Henryk M. Broder / 07.04.2016 / 16:54 / 3 / Seite ausdrucken

Katrin Göring-Eckardt - Die Stimmungskanone im grünen Haubitzenlager

Wenn die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Deutschen Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, eine Rede hält oder ein Interview gibt, sagt sie immer etwas Originelles, das es verdient, festgehalten zu werden, damit nachfolgende Generationen sich ein Bild über den Grad der Verwirrung machen können, der in diesen Tagen den politischen Diskurs bestimmt.

Erst vor ein paar Wochen erklärte sie vor der Synode in Bremen, durch die Flüchtlinge werde Deutschland „religiöser, bunter, vielfältiger und jünger“; die Unternehmen bekämen nicht nur die „benötigten Fachkräfte“, es sei zudem „eine schöne Ironie der Geschichte“, dass  Flüchtlinge künftig die Renten von Wählern der "Alternative für Deutschland“ bezahlen würden. „Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt.“ Es gebe keinen Grund, Angst zu haben.

Man muss der grünen Politikerin als mildernden Umstand zugute halten, dass sie diese Aussagen vor der   Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof machte, wo die jungen „Fachkräfte“ eine große bunte Party feierten. Anfang April gab sie der „Welt“ ein Interview, in dem sie allerdings bewies, dass sie seitdem nichts dazu gelernt hat. Sie schlug nicht nur vor, „den Islam bei uns ein(zu)bürgern, um Radikalisierung vorzubeugen“, sie sagte auch: „Wir müssen diese Menschen für die Demokratie und die offene Gesellschaft und den Zusammenhalt zurückgewinnen“, womit sie nicht etwa die marodierenden „Fachkräfte“ meinte, sondern die Wähler der AfD.

Offenbar hatten die vorausgegangenen Wahlen in Sachsen-Anhalt und Rheinland Pfalz, bei denen die Grünen nur ganz knapp, nämlich mit 5,2 Prozent  beziehungsweise 5,3 Prozent den Einzug in die Parlamente schafften, die grüne Fachkraft für Demokratie, offene Gesellschaft und Zusammenhalt dermaßen geschockt, dass ihr der Sinn für das Wesentliche abhanden kam: Wahlen werden von Wählern, nicht von Politikern entschieden. Zu sagen, die Wähler hätten sich von der Demokratie abgewandt, weil einem das Ergebnis nicht passt, zeugt nur von  eigener Selbstüberschätzung und Verachtung der dummen Wähler, die nicht wussten, was sie tun.

Nun kommt es darauf an, Frau Göring-Eckardt zurückzuholen und sie wieder in das demokratische Gehege einzubürgern. Keine einfache Aufgabe. Aber wir schaffen auch das.

Zuerst erschienen in der Züricher Weltwoche

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Leserpost (3)
Andela Kaubova / 08.04.2016

Nein, Herr Bröder, das schaffen wir nicht. Frau Göring-Eckart ist für das demokratische Gehege definitiv nicht zu haben, früher nicht und auch jetzt nicht. Frau Göring-Eckert hat eine andere Realität, sie lebt in einer anderen Welt. Wie die meisten Grünen auch. Frau Göring-Eckert ist nicht das Problem, es gab schon immer Verwirrte. Das Problem sind m. E. diejenigen, die diese grüne Partei wählen und somit es erstmal möglich machen, dass Menschen wie Frau G.-E. anstatt behandelt zu werden, Ton in diesem Land angeben. Und dann wundern sie sich (die Wähler), dass sich Deutschland nach und nach in eine offene Anstalt verwandelt hat.

Torsten Boysen / 07.04.2016

Wenn hier jemand therapiert werden muss, dann KGE. Einer der drei Gründe neben Bedford-Strohm und Kässmann, die protestantische Kirche endgültig zu verlassen. Unerträglich diese Arroganz zu glauben, man sei im Besitz der einzig gültigen politischen Einstellung, die zu akzeptieren sei. KGE steht beispielhaft für Personen, die Politik als Beruf betreiben und tatsächlich doch nie was gelernt haben. Hoffentlich lebt sie lang genug, um ihre herbeigeschwätzte gesellschaftliche Bereicherung auch noch in vollen Zügen erleben zu können. Na hoffentlich haben sich die ganzen linken “Emanzen” da mal nicht gründlich verschätzt.

Ralph Paul / 07.04.2016

KGE, ist das nicht die Frau die 2013 nach der “verlorenen” Bundestagswahl wegens des Ende der “Transformation der Gesellschaft“ ganz besorgt und wütend war ? Eigentlich konnte KGE nichts Besseres passieren, die alternativlose Mutti mit der Rautengeste (warum brauchen politische Führer eigentlich immer ein eigenes Symbol) opfert sich auf und sorgt für die verbrannte Erde. Dann können die in der Opposition sich ausruhenden Grünen endlich Alles umgraben, neu aussäen und mit dem “Neuen Menschen” weitermachen. Oder haben die alten Frankfurter Herren und die aktuellen trans­at­lan­tischen Konzeptlieferanten doch zuviel versprochen ?

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