Wolfgang Mayr, Gastautor / 07.05.2018 / 17:00 / Foto: C.C.Pierce / 0 / Seite ausdrucken

Wehe, wenn Revolutionäre an die Macht kommen!

Ganz plötzlich feiern die biederen Deutschen ihren Karl Marx. Damals – nach seiner Zeit – versuchte noch der Eiserne Kanzler Bismarck mit seinen Sozialisten-Gesetzen, den Marx-Jüngern das Wasser abzugraben. Der spätere Bismarck-Nachfolger Adolf Hitler führte Krieg gegen die Marxisten im eigenen Land und gegen die marxistische Sowjetunion, auch deshalb, weil sie Teil der von den Nazis beschworenen jüdischen Weltverschwörung waren.

Marx, der geistige Kopf einer jüdischen Weltverschwörung? Marx-Gegner finden, dass Marx – trotz seiner jüdischen Abstammung – antisemitisch und rassistisch war. Auch der 1848er Revolutionär Carl Schurz beschreibt Marx als verletzend und von unerträglicher Arroganz. Eine Abrechnung unter Revolutionären. Auch Schurz war, wie Marx, verletzend und unerträglich arrogant.

Als US-Innenminister von 1877 bis 1881 führte Schurz einen Krieg gegen die indianische Rest-Bevölkerung. Schurz, der Revolutionär, befand, dass die den Indianern zugewiesenen Reservate große und wertvolle territoriale Besitzungen seien, die von den Indianern ungenutzt dalägen. Er regte an, dieses Stammesland zu parzellieren und zu privatisieren, um es an Land suchende weiße Siedler zu verkaufen.

Die Überlebenden der Indianerkriege wurden damit ein zweites Mal enteignet. Die Schurz-Anregung wurde 1887 mit dem General Allotment Act umgesetzt. Hatte das Land in Indianer-Hand 1887 noch 138 Millionen Morgen, schrumpfte es bis 1934 wegen der Parzellierung und Privatisierung auf 48 Millionen Morgen zusammen. Eine kalte Enteignung der Indianer, welch die ethnische Säuberung überlebt hatten.

Die Kinder der Indianer kamen in kasernierte Schulen

Carl Schurz setzte also nicht nur den Raub von Indianer-Land fort, er initiierte auch den Raub der indianischen Kinder. Ein besonders übler Teil der US-Geschichte. Schurz betrieb die Zwangsverschickung indianischer Kinder in Internate. 1878 wurde das Hampton Negro Military Institute in Virginia auch für indianische Kinder geöffnet, 1887 das Carlisle Institute in Pennsylvania. Weitere solcher „Institute“ folgten. Kasernierte Schulen, in denen es indianischen Schülern nicht erlaubt war, die eigene Sprache zu sprechen. Alle Unterweisungen mussten auf Englisch erfolgen, so eine Anordnung des Bureau for Indian Affairs 1880.

Die Folge war eine sprachlose Generation, die kaum die englische Sprache beherrschte und die eigenen Sprachen verloren hatte. Von 1880 bis 1930 wurden mehr als 50.000 Kinder aus ihren heimatlichen Reservationen – teilweise auch mit Gewalt – herausgeholt und in die zwangsassimilierenden Institute in den östlichen Bundessstaaten verschickt.

Viele dieser Internate wurden von Ex-Militärs und Pfaffen geleitet. Sie waren überfüllt, hygienisch katastrophal und für die deportierten Kinder ein unglaublicher Leidensort. Eine herzlose Maßnahme des Innenministers Schurz, der 1848 in seiner alten Heimat für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gekämpft hatte. Aber das galt eben nur weißen Menschen, nicht roten Untermenschen.

Ein Senatsausschuss kam 1965 unter der Leitung von Robert F. Kennedy zum Schluss, dass die indianischen Instituts-Schulen aus der Ära Schurz eine nationale Tragödie sind. Diese Internate gingen in Schulen der Indianer-Behörde BIA auf, die noch immer im Geiste von Schurz funktionieren. Revolutionär Schurz legte mit seiner rassistischen und herzlosen Haltung die Grundlage für diese üble Bildungspolitik.

Wehe, wenn Revolutionäre an die Macht kommen.

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