Thilo Schneider / 17.07.2019 / 06:29 / Foto: Jean-noël Lafargue / 43 / Seite ausdrucken

Pantheon der Heldinnen

Können Sie sich noch an Greta Thunberg erinnern? So ein schwedisches Mädchen mit lustigen Zöpfen? Die laut ihrer Mutter „unsere Kohlendioxide mit bloßem Auge erkennen“ kann und tatsächlich, glaubt man (an) Katrin Göring-Eckardt, eine Prophetin ist? Genau die Greta Thunberg, die freitags nicht in die Schule geht und dennoch gute Noten hat? Die heißeste Anwärterin auf den Friedensnobelpreis seit Bertha von Suttner? Die Trägerin der „Goldenen Kamera für die netteste Medienpräsenz“? Die, die eine neue Bewegung ins Leben rief und der Luisa Neubauer quasi als deutsche Petra folgte? Die verfolgt, verraten und (fast) vergessen wurde? Zumindest vorläufig? Obwohl sie eine ikonische Verehrung erfuhr? Nein? Schade. Aber kein wirkliches Wunder. Jedenfalls nicht so ein Wunder wie das Sehen von unsichtbaren Gasen. 

Wie im alten Judäa zu Jesu Zeiten sprießen nämlich die Heiligen derzeit aus den Medien wie Schiffbrüchige aus dem Mittelmeer. Eine, die sich damit sehr gut auskennt, ist Carola Rackete, die derzeit in puncto Medienpräsenz, Haltung, Durchsetzungswille und Königin der guten jungen Herzen der guten jungen Greta so irgendwie den Rang abgelaufen hat. Sie mag noch keine Heilige sein, ist aber als „Heilige Johanna“ und „Halbheilige“ schon ganz gut im Geschäft. Nicht nur, dass sie arme Fast-Ertrinkende aus dem Mittelmeer angelt und dann unter Umgehung sämtlicher Gesetze und Weisungen, einzig ihrem Gewissen folgend, den italienischen Schergen Salvinis vor die ungewaschenen Füße kippt, nein, sie nimmt es auch noch juristisch mit dem „hässlichen Italiener“ auf und wird so zur „leisen Rebellin“, die überraschenderweise ziemlich laut ist. Wenigstens laut genug, um von Frankreich eine schöne Medaille zu bekommen, wenngleich diese natürlich nicht mit einer „Goldenen Kamera“ vergleichbar ist. Dafür nimmt Frankreich zwar keine Geretteten auf, aber man kann eben nicht alles haben. Auf die Spitze des Olymp gibt es nun einmal keinen Aufzug – nur die Treppe. Nach Frankreich gibt es ja auch keine Fähre. Zumindest keine kostenlose.

Das, was Greta so ein bisschen verpasst hat – nämlich monetäres Schmiermittel für die eigene Propaganda-Maschine einzuwerben –, hat Carola Rackete innerhalb weniger Tage mit Unterstützung ihrer Jünger Jan und Klaas an der Heimatfront geschafft: Fast eine ganze fette Million haben die Gläubigen hierzulande dafür gesammelt, künftig im Schwimmbad selbst einen Flüchtling vor dem Ertrinken oder Verprügelt-werden retten zu können. Es wird also langsam eng im Pantheon der „jungen weißhäutigen Menschen weiblichen Sozialkonstrukts“. Da hat es Werner Czerwinski als Kapitän – aber alter weißer Mann – nicht leicht, medial durchzudringen, obwohl er mit der „Alan Kurdi“ doch 64 Menschen mit 39 Minderjährigen, einer Frau und einer FAZ-Reporterin vor dem Untergang gerettet hat. Also immerhin 24 Schiffbrüchtlinge, eine Frau und eine Journalistin mehr als Carola Rackete nach Europa überfahren hat. 

Man muss retten, wer noch zu retten ist

Man kann sich allerdings – so viel Fairness muss sein – ja nicht immer aussuchen, wen man so aus Seenot nach Europa rettet. Dazu müssten sich die Kapitäne der diversen NGO-Rettungsschiffe besser mit den Lieferanten der Schiffbrechenden absprechen, aber die einen können kein Arabisch, die anderen kein Englisch. Wenn dann noch die Transponder ausfallen, dann wird es natürlich schwierig, die Rettungsmodalitäten zu klären, und man muss retten, wer noch zu retten ist. 

Somit hätten wir also gleich zwei Heldinnen, die mindestens den Friedensnobelpreis bekommen sollten, etwas abgeschlagen dümpelt da die Bundeskanzlerin auf Platz Drei, die noch vor zwei Jahren als Anwärterin auf eine Büste im Rund der Friedensnobelpreisträgerinnen gehandelt wurde, sich aber jetzt dem Ende ihrer Kanzlerschaft als „Mutti mit Herz am linken Fleck“ nähert (Geben Sie es zu: Sie hatten jetzt irgendwas mit „zittern“ erwartet!). 

Weit abgeschlagen und völlig chancenlos auf einen schönen Preis ist übrigens Kim Basinger, die in Seoul gegen den Verzehr von Hundefleisch demonstriert hat und Heidi Klum, auch wenn Sie mit der Heirat oder Adoption (man weiß es nicht, man weiß es nicht) vom Tokio-Hotelier ebenfalls ein wirklich gutes Werk getan hat.

Bedauerlicherweise völlig abgeschlagen, da komplett unbekannt, ist beispielsweise die Lyrikerin Xenia Hügel, die mit viel eigenem Engagement, uneigennützig, aber beharrlich und fleißig Mittel für eine einfache Schule in Uganda einwirbt. Völlig ohne spektakuläre Aktionen, „embedded Journalists“, großem Politikerrummel und Mediengetöse. Eine von vielen hundert Frauen, die sich lieber auf sich selbst als auf große NGOs und Väter mit Knete aus dem „Handel mit Sicherheitstechnik“ verlassen. Eine der vielen, die wie Ursula Beier seit 40 Jahren, Projekte in der Dritten Welt selbst initiieren. Unbeachtet, weil unromantisch. Weder „Heilige“, noch „Prophetinnen“, noch „Heldinnen“, noch „Ikonen“. Frauen, die „kein Gesicht“ haben, aber einfach machen. Aber die helfen ja auch nur direkt vor Ort und nehmen das „Bekämpfen von Fluchtursachen“ wirklich als Herzensangelegenheit ernst. Mit all den Risiken, die das birgt. Aber immerhin kennen jetzt die Achgut.com-Leser die beiden Damen. 

Foto: Jean-noël Lafargue FAL via Wikimedia Commons

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armin wacker / 17.07.2019

Man kann doch über Umwelt Mal vernünftig diskutieren. Wenn man den Müll von Kreuzfahrtschiffen aus Korn nimmt, dann muss man auch den Müll der Zuhause nicht anfällt abziehen. Und die Kilometer die man Zuhause nicht fährt, weil man nicht zur Arbeit muss.

armin wacker / 17.07.2019

Jesus Christus war ein Mann. Der hat uns das Vater unser gelehrt. Nicht das Mutter unser.Der einzige Friday for Future ist für mich der Karfreitag. Es gibt für mich kein Fegefeuer und deshalb brauche ich auch keine Maria als Mutti. Schon gar nicht als Kanzlerin. Männerzieht endlich die Hosen an und macht dem Spuk ein Ende.Ihr habt eure Töchter etwas zu sehr verzehrtelt. Wir müssen auch Leute wie Jens Spahn loswerden , der glaubt er kann uns Impfungen diktieren und uns bei lebendigem Leib ausbleiben.

Karl Mallinger / 17.07.2019

@Brigitte Miller - Diese verlogenen Lobhudeleien für Angela Merkel aus aller Welt, nach dem Motto: “Hauptsache, sie holt die Flüchtlinge nach Deutschland und hält sie unserem Land dadurch vom Leib.” widern mich nur noch an.

Günter Springer / 17.07.2019

Sehr gut Christine Schneider, sehen Sie mir bitte meine Ausdrucksweise nach, für mich sind diese Schreiberlinge miese Arschlöcher ohne jede Verantwortung. Warum werden dere Pampflete aber noch gekauft? Mir tut jeder Baum leid, der sterben mußte um zu Papier verarbeitet zu werden, welches diese Maulhelden dann beschriften. Haben die Grünen darüber mal nachgedacht. Im Übrigen über eine CO2- Steuer wird viel und gerne gesprochen, wo bleiben aber die Einsparungen für die Rettung des Klima´s? Hallo Grüne, ich erwarte in dieser Richtung Eure Vorschläge!

Wolfgang Kaufmann / 17.07.2019

Ich wünsche der dogmatischen Skipperin in allen Anklagepunkten Twelve Points, dann dürfte sie fünfzehn oder zwanzig Jahre einsitzen. Ferner gehört das Schiff verschrottet. – In früheren Zeiten wäre die Einfahrt trotz eindeutigem Verbot durch die italienische Regierung ein Casus Belli gewesen oder wäre zumindest mit einem Schuss hinter den Bug beantwortet werden. Wie aggressiv ist das deutsche Volk geworden, dass es solch gewalttätige Anarchie in breiter Front gutheißt? Lauter militante Pazifisten?

B. Kurz / 17.07.2019

@Brigitte Miller ... Der Herr Philosoph hat sich nur versprochen, er meinte natürlich “innerhalb weniger Monate in eine chaotische Nation zu verwandeln”! Toll, Herr Schneider, endlich konnte ich über dieses erbärmliche Thema einmal lachen. Danke dafür.

Karl-Heinz Vonderstein / 17.07.2019

Frauen sind die Speerspitzen des Gutmenschentums und inszenieren sich dabei am besten und kommen damit noch glaubhafter rüber als die Männer. Vermutlich weil das weibliche Geschlecht etwas weniger Dreck am stecken hat in der Geschichte als das Männliche.

Karl Mallinger / 17.07.2019

Wenn Carola Rackete in Paris eine Medaille für ihre als “Seenotrettung” getarnte Beihilfe zur illegalen Einwanderung bekommt, warum landen dann die vielen NGO-Schiffe mit den “Migranten” nicht in Marseille an? Warum gibt es keine französischen NGO-Schiffe miit französischen Kapitäninnen, die die “Migranten” aus dem Mittelmeer oder direkt von der   libyschen Küste aufnehmen und auf kürzestem Weg nach Frankreich bringen?  Warum muss stets Italien mit dem angeblich so “bösen” Salvini am Ende immer als “gutmütig​er Esel” herhalten, dem man dann immer schlussendlich diese Last auferlegt, während sich Frau Rackete anderswo als angebliche “Heldin” feiern lässt? NATÜRLICH hat Salvini vollkommen recht, wenn er hier von HEUCHELEI spricht!

Christa Born / 17.07.2019

Nun ja, nicht alle Frauen haben einen an der Klatsche. Das haben Sie schön herausgearbeitet. Danke dafür. Ob nun hübsch oder nicht, das sollte aber doch gleichgültig sein.

Udo Lang / 17.07.2019

Der Verschwörungsfan Oliver Janich hat so einiges über Racketes Vater zusammengesucht…

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