Peter Bereit, Gastautor / 21.07.2017 / 17:13 / Foto: Tim Maxeiner / 13 / Seite ausdrucken

Juden zu töten ist kein Verbrechen

Von Peter Bereit.

Ich weiß nicht, wie es anderen ergeht. Mich befällt ein besonderes Gefühl, wenn ich den minimalen Service an Bord der El AL überstanden und israelischen Boden betreten habe. So zuletzt im März dieses Jahres, in Begleitung meiner beiden erwachsenen Söhne. Ein Gefühl, dass kaum in Worte zu fassen ist, ich kann nicht sagen kann, woher es kommt. Vermutlich aus dem Reiz der uralten Geschichte dieses Fleckens Erde und aus dem Staunen und der Anerkennung, was Menschen darauf geschaffen haben. Juden und Menschen anderer Volkszugehörigkeiten, darunter auch christliche und muslimische Araber.

Araber? Ja auch Araber haben daran mitgewirkt, diesen Traum der Juden von einem eigenen Staat zu verwirklichen. Viele, die dieses Land noch nie bereist haben und auch nicht beabsichtigen, es zu tun, werden an dieser Aussage zweifeln oder gar verzweifeln, weil sie so anders ist als das, was sie jeden Tag in den Medien präsentiert bekommen. Da ist der Hass zwischen Juden und Arabern omnipräsent und kaum jemand käme auf die Idee, zwischen den beiden Gruppen etwas Gutes zu entdecken. Und doch gibt es dieses Gute in Israel. Jeden Tag und überall. Es ist alltäglich.

An dieser Stelle höre ich schon den Aufschrei der Israelkritiker. Da versucht wieder einer, Israel und seine Politik gesundzubeten. Mitnichten. Ich sehe durchaus die Schwierigkeiten, die eine zunehmend nationalbetonte Politik mit sich bringt und weiß auch, dass Israel nicht das versprochene Land ist, in dem ausschließlich Milch und Honig fließen. Dennoch. Es ist ein Land, das überall eine tiefe Liebenswürdigkeit und Menschlichkeit ausstrahlt, egal wo man sich aufhält. Ob nun in den Straßen von Tel Aviv oder denen von Bethlehem, das unter palästinensischer Verwaltung steht. Kein Gefühl von Hass oder gar Bedrohung. Man fühlt sich sicher.  

So weit, so gut. Und dann passiert etwas. Nach Phasen der relativen Ruhe und des Glaubens an ein friedliches Zusammenleben werden zwei israelische Polizisten von palästinensischen Mördern erschossen. Mit Waffen, die zuvor an allen israelischen Kontrollen vorbei nach Jerusalem geschmuggelt wurden. Ein Aufschrei der Palästinenser geht durch das Land. Nach einer Verurteilung der Mörder, würde jeder normal denkende Mensch vermuten. Es geht nicht um das Leben zweier Polizisten, Angehörige der drusischen Minderheit, und deren Angehörige. Es geht um Sicherheitsmaßnahmen der Israelis, speziell um Metalldetektoren, die weitere Morde oder Schlimmeres verhindern sollen.

Wenn der Hass aus der Kiste springt

Sofort sind sich die meisten Muslime einig in ihrem Protest gegen Israel und rufen sie zu einem "Tag des Zorns" und des Widerstandes gegen Israel auf. Quasi über Nacht ist der institutionalisierte Hass gegen Israel wieder da. Ein die Palästinenser einender Hass auf der Basis zweier Morde, die nicht einmal im Ansatz kritisiert oder verurteilt werden. Kausalität spielt in diesem Reigen der Feindschaft keine Rolle. Juden zu töten ist eben kein Verbrechen, sondern etwas, das Ehre verleiht, wie es Hamas und andere Organisationen der Palästinenser propagieren. 

Nur ein Blinder kann die Parallelen übersehen, die sich zum Verhalten von Muslimen in aller Welt auftun, mögen dort auch völlig andere politische Verhältnisse herrschen. Nur wenige Muslime erheben ihre Stimme, wenn Menschen durch islamischen Terror in den Tod gerissen werden. Muslimische Verbände in Deutschland spulen bestenfalls Standarttexte des Mitgefühls ab, die oft wortwörtlich noch vom letzten Anschlag stammen. Ein kürzlich geplanter Solidaritätsmarsch der Muslime gegen islamischen Terror in Köln unter dem vielversprechenden Slogan „Nicht mit uns“ brachte es auf wenige Hundert Teilnehmer, darunter tatsächlich einige Muslime.  Wer von den Muslimen in Deutschland wird den Mord an den israelischen Polizisten zur Kenntnis nehmen? Kaum jemand. Die Empörung über das Tun ihrer Glaubensbrüder in Israel dürfte sich in Grenzen halten.

Zurück nach Israel. Während Morde an jüdischen Polizisten gelassen und wie selbstverständlich hingenommen werden, empört sich die arabische Gemeinde bis aufs Blut, wenn die israelische Gesellschaft Gegenmaßnahmen ergreift. Da betrachtet man es als äußerst erniedrigend, sich durch einen Scanner zu bewegen, wie er heute nahezu bei jeder Großveranstaltung der Welt üblich ist. Weshalb üblich? Weil uns Katholiken, Protestanten, Buddhisten, Hindus oder Bahai nach dem Leben trachten?  

Es ist der bereits institutionalisierte palästinensisch-muslimische Hass gegen Israel, der immer dann aus der Kiste springt, wenn die Welt das Gefühl der Normalität beschleicht. Ob die Israelis jemals einem Staat zustimmen werden, der auf diesem Hass errichtet wird? Sie müssten den Verstand verloren haben, sollten sie das tun. Israel ist klein, aber groß genug, um allen dort lebenden Menschen Raum zu bieten, wenn es gelingt, Hass und Gewalt auszuschalten.

Für den heutigen  Freitag haben palästinensische und muslimische Organisationen in Israel alle Muslime im Lande dazu aufgerufen, nach Jerusalem zu kommen, um zu beten und ihren Protest gegen die israelische Bedrohung auszudrücken. Und falls es dabei Tote und Verletzte geben wird, wird Israel schuld sein. Wer sonst?

Foto: Tim Maxeiner

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Leserpost

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Hajo Schuhmann / 21.07.2017

Hier wird eben leider mit zweierlei Mass gemessen: was in Mekka von Seiten der Muslime gang und gäbe ist (Metalldetektoren und Kamerüberwachung), darf natürlich in Israel nicht passieren.

Christopher Sprung / 21.07.2017

Danke für diesen Text. Das vom Autor beschriebene Gefühl, beim Betreten israelischen Bodens nach dem Flug aus Frankfurt, teile ich. Es ist etwas Besonderes. Früher war ich oft dort, besonders bei den Bahai in Haifa.  In Haifa und Akko leben Juden, Araber, Christen auf engstem Raum seit über 100 Jahren friedlich zusammen.  Ich kann nur bestätigen:  Hass kommt nicht von den Juden und nicht von den Arabern, die z.B. in Haifa und Akko leben. Hass kommt von Aktivisten, die das jämmerliche geistige Schicksal aller Fanatiker gleich welcher Coleur teilen:  sie kennen nur ihre je eigene Wahrheit. In ihrer geistigen Umnachtung erkennen sie nicht, dass ihr Hass nur ein Spiegel ihrer eigenen Existenz ist;  doch der Spiegel weckt sie nicht auf.

Judith Hirsch / 21.07.2017

Leider ist es an Berliner Schulen, in Berliner Discotheken, in Berliner Freibädern und in der Berliner U-Bahn lebensgefährlich einen Davidstern oder eine Kippa zu tragen. Der Berliner rot-rot-grüne Senat reagiert -wie immer- mit Verschweigen, Verharmlosen und Verständnis für die Täter. Es bleibt dabei: Ein Herz hat die deutsche Politik nur für tote Juden.

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