Thomas Rietzschel / 17.02.2020 / 11:00 / Foto: Stefan Klinkigt / 36 / Seite ausdrucken

Am deutschen Wesen krankt die deutsche Politik

Es ist wieder so weit: Deutsche Politiker wollen die Verantwortung für Europa übernehmen. Zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz sagte Frank-Walter Steinmeier, die Aufgabe des Reichs, pardon, der Bundesrepublik, bestehe darin, „das geeinte Europa zusammenzuhalten“.

Ob seine Exzellenz einen über den Durst getrunken hatte, bevor er ans Rednerpult trat, oder ob er bloß besoffen war vom eigenen Größenwahn, angesteckt von der Erbkrankheit deutscher Hybris, wissen wir nicht, müssen nur festhalten, dass er ein gutes Jahrhundert nach dem Untergang des Kaiserreichs selbstbewusst in die Fußstapfen unseres letzten Monarchen trat. Nicht zu reden von denen eines Gröfaz, dessen Name hier aus Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten verschwiegen sei. 

Dass er sich dessen bewusst war, mag man für ausgeschlossen halten, geradezu für unvorstellbar. Doch ändert das nichts daran, worauf Steinmeier Anspruch erhob. Die Rede verriet, wie es in dem Redner denkt. Der Schoß, aus dem die weltpolitische Anmaßung der Deutschen schon vorzeiten kroch, ist fruchtbar noch. Vergessen scheint indessen, was daraus folgte, wozu die Maulhelden anstifteten, weil sie den anderen Völkern den „Platz an der Sonne“ neideten. Ihr Minderwertigkeitsgefühl gegenüber den Weltmächten ist ein Sprengsatz, der die Nachbarn veranlassen sollte, weiterhin auf der Hut zu sein, dem Wolf zu misstrauen, der Kreide gefressen hat.

Es gibt keinen Frieden ohne deutsche Anleitung

Natürlich werden von deutschem Boden keine Kriege mehr ausgehen, wie sie Europa in der Vergangenheit verheerten. Darüber ist die Zeit gottlob hinweggegangen. Umso größer aber ist die Versuchung deutscher Politiker, sich zu den Führern Europas, wenn schon nicht der Welt, aufzuschwingen. Eitel und bescheuert genug sind sie allemal. Wer, wenn nicht sie, sollte wissen, was der Menschheit frommt. 

Heiko Maas, der es sich ebenfalls nicht nehmen ließ, bei der Sicherheitskonferenz zu piepsen, stellte die Großmächte in den Stiefel, als er verlangte, die Lösung der Krisen „nicht denjenigen“ zu überlassen, „die zwar Waffen und Söldner exportieren, eines aber mit Sicherheit nicht – dauerhaften Frieden“. Sollte im Umkehrschluss heißen: Es gibt keinen Frieden ohne ein Handeln unter deutscher Anleitung. Das stand von vornherein außer Frage, wenigstens für Frank-Walter Steinmeier.

Er hatte das Leitthema der Münchner Opera seria – oder war es eher eine Opera buffa – bereits vorgegeben, als er die aus aller Welt angereisten Gäste zur Begrüßung wissen ließ: „Viele Deutsche blicken heute irritiert, beunruhigt und besorgt auf die internationale Politik. Gerne denken wir dann, wenn nur alle vernünftig wären und so wie wir Deutsche, dann wäre alles gut.“ Und wir wären endlich wieder politisch zurückversetzt in die Kaiserzeit. 

„Deutschlands Beruf“ hieß ein Evergreen, der sich damals und noch lange danach größter Beliebtheit erfreute. Nach sieben Strophen schließt er mit den Versen: „Und es mag am deutschen Wesen / Einmal noch die Welt genesen.“ Nun denn, die Hoffnung stirbt zuletzt. Frank-Walter Steinmeier, der Superdiplomat deutscher Angeberei, hat mit seiner Münchner Rede eindrücklich daran erinnert. 

Foto: Stefan Klinkigt

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herbert binder / 17.02.2020

Ja gut, natürlich, es ist immer wieder interessant, wenn das kgV aus dem Hohen Hause verlautbart. Ich schlage aber vor, das Ganze nicht immer so bierernst zu nehmen oder allzu kritisch zu sehen - eher etwas lockerer. Es könnte sich ja wieder einmal im Nestroy-Modus befinden und will sich nur einen Jux machen. Also nochmal, keinen Zwang antun, ruhig mal Laache.

S. Marek / 17.02.2020

Nach Faktenlage und ohne dem Betrachter Augen einseifen zu wollen könnten sich die USA und eine Handvoll echter deren Alliierter diese misse 3 Groschen Oper wirklich sparen. Es ist Zeit und Geldverschwendung zum Publikum mit Wachs verstopfen Ohren und Stroh im Kopf anstatt Hirn. Zur “Exzellenz” die nie diesen Titel verdient haben, aber als billige Hochstapler mit aufgeplusterter Hühnerbrust auftreten um Schwachsinn und BS zu plappern für die,  die am Tropf deren untergehenden Regierung hängen. Scharia dominierte Enklaven in deren Ländern breiten sich bereits aus wie Krebsmetastasen im letztem Krankheitsstadium aber die selbstgewählten Ärzte unter Halluzinationen und Realitätsfernen Wahnsinn leiden und von erfolgversprechender Zukunft fantasieren.  Leider gibt es immer noch zu viele Idioten und Lethargie geratene Menschen die entweder noch an Wunder glauben bzw. bereits jede Hoffnung verloren haben und zu keiner Reaktion fähig sind. Na dann, sausen wir den Weg in Untergang. Manchmal muß eine psychisch und Werte verkrüppelte Generation geopfert werden bevor eine neue mit Lebens- und Überlebenswillen für eigene Freiheit wieder zu kämpfen weist. Sieh Moses, Er ist auch 40 Jahre über die Wüste Sinai gelaufen mit den aus der Sklaverei geflohenen bis ein Nachwuchs aus in Freiheit-geborenen ins Gelobte Land zurück kam un um dieses auch bis heute zu kämpfen weißt.

Hans Reinhardt / 17.02.2020

Man darf dem alten unterpigmentierten Berliner und der kleinen saarländischen Presswurst nicht so oft Freigang gewähren. Das wird immer peinlicher mit denen, jetzt halten sich die beiden anscheinend schon für Politiker. Und die kommen auch noch überall rein. Keine Ahnung, sie die das wieder angestellt haben.

Rolf Lindner / 17.02.2020

“Gerne denken wir dann, wenn nur alle vernünftig wären und so wie wir Deutsche, dann wäre alles gut.” Deutsch für Anfänger Herr Steinmeier: Deutschen muss es richtig heißen. Auf welchem Gebiet ist der Mann nicht peinlich? Und keiner im Auditorium hat schallend gelacht?

Heiko Engel / 17.02.2020

Schöner Artikel. Der gesamte Komplex berlinerischen Größenwahn kurz und knapp erläutert. Wie gut, dass die Flöten nicht mal ahnen WAS Hybris bedeutet, Herr Rietzschel. Berlin leidet furchtbar unter der gravierenden Differenz von Realität und Eigenwahrnehmung. Hoffentlich fliegt uns der Schwachsinn nicht gehörig um die Ohren. Noch schützt sie der Torheit Schild.

Werner Kramer / 17.02.2020

“... wenn nur alle vernünftig wären und so wie wir Deutsche ...” - und an der Stelle hat ehrlich niemand schallend gelacht?

Sabine Schönfelder / 17.02.2020

Recht haben die beiden, ´unsere Bräsigkeitˋ von den Meiersteinen und Piepmatz Heiko! Verfettete Soldaten, Gewehre, die um die Ecke schießen, alte Panzer und eine untaugliche Flugzeugflotte, das sind die Ingredienzen zum Friedenserhalt unter deutscher FÜHRUNG! Jawoll! Das hat der Deutsche voll drauf! Bekleidung wird von den Natopartnern geliehen, damit wir am Manöver teilnehmen können. Umstandsuniformen, für schwangere Soldatinnen, - damit können wir dienen und mit einem Wehretat plus Beratergehältern in Millionenbereichen, den andere Staaten, (außer Schweden), für den Einkauf von sinnvollem Rüstungsequipment nutzten. Genau das sind die passenden Voraussetzungen, um auf der Sicherheitskonferenz die große Schnauze aufzureißen. Und Pygmäe Maas nickt in seinem kleingewaschenen ´schwubbschenˋ Hosenanzug eifrig mit dem Köpfchen, wenn Papa Stein-Peinlich Stuß erzählt. Die ganze bemühte Wehrhaftigkeit Europas ist eine Lachplatte! Macron bleibt der König der Atombombe und auch die Muselmanen werden nicht zu deutschen Schrott-Flinten greifen, wenn wir bedroht werden sollten. Wir werden auch nicht erobert, wir werden befriedet! Gebt den beiden frei, und uns Alkohol, damit wir das alles ertragen!

Sepp Kneip / 17.02.2020

„Viele Deutsche blicken heute irritiert, beunruhigt und besorgt auf die internationale Politik. Gerne denken wir dann, wenn nur alle vernünftig wären und so wie wir Deutsche, dann wäre alles gut.“ Ja, so geht Gehirnwäsche. Und der deutsche Michel ist wieder zufrieden mit seiner Regierung, die alles richtig macht. Nein, von Deutschland geht tatsächlich kein Krieg mehr aus. Man kann sich ja mangels funktionierenden Kriegsgeräts noch nicht mal verteidigen, geschweige denn angreifen. Und dennoch führt die deutsche Regierung einen Krieg. Einen Krieg im Innern. Angriffskriege gehen fast immer von Diktaturen aus. Auch der Angriffskrieg im Innern ist ein Krieg der Merkel-Diktatur gegen die einzige Opposition in diesem Lande, die vernichtet werden soll. Die Diktatur hasst die Opposition. Es ist aber auch ein Angriffskrieg gegen den Bürger, den diese Opposition verhindern will. Sie will verhindern dass der Bürger weiter belogen, betrogen und für dumm verkauft wird und dass alle demokratischen Instrumente abgeschaltet werden. Im Gegensatz zum Hitler-Regime, dass mit diktatorischen Mitteln Deutschland verherrlichen und größer machen wollte, zielt das Merkel-System darauf ab, Deutschland diktatorisch am Bürger vorbei als Nation von der Landkarte zu “radieren”, wie es Frans Timmermans plastisch ausgedrückt hat. Würde der Michel das doch endlich begreifen.

Wolfgang Kaufmann / 17.02.2020

„Natürlich werden von deutschem Boden keine Kriege mehr ausgehen“ – Keiner hat vor, einen Angriffskrieg zu führen; womit denn? Aber was spricht gegen eine kleine EU-konforme Expedition, um in Polen oder Ungarn das deutsche Demokratiemodell zu implementieren? Schon heute ziehen unsere Meinungsmacher massiv über ausländische Regierungspolitiker her, und damit über den Willen der dortigen Wähler. Sobald die freie Presse zur einseitigen Echokammer mutiert und nicht einmal vor Karikaturen in Stürmer-Stil zurückschreckt, empfehle ich den Visegrád-Nachbarn eine starke US-Bindung.

Ulla Schneider / 17.02.2020

Steinmeier? Wer ist das? Der Mann aus der zweiten Reihe? Bei Maas habe ich immer ein deja-vu zu Hannah Ahrend. Ich kann nichts dafür. Auf Auslandsreisen vermittele ich oft mit deutlicher Stimme: “Ich habe Frau Merkel nicht gewählt!” Das hat mir so manches mal Entgegenkommen und Freundlichkeit gebracht. Soweit ist das schon.

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