Der Berliner Flughafen BER ist Deutschlands Statussymbol. Ein Symbol für den Status längst akzeptierten Staatsversagens. Zu hoch gegriffen? Mitnichten! Es ist das Versagen des Staates (Bund und zwei Länder, darunter die Hauptstadt), ein überschaubares Bauprojekt in der gebotenen Verantwortung für die Bürger umzusetzen.
Inzwischen drücken sich die Regierungschefs von Berlin und Brandenburg davor, im Aufsichtsrat die eigentlich zwingende Mitverantwortung für die verschwendeten Steuer-Milliarden zu übernehmen, und der Bund lässt in Gestalt des Bundesverkehrsministeriums klar durchblicken, dass man sich die verhunzte Fliegerjacke ebenfalls nicht anziehen wolle.
Mit anderen Worten: Die Politik verweigert die Arbeit. Viel schlimmer aber ist: Der BER ist ausempört. Das milliardenschwere Versagen wird hingenommen wie die endlosen Folgen einer schmierengemimten Dauerserie am Vorabend. Es ist ein Running Gag für Comedians, der längst zu fad und wohlfeil geworden ist und seinen Rang an die klapprige Flotte der Regierungsflieger abgegeben hat. Selbst in der Kombination von beidem erntet man kaum mehr als resigniertes Abwinken: Flieger, die nicht fliegen auf einem Airport, der nicht öffnet. Haha.
Muss ja weitergehen
Es gibt keine Eskalationsstufen mehr. Der Autor dieser Zeilen mag sich ereifern, bis der Blutdruck die Messmanschette bersten lässt und schreibt doch ins Leere. Der Leser wird zustimmen und alsbald zum gewohnten Tagwerk übergehen. Muss ja weitergehen. Längst juxen die Hauptstadtzeitungen mit den gezählten Tagen seit der geplatzten Ersteröffnung des BER im Jahre 2012, haben Rubriken eingerichtet, um den täglichen Irrsinn geordnet abzulegen. Korrespondenten aus aller Welt haben sämtlich über das BERsagen Berlins und der Deutschen berichtet und in der Schönefelder Flugunfähigkeit ein stets verfügbares Reportage-Element zur Hand, um das aktuelle Deutschland-Panorama zu zeichnen.
Der BER ist in die deutsche Alltagsfolklore eingewachsen, wie der Hamburger Fischmarkt, von dem man ebenfalls immer gewiss sein kann, dass er da ist, auch wenn man gerade nichts von seinen Marktschreiern hört:
„Korruption, Unfähigkeit, völliges Chaos! Nennt mich verrückt, aber heute lege ich noch einen drauf! Hochdotierte und gescheiterte Top-Manager im halben Dutzend, Dübel, die nicht brandschutztauglich sind und einen noch frisch blutenden Steuerzahler… Und das Ganze nicht für eine Milliarde, nicht für zwei Milliarden oder drei – erzählen Sie es nicht weiter, es wird Ihnen sowieso niemand glauben: Dieses randvolle Paket voll Nichts heute und nur heute für Sie zum einmaligen Mitnahmepreis von sage und schreibe sechs Milliarden Euro! Das können Sie nicht fassen, die Dame dort in der ersten Reihe! Nicht gucken, zugreifen! Greifen Sie zu, solange der Vorrat reicht und die nächste Verschiebung des Eröffnungstermins noch nicht spruchreif ist…“
Züge, die auf Geistergleisen durch tote Tunnel fahren
Der BER ist ein Phantom, das schon lange nicht mehr schmerzt. Er ist ein eingewachsener Tumor, mit dem man sich abgefunden hat, und der höchstens noch zum geräuschvollen Fitness-Programm reicht. KOPFSCHÜTTELN über Züge, die auf Geistergleisen mehrfach am Tag durch tote Tunnel fahren, damit kein Pilz in den leeren Schächten wächst. SCHENKELKLOPFEN über Rolltreppen, die zu Ende sind, bevor das nächste Stockwerk da ist. Der BRÜLLER über Architekten, die auf die Physik PFEIFEN und im Brandfalle aufsteigendes Rauchgas nach unten absaugen wollen, damit zu Häuptern der Passanten kein Rohr das Hallenwerk verunziert.
Der BER ist ein Exempel-Tempel für die Selbstüberhebung, die inzwischen selbst dem deutschen Ingenieur so schwör geworden ist, dass der Hosenbund vom Blaumann platzt. Erst greift man für eine simple Lkw-Maut zu den Satelliten und bringt über Jahre nur milliardenschwere Anschubkosten zustande, dann lässt man sich ausgerechnet beim Schummeln am deutschen Volkswagen erwischen und scheitert nun eine knappe Dekade lang am Errichten von Hallen, Hangar & Co.
Nur juckt all das im Falle des BER niemanden mehr. Dass sich die Kosten für den Abfertigungskomplex auf mindestens sechs Milliarden Euro nahezu verdreifachen – geschenkt. Dass die Skandale um Baufirmen und Fehlkonstrukteure kaum noch zu entwirren, geschweige denn zu ahnden sind – tja. Dass niemand die politische Verantwortung für das Desaster übernehmen will – bekannt und abgehakt.
Bürger-Ohnmacht hat einen Namen: BER!
PS: Wer mehr von Ralf Schuler lesen möchte, kann auch zum aktuellen Buch greifen: „Lasst uns Populisten sein. Zehn Thesen für eine neue Streitkultur“, Herder Verlag.
Beitragsbild: U.S. D.D. Flickr via Wikimedia Commons

Herr Hegger, Ihre Nachricht sollten ALLEN Gerichten Deutschlands an die Tür genagelt werden !!
Meinen Berliner Freunden DARF ich NICHT mehr mit dem Wort BER kommen. Das kuriose ist doch, viele deutsche Politiker, Medien, Menschen arbeiten sich am Brexit ab, während in vielen Ländern der Welt viele Menschen über Deutschland lachen und Witze machen. Die Elbphilharmonie steht in Sachen Mammon dem BER nicht viel nach. Th. Rosche, so ist es!
Ist da nicht kürzlich eine 85 jährige Oma in den Knast gekommen für 3 Monate wegen 18,50 Euro ? Moment mal ich rechne gerade - wenn dieses Gericht sich der Sache annehmen würde.............
Um es ganz klar zu sagen: Dieses Land ist gemeingefährlich. Also ist jedes Versagen dieses Landes gut. Sie wie "damals": Ein nicht funktionierendes Italien war nicht wirklich gefährlich für die Welt. Ein sehr gut funktionierendes Deutschland eben schon.
Die Besten sind schon lange weg, per One Way Ticket ! Gruss aus Neuseeland, wir amüsieren uns köstlich !
Und wird für diese(s) Desaster jemand zur Verantwortung gezogen? Währenddessen werden arbeitende steuerzahlende Bürger wegen Nichtigkeiten von ihren Städten, Gemeinden, Kommunen etc. verklagt, weil z. Bsp. das Gartenhäuschen 0,3 qm grösser als erlaubt ist.... Im Nachbardorf gehts vor Gericht, weil gestritten wird, ob das Wasser einen Schuppens richtig auf dem Grundstück versickert... Das sind die wahren Probleme, Gartenhäuser, Zäune, Gartenzwerge, ja wegen Gartenzwergen gabs auch schon Gerichtsverfahren. Aber Milliarden-, Millionengräber auf Steuerzahlerkosten? Wir mit BER, die Kölner mit dem Landeplatz für Rettungs-Helikopter auf dem Kölner Kalkberg z. Bsp..
BER ist das Ergebnis der typisch deutschen Art nicht das Maul beim Chef aufzubekommen und von Mama getätschelt zu werden, weil man nicht das Kind ist, sondern Ingenieur geworden. Nehmt es zur Kenntnis oder auch nicht, das sind alles Ergebnisse von Sozialisationsfehlern und nichts anderes. Mit einem Hirn by proxy und ohne Ich wird das nichts und ein Team hat niemals einen Geist. BER ist das Ergebnis eine Muttersöhnchensyndroms.