Henryk M. Broder / 17.01.2007 / 18:05 / 0 / Seite ausdrucken

Martin Kloke:  Antisemitische Landschaften mit Gutmenschen

Der lange Marsch durch die Institutionen, den eine linksgerichtete Jugendkultur vor ueber 35 Jahren angetreten habe, sei in einer Beziehung sehr erfolgreich gewesen, schreibt der Soziologe Martin Kloke, “das Amalgam aus antisemitischen und antizionistischen Ressentiments” sei nun “auch in der Mitte der Gesellschaft” angekommen und treibe dort “seine dumpfen Sumpfblüten”.  Und: “Wie zur Bestätigung dieses Trends konnte 2004 ein Mitarbeiter der Bundeszentrale für politische Bildung in der angesehenen Wochenzeitung Das Parlament unwidersprochen das Existenzrecht Israels als jüdischer Staat zur Disposition stellen, indem er die ‘Entzionisierung’ Israels ‘als Voraussetzung für einen wirklichen Frieden’ herbeizuschreiben versuchte.  Ausgerechnet am Tage der historischen Begegnung des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, am 8. Februar 2005 im ägyptischen Scharm-el-Scheich, stellte die Süddeutsche Zeitung die Frage: ‘Ist der Zionismus heute der wahre Feind der Juden?’ – und überließ im Stil einer Pro- und Kontra- Diskussion die Antworten zwei Gastautoren.  Welcher andere, zumal demokratische Staat in der Welt befindet sich seit mehr als 50 Jahren in der Zwangslage, sich permanent gegenüber Feinden und ‘Freunden’ seiner Existenzberechtigung vergewissern zu müssen?”

Kloke nimmt sich die ueblichen Verdaechtigen von Bluem bis Zwerenz vor, die natuerlich alles nur keine Antisemiten sein wollen, weil es einen linken Antisemitismus per se nicht geben kann (Zwerenz) bzw. weil Jesus Jude war und ein praktizierender Christ deswegen kein Antisemit sein kann (Bluem), und beschreibt das Milieu, in dem sie sich rumtreiben, eine Subkultur des real existierenden Antisemitismus, in der man mit offenen Augen von der Endloesung der Palestina-Frage traeumt:

“Anfang Juni 2004 versammelte sich in Köln eine parteiübergreifende ‘Volksfront’ zur Konferenz ‘Stop the wall’. Zu den Organisatoren zählten mehr als 20 Organisationen der Friedensbewegung, darunter die Attac-AG ‘Globalisierung und Krieg und die ‘Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg’. Viele, die es in der antizionistischen Szene zu trauriger Berühmtheit gebracht haben, waren zum Anfassen nah – von Norbert Blüm und André Brie bis hin zu Victoria Waltz und Ludwig Watzal (Letzterer zog allerdings seine geplante Mitwirkung als Moderator eines Panels in letzter Minute zurück). Als Ordner fungierten Aktivisten der linksextremen Kampagne ‘10 Euro für das irakische Volk im Widerstand’, die auch Terroranschläge im Irak befürworten. Handgreiflich gingen sie gegen vermeintliche oder tatsächliche ‘Antideutsche’ vor; dabei attackierten sie auch einen taz-Journalisten. Unter dem Beifall des Publikums wurde die Realisierung des palästinensischen Rückkehrrechts als Vehikel zur Überwältigung Israels als jüdischer Staat propagiert: Eine ‘jüdische Lobby’ habe die amerikanische Regierung im Sinne israelischer Interessen unterwandert; es gebe keinen palästinensischen oder antiwestlichen Terrorismus, wohl aber ‘legitimen Widerstand; aufgrund seines ‘rassistischen’ und ‘verbrecherischen’ Charakters habe der Staat Israel kein Recht auf Selbstverteidigung.”

Hier der ganze Text von Martin Kloke. Sehr lang, sehr gut, sehr lesenswert:
http://www.compass-infodienst.de/Martin_Kloke__Israel_-_Alptraum_der_deutschen_Linken.2400.0.html

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