Brot und Spiele auf Römische Art

Die italienische Hauptstadt, präziser: die Altstadt, ist trotz des Schmutzes und der Schmuddeligkeit eine herausragende Metropole. Zumindest die Architektur, die steinernen Zeugen einer einst glorreichen Vergangenheit. Ansonsten ist wenig herausragend oder glorreich. Rom ist ein Forum für Machtspiele und Machtkämpfe, für Verschwörungen und Intrigen und besonders für Korruption. Das war schon immer so, im Rom der alten Römer, im Rom der machtgeilen Päpste und im Rom des Hitler-Freundes Benito Mussolini.

Auch er, der Duce, der Führer also, scheiterte – wie viele andere auch – an der Aufgabe, die Misswirtschaft zu stoppen. 2014 platzte die Bombe Mafia Capitale, verwickelt darin waren Unternehmer, Politiker aller Parteien, Rechtsradikale. Es ging um öffentliche Aufträge, um Schmiergelder, um eine Schattenwirtschaft unglaublichen Ausmaßes.Die Folge dieses Skandals war der Sieg von Virgina Raggi und ihrer Cinque Stelle, sie wurde Bürgermeisterin, ihre Partei stärkste Kraft.

Jetzt stecken Raggi und ihre Partei im Korruptionssumpf um das neue Fußballstadion für den Hauptstadt-Club AS Roma. Gegen eine ganze Reihe von Unternehmern und Politikern jeder Couleur wird ermittelt. Auch gegen jene Partei, unbestechlich und politisch sauber sein will, die damit Wahlkampf betreibt.

Unerfreuliches für die Regierungspartei Cinque Stelle entdeckten die Staatsanwälte. Verhaftet wurde der Unternehmer Luca Parnasi und der Präsident des römischen Elektrizitäts- und Wasserwerks, Luca Lanzalone. Er ist Anwalt mit Kanzleien in Genua und in New York, ein Vertrauter von Cinque Stelle-Chef Luigi Di Maio und Bürgermeisterin Raggi. Justizminister Alfonso Bonafede brachte Lanzalone zu den Cinque Stelle.

Große Summe für den Wahlkampf erhalten

Lanzalone gilt als brillanter Anwalt, der in Livorno Bürgermeister Filippo Nogarin zur Seite stand. Als Berater für die Reform der städtischen Müllgesellschaft. Der erwähnte Bonafede und der Trentiner Parlamentsabgeordnete Riccardo Fraccaro – ein mächtiger Mann bei den Cinque Stelle – holten den Anwalt nach Rom. Als juristische Stütze für Bürgermeisterin Raggi, die jede Menge Probleme am Hals hat und ihren Stadtrat ständig umbesetzen muss. So nebenbei arbeitete Lanzalone auch das neue Statut für die Cinque Stelle aus, im Auftrag der beiden grauen  Eminzenzen Grillo und Casaleggio.

Lanzalone blieb nicht nur Berater, er wurde zum Präsidenten des städtischen Strom- und Wasserwerks ACEA – neben dem Verkehrsverbund Atac und der Müllgesellschaft AMA einer der riesigen "carrozzoni",  der aufgeblähten öffentlichen Unternehmen. Diese Betriebe sind beispiellos ineffizient und werden von der Vetternwirtschaft erdrückt. Daran änderte sich bisher wenig. Einen Ermittlungsbescheid erhielt auch der Fraktionssprecher der Cinque Stelle im römischen Gemeinderat, Paolo Ferrara. Er trat vorläufig zurück. Auch Raggis Gegnerin in der Cinque Stelle, Roberta Lombardi, wird verdächtigt, für ihren Wahlkampf eine große Summe erhalten zu haben.

Laut Medienberichten ermitteln die Staatsanwälte auch gegen den Anwalt und Cinque Stelle-Kandidaten Daniele Piva, er zählt zum engen Kreis um Di Maio. Di Maio forderte inzwischen seinen Freund Lanzalone auf, sein Amt als Präsident des städtischen Strom- und Wasserwerks niederzulegen.

Besonders umstritten sind das vorgesehene Einkaufszentrum und die Wohntürme, die um das Fußballstadion gebaut werden sollen. Wegen dieser Projekte trat der Raumordnugs-Stadtrat Paolo Beridni zurück. Er sprach von einem unglaublichen Mix von Privatinteressen und politischer Verflechtung.

Zu den neun Verhafteten gehören auch Lokalpolitiker des Partito Democratico und von Forza Italia. Ermittelt wird gegen weitere 27 Personen.  Bürgermeisterin Raggi kommentierte die Ermittlungen und Verhaftungen folgendermaßen: „Chi sbaglia, paga." „Wer Mist baut, muss gehen“.

Foto: Benjamin B. Hampton historyofmovies via Wikimedia Commons

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Anna Lupo / 16.06.2018

Ich wohne jetzt seit einigen Monaten auf Zeit in Rom und kann nur sagen, wenn man mal die zweifelsohne großartigen Bauwerke und Zeugnisse der abendländischen Kulturgeschichte beseite lässt und Rom als eine gewöhnliche Großstadt betrachtet, in der gewohnt und gearbeitet wird, dann ist es eine wirkliche Schande. Allen voran die städtischen Betriebe Atac und Ama kriegen nichts auf die Reihe, jede Schilderung meinerseits über den beispiellosen Zustand der mezzi pubblici hier stößt bei meinen Freunden in Deutschland auf fassungslosen Unglauben. Aber es ist tatsächlich so wie auch oben geschildert und noch schlimmer. Man fragt sich, wohin die ganzen touristischen Einnahmen fließen… Und bei dem 10. ausgefallenen Bus an einem Vormittag muss ich unweigerlich an die dadurch ebenso ausgefallenen Arbeitsstunden täglich denken.. Wer das im Endeffekt wohl bezahlen wird ?

Gudrun Meyer / 16.06.2018

Geht es am Berliner Hof, beim Bamf von den mittelstädtischen Filialen bis zur Berliner Spitze und vor allem in einer enorm großen, wenig strukturierten und sehr einflussreichen Multimilliarden-Politindustrie aus Asylanwälten, Beauftragten für alles Mögliche und Unmögliche, einem “Kultur"betrieb, der z.B. einem “Zentrum für politische Schönheit” anvertraut wird, zweifelhaften NGOS und einer halbstaatlichen “Anti"fa wirklich so ganz anders zu . . . ?

Roland Müller / 16.06.2018

Rom hat eine neue Bürgermeisterin. Die alten Korruptis von der PD sind aber immer noch da. Ist aber nach über 60 Jahren Alleinherrschaft kein Wunder, das alle wichtigen Pöstchen in der Verwaltung mit korrupten Günstlingen aus den Reihen der Altparteien besetzt sind.

Hubert Bauer / 16.06.2018

Gefühlt der zehnte negative Artikel zur neuen italienischen Regierung innerhalb einer Woche. LANGWEILIG !

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