Während sich Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (doppelt geimpft) positiv getestet in Quarantäne befindet, fällt die Presse über seinen gesunden, aber ungeimpften Spieler Joshua Kimmich her.
In einem Verhör durch einen Sky-Reporter sagte der Bayern-Kicker und Nationalspieler Kimmich kürzlich, er sei bislang nicht gegen Corona geimpft. Ruhig und sachlich beschied er dem Inquisitor Patrick Wasserziehr, er sei kein Impfgegner, habe aber persönlich noch ein paar Bedenken, „was fehlende Langzeitstudien angeht“. Er lasse sich jedoch alle zwei, drei Tage testen.
Jetzt steht das Land, in dem es keine Impfpflicht gibt, kopf. Die Süddeutsche Zeitung meint, als Botschaft sei die Kimmich-Äußerung „fatal“, der stern nennt seine Aussagen „verheerend“, Alena Buyx vom Deutschen Ethikrat behauptet, Kimmich sei einer „Falschinformation aufgesessen“, der Focus schimpft ihn „unsolidarisch und unwissend“. Die Münchner Abendzeitung versteigt sich zu der Behauptung, Kimmich habe „Corona-Schwurblern ein Gesicht gegeben“ und ARD-Urgestein Ulrich Deppendorf fordert bei Twitter, der FC Bayern solle Kimmich nicht mehr aufstellen.
Der allgemeinen Entrüstung setzte nun vorerst Hanni Hüsch in einem Tagesthemen-Kommentar die Krone auf.
Die ersten 30 der 107 Sekunden ihres Kommentars zählt Hanni Hüsch Kimmichs Meriten auf, vom Einser-Abi über die selbst und clever ausgehandelten Verträge bis zum sozialen Engagement. Dann dreht sich der Wind: „Und jetzt das!“ Joshua Kimmich sei ungeimpft, klar könne er das sein, es gebe schließlich keine Impfpflicht, und wir wissen alle, was nun folgt: „Aber: muss ich das verstehen? Nein, muss ich nicht. Was für ein Eigentor!“ Gerade jetzt sei so ein Statement ganz schlecht, steigende Fallzahlen, zu wenig Impfungen und so weiter. Drei Dinge muss Hanni Hüsch dazu sagen:
„Der AfD hat er den Ball genau vors Tor gelegt."
Erstens solle sich Kimmich Rat bei Karl Lauterbach (!) holen, der ihm gerne erkläre, warum ihn die „Langzeitfolgen“ nicht sorgen müssen. (Dabei hatte Kimmich, völlig zu Recht, von fehlenden Langzeitstudien gesprochen.) Zweitens seien zahlende Fans auf den Tribünen „pottesauer“, dass sie nur geimpft oder genesen ins Stadion kommen – als habe ausgerechnet Kimmich die „2G-Regel“ verfügt. Drittens aber, und das sei entscheidend, müsse er als Vorzeige-Profi „die Gefahren auf dem Spielfeld erkennen“: „Der AfD hat er den Ball genau vors Tor gelegt. Alice Weidel hat dankbar verwandelt.“
Nanu, was hat die AfD-Frau denn gesagt? „Dass Herr Kimmich nun laufend genötigt wird, sich für seine persönliche Entscheidung zu rechtfertigen, ist übergriffig und offenbart eine bedenkliche Ausbreitung von konformistischem Bevormundungs-Denken.“ Für Hanni Hüsch ist das wohl der berüchtigte Beifall von der falschen Seite, von dem man sich unbedingt distanzieren muss.
Nach dieser Logik soll sich Joshua Kimmich, ein kerngesunder 26-jähriger Hochleistungssportler, unbedingt mit einem neuartigen, nur bedingt zugelassenen Impfstoff spritzen lassen, gegen ein Virus, das er, erwischte es ihn überhaupt, mit einer Wahrscheinlichkeit von über 99,9 Prozent nicht oder kaum bemerken würde – nur damit er nicht ausgerechnet von Alice Weidel in Schutz genommen wird. Man kann nur hoffen, dass der sehr reflektierte Fußballprofi auf diese perverse Logik pfeift und weiterhin das tut und lässt, was er für richtig hält. Sicher ist das nicht. Der „Gegenwind“ wird immer eisiger.

Hat er nicht vor kurzem für das Impfen geworben?
Das ist alles so verrückt. Dabei kann man die Corona-Viren doch direkt sehen, wie sie durch die Luft schwirren. Erst heute Nachmittag habe ich einem Maskenträger das Leben gerettet. Eines der Mistviecher war zwanzig Zentimeter vor seinem Kopf. Ich schrie noch „Halt!“, aber er rannte voll rein. Natürlich ging das Ding in sein Auge. Ich bat sofort Passanten um ein Taschenmesser. Gottlob konnten wir das Auge entfernen, bevor der ganze Kerl rettungslos infiziert worden wäre.
Seit Kimmich bin ich Fußball-Fan.
Ein bekannter Fußballer tickt nicht so, wie es die Mainstream-Medien wollen und wird daher mit nicht enden wollenden Artikeln öffentlich an den Pranger gestellt und fertig gemacht. Wieso erinnert mich das irgendwie an den Fall des Fußballspielers Mezud Özil, der sich einfach das Recht herausnahm, sich mit dem türkischen Ministerpräsidente Erdogan, fotografieren zu lassen? Und sich ebenfalls „uneinsichtig“ zeigte, nach dem Motto , „das wäre doch sein persönliches Recht“ und „wir leben doch in einem freien Land“ und so einen Quatsch.
Kann man bitte endlich ein gemeinschaftliches Symbol für alle aufrichtigen Ungeimpften erschaffen, dass und nach außen kennzeichnet und zeigt, dass wir viele sind? Kauft euch das Bayern-Trikot mit der Kimmich-6!
Was erlauben Kiiiiiimich? Querdenkender Fußballer, oder was? Ein Langzeitstudien-Freund. Ein Skeptiker. Ein Ungläubiger. Ein AfD-Versteher womöglich. Kein Freund von dem ehemaligen Fliegenträger. Einer, dem man mal was erklären muss. Kein Vorbild. Einer, der eine eigene Meinung hat. Ganz unverzeihlich.
@Kathleen Hengstenberg, ab heute bist Du mein Stern.:)