Peer Ederer, Gastautor / 26.03.2020 / 08:20 / 103 / Seite ausdrucken

Mit bedeutungslosen Zahlen im Blindflug durch das Virenmeer

Haben Sie einen Überblick, wie viele Menschen in Ihrem Dorf oder Ihrer Stadt mit Covid-19 infiziert sind? Haben Sie eine Vorstellung, wie lange noch die Kontaktsperre das öffentliche Leben beherrschen soll? Und haben Sie der Dauerberichterstattung entnehmen können, was helfen soll, dass ausgerechnet nach den Osterferien das „normale“ Leben wieder beginnen kann? Wahrscheinlich geht es Ihnen wie allen, den Politikern, den Unternehmen, den Alten wie den Jungen: Wir segeln im Blindflug durch das Virenmeer.

Dabei gibt es seit Wochen nur noch ein beherrschendes Thema auf allen Kanälen: die Corona-Krise. Ihr herausragendes Merkmal ist die stetig steigende Zahl der positiv getesteten Fälle. In der Schweiz sind diese bis zum 24. März laut corona-data.ch auf 10.247 Fälle gestiegen, in Deutschland laut Risklayer bei 36.116 Fällen, und in Italien laut den Behörden bei mehr als 70.000 Fällen. Jedoch sind diese Zahlen bedeutungslos.

Sie geben nicht den wahren Infektionsgrad der Bevölkerung wieder, sie bezeichnen auch nicht den Belastungsgrad des Gesundheitssystems, sie sagen nichts über das Überlebensrisiko aus, und sie helfen nicht zu verstehen, wie die Krise entstanden ist, oder wie sie zu bewältigen ist. Der Reihe nach.

Der wahre Infektionsgrad

Die wichtigste Zahl, die wir wissen müssten, wäre, wie hoch der wahre Infektionsgrad der Bevölkerung ist, denn daraus ergeben sich alle anderen wichtigen Werte. Seit dem Wochenende vom 21. März gibt es einen guten Anhaltspunkt dafür. In Island wurden in der Woche zuvor 5.571 einigermaßen zufallsmäßige Tests in der gesunden und nicht unter Quarantäne stehenden Bevölkerung durchgeführt. Das Ergebnis ist verheerend: 0,86 Prozent waren infiziert, wie am 21. März veröffentlicht wurde.

Dank der täglichen Analysen von Professor Mark Handley der University College London ist bekannt, dass Island eine ähnliche Infektionsdynamik hat wie alle anderen kerneuropäischen Länder auch, und im Verlauf ungefähr gleich früh wie Italien und der Schweiz liegt. Daher ist zu vermuten, dass in Italien und der Schweiz um den 16. März herum ebenso circa 0,9 Prozent der gesunden Bevölkerung mit Covid-19 infiziert waren. Also anstatt der damals offiziellen 28.000 Fälle in Italien waren es 540.000, und respektive in der Schweiz 78.000 echte Infektionen.

Die Dunkelziffer läge demnach bei Faktor 20. Bis zum 25. März müssten sich diese Zahlen vom 16. März bereits verdreifacht haben, entsprechend dem jetzigen Epidemieverlauf. Es ist daher damit zu rechnen, dass Italien mittlerweile 1,5 Millionen Infizierte hat und zu 2,7 Prozent durchseucht ist, und die Schweiz etwa 240.000 – also etwa jeder 37. Schweizer ist oder war bereits infiziert, wenn man der isländischen Stichprobe glaubt.

Deutschland 10 Tage hinterher

Laut Professor Handley liegt Deutschland im Epidemieverlauf etwa 10 Tage hinter Italien. Im jetzigen Stadium des deutschen Epidemieverlaufs bedeuten 10 Tage etwa zwei Verdoppelungen der Fallzahlen, oder Faktor 4. Das heißt, per 25. März, würde Deutschland im Vergleich bei etwa 0,68 Prozent Durchseuchungsrate liegen, beziehungsweise 564.000 echten Infizierten. Das wird dann bis zum 4. April auf circa 2 Millionen gestiegen sein, wenn Deutschland dann dort ist, wo Italien und die Schweiz am 25. März sind.

Die isländische Stichprobe ist nicht der einzige Anhaltspunkt für diese echte Infektionsrate, die etwa 20-mal höher liegt als die bedeutungslosen Fallzahlen, die täglich vermeldet werden. Die mathematischen Epidemiologen Professor Kenji Mitsumoto der hochrenommierten japanischen Kyoto Universität und Professor Gerardo Chowell der Georgia State University haben sich einen eigentlich für alle offensichtlichen Sachverhalt angeschaut. Als in der letzten Januarwoche Evakuierungsflüge aus Wuhan stattfanden, gab es unter den Passagieren Fälle, die zwar gesund in das Flugzeug einstiegen, aber zu Hause positiv getestet wurden. Diese Infektionsrate lag bei den zuverlässig erhobenen japanischen, deutschen und singapurianischen Flügen bei etwa 1,5 Prozent, also noch etwas höher als die isländische Stichprobe.

Zu diesem Zeitpunkt lagen die chinesischen offiziellen Testergebnisse für Wuhan Stadt bei 2.500 Fällen, oder 0,025 Prozent der 10-Millionen-Metropole Wuhan, ähnlich der Rate, die heute für Deutschland kommuniziert wird. Wenn die Stichprobe dieser Flüge repräsentativ für Wuhan ist, dann hätte Wuhan bereits 150.000 Infizierte zu jenem Zeitpunkt gehabt anstatt nur 2.500. Die Dunkelziffer wäre also in Wuhan 60-fach höher gewesen.

Drei konsistente, aber leider nur magere Anhaltspunkte

Es gibt noch einen dritten Hinweis. Vor zwei Wochen, um den 11. März herum, fiel auf, dass in allen großen Parlamenten Europas, also Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien, mindestens ein Abgeordneter bereits infiziert war. Außerdem war in jeder großen ersten europäischen Fußballliga jeweils ein Spieler infiziert. Das sind alles jeweils diskrete, begrenzbare und nicht miteinander korrelierte Stichproben von jeweils circa 600 Mitgliedern. Wenn von denen jeweils ein Teilnehmer infiziert war, dann war die Infektionsrate in diesen Gruppen bereits 0,17 Prozent. Zwischen den ersten Symptomen, dem Test und schließlich der Bekanntgabe des Ergebnisses lagen etwa fünf Tage, also müssen die Parlamente und Fußballligen bereits am 6. März herum zu 0,17 Prozent infiziert gewesen sein.

Es ist schwer zu sagen, ob Parlamentarier und Fußballer mehr oder weniger verseucht sein müssten als die allgemeine Bevölkerung. Vermutlich sind sie aufgrund ihrer häufigeren Kontaktrate mehr verseucht. Jedenfalls dürften sich in diesen beiden Gruppen und ihrem Umfeld zwischen dem 6. und dem 16. März, dem Datum der isländischen Stichprobe, die Infektionsraten etwa versechsfacht haben – also auf eine Infektionsrate von etwa 1 Prozent. Das wäre dann genauso hoch wie die isländische Stichprobe – und scheint daher plausibel zu sein.

Das sind drei konsistente, aber leider nur magere Anhaltspunkte für die wahren Infektionsraten in Europa. Daher ist die viel wichtigere Frage: Warum gibt es nur diese drei? Warum haben nicht etwa das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz oder das Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland schon längst verlässlichere Zufallsstichproben in ihren Bevölkerungen durchgeführt, um zu wissen, was der echte Stand der Lage ist?

Es werden zur Zeit Billionen Euro an volkswirtschaftlichen Werten vernichtet, auf der Basis von Zahlen, die nahezu keine Aussagekraft besitzen. Das Erheben von epidemiologischen Stichproben wäre das grundlegendste Handwerkszeug dieser Zunft. Warum werden sie jetzt nicht durchgeführt – jetzt und nicht erst im Sommer?

Warum gibt es keine vernünftigen Zahlen aus China?

Es gibt noch andere wichtige Werte, die genauso unbekannt sind. Das ist die Ansteckungsrate R, die Symptomatikrate, sowie die Inkubations- und Ansteckungsdauer. Selbst nur kleine Abweichungen von 0,1 Prozent, oder nur von Stunden in diesen Werten machen in der Endabrechnung einen Unterschied von Millionen von Fällen aus. Wer mit den Annahmen in einem epidemiologischen Modell spielen möchte, der kann das im Internet hier tun

Die Ausschläge des Modells sind erschreckend groß für nur kleine Änderungen. Gut dokumentierte Werte gibt es bislang nur für die ersten 41 Fälle in China, noch aus dem Dezember und frühen Januar. Seit dem Wuhan-Lockdown gibt es keine verlässlichen Daten mehr aus China über Ansteckungsraten, Ansteckungsdauern und Symptomentwicklung. Und für Europa gibt es sie auch immer noch nicht.

Alle Politiker Europas steuern daher im Blindflug durch diese Krise. Die Professoren Mitsumoto und Chowell berechnen, dass, wenn eine Woche nach dem Wuhan Lockdown, am 30. Januar, als die Flüge stattfanden, die wahre Infektionsrate 1,5 Prozent war, dann muss die wahre Ansteckungsrate R auch nach dem Lockdown noch bei über 5 gelegen haben. Das wiederum bedeutet: Zwischen dem 30. Januar und dem 11. Februar wäre somit die wahre Infektionsrate auf knapp 20 Prozent der Wuhanbevölkerung gestiegen, trotz des Lockdowns. Das würde implizieren, dass es auch jetzt, nach dem Ende des Lockdowns Mitte März, noch viele tausende asymptomatische Infektionsketten in China gibt, aus denen jederzeit der Ausbruch wieder in die Risikogruppen übergreifen kann und in der Folge das Gesundheitssystem überlastet. Ist das der Grund, warum ausländische Journalisten des Landes verwiesen wurden? Ist das der Grund, warum es praktisch keine vernünftigen Zahlen aus China gibt?

Können die Berechnungen des japanischen Professors auf europäische Verhältnisse übertragen werden? Das würde bedeuten, dass in vier bis fünf Wochen jeder fünfte Europäer bereits einmal infiziert sein wird, trotz des jetzigen Lockdowns. Und was bedeutet das? Solange keine Daten erhoben werden, ist das alles unmöglich zu wissen.

Es ist immerhin bekannt, dass sowohl auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess, das in Japan ankerte, die Ansteckungsrate R bis zu dem Wert 11 lag, also jeder Infizierte steckte 11 weitere Personen innerhalb von etwa 6 Tagen an. Dasselbe galt wohl auch für die koreanische Sekte in Daegu, die weitgehend im Alleingang Südkorea infizierte. Um zu verdeutlichen, was das heißt: ein R von 11 erreicht, dass innerhalb zwei Wochen nach dem ersten bekannten Todesfall bereits zwei Millionen Menschen infiziert sind. Ein R von 11 durchseucht jede Gemeinschaft in kürzester Zeit.

Politische Verschleppungen und Vertuschungen

Die Ansteckungskarten von Europa lassen ähnlich dramatische Infektionsherde vermuten, die mit extrem hohen R Werten die Infektionswelle vorangetrieben haben. Es waren die Après-Ski-Zentren in den Alpen, allen voran Ischgl und Verbier, es waren die Karnevalshochburgen, und es waren die Fußballzeremonien mit den starken Fanaufläufen. Im Elsass kam noch eine Sektenveranstaltung in Mülhausen dazu, ähnlich wie in Korea. Politische Verschleppungen und Vertuschungen trugen das ihre bei.

Mit den wenigen anekdotischen Hinweisen, die sich in den Wissenschaften ansammeln, zeigt sich zunehmend, wie sich Corona verbreitet und wen es angreift. Es überträgt sich wohl in erster Linie durch die Atemluft. Besonders beim lauten Reden (oder Grölen beim Après-Ski und im Stadion) werden die im Rachenraum residierenden Viren nach draußen gerissen, und landen bei dem Gegenüber in den Augen oder in der Nase. Nicht umsonst war der erste chinesische Whistleblower Dr. Li Wenliang, der dann mysteriös verstarb, ein Augenarzt, der sich wunderte, warum sich bei ihm so viele Patienten mit schwersten Lungenentzündungen ansammelten. Übertragungen über Flächen, insbesondere im ÖPNV scheinen dagegen eine untergeordnete Rolle zu spielen. Die Pendlerstadt Frankfurt hat als Verkehrsdrehkreuz Deutschlands die niedrigsten offiziellen Fallzahlen aller Großstädte in Deutschland. Pro Einwohner liegen sie bei einem Viertel von Köln, Stuttgart oder München. Vielleicht, weil Frankfurt weder eine Karnevals- noch eine Skifahrertradition hat?

Die durch die isländische Stichprobe angezeigte hohe Infektionsrate bedeutet, dass die allermeisten Infizierer kerngesund sind und nichts wissen von ihrer Krankheit. Sie verbreiten das Virus im Après-Ski und im Fußballstadion an ihre Umgebung. Von dort wird es nach Hause oder an den Arbeitsplatz getragen und infiziert die Risikogruppen, die Älteren, die Immungeschwächten und die Lungenerkrankten, die dann in der Folge die Intensivbetten benötigen, mit alarmierend hohen Sterblichkeitsraten. Auch wer eine besonders hohe Dosis abbekommen hat, kann leicht bis schwer erkranken, aber das ist nicht der Regelfall. Und jeder kann in seltenen Ausnahmen das Pech haben, dass das Virus sich in einem schwachen Moment in den Körper schmuggelt und dort eine scharfe Immunreaktion in Form einer Lungenentzündung auslöst, die nicht mit Antibiotika behandelbar ist.

Sollten die Daten aus Island und von dem japanischen Professor auch nur zum Teil stimmen, dann steht fest, dass es ein Mythos ist, zu glauben, man könne Corona wieder aus unserer Gesellschaft verbannen, auch wenn Lothar Wieler vom Robert-Koch-Institut sich das noch so wünscht. Denn dann wissen wir, dass wir ständig tausende von stillen symptomfreien Infektionsketten in unserer Gesellschaft haben werden, die nicht sicher unterbrochen werden können.

Der Ursprung dieses Mythos ist zweifellos China, auf deren Propaganda die Europäer schon seit Wochen fortlaufend ausrutschen. Es steht zu vermuten, dass die Chinesen der Welt heute genauso glauben machen wollen, dass sie erfolgreich Corona in Wuhan besiegt haben, wie sie bis zum 20. Januar beharrlich behauptet haben, dass es keine menschlichen Infektionsketten gab. Dabei wurde die medizinische Evidenz für eine menschliche Infektionskette schon am 6. Dezember in dem wissenschaftlichen internationalen Journal Lancet veröffentlicht. Taiwan, Südkorea und Japan haben China vom ersten Tag an nichts geglaubt und ihre eigenen Strategien ergriffen – die Europäer dagegen fliegen blind und glauben fest an das chinesische Wuhanwunder, dass bald alles wieder vorbei ist.

In der jetzigen Phase des Lockdowns der Welt, kann es daher nicht darum gehen, die Infektionsketten zu stoppen – denn das ist unmöglich. Es kann nur darum gehen, wie wir die Infektionsketten auf eine Weise verlangsamen, ohne dabei die Wirtschaft in einen Infarkt zu versetzen und ohne dabei die Risikogruppen einer Gefahr auszusetzen. Wie das geht, das machen uns Japan und Südkorea vor. Wir sollten von diesen freien und demokratischen Gesellschaften lernen, anstatt uns von den Chinesen weiter Geschichten erzählen zu lassen.

Deswegen wäre es so wichtig, mit echten Daten zu wissen, wie hoch die Infektionsraten wirklich sind, was die Übertragungswege sind, was die Inkubations- und Ansteckungsdauern sind. Es werden allerdringendst epidemiologische Daten benötigt, damit ein ökonomisches, politisches und soziales Leben in unseren Gesellschaften sobald wie möglich wieder einkehren kann.

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Leserpost

netiquette:

toni Keller / 26.03.2020

@ Karla Kuhn, nanu normalerweise sind Sie kritischer und nun fallen Sie auch auf den Hype herein, als sei jeder mit dem Coronavirusinfizierte gleichzusetzen mit einem Pestinfizierten.  Der Unterschied ist der, der Pestinfizierte erkrankt schwer, außer in wenigen Fällen, bei Corona ist es genau umgedreht,  die meisten, da 90%, merken nichts, ca 10% erkranken schwer, und davon sterben nochmal einige, die aber schon so vorerkrankt sind, dass ihr Immunsystem nicht mehr in der Lage ist mit der Krankheit umzugehen und man nicht sicher sein kann, ob nicht die Therapie (harte Virostatika, intubieren unter Narkosebedingungen zum Zwecke der Beatmung, und wie jeder weiß sind Narkosen mit zunehmendem Alter immer kritischer zu sehen und werden immer schlechter vertragen, Stichwort “Durchgangsyndrom” ) letzendlich zum Sterben beigetragen hat. @ Bernhard Idler in Italien sterben täglich ca 1600 Menschen und das weil sie aufhören zu atmen, das ist nun mal so. Wir sollten uns von den Zahlen, wie es ja im Betrag steht nicht neurotisch machen lassen. Im übrigen würde ich Ihnen empfehlen mal mit einem Intensivarzt ordentlich einen trinken zu gehen, und sich dann über den Erfolg intensivmedizinischer Behandlung vorerkrankter, hochaltriger, multimorbider Menschen zu unterhalten. @ Francs Johnson China hat seine 1 Kind Politik 2015 gelockert und 2018 ganz aufgehoben und propagiert seit dem die mindestens 3 Kinder Familie, für den Verschreiber   250 tausend statt 25tausend Grippetote in der Saison 2017/2018 entschuldige ich mich und bedanke mich für den Hinweis

Tom Elpunkt / 26.03.2020

Hier noch eine Ergänzung meines unten Geschriebenen, da es sich bald in den Themen wiederfinden wird (Stichworte: RKI will Stichprobe erstellen / Todesfälle in Italien stimmen nicht mit Horrormeldungen überein): Im Endeffekt meiner Überlegungen kam ich also auf eine konservative Dunkelziffer von Neuinfizierten x 10. Kann man übrigens sofort auf die Zahl bestätigter pos.Tests anwenden, um den wahrscheinlichen Anteil der Todesfälle (die ja hoffentlich alle bestätigt sind) an der Gesamtheit der Virusbetroffenen auszurechnen. Kommt man auf eine Sterblichkeit im Bereich der Grippesterblichkeit, was die Verhältnismäßigkeit der aktuellen Notstandsgesetzgebung fraglich läßt. Vorsicht -auch Übervorsicht oder gar ein wenig Angst ist ja verständlich, aber sie sollte nicht so weit gehen, wie in Demmin 1945. Selbstvernichtung aus Angst vor dem Unbekannten. Und dieser Dunkelzifferfaktor - egal ob 10 oder 20 oder 50 - erklärt auch, warum die Gesamtzahl der täglichen Toten in Italien nicht über das übliche Maß der vielen zurückliegenden Jahre zu ebendieser Jahreszeit maximaler Sterblichkeit ansteigt. Ganz davon abgesehen, welche Bilder man erzeugt, wenn man tausenden Gemeinden verbietet, ihre Toten zu bestatten und stattdessen alle zentral in einem Krematorium einzuäschern sind!

Evamaria Singer / 26.03.2020

Hochinteressanter Aufsatz. Was ich mich frage, ist: WIE arbeitet der Test, WAS genau zeigt er an?  Soweit ich verstand, findet er im Körper herumschwimmende Gen Bruchstücke von “Coronaviren an sich”. Es gibt alte Coronaviren gegen die wir schon immun sein dürften,  und es gibt den neuen SarsCorona2.  Die gänzliche Symptomfreiheit bei so vielen “Infizierten” ist auffallend,  man sollte hier mE nicht von einer milden Krankheit sondern von einer   erfolgreichen Immunantwort sprechen. Das neue Virus2 ist vielleicht überhaupt nur in 10 Prozent oder noch weniger der “Infizierten”  vorhanden. Weiters haben die Chinesen im Feber einen Forschungsbericht veröffentlich und gesagt:  Das Virus dockt am ACE2 Enzym an, dieses ist bei Asiaten 5 mal häufiger als bei Europäern und bei Männern häufiger als bei Frauen. (im Verhältnis 30:11) Prof Penninger sagte, das ACE2 regelt auch den Schutz vor Lungenversagen. Das Virus kommt von Fledermäusen, Zwischenwirt war das Schuppentier. Es sprang auf den asiatischen Mann über und von dort gings weiter auf den europäischen Mann. Dieser ist zwar nicht so leicht attackierbar wie der Asiate, aber er hat -sobald das Virus einmal drinnen ist-  ums 5 fache weniger Abwehrkräfte, weil er hat ja 5 mal weniger ACE2 Enzym (gegen Lungenversagen)  als der Asiate. So meine laienhafte Überlegung. Wenn das stimmt, sind die europäischen Sars2 Infizierten in sehr sehr großer Gefahr. Es erklärt warum das Virus total gesunde junge Männer umwerfen kann. Ich habe das Gefühl, daß  es bei asiatischen Coronaviren   sinngemäß ähnlich ist wie bei den Neophyten und wir die Globalisierung nicht vertragen. Die guten Daten der Chinesen können also sehr wohl stimmen, denn SIE sind gegenüber ihrer eigenen Tier- und Pflanzenwelt ganz anders aufgestellt als wir.  Die Kontakt-VERMEIDUNG ist mE also das Oberwichtigste. Das Virus DARF nicht rein.  

Dietmar Herrmann / 26.03.2020

Ein echter Bombenartikel, der endlich auch einmal die Physiologie des Infektionsaktes berücksichtigt und darüberhinaus das vorhandene Statistikmaterial mit klarem Verstand analysiert. Wie ich schon gestern schrieb (ja, Klugscheißer) , wird die Durchseuchung bis Anfang Mai weit, weit fortgeschritten sein und für die Risikogruppen beginnt dann das große Leiden und auch Sterben. Bei 0,5 % Letalität , bezogen auf eine Infiziertenzahl von 50 bis 60 Millionen kommt man zu schwindelerregenden Opferzahlen, nicht vergleichbar mit den 4000 Fällen einer Infkluenzasaison. Die Chinesen handeln mit einem Pragmatismus , der uns zumindest gnadenlos erscheinen mag (der Kommandeur befiehlt Sommer, respektive Seuchenende). Zugegebenermaßen sind sie von der Angst getrieben , daß ein Wirtschaftskollaps sie wieder in die Zeit der Hungersnöte zurückwerfen könnte und den Verlust des Hegemonialanspruchs der Partei zur Folge hätte. Dagegen bedeutet der Verlust einiger tausend Leben, insbes. von Alten und Kranken , in diesem System GARNICHTS. Und unsere Politclowns können bis heute nicht zugeben, daß die Bevorratung von Atemmasken einige Millionen gekostet , aber ökonomischen Schaden in Billionenhöhe verhindert hätte.

toni Keller / 26.03.2020

@ Francis Johnson China hat seine Einkind Politik 2015 offiziell beendet und eine Zweikind Politik propagiert und das dann 2018 aufgehoben und propagiert seit dieser Zeit die Dreikinderfamilie als Ziel, Lässt sich alles ergoogeln! Aber schon vorher gab es Ausnahmen, so für Minderheiten, wie die Uiguren

toni Keller / 26.03.2020

@ Francis Johnson: Danke für die Korrektur, hatte michvertippt, weiß, dass es fünfundzwanzigtausendeinhundet offizielle Grippetote, nur in der BRD im Jahr 2017/2018 waren,  erzähle das seit Wochen jedem, versuche damit die Panik, die ich für gefährlicher halte, als die Gefahr einer ungehemmten Ausbreitung des Covid Virus, herunterzufahren. Und jetzt habe ich selber zur Panik beigetragen, so schnell kann es gehen! Ich kann mich nur wiederholen: bislang sind die Todesfälle in keinster Weise besorgniserregend, und mal einen Vergleich:  Weltweit werden täglich 129 000 ungeborene Kinder abgetrieben, das finden die meisten gut, weil damit unnütze Esser vermieden werden, oder gar unnütze CO2 Emittenten, oder es einfach eine viel zu große Belastung der einzelnen Familie, bzw im Falle einer Behinderung der Allgemeinheit wäre, oder aus tausend anderen Gründen. Ich will das hier nicht werten, das nicht, finde es aber fast absurd wie hier, im Falle hochaltriger, multimorbider Leute, die über kurz oder lang sowieso sterben würden, auf einmal um jede Lebenswoche dieser Leute die Gesellschaft bereit ist, alles zu riskieren was ihren Reichtum ausmacht. Der Tod ist immer ein Schock, selbst wenn er mit 104 erfolgt,  einfach weil jemand fehlt,  ich plädiere auch nicht für sozialverträgliches Frühableben, aber für den Realismus, der uns fehlt.  Lektüreempfehlung:  Simone de Béauvoir in “Alle Menschen sind sterblich” Von diesen Überlegungen abgesehen: sofern man die Statistik bemüht, die derzeitigen Todesfälle, wo ja eigentlich unklar ist, ob die an Corona oder nur mit Corona gestorben sind, keineswegs auffällig. Zur Erklärung: wenn ich mal sterbe, sterbe ich mit meinen alten OPWunden, es ist aber nicht gesagt ob ich an Spätfolgen selbiger, dann gestorben bin! Und so wird, m. E.  schon viel zu lange nicht überlegt ob hier nicht Kausalitäten mit Korrelationen verwechselt werden. Ich denke der Mensch überschätzt sich, er ist weder Herr über das Wetter, noch Herr über Leben und Tod!

A. Ostrovsky / 26.03.2020

Ja, also der Lothar Wieler hat gesagt, es wäre nicht die Stunde der Dilettanten, sondern die Stunde der Profis. Der ruft quasi in die Welt “löst mich ab, ich kann es nicht” aber niemend tut ihm den Gefallen. Wer soll es denn auch machen? Supermutti ist doch auf Corona. Und der Bankkaufmann im Amt ist vermutlich gar nicht zuständig oder es weiß nicht was er machen soll. Wenn die Profis erstmal die 70% erreicht haben, gibt es keine Rettung mehr. Und ich glaube wir sind schon weit drüber.

Karla Kuhn / 26.03.2020

Frances Johnson, danke, Sie nehmen mir die Arbeit ab ich unterschreibe ALLES sehr gerne. Vor allem die RÜCKTRITTSFORDERUNG, die würde ich alllerdings noch erweitern !  Ja Frau Dietzel, den Film habe ich gesehen ! V. Saul, ob Merkel oder nicht dieses Virus hat werden wir wahrscheinlich nicht erfahren !  Können Sie sich die Reaktion vieler Menschen vorstellen ?? Herr Jankowski, Sie sind grandios, “Teil des Wattenmeeres. ”  Ich befasse mich nicht mit DATEN, dazu sind die meisten Krankeiten zu speziell und gar nicht berechenbar,  ich befasse mich mit TATEN und diese fallen für mich furchtbar aus ! Maaß schickt dringend benötigte Schutzkleidung und andere für UNS wichtige Hilfsmittel, wie Masken, Desinfektionsmitte, ATEMGERÄTE nach China und hier wreden die Intensivbetten für viel Geld freigehalten und Krh. bezahlt, die das auch noch mitmachen, anstatt in Schnelle jede dafür geeignete Immobilie umzurüsten. Wir leben im 21. Jahrhundert, haben irre Träume vom Mars Roboter als Pflegepersonal einzusetzen etc. aber wir bringen es nicht fertig z. B. REHA Kliniken (  JETZT ENDLICH in Bad Reichenhall) auf die Schnelle umzurüsten, damit die Infizierten abseits von normalen Kranken behandelt werden können.  Die Bevölkerung wird nicht   durchgehend getestet, für mich ein Versäumnis, damit können die Nichtinfizierten sofort von den Infizierten getrennt werden und der normale wirtschaftliche und soziale Kreislauf kann weitestgehend aufrecht erhalten werden. Statt dessen dürfen   in “Quatschrunden ” viele “Koryphäen ” ihren Senf dazu geben. Eine Frau, wohl Ärztin, meinte,(in etwa) wie soll ein Arzt regagieren wenn ein alter Patient erkrankt und gleichzeitig kommt ein jüngerer und benötigt ebenfalls ein Intensivbett, da muß doch mal darüber geredet werden !! Ja, wie im DRITTEN REICH,  da wurde selektiert ! Für Deutschland ist schon die Frage eine Schande !  Würden wir uns nicht TOTSPAREN, gebe es genügend Betten und med. Personal !  DAS wäre Ihre AUFGABE Herr Spahn !

Werner Liebisch / 26.03.2020

@Johnson Ich mag ihre Beiträge sehr. Sind Sie: “Frances Johnson, M.D.,is a clinical cardiologist”? FG

Andrea Schuster / 26.03.2020

Sie haben die Sportveranstaltungen erwähnt, welche zur Verbreitung des Virus beigetragen haben könnten. Auch Ischgl als Ski-Ort haben Sie genannt. Aber warum erwähnt offenbar niemand die Biathlon-WM ? Stattgefunden hat sie vom 12.–23. Februar in SÜDTIROL !! Die große Welle an Infektionen dort begann um den 20. Februar. Ob nun die vielen Gäste der WM den Virus brachten oder von dort mitnahmen, sei dahingestellt. Aber trotzdem zog der Biathlon-Zirkus noch Anfang März nach Tschechien und Mitte März nach Finland. Den letzten Ort Oslo hat man zum Glück endlich gestrichen. Ich verstehe nicht, warum man einfach weiter gemacht hat, als ob nichts wäre. Vielleicht wegen der fast 100% deutschen Sponsoren??

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