Hilfreiche Sprücheklopfer

„Frieden schaffen ohne Waffen“: Eine der historisch erfolgreichsten Losungen! „Lauterbach hatte oft recht“: eine hinterhältige Untertreibung! Sehen wir uns diese und andere Gewissheiten näher an.

„Friedrich Merz ist Oppositionsführer“: Zweifellos! Auf dem Papier! Und da ist er gewaltig! Seine präzisen Vorstellungen, wie denn nun die zusätzlichen 100 Milliarden für die Bundeswehr konkret ausgegeben werden, bringt die gesamte Regierung schon tüchtig ins Schwitzen. Inzwischen hat sein detaillierter Plan, wie Deutschland auf die weltweit einschneidenden Veränderungen durch den Ukrainekrieg reagieren soll – Energieversorgung, Rohstoffsicherung, Futter- und Düngemittelversorgung, Kohle- und Atomkraftwerke zum Laufen bringen, Wiederaufbau Ukraine, Inflation, Unterbringung der Flüchtlinge, weitere Waffen für die Ukraine usw. usw. – ein psychisches Erdbeben in der Koalition ausgelöst und in ganz Europa ungeteilte Begeisterungsstürme.

„Wir werden alle miteinander viel zu verzeihen haben“: Deutschland hat von Japan gelernt! Einmal „Entschuldigung“ aussprechen und dreimal verbeugen, das war’s. Herr Spahn verzeiht allen Deutschen und alle Deutschen verzeihen Herrn Spahn. Wissenschaftlich heißt das „kollektive Individualverleugnung“. Doch halt! Ein Deutscher schert aus: ich! Ich habe Herrn Spahn nichts zu verzeihen, und seine Entschuldigung nehme ich nicht an, solange er sich nicht wegen erwiesener Unfähigkeit vollständig aus der Politik zurückzieht.

„Frieden schaffen ohne Waffen“: Eine der historisch erfolgreichsten Losungen! Einzigartige Vorbildhaltung der Grünen Bewegung und bis heute ihr spiritistischer Antrieb. Herausragend dafür ist die Verhinderung eines Bürgerkrieges in Indien nach Abzug der Briten 1947, siehe Gandhi. Fraktionschefin Haßelmann ist stolz auf diese Prägung ihrer Partei, denn nach zwar unbestätigten, aber dennoch vielfach kolportierten Berichten soll Gorbatschow in seiner Autobiographie unmissverständlich festgehalten haben, dass nicht Ronald Reagan, sondern 1981 Heinrich Böll mit seiner Rede vor 300.000 Zuhörern im Bonner Hofgarten, darunter die junge Frau Haßelmann, ihn zur geistigen Einkehr bewegt haben soll.

„Grenzen des Wachstums“: 50 Jahre ist es nun her und wir sind seitdem unendlich weiser geworden. Die allererste Modellierung in der Menschheitsgeschichte erbrachte fundamentale Ergebnisse. Zwar gab es bereits damals Kritiker, aber was sind Nobelpreisträger für Wirtschaft gegen einen jugendlichen Genius! Wie kleinlich wirken nach 50 Jahren die Vorwürfe, nichts von den Voraussagen habe sich bewahrheitet, angesichts von Hunger und Armut in der Welt, von Kriegen um Rohstoffe (Kornkammer Ukraine) und Wasserquellen. Wir, die ältere Generation, sollten mit Stolz zurückblicken, dabei gewesen zu sein! 

„Keine Waffen in Kriegsgebiete“: Böse als Mantra der Pazifisten verunglimpft, was aber nicht auf Deutschland zutrifft, denn seit 70 Jahren sind wir alle Pazifisten, Ausnahmen bestätigen die Regel. Noch bis in die ersten Tage des Ukraine-Krieges hinein hielt sich die Regierung strikt an diese Regel und erfuhr dafür weltweit einzigartige Bewunderung. Das Angebot von 5.000 Friedensschutzkopfbedeckungen konnte nur nicht rechtzeitig umgesetzt werden, weil böse Mächte in einem Ministerium (es wird von alten Nazis gemunkelt, oder müssten es junge sein?) die Anlieferung wirksam behindert hatten. Die Verteidigungsministerin, Frau Lambrecht, ist ein Friedensengel und kein Todbringer, der die Sympathien der Deutschen nur so zufliegen. Unbestätigten Berichten zufolge plant sie an Ostern ein Event, an dem tausende von Ölbäumen in den märkischen Sand gesetzt werden sollen. 

„Die Ukraine wird verlieren“: Absolute Gewissheit aller deutschen militärischen Experten, auch der einiger anderer Länder und deshalb der entscheidende Grund der deutschen Zurückhaltung, denn warum soll ein so kluger Politiker wie Scholz auf das falsche Pferd setzen! Noch aus Kiew soll der deutsche Geheimdienstchef dies nachdrücklich der Bundesregierung prognostiziert haben. Zahlreiche dieser Experten lassen sich bis heute vom Kriegsverlauf nicht irritieren, indem sie in deutschen Medien darauf verweisen, dass kein europäisches Land der russischen Armee standhalten könne, solange die Europäer nur für die erforderliche Logistik bei den Russen, einschließlich Treibstoff und der berüchtigte Bundeswehr Einpack-Verpflegung, Sorge tragen würden.

„Energieabhängigkeit von Russland ist zu groß“: Die Beweise dafür liegen offen zutage: Fracking ist gefährlich, Kohle ist schmutzig, Atomkraftwerke sind tödlich, die Sonne scheint immer, der Wind weht ständig, Behinderungen durch Windräder sind unbedeutend, die Entsorgung der Windanlagen ist problemlos, Nordstream II war eine rein privatwirtschaftliche Angelegenheit, Flüssiggasterminals konnten nicht den weltweit vorbildlichen deutschen Genehmigungsverfahren genügen. Übrigens: Dieser Musk ist ein übler Schwindler, denn sein angeblich deutsches Werk ist in Wirklichkeit nur ein potemkinsches Dorf.

„Integration kann gelingen“: Muslimische Schutzsuchende sind eine Bereicherung für die überkommene deutsche Kultur und Antrieb für die deutsche Wirtschaft. Sie sind förderlich für die Loslösung überholter deutscher Traditionen. Hingegen waren ukrainische Flüchtlinge erstens überhaupt nicht absehbar, denn Putin hatte Scholz absolut glaubhaft versichert, keinen Krieg zu wollen, und zweitens werden diese jetzt den deutschen Mitarbeiterinnen in den Altenheimen die knappen Arbeitsplätze wegnehmen, die deutschen Schulen überfüllen und den humanen Gedanken der alsbaldigen Integration für Afrikaner und Araber nachhaltigen Schaden zufügen.

„Lauterbach hatte oft recht“: Das ist – gelinde gesagt – eine hinterhältige Untertreibung, denn er hatte niemals unrecht, vor allem nicht mit seinen Voraussagen zu Todeszahlen, die sind nämlich stets eingetroffen, was jedoch die Lauterbach feindlich eingestellten deutschen Medien permanent unterschlagen haben. Außerdem ist er ein begnadeter Organisator, wie ihn sich jedes Ministerium nur wünschen könnte, was seine langjährig erfolgreiche und anerkannte und allseits bewunderte Tätigkeit in der größten deutschen Partei eindrücklich unter Beweis gestellt hat. Er ist ein größerer Segen für Deutschland als der der deutschen Bischöfe. Die sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft der virologischen Universalgelehrten soll bereits an einem extra bedeutenden Preis für ihn arbeiten.

„Fluchtursachen vor Ort bekämpfen“: Die einzig zutreffende Entwicklungshilfepolitik! Regelmäßig hat das Entwicklungshilfeministerium der Öffentlichkeit einen Bericht vorgelegt, in dem, angelehnt am „return on investment“ der Wirtschaft, aufgezeigt wird, wie die für die Entwicklungshilfe aufgewendeten Steuergelder maximiert und jederzeit nachhaltige Resultate vor jedermanns Ort erbracht haben. Jeder deutsche Bürger weiß genau, wo und wie seine Steuergelder eingesetzt worden sind. Sogar in Afghanistan ist dies völlig unstrittig, weil alle deutschen Projekte dort sowieso langfristig angelegt waren und deshalb zur vollsten Zufriedenheit der Taliban weiterlaufen. Zudem hat die Geschichte glasklar bewiesen, dass die irrsinnigsten Vorstellungen dereinst die erfolgreichsten sein werden, wie beispielsweise die Mikroelektronik in der DDR.

„Wir müssen das Klima retten“: Es liegt doch auf der Hand, dass es ohne die Menschheit auch kein Klima geben wird, denn wer wird sich für das Klima interessieren, wenn wir nicht mehr da sein werden? Deshalb ist der effektivste Weg, das Problem „Klima“ zu lösen, keine Nachkommen mehr zu zeugen, weil ohne Menschen auch kein Klima und ohne Klima auch kein Problem. Aus diesem Grund soll die Führung der Grünen dafür bereits einen Ablaufplan entwickeln, wann und wo und wie lange jedes Mitglied der Grünen in einem muslimischen, afrikanischen oder indischen Land sich aufzuhalten hat, um dort die Menschen von der segensreichen Null-Kinder-Politik zu überzeugen, weil es dann auch wieder öfters regnen wird, und vor allem bedachtsamer. 

„Die Bundeswehr ist blank“: Weitgehend schon, aber doch nicht so ganz, denn immerhin hat sie ja noch die Schwangerschaftsbekleidung, die, da sie paritätisch angelegt worden war, nun dankenswerterweise reichlich zur Verfügung steht. Außerdem schauen die Panzergrenadiere sowieso immer nur in Oberkörperhöhe aus dem Panzerturm, weshalb das mit dem „blank“ nicht für Soldatinnen zutreffen dürfte. Bin ich jetzt wahlweise ein Macho oder ein Sadist oder ein Lüstling? Nee, alles falsch, bin in der DDR auf dem FKK-Strand großgeworden.

„Atomkrieg muss verhindert werden, weil damit die Menschheit untergehen würde“: Wer kann dagegen sein! Vor allem, da die Klimaveränderungen sowieso die Menschheit auslöschen werden. 

„Zeitenwende“: Ein Appell an Menschheitsgezeiten wirkt immer! 

Foto: Illustration F.Pilgram

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Leserpost

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Sabine Heinrich / 23.03.2022

Lieber @T.Merkens, über Ihre Reaktion auf meinen Kommentar habe ich mich sehr gefreut! Danke! Und - ich habe zudem auch noch meinen Bildungshorizont erweitern können, denn Emetikum war für mich ein bislang unbekannter Begriff. Allerdings nur als vornehme Bezeichnung für etwas eher Unappetitliches. Wir haben das früher ganz anders und allgemeinverständlich benannt…

Ralf.Michael / 23.03.2022

Blödsinn, die Deutschen hätten von Japan gelernt ? Wenn dem so wäre, hätten wir Politiker ohne Hohlbirne !! Deutsche haben noch NIE von Anderen etwas gelernt, Never Ever….

Elias Schwarz / 23.03.2022

Es gibt noch so was wuie “Völker der Erde sind uns neidisch wegen unserer Demokratie”.

Roland Müller / 23.03.2022

Noch erfolgreicher ist in Deutschland inzwischen Ruinen schaffen ohne Waffen.

Holger Kammel / 23.03.2022

Das Beste was man in einer Diskussion sagen kann, gerade heute, es gab Argumente, faktenbasierte Argumente, die überzeugen, die bisherige Meinungen, Irrungen zum Einsturz bringen, zum Umdenken veranlassen. Das ist Ihnen bei mir gelungen, Herr Leciejewski, bezüglich der Energieversorgung ohne Rußland. Prinzipiell kenne ich die Fakten, wir können uns besser mit Kernenergie versorgen, sogar mit eigenen Rohstoffen, wir haben eigene Gasreserven, allerdings unkonventionelles Schiefergas, wir haben riesige Reserven an Kohle, aber wir haben genau das stillgelegt. Wir wären in der Lage, eine weitgehende Unabhängigkeit herzustellen, allerdings bedarf das Zeit und Investitionen. Das könnte man überbrücken. Habe ich bisher nicht so gesehen. Ihre Zusammenfassung eigener Energiequellen war gut.

T. Merkens / 23.03.2022

Danke, liebe Frau Sabine Heinrich, für Ihre Anregung, Karlchen Lockenwicklers Konterfei wahlweise als Emetikum oder Laxativum zu verwenden. Aber was ist mit eventuell noch unerforschten Nebenwirkungen? Ich warte doch lieber auf die Langzeitstudie.

Ulrich Viebahn / 23.03.2022

Unter Lauterbach war nicht alles schlecht: „Lauterbach hatte oft recht“, “der Lauterbach kann alles so gut erklären” und er war der größte Dialektiker aller Zeiten: “... selbst ja die Impfpflicht führt ja dazu, daß man sich zum Schluß freiwillig impfen läßt ...”

T. Schneegaß / 23.03.2022

„Friedrich Merz ist Oppositionsführer“. Ist der jetzt Fraktionschef der AfD??? Diese Nachricht habe ich tatsächlich verpasst.

Walter Weimar / 23.03.2022

“„Frieden schaffen ohne Waffen“: Eine der historisch erfolgreichsten Losungen!”. Das finde ich nicht. Denn der Spruch trifft doch oftmals garnicht zu. “Macht Krieg ohne Waffen”, wär viel besser. Dann könnte Deutschland wieder an einen Krieg teilnehmen. Die Berichterstatter können dann sagen, hier ist greift Deutschland ohne Soldaten an, denen die Waffen fehlen.

Heinrich Friedrich Klemm / 23.03.2022

Kompliment , eine tolle Phrasendreschmaschin !

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