Wie sich der Bauernprotest und der seiner Freunde weiter entwickelt, weiß im Moment keiner so recht. Was jedoch vom bäuerlichen Aufruhr auf jeden Fall bleiben wird, ist ein sich abzeichnender neuer Modetrend zu Filz und Loden.
Der Höhepunkt der Bauernproteste scheint nun überschritten zu sein: Massive Unzufriedenheit mit der Ampelregierung wurde zum Ausdruck gebracht; die Ergebnisse dagegen sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt etwas mager und die Berichterstattung der sogenannten Qualitätsmnedien ebenfalls. Man hofft wohl, dass die Agrarier schnell in ihre Ställe zurückkehren und das Ungemach abebbt. Was jedoch vom bäuerlichen Aufruhr auf jeden Fall bleiben wird, ist ein sich abzeichnender neuer Modetrend zu Filz und Loden.
Aiwangers Hut, ein Filzdeckel mit nach unten gebogener Krempe, vorzugsweise in den Farben Jagdgrün oder, wie man in Süddeutschland sagt, "Mockelesbraun" (Hochdeutsch: "Schlamm"), ist fast schon ein Symbol bäuerlichen Aufbegehrens. Der Moment, als Markus Söder nach anfänglichem Zögern ebenfalls mit dieser Kopfbedeckung nach Tagen des Zauderns in der Öffentlichkeit erschien, war bemerkenswert. Auch Aiwangers Lodenjacken mit zwei aufgesetzten Brusttaschen und kragenlos, so eine Art niederbayerischer Maolook, gewinnen an Popularität. Nicht nur zum Oktoberfest ist nun die Bayernkluft en vogue; wie seinerzeit lila Latzhosen und Armeeparkas ist Filz und Loden fast schon ein politisches Statement.
Informiert man sich bei Wikipedia über die Eigenschaften von Filz, findet man Folgendes:
-
Elastizität: Filz ist dehnbar, druckelastisch und widerstandsfähig, sodass kaum Knitter entstehen.
-
Isolationsfähigkeit: Zum einen ist Filz schallhemmend, zum anderen isoliert er gegen Hitze und Kälte.
-
Saugfähigkeit: Wollfilz kann Flüssigkeiten aufnehmen, speichern und wieder abgeben.
-
Schwere Entflammbarkeit: Wollfilz ist in der Regel nicht brennbar. Sogar bei direkter Feuereinwirkung wird der Stoff ab etwa 320 Grad nur verkohlen.
Muss man dazu noch mehr sagen oder ist das Material selbst schon hochsymbolisch für die Dickschädeligkeit der protestierenden Massen? Und der Lodenstoff hat eine interessante Etymologie, wie auch Wikipedia weiß:
Ein dezenter militärischer Unterton lässt sich nicht übersehen
Der Begriff geht über das Mittelhochdeutsche "lode" (Mantel) auf das seit dem 10. Jahrhundert belegte Althochdeutsche "lodo, ludo" (grobes Wollzeug) zurück. Parallelen bestehen im Altsächsischen "loðo", Altenglischen "loþa" (Mantel, Decke) und dem Altnordischen "loði" (grobes Tuch, zottiger Mantel). Loden war traditionell der widerstandsfähige Kleidungsstoff der bäuerlichen Bevölkerung Europas, der in der gewalkten Form wegen seiner Wind- und Regendichtigkeit geschätzt wurde. Gewalkter Loden spielt noch in Trachten der Ostalpen und auch in den historischen und modernen Trachten der Samen Lapplands eine wichtige Rolle.
Dass Samen auf den Traktoren in Berlin saßen, ist mir nicht bekannt, aber auch hier lässt sich die Kleidung eindeutig symbolisch zuordnen. Ein dezenter militärischer Unterton lässt sich nicht übersehen, denkt man an traditionelle bayerische oder Tiroler Gebirgsschützen. Überhaupt: Auf jeden Fall bemerkenswert ist das Wiederauftauchen der Cordhose. Jahrelang ein absolutes modisches No-Go, ist sie immer häufiger zu sehen, zusammen mit handwerklicher Funktionskleidung, die gegenwärtig den sportlich-legeren Adidas-Stil abzulösen scheint. Der scheint sich eher nur noch in migrantischen Milieus zu halten. Ein Kompromiss wäre vielleicht Loden mit entsprechendem Logo.
Mode war immer schon auch ein politisches Statement, und die Devise scheint nun zu sein: Power to the Bauer. Vielleicht war das Aufkommen von Birkenstocks auf den Laufstegen der Welt das erste Donnergrollen eines Neuen Zeitalters. Wer weiß?
Hubert Geißler stammt aus Bayern und war Lehrer für Kunst/Deutsch/Geschichte.
Bei Lodenjacke muss ich immer an Stoiber und seine gludernde Lot denken.
Loden und Heimatsschutz? Ich werde ein Auge darauf haben, Herr Geißler. Das übliche Problem mit Kanonenfutter. Vertrauen Sie mir?
Naja, warum nicht über Modefragen diskutieren – die Demonstriererei war ja komplett für den Arsch…
An H. Krautner:
Nicht nur das. Erst kürzlich wurde Publik, daß dieser Held dreifacher Wehrdienstverweigerer ist
Wenn ich mich recht erinnere, wurden zu DDR-Zeiten (die Erfahrungen damals helfen heutzutage beim „überleben“) die Feigen, Zögerlichen, Rumschwurbler und Nichtszustandebringer als „Waschlappen“ bezeichnet. Neudeutsch wahrscheinlich als „Warmduscher? Wie auch immer, so nützlich so ein Waschlappen im Bad auch sein könnte, i c h ginge niemals mit so einem angeheftetem Dings aus dem Haus.
@Rolf Mainz
Glauben Sie? Aiwanger ist ein U-Boot der Altparteien, ein Vertreter der geduldeten, kontrollierten und vorher genau abgesteckten Grenze des Sagbaren.
Ihm soll man hinterherlaufen und natürlich wählen, damit er hernach den Altparteien als Machtoption dient.
Der Mann erinnert mich frappierend an Robin Alexander. Der durfte damals auch Merkel „ganz harsch“ kritisieren, während er in Wirklichkeit die Erklärungen für ihren Willkommensputsch lieferte.
Mich wundert das die sog. Freien Wähler noch nicht bundesweit agieren. Würden sicher genügend Wähler drauf reinfallen und die Altparteien könnten in aller Ruhe weiter regieren. Sollten Sie meine Worte bezweifeln, schauen Sie sich das Wahlprogramm dieser Partei an, vor allem aber ihre Taten. Impfung, Energiewende, Massenmigration…alles drin. Die linke Variante dieser Falle heißt künftig übrigens Wagenknecht Partei.
Filz war in Deutschland schon immer modern – Ob in Bayern (CSU) oder NRW (SPD)…