Herbert Ammon, Gastautor / 03.01.2020 / 12:30 / 8 / Seite ausdrucken

Mein Jahresvorblick

Das klimagewandelt graue, schnee- und eisfreie Neue Jahr verlangt nach einem Kommentar. Als Vorlage könnten die Reden dienen, in denen die Staatsspitzen in der Jahresendphase – am ersten Weihnachtstag sowie am ersten Januar – das Volk zu Optimismus und demokratischem Wohlverhalten aufrufen. Die Reden kommen aus der Konserve und werden vom Teleprompter abgelesen, also noch nicht mal von einer Textvorlage auf Papier, was ehedem dem Ritual selbst auf dem "kalten" Medium TV so etwas wie menschliche Nähe angedeihen ließ.

Die nachfolgenden, teilweise paraphrasierten Textauszüge entnahm ich der Zeitung und einem Online-Bericht. Steinmeier bezeichnete mich sowie "alle hier Lebenden" (oder so ähnlich) als "ein Stück Deutschland". Alle Stücke wurden zu Toleranz, friedlichem Miteinander und sonstigem angehalten. Eine Woche später erklärte uns Merkel, dass Klima, Umwelt und überhaupt die Zukunft uns alle angingen, dass aber – ungeachtet Gretas dies irae – wir mit Zuversicht ins Neue Jahr gehen sollten. Nach derlei Festreden fragt sich der zivilgesellschaftlich nur mäßig aktive Staatsbürger, ob man von seinen Steuergeldern nicht mal bessere – nicht besser bezahlte – Redenschreiber/innen (mit oder ohne Klicklaut) engagieren könne.

Die Mahnungen zu mehr Menschlichkeit, Toleranz, Umweltbesorgnis samt Optimismus fanden in der Zivilgesellschaft unterschiedliche Resonanz. Sie inspirierten den Chorleiter – womöglich gar selbst ein Dichter – des WDR-Kinderchors zur klimagerechten Umdichtung eines fröhlichen Kinderreims. Die performance des Kinderchors befremdete indes nicht nur die Generation der grünen Gründungsomas, sondern auch einige Politiker/innen. Deren lyrisches Unverständnis rief einen WDR-Freizeit-Journalisten (und Post-Nazi-Berufsantifaschisten) auf den Plan, der für seine Verteidigung der Demokratie gegen "Nazi-Omas" wiederum die Unterstützung der demokratischen Zunft des Deutschen Journalistenverbandes erfahren durfte.

In Berlin sorgte sich Tante Antifa zu Jahresbeginn um die Zukunft der Demokratie. Sie belehrte – nun schon zum zweiten Mal – den politische unbotmäßigen Journalisten Gunnar Schupelius über die Grenzen der Meinungsfreiheit im freiesten Staat der deutschen Geschichte, indem sie ihm das umweltbelastende Familienfahrzeug vor der Haustür abbrannte (laut demokratischer Erfolgsmeldung auf indymedia "abfackelte").

Jeden Morgen ein Blick aufs Thermometer

Zum demokratischen Fortschritt anno 2020 gehört, dass nunmehr auch in der Provinz – unweit Hölderlins Wahnrefugium zu Tübingen – Feministinnen nicht mehr lange fackeln, bis sie den verstockten Evangelikalen mit Feuer und Farbe auf den keuschen Leib rücken, um sie demokratische Mores zu lehren. Den demokratischen Höhepunkt erlebte wieder einmal Leipzig, der Fels in der braunen Brandung des "Ostens". In Connewitz regiert autonom und autokratisch seit langem – etwa seit dem Mauerfall – Tante Antifa. Dem Auftritt von Faschisten, das heißt "Bullen", also Polizisten, die ihnen ihren Silvesterspaß mit umweltgerechten Böllern vermiesen wollen, lassen sie sich  nicht bieten. Was soll da alles Lamentieren der "Rechten" und sogenannter Demokraten über Verletzung demokratischer Umgangsformen, wenn ein "Bulle" zur Rechenschaft gezogen wird und sich eine Notoperation in der Klinik einhandelt? Jetzt erregt sich gar noch der Oberbürgermeister Burkhard Jung, der bislang gegenüber der wehrhaft demokratischen Antifa zu Connewitz Nachsicht hat walten lassen.

Auch im Neuen Jahr gilt es wachsam zu sein: Jeden Morgen ein Blick aufs Thermometer, aufs Bankkonto (ob’s denn für ein neues, subventioniertes Elektroauto reicht), auf die Ferien- und Urlaubstermine, zu Monatsbeginn auf den Eingang des Gehalts und ab und zu auf die grüne Stromrechnung. Allgemein gilt die Aufforderung zu Optimismus und Vertrauen in die Demokratie. Und vor allem: mehr Toleranz, auch gegenüber den Omas und Opas. Im übrigen gilt es "in unserem Land", alles zu tun, um zu verhindern, dass Trump in den USA wiedergewählt wird und endgültig die amerikanische Demokratie zerstört. Dies lehrt uns die deutsche Geschichte.

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Leserpost

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toni Keller / 03.01.2020

Trump wird wiedergewählt werden, Johnson wird den Brexit durchziehen, in Italien wird Salvini wider gewählt werden, die Visegardstaaten werden sich aus der EU verabschieden, Dänemark und Polen werden uns zeigen wie man die deutsche Grenze sichern kann, die Österreicher werden sich ärgern dass sie sich auf den Ibizaskandal eingelassen haben, in Frankreich wird man sich auf Vive La France besinnen, und die ganzen EU Schulden werden bei den dummen Deutschen hängenbleiben, weil Angela Merkel für alles haften wird. (Ich hoffe sehr dass sie das, nach ihrer Gewohnheit, macht ohne das Parlament vorher zu fragen, weil dann haben wir eine Chance, dass ein spätere deutscher Kanzler darauf bestehen kann, dass diese, ihre Unterschriften nicht gültig waren und sind) Auf jeden Fall wird Deutschland wieder ganz alleine auf der Welt stehen, und von allen gehasst werden, ganz besonders von denen die gedacht haben hier sei das Paradies auf Erden. Ich hoffe allerdings dass das Unwahrscheinliche geschieht und hierzulande der Verstand wieder einsetzt

Gudrun Dietzel / 03.01.2020

Natürlich wären unsere Steuergelder bei besseren Redenschreibern viel besser aufgehoben. Aber ob das den Zustand der Redner und deren Wirkung tatsächlich verbessern würde?

sybille eden / 03.01.2020

Lieber Herr AMMON, die Geschichte lehrt mich, daß ja schon ein ultrarechter, faschistischer Schauspieler namens Ronald Reagen die Demokratie abgeschafft hatte. Sollte sich das jetzt etwa mit Donald Trump wiederholen ? Da sieht man doch wieder deutlich, wie weit sich die USA von den demokratischen Prinzipien und Idealen Westeuropas und seiner Führungsmacht Deutschland entfernt hat !  (Ironie aus.

Dr. Gerhard Giesemann / 03.01.2020

Wenn da was war beim Hölderlin seinem Türmchen, dann muss der auch was sagen dürfen: “Ach, ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt - wenn aber die erste Begeisterung vorüber ist, dann ist er wie der missratene Sohn, den der Vater aus dem Hause gewiesen hat und er zählt die ihm verbliebenen Pfennige”. Das nunmehr auf feministisch um zu schreiben ist nicht nötig, der Moslem wird den Weibern das schon richten, Inshallah.

Peter Holschke / 03.01.2020

Das heißt nicht Parteispitze. So etwas gibt es nur im bösen Ausland. Derzeit USA, England, Östereich, Polen, Russland, Ungarn, Italien und nicht zuletzt Israel natürlich. Bei uns heißt das Partei und Staatsführung.

Peter Holschke / 03.01.2020

Das heißt nicht Parteispitze. So etwas gibt es nur im bösen Ausland. Derzeit USA, England, Östereich, Polen, Russland, Ungarn, Italien und nicht zuletzt Israel natürlich. Bei uns heißt das Partei und Staatsführung.

Karla Kuhn / 03.01.2020

Keine Bange, ich glaube, TRUMP wird wiedergewählt. Er hat Amerika wieder vorwärts gebracht, hat sinnlose Projekte fallengelassen, ist an der Seite Israels, hat umgesetzt, was er versprochen hat ( kann sich jemand vorstellen, daß es so etwas gibt ? Politische Versprechen einhalten ?), warum sollen die Amis so einen KOMPETENTEN PRÄSIDENTEN nicht wieder wählen ?? “.....Jetzt erregt sich gar noch der Oberbürgermeister Burkhard Jung, .... tja, der hat ANGST der NÄCHSTE der “netten” Connewitzer Antifa zu werden. So ist das, Herr Oberbürgermeister !!  “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben” soll Gorbatschow gesagt haben. Könnte man auch ummodeln “den bestraft die Antifa” ???  Allerdings glaube ich trotzdem nicht auf große Einsicht der Politkaste !! Vielleicht wird demnächst verkündet, die “RÄÄCHTEN” hätte die “brave Antifa” angestiftet ??

Yuri Bezmenov / 03.01.2020

Keine Sorge, mit dem Kampf gegen Links wird das alles wieder in Ordnung kommen.

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