Malte Dahlgrün, Gastautor / 29.01.2017 / 06:20 / Foto: Lubman04 / 6 / Seite ausdrucken

Pappkameraden der Asyldebatte (Teil 4)

Von Malte Dahlgrün.

2. Risikoeinschätzungen: Flüchtlinge als Lichtgestalten versus Generalverdacht. Die Weigerung, über Populationen in Anteilen und Wahrscheinlichkeiten kontinuierlich variabler Größe nachzudenken, brachte in der Asyldebatte nicht nur eine, sondern mindestens zwei große Falschdichotomien hervor. Die erste bestand im eben beschriebenen Alle-draußen-/Alle-drin-Framing von Diskussionen zur Grenzsicherung. Die zweite betraf die inhärenten Sicherheitsrisiken einer unkontrollierten Masseneinwanderung.

Die Asylmigration barg und birgt zwei unmittelbare Hauptrisiken. Erstens das der Kriminalität. Zweitens das von dschihadistischem Terrorismus. Deutschen Leitmedien ging es nur sehr verspätet um irgendwelche Risikoanstiege im Gefolge der Merkelschen Offentorpolitik — und dann auch eher um Terrorgefahr. Womöglich ist aber der Aspekt gewöhnlicher Gewalt-, Sexual- und Diebstahlsdelikte dank Merkels Grenzöffnung verheerender.

Es gibt, das ist bekannt, einen massiven Männerüberschuss unter den dank Merkel eingereisten Einwanderern. Die Bilanz des BAMF für das Jahr 2015 wies folgende Anteile an männlichen Asylantragstellern aus den Hauptherkunftsländern auf: Syrien 74%; Afghanistan 73%; Irak 71%; Eritrea 76%; Pakistan 93%. Für nordafrikanische und andere afrikanische Herkunftsländer werden die Zahlen mit Sicherheit nicht tiefer gelegen haben. Der größte Männerüberschuss lag dabei 2015 in den Kohorten von 16 bis 30 Jahren, auch für Männer in den 30ern war er noch sehr beträchtlich.

Jüngere Männer begehen weltweit mit überwältigendem Abstand die meisten Gewaltverbrechen und Diebstahlsdelikte. Bei Vergewaltigungen und anderen sexuellen Übergriffen gilt das sowieso. Unter Mehrfachtätern ist der Männervorsprung noch einmal viel höher. Bei einem Überschuss an alleinstehenden jungen Männern steigt also das Risiko entsprechender Delikte. Alleinstehende junge Männer aber, die auch noch arm, ungebildet und perspektivlos sind, sind schlechterdings eine Hochrisikogruppe. Obendrein wurden bei der Merkel-Migration massenhaft Männer eingeladen, die aus einigen der archaischsten, frauenverachtendsten, antisemitischsten Gesellschaften der Erde kommen. Wehrfähige Männer aus Kriegszonen, mit unbekannten Vorgeschichten. Menschen, die oftmals Islam-Abtrünnige, Juden und Schwule nur tot tolerieren. Die Gefahr der Einschleusung islamistischer Terroristen muss da nicht noch eigens hergeleitet werden. Sie ist ohnehin längst von der Realität bestätigt worden.

Eng umgrenzter Funktionsausfall im Denken

Eine derartige Hochrisikogruppe zu Hunderttausenden unkontrolliert in ein Land strömen zu lassen ist gefährlich. Das ist eine objektive Risikofeststellung, keine politische Einstellungsbekundung. Eine Bundeskanzlerin wäre verpflichtet gewesen, sie zu berücksichtigen und Konsequenzen daraus zum Schutz der eigenen Bevölkerung zu ziehen. Merkel aber wies die Bundespolizei zum bedingungslosen Willkommenheißen an. Keine Papiere: egal. Gefälschte Papiere: egal. Keine Kontrolle des Aufenthaltsorts innerhalb Deutschlands. Vom Staatsversagen bei der Umsetzung von Abschiebungen und beim Umgang mit straffällig gewordene Neumigranten gar nicht erst zu reden.

Deutsche Willkommensjubler — von CDU-Merkelisten bis hin zu linksextremen „Flüchtlingsaktivisten“ — wirken angesichts des sicherheitspolitischen Versagens wie jemand mit einem eng umgrenzten Funktionsausfall im Denken. Dieser Funktionsausfall macht es unmöglich, einen einzigen sinnvollen Gedanken über statistische Häufungen negativer Merkmale in fremden Populationen zu fassen. Er macht es unmöglich, Risiken zu bemessen, wenn diese von Fremden ausgehen.

Diese gegenstandsspezifische, auf fremde Gruppen beschränkte Unfähigkeit zu gradiertem Risikodenken zeigte sich auch in jeder nach Terroranschlägen aufkeimenden Diskussion über den kausalen Status des sogenannten Flüchtlingsstroms. Erst ohne Evidenz, später sogar im eklatanten Widerspruch zu gegenteiliger Evidenz, beharrten Willkommenpolitiker wie bockige Kleinkinder darauf, dass „keine Verbindung“ zwischen dem Flüchtlingsstrom und dschihadistischem Terror in Europa bestehe. Entweder „Keine Verbindung!“ oder „Generalverdacht!“ — das waren die Phrasen, auf die sich der einschlägige Diskurs reduzierte.

Das Versagen probabilistischen Denkens im Asyldiskurs zeigt sich auch in einer binären Konzeption menschlicher Individuen: Ist ein Mensch einmal als „Flüchtling“, als „Schutzsuchender“ kategorisiert, denkt man ihn sich bis zum Beweis des Gegenteils als unbedingtes Opfer, mitunter sogar als eine Art Heiligen. So jemand kann kein Sicherheitsrisiko sein. Darum war auch die Ausweitung des Etiketts „Flüchtling“ auf alle Asylmigranten so wichtig für Willkommensideologen. Erst wenn eine Gewalttat passiert ist, kippt das Bild vom Heiligen zum schlechten Menschen. Linken Fanatikern gilt er selbst dann noch als traumatisiertes Opfer.

Dabei begreift jede ansatzweise adäquate Sichtweise Menschen als Träger diverser Eigenschaften, die unter ungünstigen Bedingungen ein mehr oder weniger großes Sicherheitsrisiko bergen.

Morgen lesen Sie in der nächsten Folge: Erst abgestritten,heute unumstritten: Bilder und Verlautbarungen aus Deutschland, vermittelt durch Gerüchte und Selbstdarsteller in sozialen Netzen, übten einen Sog auf ohnehin schon migrationsbereite junge Männer von Westafrika bis Zentralasien aus. Das gilt für Äußerungen staatlicher Institutionen und ihrer Repräsentanten und es gilt für Fotos von Bargeldempfängern, Bahnhofsjublerinnen und Kanzlerinnenselfies.

Dr. Malte Dahlgrün ist Wissenschaftsphilosoph.

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Leserpost (6)
Gertraude Wenz / 29.01.2017

Warum wird eigentlich so gut wie nie darauf eingegangen, dass die Geburtenrate der muslimischen Migranten um ein Vielfaches höher ist als bei der deutschen Bevölkerung? Es ist eine Frage der Mathematik, wann die Zu- gewanderten die Mehrheit haben und damit die Politik unseres Landes bestimmen können.

Wolfgang Richter / 29.01.2017

Und noch heute wird standfest behauptet, daß Ereignisse, wie sie sich in den Silvesterorgien 2015/16 Deutschland weit zeigten, sich trotz des mit entsprechender Vorwarnung versehenen massiven Polizeiaufgebots 2016/17 versuchsweise wiederholten (z. B. im offenbar auf Seiten der Sicherheitskräfte ungläubigen Innsbruck auch vollendet) , nichts mit der sog. Flüchtlingspolitik zu tun hätten und vor allem in keiner Weise vorhersehbar waren.

Kurt Engel / 29.01.2017

“........ eng umgrenzten Funktionsausfall im Denken.” Wenn ich da an unsere Politiker, vor allem an die im BT, denke, dann wird das hiermit genau beschrieben.

Julia Westermann / 29.01.2017

Vielen Dank für diese glasklare, kurze und zutreffende Analyse dessen, was viele Deutsche als unfassbare Unvernunft und Verantwortungslosigkeit unserer Politik verstanden haben, schon bevor es thematisiert wurde. Es fehlt aber meiner Ansicht nach der Hinweis darauf, dass eine statistische Erfassung, die eine faktenbasierte Analyse ermöglichen WÜRDE, politisch zumindest in einigen Ländern nicht erwünscht ist und unterbunden wird, genau wie auch in der Presse. Die Herkunft wird oft weder erfasst noch veröffentlicht, und sollte sie doch veröffentlicht werden, wird die Tat an sich verniedlicht - z. B. wird Brandstiftung zu Zündeln, lebensgefährliche Attacken von hinten werden zum Schubsen, gefährliche Schlägereien in der Öffentlichkeit werden zu erlebnisorientierten Jugendlichen usw. Alles ist darauf ausgerichtet zu verniedlichen, was nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden kann. Selbst von den Übergriffen in Köln sind nach einem Jahr nur 17 Fälle in der polizeilichen Statistik von 2016 gelandet. Von seiten der Politik wird alles getan, um zu verhindern, dass dem aufgebrachten Bürger objektiv belegbare Zahlen für das an die Hand gegeben werden, was sie täglich im eigenen Umfeld sehen können, um dann zu behaupten, die ganze Aufregung wäre “postfaktisch”. Was unsere Politik damit tut, lässt sich wohl nur noch als kontrafaktisch bezeichnen!

Johannes Fritz / 29.01.2017

Es ist vermutlich wirklich das 1. Mal, dass ich das Wort Falschdichotomie auf Deutsch lese. Kenne es sonst nur aus dem angelsächsischen Sprachraum, von philosophisch-apologetisch tätigen Leuten. Muss gestehen, von alleine wäre ich nicht darauf gekommen, das Prinzip hier anzuwenden, aber es stimmt. Es handelt sich um lupenreine Beispiele davon.

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