Es ist noch nicht lange her, da hat man sich zur Begrüßung die Hand gegeben und gefragt: „Kommst du gerade aus dem Urlaub?“ oder „Hast du den neuen Schirach schon gelesen?“ Eine leise vorgetragene Erkundung zum Stand des ehelichen Scheidungsverfahrens war ebenso OK wie das Geständnis: „Ich denke darüber nach, mir einen SUV zu kaufen.“
Das alles ist vorbei wie ein Polterabend oder eine Tupperware-Party. Man gibt sich nicht mehr die Hand, und die einzige Frage, die der Aufnahme der analogen Kommunikation dient, lautet: „Bist du schon geimpft?“ Lautet die Antwort „Ja“, darf man nachlegen: „BioNTech? Moderna? Oder etwa AstraZeneca?“
Ohne zu erröten oder ins Stottern zu geraten, erklären uns die Manager des Ausnahmezustandes, wie sehr sie sich eine Rückkehr zur Normalität wünschen und autorisieren „Modellversuche“, die den Ausnahmezustand fortsetzen. Vor ein paar Tagen erschien in der Welt eine Gebrauchsanweisung für Sylt – unter welchen Bedingungen man auf die Insel fahren, dort ein Quartier finden und Gaststätten aufsuchen dürfte.
Das Manual für den Urlauber las sich wie die Hausordnung einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche. Kontrollen rund um die Uhr, sofortige Abschiebung bei Nichtein-halten der Vorschriften, betreute Ferien unter Corona-Bedingungen. Gemessen daran wäre sogar ein „Kraft-durch-Freude“-Urlaub in einem Heim der Deutschen Arbeitsfront die bessere Wahl.
Schlangen vor Lebensmittelgeschäften
Seit kurzem kann man wieder ein Phänomen beobachten, das es zuletzt während des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit bis zur Währungsreform gegeben hat: Schlangen vor Lebensmittelgeschäften. Der Grund ist nicht ein Warenmangel, der gerecht verteilt werden muss, es ist ein „Hygienekonzept“, das die Anzahl der Kunden ins Verhältnis zur Größe des Raumes setzt. Eine ähnliche Regelung für die zeitweise übervollen Nahverkehrsmittel gibt es nicht. Viren fühlen sich in Supermärkten wohl, während sie einen Bogen um Bahnen und Busse machen. Wer würde es ihnen verdenken.
Also stehen wir in der Schlange, vor dem Supermarkt, vor der Apotheke, vor der Sparkasse, ohne zu murren oder zu rebellieren, denn derjenige, der diese Regelung auf den Weg gebracht hat, wird sich dabei schon etwas gedacht haben, so wie er oder sie sich etwas dabei gedacht hat, einen kritischen Inzidenzwert von 100 festzulegen, weil sich das irgendwie vertraut anhört – nach Wasser, das bei 100 Grad Celsius zu kochen anfängt. Eine Inzident von 85 oder 125 würde dagegen völlig willkürlich klingen und nicht „evidenzbasiert“.
Was das Ganze zu vermarkten hilft, ist nicht das Versprechen, dass wir sehr bald zur „Normalität“ zurückkehren werden, wenn wir alle Regeln und Vorschriften einhalten, in diesem Jahr, im nächsten oder übernächsten, es ist das Wissen um die Größe der Aufgabe, die uns das Schicksal aufgebürdet hat.
„Immer strebe zum Ganzen und, kannst du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an!“ Mit diesem Zitat von Friedrich Schiller sind Generationen von Schülern ins Leben geschickt worden, diese zwei Sätze sind der Inbegriff dessen, was Deutsche unter Gemeinschaft und Zusammenhalt verstehen. Entweder selber ein Ganzes werden oder sich als dienendes Glied dem Ganzen anschließen. Herr oder Hund. Autorität und Gehorsam.
Die Impfzentren sind die Feldlazarette von heute
Da es keine Kriege mehr gibt, die geführt werden können, keine Boxer in China, die Aufstände anzetteln und keine Herero und Nama in Deutsch-Südwest, die der Kolonialmacht trotzen, bietet sich Corona als Ersatzkrieg an. Kanzlerin Merkel nennt den Kampf gegen Corona „eine nationale Kraftanstrengung“, der CSU-Generalsekretär Markus Blume fordert, „das Impfen sollte zur patriotischen Selbstverständlichkeit“ werden, während der Vorsitzende und Kanzlerkandidat der CDU, Armin Laschet, vor einem „Impfnationalismus“ warnt. Die täglichen Reportagen aus den Impfzentren folgen derselben Dramaturgie wie einst die Berichte über die Inbetriebnahme von Feldlazaretten an der Ostfront.
Einige Politiker haben Corona bereits hinter sich gelassen, Gerd Müller z.B., Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Deutschland, sagt er, soll „Vorreiter in der Klimapolitik“ werden, das bedeutet, „über Deutschland hinaus zu denken und noch viel stärker in eine globale Energiewende zu investieren“.
Müller räumt ein, dass ein klimaneutrales Deutschland, „global betrachtet“, nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ wäre, weil „98 Prozent des CO2-Ausstoßes außerhalb Deutschlands stattfindet“, in Deutschland würden nur zwei Prozent erzeugt, nicht gerade viel für einen Vorreiter. Aber genug, um sich so zu fühlen.
Zuerst erschienen in der Zürcher Weltwoche.

Was meint man mit klimaneutral? CO2-emissionsfrei? Vergißt man da nicht (unter anderem) das wesentlich wirksamere Methan? Das entweicht tausendtonnenweise z.B durch die allgegenwärtigen Lecks bei Förderung, Erzeugung und Transport von Erdgas. Nur alten und jungen Deppen kann man einreden, alleine mit der Begrenzung der CO2-Emissionen Klimagott spielen zu können. Aber Dummheit ist schick, und das Netz ist der Speicher.
Die deutsche Bevölkerung ist in einem massiven Wandel. Steter Zuzug und deren biologisches Wachstum werden noch zunehmen. (Heute 1000 Neuankömmlinge auf Lampedusa. Das Zielland ist ja wohl klar).
Ob eine Regierung 2029 noch aus heutigen Parteien bestehen wird und die noch die gleichen Ziele verfolgen wird ist eher unwahrscheinlich. Diese ganzen Ziele und Gesetze werden durch den Großteil der künftigen Bevölkerung nicht akzeptiert und somit gekippt werden. So wie sich heute schon die Wenigsten integrieren wollen. Die FFF’s dürfen dann für die neuen Chefs die Arbeit machen.
Ja, nicht wenige Deutsche haben ihre Bestimmung gefunden. Endlich mal wieder was los. Endlich mal wieder vorangehen. Vorreiter sein. Etwas Großes schaffen. Die Welt retten. Nicht etwa unterwerfen. Nein, retten! Diesmal. Wir retten die Welt vor jeglicher Inzidenz. Wir erklären der Inzidenz den Krieg. Und dem Klima erst recht. Das soll sich in Acht nehmen. Unsere 2% für die Welt. Dem Führer ein Kind. Alle für einen. Das wäre doch gelacht. Wir schaffen das. Ach, endlich wieder was los.
Habe eben bei Anne will grüne Wähler gewinnen, reingehört. Buntlands Intelligenznachwuchs und Baerbock Anbeterin Neubauer, gab ihr Demokratieverständnis zum Besten. Demokratie ist wenn die Partei alles von oben vorgibt. Laschet hätte Maaßen, verhindern müssen. Typisch linksgrünes Gedankengut. Die Parteibasis stört doch nur.
Ich möchte auch gerne meinen Beitrag zum Schutz des Klimas und den Stopp des Klimawandels beitragen. Aber bis jetzt hat mir noch niemand auf Nachfragen sagen können, wie ich das Wetter schützen kann. Kann mir hier jemand helfen???
Klimaneutral bin ich, wenn ich einen 16 Jahre alten SUV fahre, wenn ich mit dem Autoreisezug zu meiner Schwiegermutter nach Sylt reise, wenn ich im Winter zum Skifahren in St.Mpritz war und nicht auf den Malediven, wenn ich meinen Edelstoff Augustiner daheim am Starnberger See trinke und kein Corona aus Mexiko…
Johannes Schuster / 09.05.2021
Woran litt der Schwarzwald nach den Römern ? Kahlschlag !
Bitte höflichst, zu ergänzen : Kahlschlag auch zur Zeit der französichen Besatzungszone ab 1945 – selbst erlebt, und nicht nur das.