ethischen Terrain. Sich argumentativ aufzurüsten, hilft nicht nur für die eigene Position, sondern auch für den gesellschaftlichen Rahmen, in dem man leben möchte. Die Tierrechtler haben hier bereits einen großen argumentativen Vorsprung erarbeitet.

Lesen Sie morgen: Falschalarm Welthunger-Faktor

Teil 1 finden Sie hier.

Teil 2 finden Sie hier.

Teil 3 finden Sie hier.

Prof. Dr. Peer Ederer hat an der Sophia Universität in Tokyo (BA) und der Harvard Business School in Boston, USA (MBA) studiert. Er promovierte an der Universität Witten-Herdecke in Finanzökonomie. Er ist unter anderem Honorarprofessor der Zeppelin Universität in Friedrichshafen mit den Schwerpunkten Humankapital, Wachstum und Innovation und leitet das „Global Food and Agribusiness Network“ mit Unterstützung der China Europe International Business School Zurich Campus.

Im Rahmen seiner Tätigkeiten berät er Firmen aus aller Welt, die in der Agrarwirtschaft und Lebensmittelindustrie arbeiten. Nur objektive und wissenschaftliche Erkenntnisse sind dabei gefragt. Auftragsforschungen mit Zielvorgaben oder Lobbyarbeit in jedweder Form sind nicht Bestandteil seiner Arbeit.

Weiterführende Informationen und Quellen finden Sie unter den folgenden Links:

www.foodandagribusiness.org/quo-vadis-meat-2050-part-3-ethics/

Richard David Precht:

www.kulturbuchtipps.de/archives/1729

Robert Habeck:

www.topagrar.com/schwein/news/habeck-toetung-von-nutztieren-ist-nicht-mehr-zu-rechtfertigen-9569854.html 

Foto: Pixabay

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Leserpost

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Hans-Peter Dollhopf / 18.08.2019

Bekanntlich muss keiner die Tür aufmachen, wenn die Zeugen Jehovas klingeln. Wozu gibt es ein Hausrecht. Und genauso wenig muss ein freier Wille sich eine Diskussion über Tiere als Nahrung aufzwingen lassen, denn Nötigung ist ebenfalls im StGB geregelt. Wo ist also das Problem, wenn ich Fleisch esse und einem anderen passt das aus seinen ethischen Vorstellungen heraus nicht? Ich bestimme, welche Nahrung gut für mich ist, denn: Mein Bauch gehört mir! Ende der Diskussion. So einfach ist das.

Martin Schott / 18.08.2019

In der Forderung, grundrechtliche Garantien auch auf Tiere auszudehnen, schwingt eine seltsame, neuartige Form von Anthropozentrismus mit. So als sei die Evolution nur auf das Auftauchen den Menschen hin ausgelegt und als sei er berufen, die Natur aus dem ewigen Kreislauf von Fressen und Gefressenwerden zu erlösen.

Andreas Rochow / 18.08.2019

Es sind doch ziemlich große Happen, die dem Achgut-Leser hier geboten werden. Den Walt-Disney-Leuten ist zum Glück noch kein Idealisierungs-Lehrfilm zu krankmachenden Bakterien, Viren und Pilzen eingefallen. Die Front gegen Organismen, die dem Menschen und seinen Nutzpflanzen schaden, bröckelt bereits lautstark: “Pestizide” gehen angeblich gar nicht! Antibiotika und Chemotherapie werden wie alles, was mit “Kemie” zu tun hat, zum Feind erklärt. Mit Worten wie Schadinsekt/Schädling oder Unkraut gibt sich der “Unmensch” zu erkennen, weshalb lächerlichste Vermeidungsbegriffe gewählt werden. Der Wolf wird nicht gejagt oder bekämpft, sondern beraten! Die fehlende Logik des moralischen Imperativs der Selbsterhöhung gipfelt in so “unethischen” Begriffen wie “Impfpflicht” oder “Antibiotikum” oder der verkropften Warnung vor einem “Artensterben”, soweit es nicht den Homo sapiens erectus betrifft. Die Verzweiflung der Agrarwender und Wolfsberater muss unendlich groß sein, lässt sich doch der vernunftbegabte Mensch durch lebensfeindliche Hypes nur schwer oder gar nicht verführen! Es sind genau genommen Extremisten, die uns die Energiebasis, die Mobilität, die Ernährung mit Fleisch, auch den wissenschaftlich begründeten unverzichtbaren Tierversuch, VERBIETEN wollen, ohne das als Konterkulturrevolution bezeichnen zu wollen. Mit Freiheit und Demokratie - so wollen sie es immer hemmungsloser - müsse endlich Schluss sein! Ein Rätsel, wie Typen mit ihrem galoppierenden destruktiven Irrsinn noch Wählerstimmen fangen können.

Gunther Bartelt / 18.08.2019

Leider argumentiert der Autor bevorzugt auf der Irrlehre der Makro-Evolution á la Darwin; hier ist jedoch weder der Platz noch die Gelegenheit, um zu erläutern, warum aus wissenschaftlicher Sicht ein „intelligenter Designer“ bzw. Gott das Leben erschaffen hat. Unbestreitbare Tatsache ist jedoch, dass ALLE Lebewesen bis auf die Pflanzen (mit Ausnahme Fleisch fressender Pflanzen) sich von anderen Lebewesen ernähren. Wer die Irrlehre der materialistischen Physik überwindet (es gibt keine Seele) und konstatiert, dass JEDES Lebewesen (also auch Pflanzen) eine Seele hat, muss zugestehen, dass es prinzipiell keinen Unterschied macht, ob ich mich von Tieren oder Pflanzen ernähre. Tatsächlich töten auch Vegetarier unentwegt Millionen von Tieren - Insekten, Käfer etc. - bevor sie die Pflanzen als Nahrung töten: Jeder Schritt über eine Wiese bedeutet für unzählige Kleinstlebewesen, die zerquetscht oder verstümmelt werden, einen schmerzhaften Tod. Aus christlicher Sicht, aber auch nach den Lehren anderer Religionen, ist unsere Welt und das Leben darauf das Ergebnis einer göttlichen Schöpfung - die göttlichen Regeln folgt. Wenn Löwen Antilopen jagen und fressen, verhalten sie sich, wie Gott es ihnen aufgetragen hat. Selbst Buddha, der oft von Vegetariern angeführt wird, hat Fleischesser weder verurteilt noch aufgefordert, sich nur vegetarisch zu ernähren (Buddha selbst hat übrigens auch Fleisch gegessen); er hat am Beispiel des Schreitens über eine Wiese deutlich gemacht, dass wir gar nicht verhindern können, ständig beseelte Lebewesen zu töten - schlechtes Karma entsteht erst dann, wenn der Mensch das Tier bewusst und willentlich SELBST tötet. Buddha bat um WENIGER Fleischkonsum, anerkannte aber das göttliche Prinzip vom Fressen und Gefressenwerden.

Thomas Schmidt / 18.08.2019

(2) Das gleiche gilt aber auch für Menschen, der Genickschuss im Gulag ist sicher die bessere Alternative zum Bauchschuss auf dem Schlachtfeld, zu Gas oder Flammenwerfer. Überhaupt zeigt der Blick in ein Geschichtsbuch ziemlich deutlich, dass der Mensch von Bewusstsein, ethischen Rechten und Pflichten keinen besonderen Gebrauch macht, er legt bloß zwischen den Phasen brutaler gegenseitiger Abschlachterei immer wieder Pausen ein (genannt Frieden). Zudem zeigen die Geschichtsbücher und auch die Gegenwart, das Sterben absolut, aber Töten relativ ist. So wie heute Schlachthöfe normal sind und Schlachter ein Beruf ist, so kann man auch Lager für (andersartige) Menschen einrichten und diese dort durch Soldaten töten lassen, und das Ganze läuft gesellschaftlich voll akzeptiert ab. Das gab’s nicht nur bei den Nazis, und wer zweifelt daran dass in der Gegenwart bestimmte Menschengruppe andere Gruppe auch liebend gerne eliminieren lassen würden? Letztendlich braucht man sich mit den heutigen Tierrechtlern auf gar keine Diskussion einlassen, solange sie Halal als eine Art Bio Fleisch gutheißen. Wir Deutschen hatten nämlich Tiere töten als notwendiges Übel erkannt und vieles getan um das Leiden zu verringern. Tierrechtler hingegen sind gegen humane deutsche Schlachtung, aber für sadistische Halal Tötung, also einer Diskussion nicht Wert, sondern nur Verachtung.

Thomas Schmidt / 18.08.2019

(1) Sehr guter Artikel, voller richtiger Aussagen, aber gleichzeitig auch voller Denkfehler. Offensichtlich hebt die kulturelle Evolution Homo Sapiens vom Tierreich ab, den sie ist im Vergleich zur biologischen Evolution eine super rasante Turbo Evolution und für den Menschen mittlerweile eine viel größere Bedeutung. Zum Einen heisst das, dass diese ganze Rassenargumentation mit fast gleichem Erbgut in Bezug auf Homo Sapiens Humbug ist, denn dieser bildet neben (den offensichtlich existenten) biologischen Rassen seit tausenden von Jahren eben auch kulturelle Arten (Spezies) heraus die sich (alleine wegen der Sprachbarriere) nur untereinander fortpflanzen. Das Multikulti One-World Projekt der US Globalisten und ihrer westlichen Anhanger ist, bewusst oder unbewusst, auch ein extrem imperialistischen Versuch, alle biologischen Rassen des Menschen miteinander zu verschmelzen, sowie alle anderen kulturellen Arten des Menschen zu eliminieren und durch die amerikanische bzw angelsächsische Kultur zu ersetzen. Wenn das kein Menschheitsverbrechen im ganz großen Stil ist? Trotzdem seiner extremen Bedeutung für die neuere Historie hat die kulturelle Evolution allerdings für die Ethik überhaupt keine Bedeutung. Gebären, lieben, leiden, töten und sterben sind uralte Dinge der biologischen Evolution, und ein Schlachthof bleibt ein Tier-KZ, auch wenn man sich mit der Argumentation um Bewusstseinsebenen das Gewissen erleichtern will. Der vorbehaltlose Blick auf die Welt der Tiere zeigt allerdings einen fast unerträglichen Horrorfilm. Abgesehen von den idR beinahe humanistischen Grosskatzen Tiger, Löwe, Luchs etc haben viele Rudelraubtiere gar nicht die körperlichen Möglichkeiten, ihre Beute erst zu töten und dann zu fressen, Hyänen, Wild Dogs, Wölfe u.a. fressen ihre Beute daher lebendig, und das arme Beutetier würde sich in dem Moment sicher nichts sehnlicher Wünschen als einen schnellen Bolzenschuss im Schlachthof. ,[...]

Kari Suolainen / 18.08.2019

Nach meiner Auffassung ist der Verzehr von Fleisch grundsätzlich ethisch ohne weiteres vertretbar. Recht irritiert bin ich aber über Teile der hier vorliegenden Argumentationsstrukturen. Einige Beispiele: 1) Der Stier sei ‚einverstanden‘? Weil er kämpft und Kampf in seiner genetischen Disposition vorgesehen ist? Wohlan, dann setze man ihn gefälligst auch in eine ähnliche Situation, einen Fortpflanzungskampf. Dies ist bei einem Stierkampf auch im Ansatz nicht der Fall. Wo ist der andere Bulle? Wo die zu gewinnende liebreizende Kuh? Und was sollen die ganzen brüllenden Zuschauer? Weg damit! Nein, er verteidigt sich vielmehr lediglich gegen Angreifer (Picadores vergessen?) – ohne die Möglichkeit der Flucht, die in der Natur durchaus gegeben ist. Und das würde so ziemlich jedes Lebewesen tun. Der Logik des Verfassers folgend müssten also auch Hundekämpfe, Katzenkämpfe, Wildschweinkämpfe, Meerschweinkämpfe …. (!?!) etc. zulässig sein? 2) ‚Bernhard und Bianca‘ als ‚Wendepunkt‘? Allen Ernstes? Die Darstellung von Gut und Böse dürfte eine elementare Grundstruktur des Menschen spiegeln. Dafür könnte der Autor zu den ersten überlieferten Zeugnissen menschlicher Kultur zurückgehen. Lasse er bitte ‚Bernhard und Bianca‘ in Ruhe. Das ist ein natürlich manichäistisch angelegter, etwas zu schmalziger, aber gut gemachter und unterhaltsamer Film. 3) ZITAT: ‚Vor die Wahl gestellt und bei rationaler Betrachtung würde jedes [SIC!] Tier die Bedingungen der Massentierhaltung über das Leben in der Wildnis bevorzugen.‘ Das dürfte so ungefähr die Argumentation der Sklavenhalter im alten Amerika widerspiegeln. Kann ich nicht nachvollziehen. Man könnte ja mal versuchsweise eine Schweinemastanlage öffnen und schauen, was passiert … Und bitte nicht vergessen, vorher genau nachzuschauen, unter welchen Bedingungen Schweine z.T. gemästet werden. Da gibt es viel zu viele Fälle, die eine Schande für die Menschheit darstellen. ... schade um das Ansinnen des Artikels!

Juliane Mertz / 18.08.2019

Es ist anzumerken, dass die Tiere aus der Landwirtschaft menschliche Züchtungen sind. Die Diskussion mit Tierrechtlern führen Sie deswegen bitte wie folgt: “Drum besser wär’s, dass nichts entstünde” - das sagt der Teufel bei Goethe. Wenn diese Tiere nicht getötet werden sollen, dann werden sie auch nicht mehr leben. Kein Leben, kein Leid. Und noch was: Hunde und Katzen als Haustiere gibt es dann auch nicht mehr, denn woraus wohl besteht ihr Futter?

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