Thomas Rietzschel / 15.02.2018 / 17:55 / 18 / Seite ausdrucken

Gesehen, gelesen, gehört, verpasst: Propaganda, made by ARD

Was gestern Abend zur besten Sendezeit von 20.15 bis 21.45 bei der ARD lief, entzieht sich der ästhetischen Kritik. Als „Kunstwerk“ ist diese Zumutung nicht satisfaktionsfähig. Von der ersten bis zur letzten Einstellung spielte der filmische „Aufbruch ins Ungewisse“ unterhalb der kritischen Gürtellinie, in den dunkleren Abgründen des Kitsches. Inszeniert wurde die Vision einer böswillig beschworenen Zukunft, die Geschichte einer Familie, die aus dem mittlerweile rechtsradikal beherrschten Deutschland nach Südafrika fliehen muss, sich mit Müh und Not aus einem abgesoffenen Schlauchboot rettet, um dann mit verwilderter Frisur und zerfetzten Kleidern in die Hand geldgieriger Schlepper zu geraten, bevor sie das Elend eines afrikanischen Auffanglagers erlebt, immer bedroht von der Gefahr der Abschiebung in die Heimat, das vermeintlich „sichere Herkunftsland“.

Keine Sequenz, in der man die Nachtigall nicht trampeln hörte. Kolportage der schlichtesten Machart. Welcher Intention verdankt sich ein derartiges Machwerk? Wie kommt so etwas zustande, obendrein gebührenfinanziert und ausgestrahlt auf einem öffentlich-rechtlichen Kanal? Immerhin wurde hier mit dem Entsetzen ein abgründiges Spiel getrieben.

Und morgen sind wir es

Der Film schürte Ängste, um gegen jene aufzuwiegeln, die es noch wagen, die Flüchtlingspolitik à la Merkel in Zweifel zu ziehen. Ihnen sollte die Zukunft um die Ohren geschlagen werden. Denn, so die mit dem Holzhammer eingebläute Botschaft, schon morgen könnte es uns ebenso ergehen wie den „Flüchtlingen“, gegen deren weiteren Zuzug sich hierzulande eine wachsende Mehrheit sträubt, auferstanden aus der braunen Asche der Geschichte.

Die UFA hätte einen solchen Propagandastreifen vorzeiten kaum abstoßender produzieren können. Damals, als Joseph Goebbels in den verstaatlichten Potsdamer Studios das Sagen hatte, wurde dort vieles gedreht, was die Furcht vor der imaginierten Bedrohung durch das „Weltjudentum“ befeuern sollte. Verfilmte Hetzkampagnen gegen die jüdischen „Halsabschneider“ im mehrfachen Sinne des Wortes. Nun hat die ARD ihrerseits einen Film gesendet, dessen Story auf der Machtergreifung eines neofaschistisch infizierten Mobs aufbaut. Gleich zu Anfang hört man aus dem Off die Stimme eines Präsidenten, der im Tonfall Hitlers von der „Säuberung“ Deutschlands faselt. Primitiver geht es wahrlich nicht.

Verharmlosung der Geschichte

So zu tun, als stünden uns Verhältnisse wie im Dritten Reich bevor, läuft schlichtweg auf eine Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen hinaus. Die sensationserheischende Verfilmung eines deutschen Flüchtlingsschicksals im 21. Jahrhundert grenzt an eine Verhöhnung derer, die nach 1933 emigrieren mussten. Hunderttausende überlebten damals notdürftig im Exil, materiell oder seelisch ruiniert. Die Wenigsten hatten es so gut wie Thomas Mann. Viele haben sich in der Fremde umgebracht. Man denke nur an prominente Beispiele wie Stefan Zweig oder Kurt Tucholsky.

Die Verantwortlichen der ARD und ihre Filmemacher hätten gut daran getan, einmal ins Geschichtsbuch zu schauen, bevor sie ihren „Aufbruch ins Ungewisse“ produzierten und ausstrahlten. Jetzt müssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen, in das Fahrwasser politischer Propaganda geraten zu sein, einer Stimmungsmache unseligen Angedenkens. Ob das absichtlich oder aus Dummheit geschah, ist ohne Belang. Der Kitsch, den sie uns gestern vorsetzten, zeugt von Geschichtsvergessenheit, von politischer Anmaßung und moralischem Versagen.

Von Kunst indes kann da keine Rede mehr sein, wohl aber von der Entlarvung einer Event-Gesellschft, die jeglichen Anstand verliert, geht es darum, mit ein  bisschen Grusel Quote zu machen. 

PS. Die Zuständigen in der ARD haben wohl genau gewusst, was für ein Stück-Agitprop sie da ins Programm setzten. Sie nahmen im voraus zu den Reaktionen Stellung und verwahrten sich gegen "rassistische, diskriminierende, beleidigende und unsachliche Kommentare". Scrollen Sie bis zum Ende der Vorschau.

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Leserpost (18)
Jürgen Althoff / 15.02.2018

Ein realistischeres Szenario hätte sein können: Rechtsanwalt arbeitslos in einem von Merkel und Nachfolgern/Gehilfen heruntergewirtschafteten Land mit Moslems an den politischen Schaltstellen. Alternative zum Bettler- bzw. Dhimmytum: Auswanderung.

E.W.U.Putzer / 15.02.2018

300 Zuschauerkommentare auf der ARD-Seite, gefühlt weit über 90 Prozent vernichtende Beurteilungen. Der Server hat die Flut der Kommentare gnädiger weise für die ARD (und die Schauspieler, die sich missbrauchen ließen) wegen Überlastung beendet. Hat da jemand bei der ARD nicht aufgepasst? Zur Strafe werden dem “Zuschauerpack” sicher die Gebühren erhöht.

Dirk Jungnickel / 15.02.2018

Sich inhaltlich oder gar ästhetisch mit dem “Werk” auseinanderzusetzen, ist wahrlich Zeitverschwendung zumal Th. Rietzschel das zutreffend getan hat, wobei es nicht einmal des Hinweises auf die Goebbels - Analogie bedurfte.  Man wIrd nahezu aller zehn Minuten mit dem Holzhammer auf den Holzhammer gestoßen und ist nicht nur verärgert sondern stinksauer.  Hervorzuheben wären allerdings noch die ausgefeilten Dialoge, die in die deutsche TV - Geschichte eingehen dürften. Die Schuldigen eher nicht, da wird es wohl kaum zu einer Abmahnung reichen ...

Dieter Wellbrock / 15.02.2018

Nun denn, wenn die Verantwortlichen sich erst jetzt mit dem Vorwurf auseinandersetzen müssen ins Fahrwasser politischer Propaganda geraten zu sein darf man sich nicht wundern, dass sie infolge jahrelanger mangelnder Kritik ein wenig zu Plump vorzugehen scheinen, oder es herrscht die Angst vor einem Kontrollverlust über die ordentliche Meinung, so dass schnell, brachial, einfach eine Botschaft für die breite, abgestumpfte, schuldbewusste, Masse ausgestrahlt werden musste.

Jan Weigner / 15.02.2018

Einige Anmerkunden zu Ihrem Artikel: Erstens ist mir schon vor langem aufgefallen, dass man bei den öffentlichen Sendern in Deutschland primär Propaganda vorgesetzt bekommt, die nicht mehr der Verbreitung neutraler Informationen dient, sondern gezielt Narrative verbreitet, die den BRD-Regierenden in den Kram passen. Wenn man sich internationaler Medien und Kommentare bedient, merkt man schnell, dass weitaus mehr Meinungen und Argumente existieren, als in deutschen Medien beachtet werden. Deshalb erwarte ich von den deutschen Medien überhaupt nichts anderes mehr, als dass sie sich wie Propagandaschleudern verhalten. Und zweitens finde ich es erwähnenswert, dass die Filmemacher gerade Südafrika als Fluchtziel für die Verfolgten wählten. Die Rainbow Nation macht gerade dadurch auf sich aufmerksam, dass Weiße gezielt, mit Gewalt, und in großem Umfang enteignet werden sollen. Der Präsident, der ausgerechnet heute seinen Vorgänger auf unkonventionellem Wege seinen Vorgänger aus dem Amt gejagt hat, hat damit Wahlkampf betrieben, dass er die Verfassung ändern möchte, damit der Staat in großem Umfang Weiße enteignen kann. Wegen der südafrikanischen Anti-Diskriminierungsgesetze werden weiße teilweise extrem benachteiligt, und das selbst auf Kosten der staatseigenen Infrastruktur. In einigen Großstädten bricht gerade die Wasserversorgung zusammen, weil die Wasserwerke den Großteil ihrer weißen Belegschaft gefeuert haben, und durch Schwarze ersetzt haben, denen die Fähigkeit fehlt, diese Anlagen instand zu halten. Und von den extrem brutalen Überfällen auf weiße Farmer und Landbesitzer durch “Einbrecher und Räuber”, die sich mehr wie paramilitärische Einheiten verhalten, fang ich gar nicht an. Ebensowenig davon, dass Vereine wie Genocide-Watch die Situation der Weißen in Südafrika mitlerweile für bedenklich halten. Vielleicht sollten diese Dinge erwähnt werden, wenn man das Propagandafilmchen der ARD kommentiert. Die Wahl des Reiseziels der “Flüchtlinge” ist nicht ohne, und ist meiner Meinung nach ein Vorgeschmack darauf, was uns in 50 Jahren in Europa erwartet, wenns so weiter geht.

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