Deborah Ryszka, Gastautorin / 03.07.2022 / 16:00 / Foto: Pixabay / 8 / Seite ausdrucken

Kultur-Kompass: „Gender? Nein, danke!”

Dunja Hayali tut es, Anne Will auch und Annalena Baerbock sowieso: Gendern, Gendern, Gerndern. Wer heute nicht gendert, gilt irgendwie als „retro“, „out“ oder ,noch abstruser, „rechts“. Zumindest in bestimmten pseudosensiblen und pseudoprogressiven Kreisen. Daher greifen vor allem „Gesinnungsbewusste“ mit Drang zur politischen Statementsetzung, übereifrig und liebedienerisch, zu den Gender-Sternen. Als selbsternannte Engel des „Gender-Gott*“ wollen sie ihre Mitmenschen in die Höhen des Gender-Himmels hieven. Ob diese es wollen oder nicht –  die „bemitleidenswerten Nicht-Erwählten“ können schließlich nichts für ihre Blindheit.

Vor diesem Hintergrund ist es immer wieder eine Freude „Gender-Teufelchen“ zu begegnen. So wie Max Haberich. Mit seinem feuilletonistischen Essay „Gendern? Nein, danke!“ lehnt er sich, mit Biss und Humor, gekonnt gegen das anschwellende Gender-Regime auf. Hart, aber genau, spricht er aus, was viele sich nicht trauen zu sagen. An Universitäten und in Redaktionen, in Verlagen und in Theater- und Opernhäuser.

So bringt Haberich es bereits im Vorwort auf den Punkt: „Wir haben sogar eine gewaltige Neurose. Es ist die Besessenheit mit unseren Genitalien“. Diese Obsession sei das Übel unserer Zeit. Gerade die „Genderillas“ beherrschten diese wie wahre Meister, wie „schlecht erzogene Hunde, die ihre Nase jedem Fremden zur Begrüßung in den Schritt rammen“. Haberich hätte es feiner formulieren können, hat er aber nicht. Gut so.

Mit eben dieser Grundannahme manövriert sich Haberich durch die wahnsinnige Welt der „Genderillas“, deren Ursprünge er in der postmodernen Theorie Michel Foucaults und Jacques Derridas sieht. Dabei widmet er sich auch Judith Butlers Positionen, wobei auch die „Grande Dame der Geschlechtsdekonstruktion“, wie ich sie nennen möchte, selbst Gegenstand seiner Überlegungen wird: „Woher Butlers Hass als eine prominente Homosexuelle auf die heterosexuelle Mehrheit rührt, wäre eine lohnende psychologische Fallstudie, die möglicherweise traumatische Erlebnisse aus der Zeit ihrer Pubertät ans Licht fördern würde – für die sie nun Rache einzufordern scheint“. In der Tat wäre das ein interessanter Fall für den Psychoanalytiker. Nicht nur für den.

Die Universität als „politisches Schulungslager“

Zwischen diesen und weiteren kritischen und scharfzüngigen Streifzügen durch die Gender-Ideologie benennt Haberich überdies gesellschaftskritische Ansichten: die gesellschaftliche Abwertung individueller Leistung und das Versagen der intellektuellen Kaste. Auch der Umgang der Geschlechter findet Eingang in seine Überlegungen, sogar Beziehungstipps gibt er: „[...] ein junger Mann sollte lieber seinem gesunden Instinkt vertrauen als einem feministischen Dating-Ratgeber, wenn er sich jemals fortpflanzen will“. Als „genderunsensible“ Vertreterin des weiblichen Geschlechtes kann ich nur sagen: Dieser Tipp ist goldwert, verehrte „Herren der Schöpfung“!

Doch zurück zum Inhalt: Noch spannender wird es, wenn Haberich konkrete Konsequenzen des Gender-Irrsinns aufzeigt und die Universität als „politisches Schulungslager“, mit all seinen Gender-Fallen, in seinen Fokus rückt. Ein Gespräch mit einem Geisteswissenschaftler der Universität Wien und einer hiesigen Studentin über ihre Leidensgeschichte unter dem Gender-Regime runden den Universitätsrundgang ab.

Zum Abschluss seines Essays widmet sich Haberich der Frage, weswegen der Gebrauch von Gendersprache nicht überlebensfähig sei. Einerseits besitze die deutsche Sprache ein Differenzierungsvermögen, das etwa im Englischen fehle. Andererseits sei Gendersprache schlicht und einfach nicht alltagstauglich.

Zufluchtsort für Liebhaber der Vernunft

Kurzum: Haberich schafft es, ein ernsthaftes Thema auf eine heitere und amüsante Weise zu „verarbeiten“. Das alles garniert er mit viel Herzblut. Man liest: Da ist einer betroffen, nein getroffen. Trotz alledem behält Haberich einen kühlen Kopf und bleibt auf dem Boden der Tatsachen. Deswegen ist „Gendern? Nein, danke!“ als ein stürmisches Plädoyer eines leidenschaftlichen Demokraten und überzeugten Liebhabers der Vernunft zu begreifen.

Wer dementsprechend einen Zufluchtsort sucht, fern ab von himmelhochjauchzenden Winkellinguisten und betreuten Sprechangeboten, macht mit dem Essay absolut nichts falsch. Für sensible „Gender-Engel“ gilt daher: Lesen auf eigene Gefahr! Doch wer es wagt, der gewinnt: nämlich den weltlichen Boden der Wirklichkeit unter den Füßen.

Haberich, Max (2022). „Gender? Nein, danke!“ Zu erwerben hier.

Foto: Pixabay

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Th. Stoppel / 03.07.2022

#Sam Lowry: Im Öffentlichen wird die US Krimi-Serie aus den 80-er “Cagney and Lacey” angeündigt mit .......zwei starke und intelligente weibliche Polizistinnen”. Als ich das Wortgebilde gelesen habe, mußte ich herzhaft lachen und dachte, hier muß doch gleich das kleine Vögelchen kommen.

Paul Siemons / 03.07.2022

Ich meide konsequent jeden und alles, von dem Gendergedöns ausgeht. Also Personen und Medien, die was mit gendern machen. Kein TV, kein Radio, keine Zeitung, keine Veranstaltungen, und vor allem keine woken Wahnwichtel in Person. Wer in seiner Werbung auch nur im Ansatz Anleihen an Gendergedöns nimmt, kommt umgehend in meine no-buy Wüste. Die Folgen sind eindeutig, Genderquatsch existiert in meinem Alltag nicht, oder wenn, dann nur um mehrere Ecken, indem ich zum Beispiel einen Artikel wie diesen lese. Fazit: Ich kann Ihnen meine Art des Umgangs mit Bekloppten nur empfehlen. Gegendere hat dann für Sie den gleichen Stellenwert wie sagen wir die Hochzeitsbräuche der Komantschen oder das Verdauungssystem der Moluckenmakaken.

Rüdiger Hollschuh / 03.07.2022

Heißt es eigentlich noch Wasserhahn oder schon Wasserhenne? Schreibt man dann Wasserhenne mit einem oder 2 Deppensternchen? Alles kompliziert!

T. Brecht / 03.07.2022

Die Männer und Frauen beim ÖR Staatsfunk können sich alle auf den Kopf stellen bevor ich anfage zu gendern springe ich eher vor den Zug. Gendern bewirkt bei mir abschalten und canceln.

Sam Lowry / 03.07.2022

Heute noch lache ich über das Wort eine Bekannten, und das ist schon weit über 40 Jahre her: “Krankenschwesterin”. Diese Idioten können mich mal…

Thomas Szabó / 03.07.2022

Man bestätigt mit jedem gegenderten Satz seine “richtige Gesinnung”, seine Treue zur führenden Ideologie, seine Treue zum “Führer”.

Udo Bültmann / 03.07.2022

Candy is Dandy liqueur is quicker

Ralf.Michael / 03.07.2022

Liebe Annalena, Gender me tender, Gender me quick, Gender me softly and then….aber das verrate ich Dir erst wenn es soweit .... Diese §$%&/_*_innen sind Alle vom Schwachsinn besprungen !

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Deborah Ryszka, Gastautorin / 17.07.2022 / 14:00 / 18

Kultur-Kompass: „Wahnsinn der Massen“

Wie sagte Molière zutreffend: „Der Mensch ist ein vernünft‘ges Wesen. Wer das behauptet, ist nie Mensch gewesen.“ Doch das Maß an Irrationalität, das Douglas Murray…/ mehr

Deborah Ryszka, Gastautorin / 19.06.2022 / 14:00 / 10

Kultur-Kompass: „Wie wir unfrei werden“

Sind wir unfrei? Leben wir in einem totalitären System, ohne es zu wissen? Eben diesen Fragen widmet sich versiert die Historikerin und Bestsellerautorin Gudula Walterskirchen…/ mehr

Deborah Ryszka, Gastautorin / 16.06.2022 / 14:00 / 16

Philosophen auf dem Laufsteg

Bereits zum 10. Mal fand das philosophische Festival „Phil Cologne“ statt. Star-Intellektuelle wie Peter Sloterdijk und Svenja Flaßpöhler sprachen ebenso wie ein Angstforscher und ein…/ mehr

Deborah Ryszka, Gastautorin / 05.06.2022 / 10:00 / 14

Kultur-Kompass: „Dienstboten“

Ulrich Greiner schreibt in seinem Buch „Dienstboten“: „Da die Ungleichheit keineswegs verschwunden ist, entstehen seltsame Verrenkungen. Man will keine Situation herbeiführen, die das soziale Gefälle…/ mehr

Deborah Ryszka, Gastautorin / 29.05.2022 / 14:00 / 10

Kultur-Kompass: „Zur Kritik der instrumentellen Vernunft“.

Der Griff zum Buch des linken Vordenkers Horkheimer lohnt sich auch im Jahre 2022. Was früher intellektuell und avantgardistisch war, ist heute grundsätzlich massentauglich und…/ mehr

Deborah Ryszka, Gastautorin / 08.05.2022 / 16:00 / 14

Kultur-Kompass: „Der Liberalismus und seine Feinde“

Auf knapp 180 Seiten verteidigt der US-Politologe Francis Fukuyama den Liberalismus. Viel mehr als Vernunft, entsprechende Argumente und etwas Belesenheit braucht es hierfür nicht. Was…/ mehr

Deborah Ryszka, Gastautorin / 24.04.2022 / 14:00 / 13

Kultur-Kompass: „Die unheimlichen Parallelen“

Die Einschränkung unveräußerlicher bürgerlich-individueller Rechte, die Verfolgung irrationaler Ziele im Namen der Wissenschaft und die zunehmende Intoleranz gegenüber Andersdenkende („Cancel Culture“): Irgendetwas läuft gehörig schief…/ mehr

Deborah Ryszka, Gastautorin / 10.04.2022 / 14:00 / 13

Kultur-Kompass: „Die hysterische Republik“

Um unsere Gesellschaft muss es schlecht bestellt sein. Sehr schlecht. Nach Wolfgang Herles’ Buch „Die neurotische Nation“ attestiert ihr nun Steffen Meltzer mit „Die hysterische Republik“…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com