Robert von Loewenstern / 10.07.2019 / 06:10 / Foto: Stefan Klinkigt / 142 / Seite ausdrucken

Die Grünen stellen? Geht ganz einfach. Mit nachrechnen.

Liebe Medien, ernsthaft? Ihr wollt die Grünen „stellen“? Beziehungsweise „hinterfragen“? Oder halt wenigstens mal konkret nachfragen, zum Beispiel, was eigentlich die konkreten Auswirkungen der großgrünen Weltrettungspläne auf die konkreten Menschen sind? So richtig kritisch? Vielleicht sogar unvoreingenommen? Im Sinne von neutral? Also quasi fast wie echte Journalisten? Und das, nachdem ihr die Grünen ebenso bedingungs- wie besinnungslos hochgejubelt habt? Was ist denn da los?

Ist euch vielleicht nach dem Pamela-Reif-Urteil schlagartig klargeworden, dass ihr den Großteil eurer Politbeiträge eigentlich als „Dauerwerbesendung“ kennzeichnen müsstet? Oder habt ihr euch das Interview von Mathias Döpfner zu Herzen genommen, der dem vollverprantelten Berufsstand vor kurzem so richtig einen eingeschenkt hat? „Viele Journalisten verhalten sich zutiefst unjournalistisch“ – das war schon starker Tobak vom mächtigsten Medienboss Europas. Klar, dass Medienschaffende zu über zwei Dritteln grünrot ticken und entsprechend verlautbaren, ist längst kein Geheimnis mehr. Aber dass selbst in der vermeintlich konservativen „Welt“ bereits vor 20 Jahren, bei Döpfners Antritt als Chefredakteur, eine stabile linke Meinungsmehrheit vorherrschte, das hat sogar uns ein wenig erschüttert.

Oder, liebe Medien, macht ihr euch tatsächlich Sorgen, weil die Entfremdung eurer Kundschaft so alarmierend voranschreitet? Laut der „Langzeitstudie Medienvertrauen“ (2019) stimmten im Jahr 2017 noch 18 Prozent der Deutschen der Aussage zu: „Die Medien haben den Kontakt zu Menschen wie mir verloren.“ Letztes Jahr meinten dies bereits 27 Prozent – eine heftige Steigerung. Die Aussage „In meinem persönlichen Umfeld nehme ich die gesellschaftlichen Umstände ganz anders wahr, als sie von den Medien dargestellt werden“, bejahten 2017 noch 36 Prozent. 2018 waren es schon 43 Prozent. Weitere 32 Prozent antworteten mit „teils, teils“. Nur ein schmales Viertel der Befragten waren „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ mit der Aussage einverstanden.

Flugfreundinnen unter sich

Egal warum, auf jeden Fall mehrten sich in letzter Zeit die Anzeichen, dass ihr der grünen Lach- und Spießergesellschaft ein klitzekleines bisschen auf den gemüsegeschwächten Zahn fühlen wollt. Da gab es zum Beispiel vor zwei Wochen die markige Ankündigung von „hart aber fair“: „Was kriegt der Bürger außer prima Klima, wenn er Grüne wählt? Und wie reagieren die Wähler, wenn’s ans Bezahlen geht?“ Das klang nach Aufklärung und Faktencheck.

Leider ging der öffentlich-rechtliche Ermittlungsversuch komplett in die Hose. An der Plasbergschen Biege-Bar hockten Katharina Schulze, grüne Fraktionsvorsteherin im Bayerischen Landtag, der Junge-Union-Vorsitzende Tilman Kuban und „Welt“-Politikchefin Claudia Kade. Dazu noch Juli Zeh, die aus unerfindlichen Gründen als Expertin für alles und nichts herhalten darf und ein Kabarettist namens Florian Schroeder, der mit Peer Steinbrück durchs Land tingelt. Das Tableau versprach nicht viel und hielt noch weniger.

Schulze lachte, quiekte und fuchtelte sich wie gewohnt um jede anfassbare Aussage herum. Sogar ihr Eiscreme-Gate jabbelte die obertourige Grüne unbeeindruckt weg: „Jetzt ist meine Haltung, dass wir nicht den besseren Menschen brauchen, sondern ’ne bessere Politik. Also diese Individualisierung und das Überstülpen auf den Einzelnen, um die Klimakrise in den Griff zu bekommen, finde ich falsch.“ Kade pflichtete bei, man solle „die Moraldimension rauslassen aus der ganzen Sache“. Und SPD-Mitglied Zeh sekundierte, es sei „politisch eigentlich ein unsägliches Manöver“, die „Verantwortungslast auf diese Weise nach unten zu reichen“. Kurz, lästige Lasten sollen lieber andere tragen, da waren sich die Flugfreundinnen von links bis rechts erstaunlich einig.

Kuscheln mit dem Glucksbärchi

Jungunionist Kuban lieferte bekanntes Hohlsprech zur Rechtfertigung der Wirkungslosigkeit alleindeutscher CO2-Reduktion: „Es muss ein Musterprojekt für die Welt sein. Wir müssen es zu einem Erfolgsprojekt machen, damit diese Länder es kopieren.“ Gemeint waren CO2-Großproduzenten wie China, Indien und die USA. Auch dieses kubanische Non-Argument entlarvte wieder einmal niemand. Dabei wäre es so einfach, liebe Medien. Abgesehen davon, dass das unwiderstehliche deutsche Vorbild schon beim Atomausstieg den Rest der Welt nur zu einem Schulterzucken veranlasste: Bis sich ein eventueller „Erfolg“ des anstehenden gigantischen Volksgängelungs- und Industrieumbau-Programms abzeichnet, vergehen mindestens zehn bis fünfzehn Jahre. Wenn die Big Player im CO2-Business dann erst anfangen, den deutschen Übermenschen zu folgen, ist es längst zu spät – so hämmern es uns jedenfalls unsere Klimapropheten ein. 

Der JU-Chef, der sich anfangs ums Gegenhalten bemüht hatte, verfiel später der penetranten Dauerekstase des grünen Glucksbärchis und wollte nur noch mit Schulze kuscheln. Die Sendung entglitt Moderator Plasberg so vollständig, dass er einen ganzen Themenkomplex streichen musste. Der geplante Einspieler zu Robert Habecks linkspopulistischen Plänen eines Hartz-IV-Ersatzes namens „Garantiesicherung“ – ohne Arbeitszwang und Sanktionen, dafür mit bis zu 100.000 Euro Schonvermögen – blieb der ARD-Mediathek vorbehalten. Das grüne Grundeinkommen für wohlhabende Arbeitsscheue harrt also weiter einer breiten öffentlichen Diskussion.

Wenigstens wurde mit einem anderen Filmchen (ab 50:13) unterhaltsam die Doppelmoral grüner Anhänger aufgezeigt. Ein Kamerateam stellte am Flughafen Habeck-Fans nach, die sich auf dem Weg nach Kuba, Bulgarien und Erdoganien befanden. Auf die Frage, wie denn die Fernreise mit dem Klimaschutz vereinbar sei, gerieten die Weltenretter ins Schwimmen: „Ah, wir gönnen uns das jetzt, und äh, ja, ist natürlich kein schönes Gefühl, da geb ich Ihnen recht, aber … weiß ich nicht, hähähä.“

Annabert bei Lanz

Drei Tage nach dem Plasberg-Fail fand die nächste öffentlich-rechtliche Nach-Fragestunde statt, diesmal bei Markus Lanz. Dort war Deutschlands Brangelina zu Gast, das grüne Traumpaar Baerbock und Habeck. Die Annaberts hatten ihren ungewöhnlichen Pas de deux vermutlich selbst angeboten, als heimliche Auftaktveranstaltung. Am Folgetag stellten die Grünen nämlich ihr „Sofortprogramm für den Klimaschutz“ vor, in dem sie erstmals ihre Vorstellungen zur CO2-Reduktion konkretisieren.

Lanz meinte es ernst mit dem Nachfragen, das wurde schnell deutlich. Zur Unterstützung beim Zerpieksen grüner Traum- und Sprechblasen hatte er sich Wolfram Weimer hinzugeladen, Ex-„Welt“-Chef und „Cicero“-Gründer, langjähriger Döpfner-Buddy und, wie Döpfner, ebenfalls Achse-Autor. Weimer ist unverdächtig, mit den Grünen kuschelig umzugehen. Er ist einer von den Guten. 

Falls sich Annabert auf einen Wohlfühlabend eingestellt hatten, wurden sie enttäuscht. Lanz wollte Aufklärung („Lasst uns konkret werden“, „Ganz konkrete Frage“), und auch Weimer schenkte ihnen nichts („Frau Oberlehrerin, ich höre zu!“). Eine knappe Stunde lang ging es aufgeregt hin und her, so hitzig, dass es Lanz irgendwann mulmig wurde: „Bitte, können wir alle mal diese Schärfe hier rausnehmen. Ich will Ihnen nichts, und persönlich schon mal gar nicht.“

Blutgrätsche verschlafen

Erschwerend für die Frager war, dass die Studiogäste frenetisch für die Grünen klatschten und juchzten. Das war auch für den erfahrenen Moderator ein Novum („Noch nie so ein engagiertes Publikum erlebt“), das er zum Abschluss des Baerbock/Habeck-Parts erneut aufgriff: „Haben wir nicht oft, dass Parteien ihren eigenen Fanclub mitbringen. Darüber wird zu reden sein.“ 

Festzuhalten bleibt: Lanz hat sich redlich bemüht – und trotzdem an entscheidender Stelle versagt. Was denn die grünen Pläne im konkreten Fall zur Folge haben, wollte er wissen, zum Beispiel bei Urlaubsreisen: „Die Kindergärtnerin, die nach Mallorca fliegt, was zahlt die mehr?“ Baerbock und Habeck duckten sich weg, wichen mehrfach aus, schwurbelten von jetzt schon unterschiedlichen Preisen. Lanz blieb hartnäckig: „Sagen Sie doch einfach mal, wie’s ist! Statt 150 zahlen die in Zukunft vielleicht 200 oder 250?“ Die Grünen-Chefin verneinte und ließ sich tatsächlich zu einer konkreten Aussage hinreißen: Ein 20-Euro-Schnäppchenflug nach Mallorca werde um knapp vier Euro teurer, nämlich um den Mehrwertsteueraufschlag. 

An diesem Punkt verschliefen Lanz und Weimer die fällige Blutgrätsche. Schließlich hatten Habeck und Baerbock die Eckpunkte grüner CO2-Bepreisung gerade verkündet: Mit 40 Euro pro Tonne soll CO2-Ausstoß „anfangs“ besteuert werden. Am Jahresende soll jeder Bürger zum Ausgleich ein „Energiegeld“ in Höhe von 100 Euro erhalten. Auch außerdeutsche Flüge will man künftig mit Mehrwertsteuer belegen, außerdem soll Kerosin nicht mehr steuerfrei sein. Ausgerechnet diese CO2- oder Kerosinsteuer unterschlug Baerbock bei ihrer Rechnung – und keiner hakte nach.

Investigative Aufwallung vorbei

So etwas kann passieren im Eifer des mündlichen Gefechts, da wollen wir nicht allzu streng sein. Dafür gibt es schließlich die ehrwürdige schreibende Zunft, die sich genüsslich-bräsig darüber auslassen kann, was die sprechenden Besserverdiener alles falsch gemacht haben. Nur, nichts dergleichen geschah. In keiner einzigen Aufarbeitung des Lanz-Talks wurde auf die Baerbock-Täuschung hingewiesen, nicht bei „Welt“„Bild“„FR“„Merkur“„Focus“„Stuttgarter Zeitung“ oder „Tichy“.

Nun wäre anzunehmen gewesen, dass nach offizieller Veröffentlichung des grünen „Sofortprogramms“ am Folgetag hunderte von Medienschaffenden ihre Rechenschieber anwerfen, um die Auswirkungen grüner Vorschläge zu ermitteln. Die waren schließlich „konkret“, wie das Trio Kretschmann, Baerbock und Hofreiter bei der Vorstellung immer wieder betonte, um dem Vorwurf entgegenzutreten, die Grünen seien derzeit nur deshalb Umfragekönige, weil sie inhaltlich so vage und diffus bleiben, wie sie es von Merkel gelernt haben.

Ebenfalls Fehlanzeige. Mit der investigativen Aufwallung der deutschen Medienwelt war es am Tag eins nach Lanz wieder vorbei. Nirgendwo gab es Beispielrechnungen und Schaubilder, keiner machte auch nur den Versuch, die Konsequenzen grüner Weltverbesserung in Euro und Cent abzuschätzen.

So teuer werden „grüne“ Flüge

Inzwischen haben wir die Hoffnung aufgegeben, dass da noch was kommt. Wenn man nicht alles selber macht … Also rechnen wir. Und zwar genau das Beispiel von der Malle-affinen Kindergärtnerin, die ein Schnäppchenticket für zweimal 20 Euro (hin und zurück) per Internetz gefischt hat. Als Grundlage ziehen wir die Daten aus der feinen Artikelserie des Luftfahrtprofessors Christoph Brützel hinzu: „Was kostet eigentlich ein Flug?“ Nehmen wir also an, die Reise von Düsseldorf nach Palma und zurück wird mit einem Airbus A320-200 durchgeführt und ist mit 162 Passagieren besetzt. Bei einem solchen „Sitzladefaktor“ von 90 Prozent und einer Flugdauer von zwei Stunden braucht der Airbus rund 2.500 Kilogramm Treibstoff je Flugstunde. Zusammen mit den Rollzeiten in Düsseldorf und Palma fallen für den Gesamtumlauf rund elf Tonnen an.

Um eine Kerosinsteuer vergleichbar zur Energiesteuer auf Benzin oder Diesel anzusetzen, rechnen wir die elf Tonnen Treibstoff in 13.750 Liter um (ein Liter Kerosin wiegt rund 800 Gramm). Macht pro Pax (wie wir Luftfahrtexperten die Kundschaft nennen) 85 Liter Kerosin für den Trip DUS-PMI-DUS. Da die Verbrennung von Treibstoff in großer Höhe laut Umweltbundesamt (UBA) klimaschädlicher als am Boden ist, setzen wir als Minimum (wir wollen schließlich hart, aber fair sein) eine Bepreisung in Höhe der Energiesteuer für Benzin an (ca. 65 Cent pro Liter). Die wird laut Hofreiter-Toni in Zukunft rund 10 Cent höher ausfallen. Also gehen wir von einer Kerosinsteuer von mindestens 75 Cent pro Liter aus. Das ergibt für die 85 verbrauchten Liter unserer Mallorca-Flugreise eine Steuerbelastung in Höhe von knapp 64 Euro pro Fluggast. Addiert mit dem Grundpreis (40 Euro) und der grüngewollten Mehrwertsteuer (20 Euro) erhalten wir einen grünen Gesamtpreis von 123 Euro.

Das Ticket-Schnäppchen der erholungsbedürftigen (oder feierwütigen) Kindergärtnerin wird also um 83 Euro teurer. Anders gesagt: Ihr Flugpreis verdreifacht sich nach grünen Plänen. Mindestens. Die wenigen Euro Aufpreis von Annalena Baerbock waren reine Augenwischerei.

Daumenregel: Flugpreise verdoppeln sich

Eine zweite Möglichkeit, den grünen Kerosinaufschlag zu berechnen, ist der CO2-Ausstoß. Der liegt für den Mallorca-Roundtrip von Düsseldorf aus bei etwa 680 kg pro Passagier. Mit einer grünen „Einstiegs“-Bepreisung von 40 Euro je Tonne CO2 landen wir so bei rund 27 Euro für jeden Palma-Pax. Da die Kerosinverbrennung im Luftraum laut UBA aber ungefähr dreifache Klimawirksamkeit hat, müssen wir auch die 27 Euro verdreifachen. Das ergibt eine Kerosin-CO2-Steuer von knapp 82 Euro für unsere Kindergärtnerin (die offenbar die sonst so gerne herangezogene Friseurin ablösen soll). Inklusive Mehrwertsteuer wird ihr 40-Euro-Flug rund 145 Euro teuer – der Aufschlag ist also noch einmal um über 20 Euro höher als bei der ersten Rechnung.

Um einen Eindruck zu den Auswirkungen nicht nur auf Extremschnäppchen, sondern auf halbwegs „normale“ Billigtickets zu gewinnen, haben wir noch etwas mehr gerechnet. Kurzfristige Hin-rück-Flüge sind derzeit im Mittel ungefähr zu folgenden Kleinpreisen zu bekommen: Mallorca 130 Euro, Türkei (Antalya) 220 Euro, Teneriffa 230 Euro, Kuba 600 Euro. Als Daumenregel ergibt sich: Bei all diesen Destinationen verdoppelt sich der Flugpreis mit den wie oben eingerechneten grünen Vorstellungen (Faktor 1,8 bis 2,1).

Wie realistisch die grünen Forderungen nach Kerosinsteuer sind (es gibt global geltende Abkommen), lassen wir außer acht. Es geht hier schließlich nur um die Frage, was passiert, wenn ein Bundeskanzler Annabert sich durchsetzt. Die Beispielrechnungen verdeutlichen: Bereits ein einziger Mallorca-Trip frisst die geplante Jahreserstattung, also die 100 Euro „Energiegeld“, komplett auf. Alle weiteren Preiserhöhungen aufgrund CO2-Steuer zahlt der geplagte Bürger vom kargen Netto.

Jetzt ihr, liebe Medien

Falls ein verantwortungsloses Bürger*innenpaar sich erdreisten sollte, statt Malle die Malediven anzusteuern (oder Kuba, Dom Rep, Florida, Südafrika), reißt derlei Fernweh nach grüner Wunschvorstellung schnell ein zusätzliches 1.000-Euro-Loch in die Haushaltskasse der beiden Klimamörder (2 x rund 600 Euro Klimaaufschlag abzüglich 2 x 100 Euro Jahres-Energiegeld). 

So, liebe Medien, speziell ihr öffentlich-rechtlichen, jetzt seid ihr wieder dran. Wie wär’s, wenn ihr mit der Macht eurer Gebührenmilliarden und dem Sachverstand eurer Wirtschaftsredaktionen ausrechnet, was die allgemeine Lebensvergrünerung tatsächlich kosten wird. Richtig fein beziehungsweise zeitgemäß wäre als Ergebnis ein kleines Online-Tool, in das Kevin Normal-CO2-Ausatmer die Eckdaten seines persönlichen Daseins und Soseins eintragen kann: Haushaltsgröße, Heizungsart in Wohnung oder Haus, Kilometerleistung mit Diesel/Benziner/Stromer, Urlaubsgewohnheiten, Ausgaben für Fleischfressertum und andere Hobbys, vielleicht dazu ein paar Schmankerl wie Vorlieben für Früchte aus Südländern (falls man „Südländer“ noch sagen darf).

Eines aber gleich vorweg: Kommt als Ergebnis bloß nicht mit solchem Büffelkaka um die Ecke, wie ihn Umweltministerin Svenja Schulze gerade für ihre CO2-Pläne per dpa verbreitet. SPD-Schulze hat sich von „drei Wissenschaftlern“ etwas ausrechnen lassen, was sogar bei Journalisten mit Bremer Abitur die zerebrale Alarmbimmel klingeln lassen müsste.

Wissenschaftler oder Gewissenschaftler?

Die Schulze-Vorschläge, die den Grünen-Plänen ähneln, haben nämlich angeblich folgende konkrete Auswirkungen. Beziehungsweise praktisch keine: 

„Ein Paar mit zwei Kindern, Mietwohnung in der Stadt und einem Auto hätte fünf Euro mehr im Monat. Dagegen hätten die Eltern mit drei Kindern, zwei Autos und einem Eigenheim auf dem Land, von wo der Hauptverdiener über 20 Kilometer am Tag pendelt, einen Euro weniger im Monat. […] Wer alleine ein oder zwei Kinder groß zieht, könnte ein Mini-Plus von drei Euro machen. Eine Rentnerin mit Auto, die auf dem Land zur Miete wohnt, hätte etwa einen Euro weniger im Monat und damit fast keine zusätzlichen Kosten. Fünf Euro mehr zahlt eine Arbeitnehmerin ohne Kinder, die mit Auto zur Miete wohnt. Ein Student in der Stadt könnte fünf Euro mehr im Monat haben.“

Daraus ergeben sich exakt zwei Möglichkeiten: Entweder sind Schulzes Rechenkünstler mehr Gewissenschaftler als Wissenschaftler. Oder die Schulze-Pläne sind für den Popo. Klingelt’s? Immer noch nicht? Na gut, liebe Medien. Wir wollen es wirklich nicht übermäßig schwer machen. Wir verraten hiermit ein sensationelles Geheimargument. Kostenlos und ohne Abozwang, wie von der Achse gewohnt. 

Ohne Leiden keine Lenkung

Das Argument geht so: Wer irgendwas mit CO2-Steuer einführt, ob Svenja oder die Annaberts, will eine „Lenkungswirkung“ (Baerbock) erzielen. Damit diese Lenkungswirkung eintritt, muss die Steuer spürbar sein, vulgo schmerzen. CO2-intensive Produkte und Dienstleistungen müssen so besteuert werden, dass viele Bürger sie sich nicht mehr leisten können oder wollen. Wenn also in Zukunft Kohl statt Kiwi und Apfel statt Avocado angesagt ist, dann müssen die eingeflogenen Südfrüchte so teuer werden, dass die Konsumenten in großer Zahl auf sie verzichten, genau wie auf Fleisch, Verbrenner-Fahrten, Flugreisen oder eine muckelig warme Wohnung im Winter.

Eigentlich logisch, oder? Nur wenn beim privaten Konsum massenhaft Verzicht und Umstieg stattfindet, kann die CO2-Steuer Wirkung entfalten. Deshalb sind alle Szenarien, die einer Pendlerfamilie auf dem Land einen Euro weniger und der Alleinerziehenden in der Stadt drei Euro mehr im Monat prophezeien, ungefähr so glaubwürdig wie VW-Dieselsoftware. Ohne Leiden keine Lenkung. Im Umkehrschluss gilt: Wenn sich die CO2-Steuer für die Masse der Bevölkerung tatsächlich nur im Pillepalle-Bereich zwischen plusminus fünf oder zehn Euro im Monat auswirken sollte, ist die Einführung dieser gewaltigen Umverteilungsmaschine von vornherein sinnlos und überflüssig.

Realistisch ist eher, dass die Belastungen einer ernstgemeinten CO2-Steuer pro Haushalt bei monatlich mehreren hundert Euro liegen werden – also ungefähr in dem Bereich, den Fritz Vahrenholt kürzlich hier auf der Achse vorgerechnet hat. 

Der frechste Witz seit Trittins Eiskugel

Also, liebe Medien, falls euch zwischen Grünen-Verehrung und AfD-Dresche demnächst mal wieder langweilig wird und ihr eine überraschende Attacke von Berufsethos erleidet, dann habt ihr jetzt ein bisschen Futter fürs Nachfragen. Bei der Gelegenheit könnt ihr gleich noch ein weiteres Märchen von Annabert und Svenja entzaubern, das von der „Sozialverträglichkeit“ einer CO2-Steuer. Die wird nämlich selbstverständlich die Unter- und Mittelschicht am stärksten treffen. Auch hier gilt die einfache Logik: Wäre es anders, dann wäre die Zielgruppe gar nicht groß genug, um Effekte zu erzielen. Die nicht einmal zwei Prozent „Reichen“ in der Bevölkerung werden die Klimawelt nicht retten, selbst wenn sie wollten.

Ob es ums Fliegen, Fleischessen oder Fahren geht: All das (und noch viel mehr) wird spürbar teurer werden, wenn Deutschland den globalen Musterknaben spielen will. Schon deshalb, weil es teurer werden muss, um das naturblöde, genussversessene Volk dorthin zu lenken, wo es die klugen, weitsichtigen Herrschenden haben wollen. Die jahrzehntelange Demokratisierung des Reisens, Essens und Wohnens kehrt sich um. Vieles, was mittlerweile bei der breiten Masse Standard ist, muss wieder Luxusgut für Besserverdiener werden. Annalena Baerbocks Behauptung, Klimaschutz sei „ein Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit“ ist daher der frechste Grünen-Witz seit Trittins Eiskugel.

Ihr seht, liebe Medien, wer Annaberts oder Svenjas Zahlenvoodoo entlarven will, muss nicht einmal rechnen können. Es genügt, der inneren Logik einer wirksamen CO2-Bepreisung zu folgen. Eigentlich ganz einfach, oder? Übrigens, falls ihr später, nach Umsetzung der grünen Pläne für ein glückseliges Leben von Licht und Luft, eure nette Flughafenumfrage unter Habeck-Anhängern wiederholen wollt, hier schon mal ein kleiner Tipp: Dafür müsst ihr dann ins grenznahe Ausland fahren. Die dortigen Airports werden das deutsche Fernreise-Business nämlich sehr gerne übernehmen. Und dafür sorgen, dass die grünen Klimaretter weiterhin, zum Billigpreis verlegen kichernd, gen Kuba oder Bali entschweben können.

Foto: Stefan Klinkigt

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Marianne Sommer / 10.07.2019

Die Grün*Innen und deren Gefolgschaft sollte man besser nicht zum rechnen animieren. Die kommen sonst noch auf die Idee, dass CO2 ja eigentlich aus Kohlenstoff und Sauerstoff besteht und sich mit der Besteuerung von Sauerstoff ja eigentlich viel mehr abzocken lässt als mit CO2. Man könnte auch versuchen dieses verdammischte Sauerstoff-Molekül ganz aus dem Periodensystem zu verbannen. Dann wären alle Probleme gelöst:-) Der Mehrheit der FfF-Hüpfer könnte man das vermutlich heute schon so verkaufen.

Anneliese Bendit / 10.07.2019

Ich schreibe aus New York. Hierher bin ich mit Norwegian Air in deren “Business-Klasse” ab Amsterdam geflogen. Ich hatte einen bequemen Sitz, eine leckere Mahlzeit und durfte 40 Kilo als Gepäck einchecken. Für das gleiche Geld hätte ich bei Eurowings nur 8 Kilo Handgepäck ohne Mahlzeit bekommen. Gott sei Dank für Schiphol und Norwegian!

Karl-Heinz Vonderstein / 10.07.2019

Ich glaub, die Grünen (die meisten zumindest) sind einfach nur so was wie Romantiker, die in ihrer Welt leben und weitgehend irrational sind.Sie machen aus ihren Sehnsüchten und Idealen konkrete politische Ziele und meinen sie wären problemlos machbar bzw.überhaupt machbar.Leute, die stark von ihren Sehnsüchten und Idealen geleitet werden neigen dazu, die Realität ihren Sehnsüchten und Idealen anzupassen.

S. v. Belino / 10.07.2019

Die Globalisierung bringt es mit sich, dass ein wirksamer(?), also wirklich umfassender, Konsum- und Reiseverzicht hierzulande die Menschen in anderen Teilen der Welt zwangsläufig auf den Weg in die Verarmung führen würde. Darüber kann kein Zweifel bestehen. Einmal mehr also ein Paradebeispiel für das viel zitierte “Gut gemeint, aber schlecht gemacht”. Thailand, Kenia, Brasilien, Ägypten z. B. wären nur schlappe vier der vielen Länder auf der Welt, welche die Auswirkungen eines plötzlich als hipp geltenden oder, ebenfalls politisch gewollt, über den Preis “erzwungenen” Reiseverzicht der Massen sehr schmerzhaft zu spüren bekämen. Fast überall auf der Welt sind die Menschen inzwischen dringend auf ein zuverlässiges und regelmäßige Erscheinen westlicher Urlauber angewiesen. Man kann sich leicht ausmalen, was passieren würde, wenn die westlichen Touristen überall dort ausblieben. Abermillionen von Menschen, müssten unter der grünen Zwangskultur des Verzichts enorm leiden, existenziell leiden. Ein Hoffnungsschimmer bleibt ihnen aber vielleicht doch. Wenn die grünen Restriktionen hier in Europa einmal flächendeckend greifen sollten, dürften es die zunehmend reisefreudigen Chinesen sein, die den Massenausfall europäischer, vornan gewiss deutscher, Touristen zahlenmäßig schon bald kompensieren, ja letztlich gar überkompensieren könnten. Da können all die schönen Reiseziele der Welt aber wirklich von Glück reden…Und wir vermutlich auch, weil die von uns so schmählich im Stich Gelassenen in ihren Heimatländern weiterhin ihr Auskommen hätten und sich demzufolge nicht auf den Weg nach Europa machen müssten. Erstaunlich, diese globalen Vernetzungen. Man sollte sie jedoch beizeiten erkennen, um Entscheidungen zu vermeiden, die sich als Bumerang erweisen könnten.

Pedro Jimenez Duarte / 10.07.2019

85 Liter hin und zurück? Damit schaffe ich es mit dem Auto noch nicht einmal bis zur spanischen Grenze. Und wenn das böse CO2 beim Flieger klimaschädlicher sein soll, heißt das ja nichts anderes, als dass es beim Autofahren am Boden bleibt. Vielleicht sollten unsere Flugzeuge dann nicht so hoch fliegen? Keine Ahnung. Hauptsache unsere schöne Mutter Erde geht nicht unter. Ich hatte mich so an sie gewöhnt.

Hartmut Laun / 10.07.2019

Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), Hans-Georg von der Marwitz,  “Der Wald ist einer der wichtigsten CO2-Speicher”, Die Dummheit von Waldexperten über die CO2-Speicherfähigkeit von Bäume und Pflanzen ist erschreckend. Wie Pflanzen für ihren Stoffwechsel CO aus der Luft und über Bodenbakterien brauchen und dafür Sauerstoff als Abfall an die Luft abgeben. Genau so viel CO2 setzen die Pflanze nach ihrem Sterben beim Verrotten an Luft wieder frei. Beim Verbrennen von Holz ist das bekannt. Und das Verrotten ist nichts anderes als eine langsame Verbrennung. Oder aller Baumabfall und Grünschnitt wird tief unter die Erde verbracht und mit Erdschichten zugedeckt, unter hohem Druck, so wie die Kohle mal entstanden ist. Was bedeutet, entweder der Dummkopf Hans-Georg von der Marwitz weiß es nicht besser wie das mit dem CO2 - Speichern geht oder er springt auf den Öko-Zug mit auf um Steuergeld zu kassieren. Netter Versuch.

B. Kurz / 10.07.2019

Ein super Beitrag, sehr geehrter Herr von Loewenstern. Ich selbst habe noch nicht einmal ein ganz klein wenig gerechnet und wusste trotzdem, dass diese versprochenen 100 Euro angesichts der tatsächlichen Kosten nur ein Witz sein können. Doch da Sie nun diese “Flugnummer” in Spiel bringen, mache ich mir ein klein wenig Sorgen um die Ausfliegerei von Migranten, die ja im Gespräch ist, um die kostenspielige “Seenotrettung” zu entlasten. Aber egal, die Grünen werden’s schon richten, ist denen ja auch eine Herzensangelegenheit. Platz und Geld ist auch genug da.

P.Steigert / 10.07.2019

Einer religiösen Erfüllungs- und Schuldideology können Sie nicht mit Mathe oder Vernunft beikommen. Man kann eigentlich nur dazu beitragen, dass diesen Fanatikern das Geld ausgeht.

Martin Stumpp / 10.07.2019

Stimmt, es ist nicht schwer die Grünen und ihre Lügen zu entlarfen, wenn man will. Will man aber nicht. Dass weit mehr als 2/3 der Journallie Rot-Grün denkt und schreibt ist in den privaten Medien kein Problem. Die kann man NOCH kündigen. Problematisch ist, dass dies auch beim Öffentlichen Rechtlichen Rundfunk nicht anders ist. Nur, dass durch die einseitige Berichterstattung nicht nur gegen die eigenen Regeln (ABC der ARD: Das gesellschaftliche Meinungsspektrum soll abgebildet werden) verstoßen wird, sondern auch gegen den Staatsvertrag, wenn z.B. einzelne Parteien bei Diskussionen bevorzugt eingeladen werden. Die Kritik von Herr Maaßen an den Medien hat genau hier angesetzt, und dass sie berechtigt war beweist die Reaktion (getroffen Hunde bellen) der so Gescholten darauf. Sie haben sich selbst mit den SED Medien verglichen und wer will ihnen da widersprechen. Wie hat Orwell es so schön ausgedrückt: Journalismus ist etwas zu verbreiten was andere (meist die Regierung) nicht wollen, dass es Public wird. Alles andere sei Propaganda. Und was wurde in den letzten Jahren von den Massenmedien denn verbreitet, das die Regierenden nicht verbreitet haben wollten? Viel kann es nicht gewesen sein. Zumindest fällt mir nichts ein. Insoweit hilft auch die ausführliche Darstellung der rechenfreien Logik der Berichterstattung nicht auf die Beine, denn Rot-Grüne Journalisten können nicht nur nicht rechnen, sie können zudem auch nicht mehr logisch denken, blockiert die Ideologie doch ihre Gehirnwindungen.

Ilona G. Grimm / 10.07.2019

Beim nochmaligen Lesen des Beitrags ist mir ein Gedanke gekommen: Die CO2-Steuer ist eigentlich eine Art Schutzgeld. Wenn wir nicht zahlen, werden wir verbrannt. Auf islamisch nennt sich das «jizya». Besser, wir gewöhnen uns schon mal daran.

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