Peter Grimm / 19.04.2018 / 12:00 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 11 / Seite ausdrucken

Die Halal-Suppe des Dieter Wonka

Es ist sehr schade, dass die Leipziger Volkszeitung manche Weisheit ihres wichtigsten Mannes in Berlin nicht breit in die Netzgemeinde streut, sondern den Lesern der gedruckten Ausgabe vorbehält, und die wird ja kaum außerhalb des regionalen Verbreitungsgebiets gelesen. Dieter Wonka, so heißt der Mann, der völlig zu Recht u.a. von den Kollegen von Phoenix gern vor die Kamera geholt wird, wenn es gilt, ein gerade stattfindendes politisches Ereignis im Berliner Politikbetrieb richtig einzuordnen, weiß, wie er selbst größte Widersprüche zu einem klaren Bild formen kann.

Bekanntlich ist es die vornehmste Aufgabe von Journalisten, ihrem Publikum beim Sortieren all dieser vielen Informationen aus der unübersichtlichen Welt zu helfen. Was soll man denn zum Beispiel davon halten, wenn die Bundeskanzlerin sagt, „der Islam“ gehöre zu Deutschland und der Bundesinnenminister gleichzeitig das Gegenteil behauptet? Sicher, die Stimme der Kanzlerin ist gewichtiger, aber der Bundesinnenminister ist ja auch nicht irgendwer.

Da ist es doch eine journalistische Glanzleistung, sich an die Fersen des sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Haseloff (CDU) zu heften, um mit ihm eine konsensfähige Islamformel zu finden:

„Zur Beruhigung der Gemüter - man diskutierte gerade die Frage, ob der Islam und/oder Seehofer zu Deutschlands größten Problemen gehören - ließ die CDU-Führung am Montag zur Mittagsverköstigung der Partei-Führungsgremien Hühnersuppe servieren. Sie schmeckte wie immer, hieß es hinterher. Klar, keiner sieht den geschlachteten Hühnern im Teller an, dass sie wie Hunderttausende Artgenossen ihren letzten Lebensschnaufer beim Großproduzenten Wiesenhof im Schlachtbetrieb bei Möckern, Sachsen-Anhalt, gemacht haben. Dort hat Ministerpräsident Rainer Haseloff gerade bei einem Betriebsbesuch erfahren, wie sehr der Islam längst Teil deutscher Wirklichkeit ist. Aus Rücksicht auf den wichtigen Export in muslimische Länder wird das Wiesenhof-Federvieh seit Jahren in Schlachtmaschinen getötet, die nach Mekka ausgerichtet sind - den Startknopf drückt ein muslimischer Mitarbeiter, der dabei den Namen Allahs nennen muss.“

Haben sich nicht gerade die Kirchen von Arbeitsrichtern wieder einmal sagen lassen müssen, dass sie außerhalb religiöser Tätigkeiten bei der Einstellung nicht nach Kirchenzugehörigkeit oder christlichem Glauben fragen dürfen? Um allerdings Allahs Regeln zu folgen, darf ein Schlachtbetrieb darauf achten, dass sein Hühnchen-Schlachter Muslim ist? Prüft der Vorarbeiter oder Meister, ob der Mann an der Schlachtmaschine auch wirklich das Gebet spricht oder wird dazu ein extra Imam engagiert?

Nein, solche kleinkrämerischen Fragen waren für den Ministerpräsidenten, den Berichterstatter oder für beide kein Thema. Viel wichtiger war die Information, dass immerhin für spezielle ostdeutsche Kunden auch noch einige Hähnchen ohne Anrufung Allahs ins Jenseits wechseln:

„Ausgenommen seien nur die aus der DDR-Zeit bekannten „Goldbroiler". Die werden klassisch und nicht rituell geköpft. Haseloff, der über Anekdoten abseits des Berliner Politikalltags sein frisch erworbenes Wissen dem CDU- Vorstand beim gemeinschaftlichen Genuss der Hühnersuppe mitteilte, blickte in erstaunte Gesichter.“

Dieter Wonka vermerkt, dass keiner die Suppe, für die im Namen Allahs geschlachtet wurde, abgelehnt hat und konnte daraus eine weise Schlussfolgerung ableiten:

„Der Islam und halal geschlachtete Hühner gehören einfach zu Deutschland. Und das ist auch gut so.“

Ein Satz, der wie weiland jener ähnlich klingende von Klaus Wowereit hätte Karriere machen können. Aber leider wollten ihn die Kollegen der Leipziger Volkszeitung der Welt nicht angemessen prominent mitteilen. Aber vielleicht nimmt ja Herr Haseloff die Anregung auf. Da würden die Wähler in Sachsen-Anhalt doch nicht widerstehen können, oder?

Dieser Beitrag erschien auch hier auf sichtplatz.de

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost

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Elmar Schürscheid / 19.04.2018

Ich fasse es nicht. Da fällt mir der Kitt aus der Brille. Ich habe mit vielen unmöglichen Dingen gerechnet, doch das haut auch mich noch aus den Schuhen. Aber genau genommen nichts neues. Die Deutschen lieben ihre Schlächter, und…..., sie wählen sie auch selbst!

Elias Truttmann / 19.04.2018

Das Gebrabbel von Wonka soll Satire sein - oder?

Karla Kuhn / 19.04.2018

Von Wonka und anderen “Qualitäts Medien lese ich nichts, und seine “Suppe” soll Wonka selber auslöffeln. Vielleicht verbrennt er sich seine Zunge daran ??

Matthias Braun / 19.04.2018

Na da schmeckt mir doch mein Brathähnchen gleich viel besser, jetzt wo ich weiß,daß es von Allah gesegnet in mein Pfanne hüpft. Kann ich trotzdem noch mein altes,christliches Tischgebet vor dem Verzehr sprechen?

Richard Loewe / 19.04.2018

Bleibt zu ergänzen, dass Wiesenhof für das halal Siegel auf den Hühnchen Geld an eine islamische Organisation zahlt, deren Wirken auf die Islamisierung Deutschlands abzielt. Bezahlen tut das jeder Käufer. Genau wie jeder Steuerzahler die Prämien und Hinterbliebenenrenten für Judenkiller bezahlt. Aber eine Islamisierung findet nicht statt.

Wolfgang Kessler / 19.04.2018

Herr Wonka scheint sich ja gar nicht mehr einzukriegen ob dieser - ja, wie soll ich es anders nennen als - Islamisierung eines Produktionsablaufs. Als Vertreter einer Zunft, die sich doch so gern der Aufklärung verpflichtet fühlt, sollte er besser das Einknicken eines hiesigen Unternehmens vor religiösem Unfug als das darstellen, was es ist: Unterwerfung.

Frank Stricker / 19.04.2018

Hab ich gerade richtig gelesen oder war das nur ein verspäteter Aprilscherz ? Die Firma Wiesenhof hat ihre Produktionsstätten nach Mekka ausgerichtet ?  Frei nach dem Motto, was brauchen wir Ingenieure oder Architekten, wir richten uns nach dem Koran wenn es um unsere Tätigkeit geht.  Da ist man einfach nur noch sprachlos.

Bernd Schöneck / 19.04.2018

Es sei bei dem Fall allerdings angemerkt, dass die Firma Wiesenhof die Halal-Schlachtung auf eigenen Wunsch eingeführt und sich den islamischen Riten unterworfen hat (nämlich um auch in muslimische Länder exportieren zu können). Das liegt im Fall der arbeitsrechtlichen Streitfälle etwas anders.

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