Thomas Rietzschel / 06.07.2018 / 15:00 / 26 / Seite ausdrucken

Lügen haben Merkel-Beine

Sie hat es wieder getan, zwanghaft. Wie die Kleptomanen das Klauen nicht lassen können, so kann Angela Merkel nicht ohne die Lüge leben. Nach dem EU-Gipfel in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag vergangener Woche teilte sie den Fraktionsvorsitzenden von SPD und CSU mit, es sei ihr gelungen, die Weichen für eine beschleunigte Rückführung von Migranten zu stellen.

Mit Griechenland und Spanien habe sie ein „Rücknahmeabkommen“ vereinbart und mit 14 weiteren Staaten „Verwaltungsvereinbarungen“ getroffen, die eine schnelle Abschiebung der illegal in Deutschland lebenden Zuwanderer ermöglichen würden. „Zusagen auf politischer Ebene, solche Abkommen abzuschließen“ habe es auch von Tschechien, Ungarn und Polen gegeben. Die Deutsche Presse-Agentur, ARD und ZDF vermeldeten einen „Erfolg“; die Tagesschau sprach gar von einem „Coup für die Kanzlerin“.

Die Dementis folgten am Tag darauf. Als erster widersprach der tschechische Regierungschef Andrej Babis. Es habe, erklärte er, „keine Verhandlungen zwischen der Tschechischen Republik und Deutschland über diese Frage gegeben“. Das Ganze sei „völliger Unsinn“. Kurz darauf wurden die Tassen auch von dem Ungarn Viktor Orbán zurechtgerückt: „Es ist zu keinerlei Vereinbarung gekommen.“ Gleiches war schließlich aus Warschau zu hören. „Es gibt keine neuen Vereinbarungen zu Aufnahme von Flüchtlingen aus anderen EU-Ländern“, sagte der polnische Außenminister.

Eine Vereinbarung, die es nicht gibt

Die Bundesregierung nahm das „bedauernd zur Kenntnis“, ohne sich von der Verbreitung der nächsten Schwindelei abhalten zu lassen. Nach dem stundenlangen Gespräch der Kanzlerin mit ihrem Innenminister am Sonntagabend hieß es am Montagmorgen: „In den Fällen, in denen sich Länder Verwaltungsabkommen über die direkte Zurückweisung verweigern, findet die Zurückweisung an der deutsch-österreichischen Grenze auf der Grundlage einer Vereinbarung mit der Republik Österreich statt.“

Wiederum eine Erfolgsmeldung Angela Merkels, die – diesmal in Absprache mit Horst Seehofer – Wort für Wort erfunden und erlogen war, „nichts als eine abenteuerliche Verbiegung der Realität“, wie Spiegel Online schrieb. Niemand in Wien wusste etwas von einem solchen Deal. „Diese Vereinbarung gibt es nicht“, dementierte der Innenminister umgehend, während der Regierungschef Sebastian Kurz klarstellte, dass man „sicherlich nicht bereit sei, Verträge zulasten Österreichs abzuschließen“.

Mit einer Lüge nach der anderen sucht sich Angela Merkel über die Runden zu retten. Immer dichter folgt Schwindel auf Schwindel, immer kürzer wird die Zeit, die damit zu gewinnen ist. Schon morgen fliegt unterdessen auf, wovon wir heute noch überzeugt werden sollten. Zu befürchten steht, es könne der Deutschen Bundeskanzlerin längst gehen wie allen Lügnern, wenn sie sich und der Welt solange etwas vormachen, bis sie selbst an die Wahrheit ihrer Hirngespinste glauben, die erfundenen Ereignisse für bare Münze nehmen.

Die Psychologen sprechen in solchen Fällen von einer Störung, die sie als Pseudologia phantastica, Pseudologie oder Mythomanie bezeichnen. Umgangssprachlich ist öfter auch von einem „Münchhausen-Syndrom“ die Rede, was insofern irreführend ist, als der „Lügenbaron“ ein lustiger Kerl war, über dessen Schnurren wir heute noch lachen können.

Schlitzohren lügen anders

Dazu aber hat uns die Kanzlerin bisher keinen Anlass gegeben. Ihre Erfindungen sollen ernst genommen werden. Sie schwindelt obsessiv. Ihr Verhalten gleicht zunehmend dem der Pseudologen. Sie lügen nicht zum Spaß, sondern mit der Absicht, andere zum eigenen Vorteil hinters Licht zu führen, im Fall von Angela Merkel ein ganzes Volk.

Nun mag das in der Politik so selten nicht vorkommen. Auch Jean-Claude Juncker beanspruchte vor Jahren für sich das Recht, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Nur sind sich die Schlitzohren ihrer Lügen noch bewusst. Das unterscheidet sie von den krankhaften Lügnern und Lügnerinnen. Ihr ganzes Tun baut auf der Vortäuschung auf, einer Hochstapelei und einem Narzissmus, von dem sie selbst dann nicht loskommen, wenn sie wieder und wieder ertappt werden.

Eine gewisse Glaubwürdigkeit können sie mit dieser Penetranz durchaus erzielen. Vieles wird ihnen allein deshalb abgenommen, weil sie es im Brustton tiefster Überzeugung verkünden. Selbst Andrea Nahles glaubte zunächst, dass nun 14 europäische Länder bereit wären, mit Deutschland „Verwaltungsvereinbarungen“ zur Rücknahme von Flüchtlingen zu treffen, nachdem ihr die Kanzlerin von einem  „Durchbruch“ beim EU-Gipfel telefonisch berichtet hatte.

Ihre Obsession ist das einzige Pfund, mit dem die notorischen Lügner wuchern können. Warten wir also ab, welche Geschichten uns Angela Merkel demnächst auftischen wird, von welchen Abkommen sie in den kommenden Tag berichten wird, die sie zur Lösung der Flüchtlingskrise geschlossen habe.

Sie wird es wieder tun. Ihr nächster Coup wird nicht lange auf sich warten lassen. Hand drauf. 

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Leserpost (26)
Gottfried Meier / 07.07.2018

Seehofer sollte zurücktreten, sowohl als Minister, als auch als Parteivorsitzender. Er sollte seinen Rücktritt begründen und ehrlich sagen, was er von Merkel und ihrer Politik hält. Damit ließe er es der CSU offen, ob sie in der Koalition bleiben will. Wenn er seinen Rücktritt als persönliche Entscheidung träfe, würde er der CSU nicht schaden. Wenn er sich weiter von Merkel vorführen und mißbrauchen lässt, schadet er seiner Glaubwürdigkeit. Es ist ja jetzt schon so, dass er lächerlich gemacht wird, für eine Sache die vernünftig ist und dafür, dass er eigentlich nur eine Rückkehr geltenden Rechts erreichen will.

Henri Brunner / 06.07.2018

Man blickt vom Ausland auf Deutschland und denkt: genauso lief es wohl in den 30er Jahren. Einige wussen, es läuft was schief, viele wollten nichts sehen, und viele fanden es gut, wie es lief. Und heute wie damals: die Medien an vorderster Front: nichts gelernt. Und morgen wird es so sein wie damals danach: “Ich??? Nee, war ja schon immer dagegen”..... Eiin wichtiger Unterschied von heute zu damals: Das Internet vergisst nicht, was die Merkels, Gabriels und Gauks gesagt haben.

Marcel Seiler / 06.07.2018

Niemand weiß, was diese Frau Merkel treibt. Ich neige inzwischen dazu, zu glauben, dass sie die Wirklichkeit flieht, weil sie so viel Unheil angerichtet und Schuld auf sich geladen hat, dass die Flucht aus der Wirklichkeit ihr (langfristig vergeblicher) Versuch ist, durch Leugnung einen Rest an Selbstwertgefühl zu behalten und/oder den Suizid abzuwehren. Sie ist kein Fall für den Psychiater, weil sie keine “harte” psychische Krankheit hat, wohl aber für eine langfristige Psychotherapie. Ich habe keine Ahnung, ob diese Hypothese stimmt, aber jedenfalls ist sie stimmig.

Mike Loewe / 06.07.2018

Irgendwie kommt die Filmkomödie “Arsen und Spitzenhäubchen” (Arsenic and Old Lace, 1941) in den Sinn. Dort sind es zwei liebenswerte, stets ausgesucht freundliche alte Damen, die anscheinend keinem Menschen ein Haar krümmen könnten, die in kompletter Unschuld und aus bester Absicht emsig im Keller die Leichen ihrer vergifteten Untermieter sammeln, “um die armen Kerle Gott näher zu bringen”. Neffe Cary Grant in der Rolle der Achse des Guten deckt das Treiben nach und nach auf, bekommt einen Schock nach dem anderen und wird dabei fast selbst verrückt, während die Polizei ab und zu vorbeischaut und absolut nichts bemerkt. Im Bundestag ist es statt zweier unschuldiger alter Damen mit Leichen im Keller nur eine unschuldige alte Dame, aber Parallelen zu dem Filmklassiker drängen sich auf. Ob es auch eine Komödie ist, mag jeder selbst entscheiden.

W.Schneider / 06.07.2018

Das Irrwitzige ist doch, dass diese Lügen tatsächlich in verschiedenen Medien Erwähnung finden, es aber in der Mehrzahl der deutschen Bevölkerung keinerlei Reaktion hervorruft. Die ersten Lügen wurde gerne geglaubt, die Folgerung ist, die Kanzlerin hat es wieder geschafft, die Richtigstellung aus den entsprechenden Ländern wird ignoriert. Es ist alles gut! Die nächste Million kann kommen, unsere Kanzlerin regelt das schon. Deutschland ist auf der Flucht vor der Realität!

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