Klaus Leciejewski, Gastautor / 15.08.2022 / 16:00 / 19 / Seite ausdrucken

Henry Kissingers Staatskunst und ihre fatalen Folgen

Die Diskussionen der vergangenen Jahrzehnte über Henry Kissingers außenpolitische Fehlleistungen und Verstrickungen haben in Deutschland keine sichtbaren Spuren an seiner Reputation zu hinterlassen. Dabei holen uns manch langfristig negative Folgen seiner Politik jetzt ein. 

Am 27. Mai 2023 wird Henry Kissinger 100 Jahr alt. Ein langes Leben eines deutschen Juden, der aus Deutschland in die USA fliehen musste und dort die Chance erhielt, zuerst zu einem einflussreichen amerikanischen Politologen zu werden, dann zum Sicherheitsberater aufzusteigen und der zuletzt als Außenminister zweier Präsidenten (Nixon, Ford) fungierte. Seit über vier Jahrzehnten ist er bücherschreibender Gesprächspartner manch mächtiger und manch machtloser Politiker. Jetzt hat er noch einmal ein Buch herausgebracht, das 20. – oder ist es das 19. oder das 21.? 

Im Frühjahr 1968 ging in Leipzig mein erstes Studienjahr der Philosophie zu Ende. Allerdings nicht generell der Philosophie, sondern der marxistisch-leninistischen Philosophie, also wenig Philosophie und viel Ideologie. Jeder Student hatte routinemäßig eine Jahresarbeit zu schreiben. Auf mich kam eine Überraschung zu. Ein mir unbekannter Professor teilte mir mit, ich solle je ein Buch der amerikanischen Professoren Kissinger und Brzezinski analysieren. Ich fragte nicht nach dem warum, denn zum ersten Mal durfte ich Bücher aus dem Giftschrank der Bibliothek lesen, ich platzte fast vor Neugier, und meine Brust wölbte sich vor Stolz. Die beiden mir unbekannten westlichen Politologen haute ich in bewährter marxistischer Manier in die Pfanne. Ein Jahr danach war Kissinger bereits der einflussreichste Außenpolitiker der USA. Neun Jahre darauf folgte ihm Brzezinski. Über fünf Jahrzehnte hinweg blieb mir Kissinger vertraut und seine Anerkennung in Deutschland mir unverständlich. 

Allerdings blieb mir damals der Unterschied zwischen diesen beiden in ihren politischen Ansichten und in ihrem Charakter verborgen.

Nach wie vor werden diese zwei in den USA als Gegenspieler behandelt. Kissinger war weitaus einflussreicher, formulierte und exekutierte die ungemein wirkungsvolle Außenpolitik eines intriganten Präsidenten, prägte damit eine politische Ära, wie keiner mehr nach ihm, zudem gebildet und mit weltgewandten Manieren. Trump war als Präsident ein Zufall, aber Nixons politischer Stil, nicht mit seinen Ministern, sondern mit einem Küchenkabinett zu regieren, in denen Kissinger der Star war, bereitete in der republikanischen Partei geistig Trump den Weg. 

Gegensätzliche Konsequenzen

Brzezinski, eine eher trockene Persönlichkeit, brachte es „nur“ zum Sicherheitsberater eines zwar menschlich integeren hingegen politisch naiven Präsidenten, aber im krassen Gegensatz zu Kissinger erkannte er schon frühzeitig die Zeichen für eine Entwicklung, die sich erst nach Jahrzehnten vollendete: den Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums. 

Die politischen Konsequenzen ihrer Politiken konnten nicht gegensätzlicher sein: Kissinger war einer der wichtigsten Akteure der Balance zwischen den beiden Machtblöcken. Brzezinski agierte für den Zusammenbruch des Kommunismus. Zugleich verkörperte er allerdings auch wie kaum ein zweiter die Zerrissenheit der US-Demokraten zwischen der Wahrnehmung von sachlichen Zwängen einer Großmacht und innenpolitisch weltbeglückenden Sehnsüchten, was langfristig zu ihrem außenpolitischen Bedeutungsverlust führte. Hingegen führte Kissingers eigentlich nur außenpolitisch angelegter Politik-Stil langfristig zu innenpolitisch totalitären Tendenzen. Obama/Biden und Trump sind dafür die Antipoden.     

Die Rezeption Kissingers in Deutschland unterscheidet sich fundamental von der in den USA. In Deutschland hatte er permanent Auftritte und Interviews in den Medien, wurde mit Preisen überhäuft, als Höhepunkt 2013 eine nach ihm benannte Stiftungsprofessur an der Bonner Universität. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik ab 1977 betrieb er in den USA eine Art Beratungsfabrik und war die folgenden vier Jahrzehnte ein „elder statesman“, zwar ein gefragter Einflüsterer aber ohne direkten Zugriff auf politische Entscheidungen. Allerdings hat er in den neun Jahren, in denen er an der Spitze der US-Außenpolitik stand, Entscheidungen getroffen, die sich bis in die Gegenwart hinein auf die USA und auf ihre Verbündeten auswirken. Insofern wäre seine Wertschätzung in Deutschland verständlich, wären damit bis heute nicht fatale Folgen verbunden. 

Brzezinski ist in Deutschland vergessen, in Osteuropa ist er ein Held der Befreiung vom Kommunismus, auch dies ein Beleg, wie weit sich Deutschland inzwischen von 1989 entfernt hat. Kissingers Einfluss führte zu einer Politik, die langfristig Stabilität und Frieden versprach. Brzezinski sah nur Umbrüche voraus. Kissinger war ein wärmender Illusionist. Brzezinski ein kalter Realist. Welcher Politiker mag wohl Kälte!

Drei Eigenschaften

Kissingers – wahrscheinlich letztes – Buch weist drei Eigenschaften auf. Zuerst ist es ein Geschichtsbuch fürs Lesevergnügen. Ein Professor erzählt über seine Zeit als Politiker, indem er sechs seiner Lieblingsgestalten vorstellt: Adenauer, de Gaulle, Sadat, Lee Kuan Yew, Thatcher und mittendrin vor allem Nixon. Jedem dieser sechs war er langjährig freundschaftlich verbunden, was dazu führt, ihre Charaktere mit farbigen Dönekens auszuschmücken und zugleich deren politisches Scheitern zu verkennen: Adenauer und sein Altersstarrsinn. De Gaulle und seine Illusion von einer Grande Nation. Sadat und die Macht einer wirklichkeitsfeindlichen Religion. Thatcher und ihre Hybris. Lee Kuan Yew war die Ausnahme, mit seinem Lavieren zwischen den Großmächten sicherte er die Unabhängigkeit Singapurs, und mit seiner liberalen marktwirtschaftlichen Politik wurde Singapur eines der weltweit wohlhabendsten Länder. 

Und dazwischen Nixon. Nein, nicht Nixon! Nixon ist nur ein Schatten, den die Persönlichkeit Kissingers wirft. 

Damit ist die zweite Eigenschaft seines Buches verbunden. Es ist Rechtfertigungsliteratur, mit Nachsicht gegenüber einer 99-jährigen Weltpersönlichkeit. Diese Eigenschaft bliebe eine belanglose Randbemerkung, womit eine Besprechung des Buches uninteressant sein würde, wäre damit nicht jedoch eine dritte Eigenschaft verbunden, nämlich die prägnante Beschreibung der Dominanz seiner weltpolitischen Vorstellungen bis in unsere Gegenwart hinein, also erneut: Nicht Nixon, Kissinger verbrämt sich nur mit dem Namen Nixon.  

Der graue Horizont politischer Grundsatzentscheidungen 

Kissingers außenpolitische Fehlleistungen und Verstrickungen in Putsche haben in den zurückliegenden Jahrzehnten bereits reichlich Diskussionen hervorgerufen, ohne jedoch in Deutschland an seiner Reputation sichtbare Kratzspuren zu hinterlassen, aber die langfristig negativen Folgen seiner einst als positiv aufgefassten Entscheidungen haben uns jetzt dafür umso mehr eingeholt. 

Kissinger stellt vier weltpolitisch herausragende Leistungen Nixons (also seine eigenen!) heraus:

1. Die Beendigung des Vietnamkrieges

2. Die Beendigung der politischen Isolierung des kommunistischen Chinas

3. Die Abrüstungsabkommen mit der Sowjetunion

4. Der Friedensprozess im Nahen Osten

Das Abkommen zur Beendigung des Vietnamkrieges, für das Kissinger den Friedensnobelpreis erhielt, war keine Friedensvertrag sondern ein Verzweiflungsakt, eine Kapitulation der USA, die erste in ihrer 200-jährigen Geschichte. Ganz Vietnam wurde eine kommunistische Diktatur, Kambodscha fiel in einen Völkermord und Laos in jahrzehntelanger Stagnation. Hätten die USA mit einer anderen Politik als der von Kissinger dies verhindern können? Alle Überlegungen dazu sind historisch zweifellos interessant und zugleich Spekulationen. Das bis heute nachwirkende Resultat war jedoch die Erkenntnis anderer asiatischer Staaten, sich nicht absolut auf die USA verlassen zu können. Zu dieser Erkenntnis ist Kissinger nicht fähig. Erst nach der amerikanischen Kapitulation in Afghanistan begann in den deutschen Eliten ein Nachdenken darüber.

Nach 50 Jahren haben die Konsequenzen aus den verschiedenen Übereinkommen mit China den gesamten Westen eingeholt. Die wichtigste Hinterlassenschaft Kissingers ist eine Zwangslage der USA: Verteidigung unabhängiger Staaten gegen Aggressionen der chinesischen Großmacht. Unter Kissinger erkannten die USA die „Ein-China-Politik“ der kommunistischen Diktatur an, um eine Allianz gegen die damals noch übermächtige Sowjetunion aufzubauen. „Machtbalance“ war die Politik Kissingers. Die Verteidigung Taiwans geriet ins Hintertreffen und damit die Glaubwürdigkeit der USA, als Weltmacht überall in der Welt demokratische Errungenschaften zu verteidigen. 1939 hielten französische Pazifisten das Schild empor „Sollen wir für Danzig sterben?“. In den 1950er und 60er Jahren fragen amerikanische Medien „Ist Berlin einen Atomkrieg wert?“. Heute fragen sie „Sollen amerikanische GIs für Taiwan sterben?“ Die deutschen Fragen zur Ukraine sind bekannt. Nach 1989–91 waren die USA die einzig verbliebene Großmacht. Allerdings war damit auch die Frage verbunden, ob diese einzigartige Stellung nicht zur Überheblichkeit führen und damit für egoistische Ziele missbraucht werden könnte.

Die Abrüstungsabkommen mit der Sowjetunion resultierten nicht aus der Einsicht der sowjetischen Führung, einen Atomkrieg zu verhindern, wovon Kissinger ausging, sondern aus der Einsicht der sowjetischen Führung, eine militärische Auseinandersetzung mit den USA nicht zu überstehen. Eine fundamentale Fehleinschätzung der USA, die erst Reagan erkannte. Zweifellos ist Abrüstung ein Gebot unserer Zeit, aber nur unter Berücksichtigung der Machtverhältnisse. Afghanistan und Angola widerlegten die Strategie Kissingers. Es gibt Zeiten, in denen eine Großmacht kämpfen muss, aber selten den richtigen Zeitpunkt und Ort dafür wählt.

Das von Kissinger initiierte Abkommen zwischen Ägypten und Israel führten zu einem Aufbrechen der gemeinsamen arabischen Front gegen Israel. Zweifellos ein einzigartiger Erfolg der Diplomatie Kissingers. Dabei wird allerdings vergessen, dass sich die USA damit zu einer dauerhaften militärischen Alimentierung einer arabischer Despotie verpflichteten. Zeitweilig war diese Unterstützung höher als die für alle lateinamerikanischen Staaten und für Afrika zusammen. Auch in diesem Fall ist es müßig, über damalige Alternativen zu spekulieren. Die Bevölkerung Ägyptens hat sich von 1960 bis 2021 von 27 auf 104 Mio. erhöht, fast 300 Prozent. Dafür ist nicht zuerst die arabische Kultur verantwortlich, sondern eine ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten. Im Gegensatz dazu befindet sich das durch deutsche Medien vermittelte Bild Ägyptens von Hunger und Krankheiten. Ägypten selber kann dafür keine ausreichende Versorgung aufbringen, diese sichern westliche Hilfen ab, zuallererst die der USA. Gedankt werden sie dafür in der arabischen Welt nicht. Kissinger blendet dies in seiner Beschreibung Sadats völlig aus.

Den größten Erfolg in der Systemauseinandersetzung für Westeuropa erwähnt Kissinger erst gar nicht, zuerst weil die „Schlussakte von Helsinki“ nicht mehr in die Verantwortung von Nixon, sondern in die seines Nachfolgers Gerald Ford fiel. Tatsächlich jedoch war Kissinger auch dabei der „master mind“. Der tatsächliche Grund ist jedoch, dass diese einzigartigen Vereinbarungen zwischen Ost und West nicht zuerst, wie Kissinger meinte, auf die politische Annäherung der Systeme zurückging, sondern auf die wirtschaftliche und militärische Schwäche der Sowjetunion. Damit verbunden war die Hoffnung, dass diese Vereinbarungen zur Beruhigung des Systemwettbewerbs führen würden. Zwar führte die Akte zu weiteren Abrüstungsabkommen, wie von Kissinger erhofft, aber Im Unterschied zu Brzezinski verkannte dieser, dass sie auch wesentlich zur Stärkung der Unabhängigkeitsbewegungen in Gliedstaaten der Sowjetunion beitrug, im Baltikum bereits dezidiert antikommunistisch, sowie in etlichen Staaten Osteuropas auch zum Anwachsen von antikommunistischen Oppositionsbewegungen. Das war es nicht, was sich Kissinger, die SPD, die Grünen und Teile der CDU erhofft hatten. 

Die deutsche Politik in der Schleifspur Kissingers

Es wäre überheblich, würde man davon ausgehen, am Beginn von politischen Entscheidungen, die weit in Zukunft reichen, sämtliche Konsequenzen erkennen zu können. Ein Wesenszug der Politik Kissingers bestand jedoch darin, erst gar nicht Fragen zu langfristigen Folgen aufkommen zu lassen und die Medien so zu manipulieren, dass diese auch nicht fragten. Sein letztes Buch ist wie ein Vermächtnis geschrieben, aber dieses Vermächtnis muss im Gegensatz zu den Intentionen Kissingers gesucht werden, diese bestanden in der Erhaltung eines „globalen Gelichgewichts“ und der sogenannten „friedlichen Koexistenz“. Putin und Xi interessieren sich nicht für die Illusionen Kissingers. 

Das Ignorieren langfristiger Folgen von äußerst kurzfristigen Entscheidungen ist Deutschland nicht fremd:

  • Bei der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomkraft existierte keine parlamentarische Opposition, also auch keine konkreten Angaben über die Kosten und die technische Bewältigung, zudem bloß mit der Unterstützung nur weniger kleinerer Staaten aber nirgendwo eine internationale Absicherung. Die Bevölkerung wurde belogen und Verbündete verprellt.
     
  • Die gleiche Situation bei der Aufnahme von 900.000 Muslimen, zwar von Deutschland verursacht, aber die Kosten dafür sollten Staaten aufbringen, die vor den Folgen der deutschen Politik gewarnt hatten und die zudem den Islam – im Gegensatz zu Deutschland – nicht als Teil ihres Landes ansahen. Die Bevölkerung wurde belogen und Verbündete verprellt.
     
  • Deutschland verantwortet seine energetische Abhängigkeit von einem Diktator samt und sonders allein, gegen den rechtzeitigen und energischen Protest seiner wichtigsten Verbündeten, fordert aber für die Folgen europäische Solidarität ein. Die Bevölkerung wurde belogen und Verbündete verprellt.
     
  • Dasselbe Szenario beim künftigen Verbot der Verbrenner und der Förderung der E-Mobilität. Keine Angaben über die Kosten, den zusätzlichen Stromverbrauch und die erneute Abhängigkeit von anderen Staaten, zuerst bei 60 Prozent aller für die Batterie benötigten Stoffe von China, also weitaus abhängiger als bei Öl und Gas von Russland. Auch hier kein Bewusstsein langfristiger Folgen in Politik und Wirtschaft. Außerdem: Wie viele Tankschiffe benötigt Deutschland für die Versorgung mit Flüssiggas? Ca. 30, vorhanden 4! Die deutsche Bevölkerung wird immer noch belogen. 

Für Leser mit Interesse an historischen Gestalten bietet das Buch manch neue Einsichten, für die Analyse historischer Entwicklungen bietet es außer Rechtfertigung rein gar nichts. Für die langfristig fatalen Folgen seiner Politik hingegen bietet dieses Buch Einsichten in die sogenannte „Realitätspolitik“ als verheerend für die Selbstbestimmung der Völker und für Meinungsfreiheit. Es bestätigt, dass Kissinger ein verheerender Ratgeber deutscher Politiker war. Das Machtgefüge einer Diktatur und die Intentionen des Diktators hat er nie durchschaut. Er vertraute Mao, als dieser ihm erklärte, China könne mit einem selbstständigen Taiwan leben, selbst wenn dies noch 100 Jahre andauern solle. Stets reden Diktatoren von langen Zeiträumen, die sie nur sehr kurzfristig meinen. Noch Anfang 2022 plädierte er dafür, Putin den Donbass zu überlassen, um die europäische Stabilität nicht zu gefährden. Diktatoren verstehen unter Stabilität ausschließlich ihre persönliche Machtstabilität. 

Henry Kissinger: Staatskunst. Sechs Lektionen für das 21. Jahrhundert. Bertelsmann-Verlag, München 2022. 608 S.

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Max Anders / 15.08.2022

Viele Sachen sind interessant, aber dann kommt der Schlag in die Magengrube: “Deutschland verantwortet seine energetische Abhängigkeit von einem Diktator samt und sonders allein, gegen den rechtzeitigen und energischen Protest seiner wichtigsten Verbündeten, fordert aber für die Folgen europäische Solidarität ein. ” Als ob der halbe Ostblock nicht auch das Naheliegendste - Energieträger und Rohstoffe aus Rußland - für sich gewählt hätte. Und der Ami protestiert immer, wenn ihm ein Geschäft droht durch die Lappen zu gehen.

Marco Mahlmann / 15.08.2022

Kissinger befürwortet die Integration des Donbaß und der Krim nach Rußland. Grund genug für die Achse, Kissinger in Bausch und Bogen zu verurteilen. Billig.

Hans-Peter Dollhopf / 15.08.2022

Henry Berg, das haben Sie sehr schön popularisiert. “Tja, manchmal, beim regime change,  muß man über Leichen gehen.” Und Il Principe anerkennt den Preis. Auch Ihren.  

Karl Georg Lempenheimer / 15.08.2022

Was der Artikel stillschweigend voraussetzt, sind die US-amerikanischen Machtinteressen, als ob sie selbstverständlich so sein müssten. Diese erfüllte Henry Kissinger offenbar nicht scharf genug. Brzezinski lieferte nicht nur Analysen sondern auch konkrete Schachzüge mit Zielen, deren Kriege wird gerade erleben bzw. vor kurzem noch erlebt haben. Putin muss schön verträumt gewesen sein, dies nicht schon 2014 voll und ganz begriffen zu haben. Er hätte nur glauben müssen, dass Brzezinski nach wie vor der Spiritus Rector der US-Globalpolitik ist, die allerdings ein ums andere Mal für die USA enttäuschend blieb. Die Kriegsmüdigkeit der Amerikaner kommt nicht von ungefähr, während der Schub pro Krieg von den woken Friedensengeln kommt, so auch bei uns, aber auch dem ehemals maßgeblichen, transatlantischen Mainstream und wer sich der Doktrin anschloss. Alte Neigungen wurden konserviert. Es durfte nach Auflösung des sowjetischen Blocks mit der Entlassung seiner Satellitenstaaten in die Freiheit einfach nicht schöner werden. Eine Freilassung, die das Gegenteil einer Expansion ist. Die USA haben hinsichtlich Russland den größten Fehler gemacht, ihre expansive Politik fortzusetzen. Wir löffeln das gerade mit den Sanktionen aus.

S.Niemeyer / 15.08.2022

Die montägliche Diffamierungsdosis, heute auf der Schwarzen Liste: Kissinger, der aktuell zum Ukraine-Konflikt eine andere Sicht äußert als die Pyromanen in Allen W. Dulles & Brzezinski Nachfolge, der senile Präsident & seine Guides, die betagte Schnapsdrossel, die Schwarzpulver nach China trägt, und die europäische brandvernarrte Politkaste

RMPetersen / 15.08.2022

Das Studium des Marxismus-Leninismus hat beim Autor lange nachgewirkt. Ich verrmute, Kissingers differenzierte Haltung zu Russland ist ein weiterer Auslöser für die hämischen Töne.

A. Ostrovsky / 15.08.2022

Noch vor einem Halbjahr war Kritik an Kissinger undenkbar. Aber in der Ukrainafrage hat der sich plötzlich gegen Pelosi und Clinton gestellt. Jetzt ist er zum Abschuss frei.

Klaus Keller / 15.08.2022

Auf mich wirkt es ein wenig so als ob jemanden einen Schuldigen dafür sucht, das der eiserne Vorhang erst um 1990 gefallen war und er so lange warten musste. Wie viele Tote, auf beiden Seiten, hätte man denn in den 70ern in kauf nehmen sollen um den Vietnamkrieg “zu gewinnen”? Ein anderer Berater hätte ggf. den Einsatz von Atomwaffen empfohlen. Heute sind wir kurz davor so zu denken. PS Spielstand bei den Petitionen Pro und Kontra deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine: Pro 92.394 Kontra: 339.010

Anneliese Bendit / 15.08.2022

Sehr geehrter Herr Leciejewski, Sie nennen Henry Kissinger einen „deutschen Juden“.  Als was würden Sie sich definieren: deutscher Katholik, deutscher Protestant oder deutscher Atheist? Können wir nach 1700 Jahren und militärischem Beitrag im 1. WK nicht einfach Deutsche sein?

Klaus Keller / 15.08.2022

Koexistenz anstatt Kampf bis zum letzten Blutstropfen ist nicht so schlecht. Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen, meinte einst BK Schmidt. Das sagt ggf auch etwas über die Schwierigkeiten langfristige Strategien zu entwickeln da letztendlich das Leben Tag für Tag neu verhandelt wird. Da wir kein Paralleluniversum in der die Geschichte anders verlief, bin ich eher gnädig mit Kissinger. (Amerikanische) Politiker die mit missionarischem Eifer die Welt nach ihren Vorstellungen gut machen oder genauer in ihrem Sinn formen wollen, gibt es heute leider viel zu viele.

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