Volker Seitz / 16.09.2018 / 14:00 / Foto: Pixabay / 10 / Seite ausdrucken

Afrika müsste nicht bloßer Rohstofflieferant sein

Eigentlich könnte es mindestens 20 afrikanischen Staaten gutgehen. Es wird nur wenig produziert, aber Afrika ist wichtig als Rohstoffquelle. Neben Diamanten, Erdgas, Erdöl und Steinkohle verfügt der Kontinent über mehr als die Hälfte des Goldes, 90 Prozent des Kobalts, 50 Prozent der Phosphate, 40 Prozent des Platins der Erde. Die Erdgasfelder in Mosambik werden größer geschätzt als die von Kuwait. In den vergangenen Jahren ist die Wirtschaft in Mosambik im Schnitt um acht Prozent gewachsen. Im Kongo befinden sich die größten Lagerstätten des Erzes Coltan, aus dem Tantal gewonnen wird, unentbehrlich für die Herstellung von Lenkwaffen, Computern und Handys. Bislang hat das Geld aus Energiereserven allerdings nicht das Wohl der Menschen gesteigert, und zwar weder im Kongo noch in Mosambik.

Zwei Drittel der Kobaltreserven der Welt liegen in der Demokratischen Republik Kongo. Aufgrund der politisch höchst unsicheren Lage ist mit Engpässen und Preissteigerungen zu rechnen. Nur mit Kobalt funktionieren moderne Lithium-Ionen-Akkus. Ohne eine ausreichende Versorgung mit Kobalt, Graphit, Lithium oder Mangan wird es keine Elektromobilität geben. Lithium und Kobalt stecken in den Lithium-Ionen-Akkus, die wegen ihrer hohen Energiedichte als Kraftpakete unter den wiederaufladbaren Batterien gelten. Sie versorgen fast alle Handys, Smartphones, Laptops und E-Bikes mit Energie.

Etwa 40 Prozent der Kosten eines Elektro-Autos entfallen künftig auf die Batterie. Ein Drittel der Batteriekosten wiederum machen die Rohstoffe aus. In der Batterie eines jeden Elektroautos sind etwa 12 Kilogramm Kobalt und sechs Kilogramm Lithium verbaut. Der Großteil der afrikanischen Rohstoffe wandert heute nach China, Südkorea und Japan und wird dort verarbeitet. Deutsche Autobauer beziehen ihre Batterien deshalb von asiatischen Lieferanten. BMW hat sich im Februar 2018 eine langfristige Lieferung (10 Jahre) von Batterierohstoffen gesichert.

Parlamentsabgeordnete oder gar die Bevölkerung in Entwicklungsländern wissen nicht, wie viel Geld ihre Regierungen mit Abbaulizenzen oder Schürfrechten verdienen. Daraus wiederum könnten genaue Rückschlüsse hinsichtlich unterschlagener Beträge gezogen werden.

Statt unverarbeiteter Rohstoffe müssten vermehrt Fertigprodukte oder halbfertige Produkte exportiert werden. Heute werden Rohstoffe exportiert, um dann später Fertigwaren zu importieren, die genau aus diesen Rohstoffen hergestellt werden.

Das große Potenzial der afrikanischen Länder in den Bereichen Land- und Fischwirtschaft und in der Forst- und Viehwirtschaft könnte für verarbeitende Industrien, für die Exportwirtschaft genutzt werden, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Armut zu vermindern. Statt des Imports von Nahrungsmitteln von über 40 Milliarden Euro jährlich müssten agrarische Rohmaterialen in den jeweiligen Ländern verarbeitet werden. Wenn man in afrikanischen Staaten einen Laden betritt, findet man so gut wie nichts, was in dem Lande hergestellt ist. 

Moeletsi Mbeki aus Südafrika ist ein profilierter Kritiker der Wirtschaftsmaßnahmen afrikanischer Regierungen. Mbeki ist Volkswirt und stellvertretender Vorsitzender des südafrikanischen Instituts für internationale Angelegenheiten (SAIIA). Er sagt, dass sogar in Südafrika Roherz verkauft wird. „Das Eisen wird noch nicht einmal aus dem Gestein gelöst.“ Er fordert seit langem, die Qualität der Ausbildung in Afrika zu verbessern: „Viele Arbeiter aus Asien kommen zum Schweißen nach Südafrika. Sogar einige Steakschneider im Sudan kommen aus Indien.“

Richtig macht es Botswana: Seit 2013 lässt De Beers, der größte Diamantenkonzern der Welt, sein gesamtes Angebot an Rohdiamanten aus aller Welt in Gaborone statt bisher in London sortieren und handeln. Bereits heute gibt es in Botswana 16 Schleif- und Polierstätten. Das Land zeigt einmal mehr durch kluge Verträge, dass Afrika sich nicht mit der Rolle als Rohstofflieferant begnügen muss. Sambia hat sich kürzlich an Botswana ein Beispiel genommen und will künftig die Smaragd-Funde teilweise in Sambia vermarkten und damit zu einem wichtigen Handelsplatz für Halbedelsteine werden. Sambia ist der drittgrößte Smaragdlieferant der Welt nach Kolumbien und Brasilien.

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe erscheint am 21. September 2018. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

Foto: „To Big To Fail“ ist das schlimmste, was man zulassen kann.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost (10)
Andreas Rochow / 16.09.2018

Ist nicht die UNO, immerhin die allmächtig(st)e NGO der Welt, der eigentliche Adressat für diese qualifizierten und nachvollziehbaren Vorschläge? Hat nicht diese allmächtige UNO die Verantwortung dafür, dass die “Entwicklungszusammenarbeit” so schrecklich fehl geht? Wir wollen nicht ewig in der Muppet Show Loge sitzen und meckern, sondern endlich sehen, dass die von der allmächtigen UNO kontrollierten gigantischen Kapitalströme endlich in sinnvolle und nachhaltige Projekte geleitet werden. Oder ist die UNO etwa nur noch die überstaatliche Welt-Zentrale für die Finanzierung selbsternannter Entwicklungshelfer, also überflüssig? Weshalb gibt es keine Konferenzen zur Evaluation der “Entwicklungszusammenarbeit”? Ein Weiterso ist extrem sinnlos, da kontraproduktiv! Unser zuständiges Ministerium setzt auf Kosten des Steuerzahlers teure, katastrophal ineffektive, lächerliche Zeichen, ohne die Nachhaltigkeit im Auge zu haben! Es hat sich längst eine Weiterso-Industrie entwickelt, die übernational, also außerhalb jeglicher parlamentarischen Kontrolle, Zugriff auf unser Steuergeld hat. Der Zugang zu essenziellen afrikanischen Bodenschätzen kann uns in das Dilemma zwingen, mit Diktaturen zusammenarbeiten zu müssen. Diese Form des Neokolonialismus ist nicht gerechtfertigt, wenn sie mit unkontrollierter Migranten bezahlt werden muss.

Wiebke Lenz / 16.09.2018

Ja, Afrika ist ein reicher Kontinent. Was mir jedoch auffällt, ist die Mentalität, die dort herrscht - zumindest nach meinem Dafürhalten. Brunnen versanden wieder, wenn die Entwicklungshelfer nicht mehr vor Ort sind. In Südafrika werden die Sicherheitsanlagen eher verschärft denn abgebaut, nachdem der Regimewechsel stattfand. Was allerdings wurde aus dem Erbe von u.a. N. Mandelas gemacht? Dem Vernehmen nach werden die Oiko-Kredite der Kirchen auch eher von den Frauen angenommen, die etwas schaffen möchten. Und die sich dann noch anfeinden lassen müssen (ich gehöre nicht zu den “lila Damen”, um es klar zu stellen). Es sind kaum Männer darunter. Arbeit schändet nicht und Bewegung ist wichtig - obwohl ich der Meinung bin, dass dieses nicht unbedingt in Richtung Norden sein muss. Auch dieses jetzt so reiche Land wurde durch der Hände Arbeit Vieler wieder aufgebaut ...

Rolf Lindner / 16.09.2018

Wenn Menschen es nicht organisieren können, so viele oder so wenig Nachkommen zu zeugen, dass sie diese ernähren können, wozu sollen sie dann fähig sein? Der Wohlstand industrialisierter Länder ist ja nicht vom Himmel gefallen. Es wurde erfunden, organisiert und geschaffen. Es gab aber, als alles begann, keine Vorbilder. Heute könnten Länder Afrikas allein durch Plagiate industrialisiert werden, wie es China getan hat. Wie kann man Ländern helfen, die nicht wollen und nicht können? Mit Hilfe zur Selbsthilfe? Wenn aber die Selbsthilfe sofort zusammenbricht, wenn die Hilfe wegbleibt?

Volker Seitz / 16.09.2018

@ Frank Box Der IQ wurde von Westeuropäern für Westeuropäer nach europäischen Maßstäben entwickelt. Der Begriff IQ wurde 1922 von dem deutschen William Stern geprägt. Es ist äußerst strittig, ob sich dieses Verfahren auf Völker mit gänzlich anderen sozialen Strukturen, Kulturen, Werten und Denkweisen anwenden lässt. In modernen Staaten ist das Trinkwasser besser, das beugt Krankheiten vor. Außerdem ist Intelligenz nicht entscheidend für Erfolg. Auch die USA sind bei wissenschaftlichen Untersuchungen oft nur unteres Mittelmass. Am besten schneiden in manchen Studien Menschen in Nordasien ab. Intelligenz wird nach wieder anderen Studien angeblich durch gute Bildung, hohes Einkommen und reichhaltige Nahrung erheblich verbessert. Newsweek hat 2010 eine Studie der University of New Mexico zitiert, nach der die Intelligenz mit Infektionskrankheiten in Verbindung stehen könnte. Dies könnte schwerwiegende, lebenslange Auswirkungen auf das Hirn haben. Fazit: Es ist sehr schwierig, die Intelligenz von Deutschen, Chinesen, Indern oder Afrikanern (alle 55 Staaten haben den gleichen IQ ??) vergleichen zu wollen. Ich kenne übrigens sehr viele kluge und erfolgreiche Afrikaner.

Wolfgang Kaufmann / 16.09.2018

Ich glaube nicht, dass es sich um eine Frage des IQ und somit der biologischen „Hardware“ handele. Vielmehr dürfte das subsaharische Baby, wenn es in unserer Umgebung aufwächst, die gleichen Chancen haben. – Ich bin überzeugt, dass der Großteile der Hemmnisse im angelernten Verhalten liegt, in den sozialen Rechten und Pflichten, im Rollenverständnis als Person, Mann/Frau, Familie, Clan oder Religionsgemeinschaft. Für mich ist es eine Frage der biologischen Software, also der Kultur.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Volker Seitz / 15.12.2018 / 06:20 / 38

Afrika: Die Fluchtursachen-Beschaffer

Afrikanische Politiker bleiben oft bei großen Ankündigungen, die selten verwirklicht werden. Sie (die Eliten) haben keinerlei Verantwortungsgefühl für ihre Länder und sind nicht an deren Entwicklung…/ mehr

Volker Seitz / 10.12.2018 / 10:00 / 36

UN-Migrationspakt – Risiko und Nebenwirkung

Prinz Asfa-Wossen Asserate, Mitglied des ehemaligen äthiopischen Kaiserhauses schreibt im neuesten FOCUS 50/2018: "In Europa herrscht bei vielen die Vorstellung, eine möglichst großzügige Migrationspolitik könnte…/ mehr

Volker Seitz / 08.12.2018 / 15:00 / 3

Russland entdeckt Afrika neu

Die Hauptakteure in Afrika sind China, die EU und die USA. Indien, Brasilien, die Türkei, Südkorea und die Golf-Staaten versuchen ebenfalls, mehr Einfluss zu gewinnen.…/ mehr

Volker Seitz / 30.11.2018 / 06:25 / 53

Ist die Forderung nach Familienplanung Rassismus?

Entwicklungsminister Müller will die Vergabe von Mitteln von strengeren Vorgaben abhängig machen. Die Kernpunkte der neuen Strategie: Hilfe beim Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen, die Bekämpfung der…/ mehr

Volker Seitz / 23.11.2018 / 16:00 / 9

Botswana – eine afrikanische Erfolgsgeschichte

Vor ein paar Tagen war Bundespräsident Steinmeier in Botswana. Botswana gilt als das Vorzeigeland für eine nachhaltige und reformorientierte Politik in Afrika. Botswana ist eine…/ mehr

Volker Seitz / 17.11.2018 / 17:26 / 6

Gier und Armut zerstören Afrikas Wälder

Afrikas Wälder schrumpfen weiter. In Afrika ist illegaler Holzeinschlag Alltag. In weiten Teilen des Kontinents ist Holz der wichtigste Energieträger. Es wird zum Kochen und…/ mehr

Volker Seitz / 08.11.2018 / 10:00 / 27

Afrika braucht keine Babysitter

Deutschland blamiert sich vor Afrikanern, wenn es überheblich moralisch urteilt und bewertet. Es ist nicht an uns Deutschen, afrikanischen Ländern Vorgaben zu machen. Afrikaner können…/ mehr

Volker Seitz / 06.10.2018 / 15:00 / 9

Kamerun wählt morgen alles, was in Afrika schief läuft

Am 7. Oktober finden in Kamerun Präsidentschaftswahlen statt. Der amtierende Paul Biya (85) kandidiert erneut, mit den besten Aussichten, wiedergewählt zu werden. Biya ist seit…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com