Huldigungen von Kunstschaffenden an die Obrigkeit schienen zwischenzeitlich mal aus der Mode gekommen zu sein. Die Regentschaft Angela Merkels hat auch hier etwas verändert. Wenn nun eine bekannte Schriftstellerin wie Jana Hensel in der ehrwürdigen „Zeit“ ihre ganz persönlichen Lobpreisungen zum beginnenden langen Abschied von der Bundeskanzlerin verbreitet, kann man sich auf eine besonders formvollendete Huldigung freuen:
„Mein Deutschland-Gefühl, es ist in Wahrheit ein Angela-Merkel-Gefühl. Ich bin in dieses Gefühl eingezogen wie andere in ein Haus. Ich habe darin genauso selbstverständlich gewohnt wie auch das Kind. Es ist uns mit den Jahren wie zu einer zweiten Haut geworden. Ist es nicht das, was wir Heimat nennen? Ist es nicht das, wonach wir immer suchen, wonach wir uns sehnen?“
Wer hat Angela Merkel schon mit so viel Zuneigung bedacht, wie sie aus den folgenden Sätzen spricht?
„Ich mag ihre Augenringe, die manchmal größer, manchmal kleiner sind, für mich sind es Augenringe des Vertrauens. Ich mag, wenn sie ihre Hände zu einer Raute faltet, wenn sie sie im Reden in der immer gleichen Bewegung öffnet und wieder schließt.“
Selbstverständlich darf die Würdigung von Merkels wahrscheinlich folgenschwerster Entscheidung nicht fehlen.
„Ihre Entscheidung, die deutschen Grenzen im Sommer 2015 in Anbetracht der Hunderttausenden von Flüchtlingen nicht nur nicht zu schließen, sondern damit eine Willkommenskultur zu stiften, das bleibt der strahlendste Moment ihrer Kanzlerschaft. Ich sage das, obwohl ich weiß, dass es das Land zerrissen hat und noch immer zerreißt.“
Was ist schon ein zerissenes Land gegen den strahlendsten Moment der Merkelschen Kanzlerschaft? Jana Hensel gelobt jedenfalls, dem Kurs von Angela Merkel auch nach deren Abtreten zu folgen.
„Dass ihr ‚Wir schaffen das‘-Satz das größte Kompliment gewesen ist, dass sie uns machen konnte. Sie hat uns Deutschen damit ein Stück ihrer Größe und Würde als Auftrag zurückgegeben. Und wir werden es schaffen, nun auch ohne sie.“
Vielleicht sammelt Jana Hensel demnächst ja Geld für ein Angela-Merkel-Denkmal.

Geschichtskundigen Lesern dürften diese Elogen bekannt vorkommen. Hätte sie den Namen Angela Merkel nicht auch durch 'Den großen Genossen' oder 'Den großen, weisen Vorsitzenden' ersetzen können?
Klingt irgendwie wie Nordkorea-Hymnen auf Kim-Jong-Un. Und das auch noch in echter Verzückung. Sie wird weinen, weinen, weinen, wenn die Große Vorsitzende hoffentlich bald und endgültig im Orkus verschwindet.
Wer hat dieser Frau etwas ins Getränk gemischt - oder war sie es selbst? Als sie über die sich in ihrer Größe verändernden Augenringe und die zur Raute gefalteten Hände geradezu ins Schwärmen geriet, bekam ich einen derartigen Lachanfall, dass ich froh war, dass er mich bei geschlossenen Fenstern ereilte; möglicherweise hätten sich sonst Nachbarn Sorgen um mich gemacht. Danach blieb wieder nur halswirbelschädigendes Dauerkopfschütteln. Wer ist diese Frau, deren Art zu schreiben mich fatal an die Lobhudler von Diktatoren wie Hitler, Mao und die nordkoreanischen Kims erinnert? Vielleicht wird dieser Beitrag in der ZEIT dafür sorgen, dass man endlich bei Wikipedia etwas über sie erfährt. Wenn ich daran denke, was für ein Qualitätsblatt DIE ZEIT früher einmal gewesen ist... Marion Gräfin Dönhoff würde im Grab rotieren, wenn sie den Abstieg "ihrer" ZEIT mitbekommen würde. Neuer Gedanke: Oder ist diese Jana Hensel vielleicht eine begnadete Satirikerin?
Diese verstörte Frau sollte nicht schreiben sondern sich um die geschenkten Menschen von Frau Merkel kümmern. Ihren Wohnsitz nach neu Köln verlegen und sich dann jeden Tag bei Merkel für dieses schöne neue Deutschland bedanken. Dabei kann Sie beobachten wie Ihre Augenringe jeden Tag grösser werden, aber bestimmt nicht kleiner. Selten so ein Schwachsinn gelesen.
Volle Zustimmung Herr Grimm. Medien sollten generell keine Lobpreisungen auf Politiker abgeben. Gute Politiker werden vom Volk selber in Form einer Wahl bzw. Wiederwahl gelobt. Und die Einordnung in gut und schlecht sollte ein mündiger Bürger auch ohne Journalisten schaffen. Aber hier auf der Achse liest man leider auch immer wieder solche Lobhudeleien von Ihrem Kollegen Weimar. Das gefällt mir genauso wenig.
Frau Merkel ist eine gerissene Person. Man könnte sie mit Tito aus Ex-YU vergleichen. Während ihrer Wirkungszeit geht es den Leuten prima. Wenn sie nicht mehr da sind, denken die Leute sehnsuchtsvoll zurück, als noch alles in Ordnung schien und glorifizieren sie. Dass alles auf Verschleiß gefahren wurde und der Zusammenbruch durch ihre verantwortungslose Politik vorprogrammiert war, werden die Nachfolgenden leidvoll erfahren, aber nur die wenigsten werden die Verantwortung bei ihnen suchen. In der Erinnerung der Menschen wird eine gute Zeit zurückbleiben, wo man billige Lebensmittel hatte, quasi jeder sich ein Auto und Urlaub leisten konnte, die medizinische Versorgung selbstverständlich war wie die Sicherheit im öffentlichen Raum . Das wird sich ändern. Es hat bereits angefangen, sich zum schlechten zu wenden. Genau das ist der richtige Zeitpunkt, sich aus dem Staub zu machen. (Die Regentschaft Titos wurde durch seinen Altersod beendet, Merkel hingegen wird noch lange unter uns sein, ist aber wurscht. Der Abgang von beiden war/ ist sehr gut getimt. Die Scherben sollen andere aufkehren)
Oh, das ist aber krass und sehr unheimlich. Das hat so ungefähr die Qualität der Liebesbriefe, die deutsche Frauen an den Führer geschrieben haben. Auch dieser unverhohlen chauvinistische Nationalismus, der von Deutschlands Größe und Auftrag schwärmt, wirkt auf mich beängstigend und bedrohlich.