Gastautor / 09.11.2022 / 14:00 / Foto: Niklas Bildhauer / 41 / Seite ausdrucken

Genderstern war gestern – jetzt wird geklatscht!

Von Bernd Fischer.

Die gendergerechte Sprache wird noch gerechter: Statt den geschriebenen Genderstern nur durch eine kurze Sprechpause zu artikulieren, wird einmal in die Hände geklatscht. Applaus, Applaus für eine vorausschauende Satire.

Für die Befürworter einer Inklusion aller Geschlechter in das gesellschaftliche Leben und einer angemessenen Berücksichtigung in der deutschen Sprache gibt es jetzt gute Nachrichten. Lange hat eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission von Genderlinguisten getagt, um das Transgender-Spektrum in der Sprache noch sichtbarer zu machen. Bisher gingen die Empfehlungen ja dahin, einen Genderstern oder ein Äquivalent (Doppelpunkt, Unter- oder Querstrich) in die feminine Form eines Wortes einzuschieben, also beispielsweise Kund*innen, Lehrer*innen, Bürger*innenmeister*innenvertreter*innen. Der Asterisk hat hier eine starke Symbolwirkung, denn er repräsentiert die nichtbinären Geschlechter. Im Gedruckten ist diese ökonomische Lösung äußerst ausdrucksvoll, beim Vortrag verblasst jedoch die Wirkung stark, denn der Asterisk sollte bisher durch eine Sprechpause, die im Ermessen des Sprechers lag (schließlich herrscht in der BRD ja Meinungsfreiheit!), abgebildet werden.

Und an dieser Praxis entzündete sich letztendlich auch die Kritik. Viele Repräsentanten der Transgender-Fraktion sahen sich durch eine einfache Sprechpause, die ja gewissermaßen nichts anderes als eine Auslassung darstellt, bei Weitem nicht hinreichend berücksichtigt, und so entbrannte schon vor geraumer Zeit eine Debatte darüber, wie der Genderstern noch deutlicher bzw. überhaupt artikuliert werden könne. Nun liegen die Empfehlungen der Kommission vor: Beim Genderstern bleibt alles beim Alten, da er bereits als Resultat der ganz natürlichen Sprachevolution angesehen wird. In der Aussprache soll die kurze Pause nun jedoch durch ein Klatschen in die Hände begleitet werden. Dadurch wird der Genderstern nun für (fast) alle hörbar und sichtbar! Aus der Lücke wird somit ein realer Bestandteil der sinnlichen Empfindung. Gesprochen lauten die oben genannten Begriffe dann: Kund/Klatsch/innen, Lehrer/Klatsch/innen sowie Bürger/Klatsch/innenmeister/Klatsch/innenvertreter/Klatsch/innen.

Um einen kritischen Einwand gleich von Beginn an zu entkräften, wird betont, dass das Klatschen nur ganz sanft (aber hörbar) zu erfolgen hat. Es ginge eben um ein Symbol, ein starkes Symbol, wie es die meisten Genderlinguisten, Repräsentanten der Transgenderbewegung sowie viele Prominente sehen; zumal das Klatschen ja die positive Konnotation mit dem Applaus hat! So zeigte sich etwa Petra Gerster sehr angetan von der Lösung: „Nachdem sich der Genderstern nun als etabliertes Symbol fest in der deutschen Sprache verankert hat, ist es nun erforderlich, den nächsten Schritt zu gehen. Ich fordere alle Sprecher/Klatsch/innen und Redakteur/Klatsch/innen auf, die neue Sprachempfehlung umzusetzen.“

In der Kita schon lang geübte Praxis

Auch Claus Kleber zeigt sich erfreut: „Anfangs habe ich noch oft an der falschen Stelle geklatscht, jetzt merke ich es schon fast schon gar nicht mehr.“ Die Juristin Ulrike Lembke erkennt in der Empfehlung gar eine wichtige Maßnahme, um dem Grundgesetz „wieder zu seinem Recht zu verhelfen.“ An den meisten Universitäten werden nun verpflichtende Sprachregelungen eingeführt, deren Einhaltung aber ganz freiwillig geschehen soll. Auch die Kulturinstitute machen mit. Noch ein Vorteil: Für unsere Kleinsten bedeutet dieser wichtige Schritt den geringsten Aufwand, so eine Erzieherin in einem Frankfurter Hort: „Wir praktizieren diese neue Regelung schon seit sehr langer Zeit. Auf das eine oder andere Klatschen kommt es da nicht an. „Ba/Klatsch/cke, ba/Klatsch/cke, Ku/Klatsch/ chen, die Bä/Klatsch/cker/Klatsch/innen haben ge/Klatsch/rufen…“ 

Auch in anderen Sprachfeldern kann die neue Artikulationsform sinnvoll in den bestehenden sozialen Rahmen eingefügt werden. So wird bei einer Erwähnung des Begriffs „Redner/Klatsch/innenpult“ der Applaus quasi vorweggenommen! Und so sprach letztendlich alles für die Ergänzungslösung mit dem Klatschen. Alternative Vorschläge wie ein jeweils angedeutetes Sicherheben vom Sitz bzw. ein kurzes Aufspringen im Stand oder ein Zwinkern mit einem Auge wurden nach längerer Debatte zugunsten dieser Lösung verworfen, da sie als artifiziell oder aber die mit ihnen verbundene symbolische Wirkung als zu schwach angesehen wurde. 

Allerdings wurde von den Genderlinguisten auch betont, dass es sich bei dieser Maßnahme nur um einen weiteren Schritt hin zur „Gendergerechtigkeit“ handeln könne und man sich als Vereinigung von Linguisten nicht gegen die natürliche Sprachentwicklung stellen könne oder werde. 

 

Bernd Fischer studierte Physik und Mathematik mit anschließender Promotion in Köln und Boca Raton (USA), anschließend war er viele Jahre in leitenden Positionen in der Finanzbranche sowie Autor von zahlreichen Artikeln und Fachbüchern zur Finanzmathematik tätig. Seit 2019 arbeitet er als freier Schriftsteller. Dieser Beitrag erschien zuerst auf seinem Blog Philippicae.

 

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Foto: Niklas Bildhauer CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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finn waidjuk / 09.11.2022

@Fred Kammerer: das ist doch längst egal; Satire = Realität = Satire im besten Deutschland aller Zeiten.

Thomas Szabó / 09.11.2022

@ Sven Klabunde Ich frage mich ob unser Respekt weit genug geht? Vielleicht könnte sich jeder rechtschaffene Bürger einen Bund Petersilie in den Hintern stecken und einen Cha Cha Cha tanzen? Dadurch entledigt man sich seiner unverdienten Würde als Ausbeuter & Unterdrücker und erniedrigt sich vor den Untredrückten & Erniedrigten dieser Welt, um diese zu erheben und ihnen ihre geraubte Würde wieder zu geben. Der Herr Bundespräsident möge mit gutem Beispiel voran tänzeln und einen Cha Cha Cha mit Petersilie im allerhöchsten Hintern vor der UN Vollversammlung tanzen. Olaf Scholz, Angela Merkel, Claudia Roth, Robert Habeck, Jürgen Trittin, Bodo Ramelow, Nancy Faeser mögen den Reigen des Respektes fortsetzen. Eine Polonäse der Völker & Finger im Popo des nächsten wäre wahrlich ein erhebender Anblick, wie die Präsidenten, Könige, Botschafter, geistliche Würdenträger inniglich verbunden unter dem Jubel der Völker & Nationen aus dem Heiligtum der UN tänzeln, tändelnd, singend, sich liebend, lächelnd… Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elisium, Wir betreten fuertrunken Himmlische, dein Heiligthum. Deine Zauber binden wieder, was der Mode Schwerd getheilt ... Seid umschlungen Millionen! Diesen Kuß der ganzen Welt!

Britta McLeod / 09.11.2022

Das finde ich prima. Einarmige können sich ja kurz ins eigene Gesicht, oder, zum Beispiel in einem persönlichen Dialog, in das des Gegenübers klatschen. Allerdings sollten Hörgeschädigte auch berücksichtigt werden (wir wollen doch keinen diskriminieren), deshalb plädiere ich direkt, also quasi nahtlos, nach der Klatschbewegung die entsprechende Gebärdensprache anzuhängen.

Fred Kammerer / 09.11.2022

Das ist Satire,  ...  oder?

Karl Dreher / 09.11.2022

“Aus der Lücke wird somit ein realer Bestandteil der sinnlichen Empfindung. Gesprochen lauten die oben genannten Begriffe dann: Kund/Klatsch/innen, Lehrer/Klatsch/innen sowie Bürger/Klatsch/innenmeister/Klatsch/innenvertreter/Klatsch/innen”. Ja, nichts gelernt, nichts dazugelernt ... aber irgendwie von den zunehmend staatsfinanzierten Medien höchst willfährig begleitet rutscht unser Land, unsere (auch: Sprach-) Kultur immer weiter ab in den (auch) intellektuellen Ruin. Aber wenn mir in den nächsten Jahren vor meiner Rente solch’ ein Idiot vor die sprichwörtliche Nase kommt ... ich werde mich mit ihm ruhig und sachlich, aber auch nachdrücklich, auseinandersetzen. Denn: Vielleicht kann man sich mit diesem intellektuellen Totalversagen ja auch sachlich auseinandersetzen?

Arnold Balzer / 09.11.2022

Also ab jetzt können Einarmige nicht mehr Nachrichtensprecher werden!  Der von allen geliebte Kleber hat nochmal Glück gehabt!

Arnold Balzer / 09.11.2022

So, so, jetzt also KLATSCHEN!!  ***  Meine naive Frage dazu: Was machen die EINARMIGEN? Oder werden diese Behinderten in ihrem sprachlichen Mitwirken am öffentlichen Diskurs DISKRIMINIERT?

Arnold Balzer / 09.11.2022

@ Herr Fischer: Meinen Sie das wirklich so, oder haben Sie sich verschrieben: “Der Asterisk ... repräsentiert die nichtbinären Geschlechter.”  1. So wie ich die allesamt idiotischen Genderapologeten verstanden habe (aber kann mich hierbei irren), sind mit dem *  (nur) die FRAUEN inkludiert, neben den sowieso genannten Männern, eben weil die Idioten generisches und biologisches Geschlecht nicht auseinanderhalten können. Ihr herrliches, auf die Spitze getriebenes Beispiel der “Bürger*innenmeister*innenvertreter*innen” bezeichnet (nach meinem Verständnis) die Vertreter (Männer) und Vertreterinnen (Frauen) der Meister (Männer) und Meisterinnen (Frauen) der Bürger ((Männer) und Bürgerinnen (Frauen). Alles sonstige, was da so geschlechtermäßig rumläuft, ist dabei NICHT inbegriffen!! Jedenfalls bezog sich VOR dem Woke-Zeitalter die Endung -in & -innen immer und ausschließlich auf FRAUEN! Menstruierende Männer standen alleingelassen außen vor (genauso wie vor dem H- und D-Klo bei nicht vorhandenem Sonstwas-Klo).  2. Ich meine, auch Sie, Herr Fischer, sollten dieses “nicht-binär”, diesen uns aufgenötigten Begriff der woken Mischpoke aus Ihrem Wortschatz streichen: Ich hasse solche verneinenden Beschreibungen, wenn man das, was man bezeichnen will, auch, und sogar besser, POSITIV benennen kann. Statt “nicht-binär” nicht etwa ternär, quarternär, quintär ... einfach sagen WEDER-NÖCHER! (Ist kurz und knapp und schließt unmissverständlich alles Übrige ein.

Gottfried Meier / 09.11.2022

Da macht man keinen Spaß!

Sven Klabunde / 09.11.2022

@Thomas Szabó: Aus meiner Sicht ist ein einfacher Klatsch auch zu kurz gegriffen und wird der schweren inhaltlichen Würdigung nicht gerecht. Mein Vorschlag ist deshalb, alles zu machen: Klatschen, zwinkern,  UND aufspringen. Und um die Bedeutung und den Respekt gegenüber allen, über 60 verschiedenen Geschlechteridentitäten zu betonen, wären im Anschluss eine Pirouette und/oder ein zarter Salto rückwärts wohl nicht zu viel verlangt ;)

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