Henryk M. Broder / 23.12.2017 / 17:59 / 7 / Seite ausdrucken

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts - Sigmar Gabriel

Schneller als die Ratten das sinkende Schiff verlassen können, geht Sigmar Gabriel auf Distanz zu seiner moribunden Partei, der SPD. In einem Essay für den SPIEGEL fordert er "eine sozialdemokratische Debatte über 'Heimat' und 'Leitkultur'" und macht sich Gedanken über "Identität und Identifizierung" - bis jetzt ein Privileg von Gruppen, die unter dem Sammelbegriff "Rechtspopulisten" zusammengefasst werden. Ein No Go für die SPD, aber eben nicht mehr für Gabriel, der über eine "Postmoderne" räsoniert, "die zur radikalen Dekonstruktion der Moderne angetreten war". Spätestens nach dem zweiten Lesen wird klar, was und wen Gabriel meint: Sich selbst und die SPD.

Jetzt hat Gabriel der Funke-Medien-Gruppe ein langes Interview gegeben, in dem es u.a. um "die Grenzen der Zuwanderung" und "neue Regeln für die Integration" geht. Darin sagt er u.a.:

Die Mehrzahl der Menschen kommt ja gerade nicht als Asylbewerber. Viele kommen zu uns, weil Deutschland für sie das ist, was Amerika im 19. Jahrhundert war – ein Sehnsuchtsort. Das ist übrigens erst mal etwas Wunderbares. Denn vor wenigen Jahrzehnten war Deutschland ein Land, vor dem der Rest der Welt Angst hatte. Jetzt haben wir von unseren Eltern und Großeltern ein tolles Land geerbt, das überall auf der Welt bewundert wird. Aber wir können nicht alle Sehnsüchte erfüllen. Für eine Million Flüchtlinge brauchen wir 25.000 zusätzliche Lehrer, 15.000 zusätzliche Erzieher, zigtausend neue Wohnungen. Es reicht nicht zu sagen, Zuwanderung ist schön.

Dabei ist es noch nicht lange her, dass Gabriel neben der Kanzlerin in der Regierungsbank saß, mit einem "Wir helfen - #refugeeswelcome"-Button am Revers seines Jacketts.

Jetzt hat es sich ausgeholfen. Die finale Verwandlung eines Landes, "vor dem der Rest der Welt Angst hatte", in ein "tolles Land, das überall auf der Welt bewundert wird", ist abgeschlossen. Die Übung, die uns als "Willkommenskultur" verkauft wurde, war eine gigantische PR-Aktion auf dem Rücken der Flüchtlinge. 

Fortan muss sich Gabriel nur noch darum kümmern, wie es mit ihm weiter geht. Den doofen Martin hat er schon verheizt. Bald werden auch andere Leichen seinen Weg pflastern. 

 

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Leserpost (7)
Helmut Bühler / 23.12.2017

Na ja, man könnte noch hinzufügen, dass Deutschland zwar als Sehnsuchtsort die USA abgelöst hat, jedoch als Land der unbegrenzten Sozialhilfe und nicht etwa als Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das aber nur am Rande. Ob der Gabriel seine Haut rettet, oder womöglich sogar die seiner Spezialdemokraten, ist völlig uninteressant - interessant ist, dass Siggi “ich höre das Gras wachsen” plötzlich eine 180 Grad-Wende hinlegt. Das lässt hoffen. Der gesellschaftliche Wind scheint sich zu drehen, denn Siggi richtet die Segel neu aus. Wir wollen ihm gute Fahrt auf seinem neuen Kurs wünschen.

Gabriele Klein / 23.12.2017

“Jetzt hat es sich ausgeholfen. Die finale Verwandlung eines Landes, “vor dem der Rest der Welt Angst hatte”, in ein “tolles Land, das überall auf der Welt bewundert wird”, ist abgeschlossen.” Nicht doch, nicht doch, Herr Broder, abgeschlossen scheint mir das noch lange nicht. Wir bewegen uns doch gerade mit Volldampf wieder dahin woher wir kommen: jene Isolation des Wahnsinnigen der sich als Nabel der Welt begreift und mit diesem Wissen restlos und völlig unschuldig vom Rest der Welt verkannt wird. Die Geschichte wiederholt sich nun zum 3. Mal. Die verkannte deutsche Unschuld gab es bereits vor dem 1. Weltkrieg, die 2. vor dem 2. Weltkrieg und jetzt die Dritte begleitet von der genau gleichen Häme und Arroganz z.B. gegenüber England und anderen europäischen Ländern. Eine Arroganz wie wir sie aus der Presse der Vorkriegsjahre kennen. Mit nur einem Unterschied: Das Ausland kümmerte damals die ihnen geltende Häme deutscher Journalisten herzlich wenig wie ich z.B. in amerikanischen Archiven feststellen durfte . Heute ist das jedoch anders.   .... Werfen wir mal mal einen blick auf die Kommentare in den sozialen Netzwerken weltweit. Da stellen wir fest man mag uns gar nicht, ich muss mich als deutsche wieder schämen und wenn ich reise verrate ich meine Nationalität besser nicht,. Angst hat man übrigens auch vor diesem Land (verständlicherweise). Und es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein bis man dieses Land de-nuklearisiert auf Grund seiner Vergangenheit und seiner Zukunft als mögliche Hochburg des Islams den man lieber nuklearfrei weiß .  Die wogenden Diskussionen unserer Wichtigmacher dürften da völlig wurscht sein.

Friedrich Böllhoff / 23.12.2017

Der wesentlichste Unterschied zwischen Amerika im 19. Jahrhundert und dem aktuellen Deutschland ist der Sozialstaat, aber der scheint zumindest mit dem heutigen Absicherungsniveau die längste Zeit hinter sich zu haben. Ich bin gespannt was passiert, wenn ihm das Geld ausgeht.

Stefan Riedel / 23.12.2017

Die neue GroKo läßt schön grüßen (diesmal geht es nicht ohne die CSU). Aber wo Herr Gabriel recht hat, hat er recht (besser spät als nie).

Giovanni Olivier / 23.12.2017

Nur gibt es einen kleinen Unterschied zur Auswanderung nach Amerika. Dort wurden die Menschen gebraucht, waren erwünscht u. lebten eben nicht auf Kosten der Anderen, nebenbei gelangten sie auch nicht illegal ins Land. Und im Spätsommer 2015 trompetete Gabriel im Chor der übrigen Septemberverbrecher in alle Welts hinaus, DE könne jedes Jahr 500.000 Menschen aufnehmen. Die, die auch nur Zweifel anmeldeten, nannte er “Pack”!

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