Johannes Eisleben / 04.07.2018 / 06:25 / Foto: U.S. D.D. / 71 / Seite ausdrucken

Merkels Masterplan

Das parteiübergreifende politische Lager rund um Angela Merkel ist schwer erkrankt, und sie ist nur ein besonders auffälliges, krasses Symptom dieses Leidens. Es ist die Krankheit des schleichenden, subtilen Totalitarismus, denn sie alle achten unsere Verfassung nicht, ob bewusst wie Angela Merkel oder aus Unverständnis wie ihre Gesinnungsgenossin Claudia Roth von den Grünen, weder die Budgethoheit des Bundestages (Eurorettung), noch die Meinungsfreiheit (Netzwerkdurchsetzungs-Gesetz, "NetzDG"), noch die Kommunikations- und Vertragsfreiheit (Datenschutz-Grundverordnung, "DS-GVO"), vor allem aber nicht die fundamentalen Charakteristika der Staatlichkeit, die die Verfassung definiert: Grenzen und innere Ordnung. Dabei sind sie im Rahmen der EU und ihrer Organe in bester Gesellschaft, denn gemeinsam mit deren Protagonisten wollen sie den Nationalstaat als Ort der politischen Willensbildung abschaffen, um einen supernationalen, riesigen EU-Staat zu schaffen, in dem sich ökonomische Großziele leichter, ohne störende demokratische Partizipation und Rechtsstaatlichkeit umsetzen lassen.

Das ist fast unmöglich, sind die politischen Machtzentren Europas doch aus einer sehr langen historischen und kulturellen Entwicklung entstanden, die im Frühmittelalter begonnen hat und deren Hauptmotive Christianisierung, Herausbildung abstrakter Staatlichkeit, Renaissance, Reformation, Entstehung des Rechtsstaats, Demokratisierung und Industrialisierung waren. Diese Entwicklung bewahrt uns vor der Abschaffung der Nationalstaaten. Sie ist tief in die Identität der Menschen eingeschrieben, bewusst und unbewusst wird sie tradiert und gepflegt, weil diese Tradierungsarbeit den modernen Homo sapiens als Mängelwesen überlebensfähig macht (Arnold Gehlen).

Das Beispiel des Nationalsozialismus mit Holocaust und Weltkrieg zeigt sehr gut, dass noch nicht einmal eine gigantische Katastrophe diesen Ausmaßes, gefolgt von mehr als zwei Generationen währender Indoktrination zur Überwindung traditioneller Identität seit Ende der 1940er (DDR) und Mitte der 1960er Jahre (BRD), den Menschen die tiefe Gewissheit ihrer Identität als Sachsen, Bayern, Hamburger, Schwaben oder Westfalen und auch als Deutsche nehmen kann. Für das europäische Ausland gilt das genauso.

Kein EU-Staat bei intakter Identität

Solange die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung unseres Kontinents diese Identitäten pflegt und einen wichtigen Teil der eigenen Individuation daraus gewinnt, wird der Nationalstaat nicht zu überwinden sein. Damit bleibt es auch bei einem ausgeprägten Partizipationswunsch und bei vollwertigen Rechtssubjekten. Beides steht der Planung und Umsetzung des EU-Supranationalstaats im Wege, wie man immer dann sieht, wenn die Bürger über EU-Vorhaben direkt abstimmen können. Wie kann man eine solch starke Identität überwinden, wenn man den Nationalstaat abschaffen will?

Wir wissen alle, und der denkfähige Teil des Merkel-Lagers weiß es auch, dass Migration aus Afrika und den islamischen Ländern des Orients ganz überwiegend Wirtschaftsmigration ist, die unserem Land weder ökonomisch noch kulturell oder politisch nutzt, sondern uns in allen diesen Dimensionen schadet, weil es realistischerweise zu keiner Assimilation kommen wird: Das wiederum wissen wir aus 45 Jahren Erfahrung mit muslimischen Migranten aus der Türkei, die sich nie assimiliert haben, obwohl sie – anders als die heutigen Migranten – sogar in den Arbeitsmarkt integriert waren und immer noch sind. 

Im übrigen führt jede Zuwanderung, die die Assimilationskapazität übersteigt, zu Parallelgesellschaften (Paul Collier). Die Migration ist eindeutig illegal, auch das weiß das Merkel-Lager, denn unsere Verfassung legt in Artikel 16 Abs. 2 klar fest, dass niemand asylberechtigt ist, der Deutschland auf dem Landweg betritt (auch der Luftweg ist eingeschränkt). Selbstverständlich ist das Verfassungsrecht auch stärker als das EU-Recht, auf das sich das Merkel-Lager laufend beruft, denn laut Bundesverfassungsgericht hat jenes immer Primat vor diesem. 

Warum wird die Migration dann gefördert? Die einzige Chance, den Nationalstaat zu überwinden, ist die Minorisierung der eigenen Bevölkerung oder zumindest die Auflösung ihrer kulturellen Kohärenz. Da die derzeitige Migration keinen anderen rationalen Zweck hat und nichts als schadet, muss man annehmen, dass sie aus Sicht eines rationalen Akteurs, und den haben wir in Gestalt von Frau Merkel vor uns, nur dem Ziel der Identitätszersetzung dienen kann. Dies ist dem Kern des Pro-Migrationslagers vollkommen klar.

Humanistische Kaschierung der eigentlichen Absicht

Der Plan würde auch einwandfrei gelingen, falls man so weiter macht. In ein bis zwei Generationen wären dann die historisch durch moderate Migration mit vollständiger Assimilation entstandenen Stammbevölkerungen Europas minorisiert oder zumindest kulturell vollkommen inkohärent und vereinzelt.

Scheinbar, vom Reißbrett der EU-europäischen Großplanung aus gesehen, hätte man dann eine identitätsarme Bevölkerung geschaffen, die zur eigenen politischen Willensbildung zu schwach und als Rechtssubjekt vernachlässigbar und darum perfekt beherrschbar wäre. Dies ist das Ziel der wissenden, kalkulierenden Migrationsbefürworter, denn Rechtssubjekte lassen sich schlecht beherrschen, obwohl man es mit Verordnungen wie der Datenschutz-Grundverordnung DS-GVO ja redlich versucht.

Diese eigentliche Absicht des Pro-Migrationslagers wird durch einen plumpen, utopistischen Humanitarismus kaschiert. Die naiven Migrationsbefürworter wie die evangelische Kirche, Teile der Linken, der SPD- oder Grünen-Mitglieder fallen darauf herein. Sie sehen nicht, dass diese Migration menschenverachtend ist, weil sie die Herkunftsländer um Entwicklungschancen bringt und in den Zielländern der Migration die Sozialsysteme, die öffentliche Ordnung und den inneren Frieden zerstört, eine eisenharte Konkurrenz zu unseren eigenen sozial Schwachen erzeugt, zu einem massivem Anstieg der Gewalttaten führt, die wirtschaftliche Entwicklung hemmt und mit der Zeit den sozio-ökonomischen Niedergang bedeutet – was letztlich auch heißt, dass wir niemandem mehr helfen können werden, weder bei uns noch im Ausland.

Der Masterplan der Minorisierung und kulturellen Vereinzelung der eigenen Bevölkerung wird also niemals aufgehen – sondern Europa würde, nachdem es im 7. Jahrhundert unter anderem durch die islamische Expansion fast seiner Kernidentität (Humanismus und Christentum) beraubt worden wäre, tatsächlich 2.000 Jahre nach Beginn seiner Entstehung durch unkontrollierte Migration seinen Charakter verlieren, dem wir Wissenschaft, das Individuum in unserem Sinne, den Rechtsstaat und die Demokratie verdanken. 

Alte dekadente BRD-Männer gegen Totalitarismus-Produkt der DDR

Am Montagabend, den 2. Juli 2018, mussten wir erleben, dass auch die CSU Teil des Merkellagers bleibt. Die beschlossenen Maßnahmen werden die Migration nicht stoppen, und genau das will Frau Merkel auch nicht, sondern sie will jeden ihr verbleibenden Tag im Amt – und sie weiß, dass ihreTage gezählt sind – dazu nutzen, dass mehr Migranten in unser Land kommen. Warum hat die CSU erneut darin versagt, den Rechtsstaat wiederherzustellen und unser Land zu schützen? Nun, die Verhandlungsteilnehmer der CSU sind alle Schönwetterpolitiker der alten BRD. Nie haben sie Not oder Krieg erlebt, und ihre größten persönlichen Herausforderungen waren innerparteiliche Machtkämpfe und vielleicht noch Eheprobleme. Sie haben nie wirklich harte Probleme gelöst oder gelernt, sich ernsthaft zu wehren, wenn echte Gefahr droht – offensichtlich haben sie gar verlernt, sie zu erkennen (siehe Euro-Rettung). 

Frau Merkel hingegen wurde in einem totalitären System als vitale Führungskraft ausgebildet, sie weiß, was Macht wirklich ist, wie man sie erwirbt, erhält und nutzt und auch, wie man ernsthafte Probleme damit löst. 2015 hat sie die einmalige Chance erkannt, Kraft ihres Handelns unser Land durch eine langsame Zersetzung seiner Bevölkerung für immer zu verändern und damit die ihr wesensfremde Kultur des Rechtsstaats zu zersetzen. Diese Chance hat sie äußerst beherzt ergriffen und umgesetzt, und sie hält weiter an ihrem Ziel der destruktiven Migration fest: Das zeigt der Scheinkompromiss eindeutig. So kann nur handeln, wer Demokratie und Recht in seinem Herzen ablehnt. 

Diese Migrationspolitik ist totalitär, denn sie verachtet zur Durchsetzung des utopistischen Ziels eines EU-Staats den nationalen Rechts- und Ordnungsstaat. Die schwachen Schönwetterpolitiker der CSU haben dem nichts entgegenzusetzen. Für das Linsengericht des Koalitionserhalts opfern sie den Rechtsstaat und die innere Ordnung unseres Landes. Wenn das Merkel-Lager so weiter macht, bekommen wir erst eine Opposition und dann eine Regierung, gegen die der üble Teil der heutigen AfD wohlerzogen wirken wird. Und dann Gnade uns Gott.

Siehe zum gleichen Thema:

Will Merkel das Grundgesetz “europäisch” aufkündigen?

Merkel-Internationale auf der Rutschbahn

Linke Migrations-Fantasien: Die Revolution soll einwandern

Erfolgsmodell Schweiz: Dorn im Auge der EU-Nomenklatura

Die anonyme Ideologie

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Leserpost (71)
Jens Richter / 04.07.2018

Liest sich schlüssig, bleibt aber eine Annahme. Es kann auch sein, dass Honeckers Mädchen einfach den letzten Wunsch ihres Meisters erfüllen und die verhasste BRD zerstören will.  Im übrigen würde das alles auch bedeuten, dass die EU ein islamischer Superstaat unter islamischer Herrschaft werden soll, dem sich die jetzigen “Eliten” auch unterwerfen müssten, denn dass sich stolze Muslime von ein paar übrig gebliebenen weißen Säcken und Säckinnen regieren lassen, glaubt doch hoffentlich niemand.

Florian Bode / 04.07.2018

Mit der Zerstörung der Kohärenz der Gesellschaft wird auch der Wille zur direkten Hilfeleistung außerhalb der Familie (des Clans) zerstört werden. Dinge wie “Nachbarschaftshilfe” oder der Zusammenhalt einer Gemeinde, eines Ortsteils werden dann als Relikte der Vergangenheit bestaunt werden. Genauso wird die Akzeptanz der Autorität des Staates verschwinden. Der Staat wird seinen Willen polizeilich/militärisch durchsetzten müssen oder zur Lachnummer werden. Einen Rundfunkbeitrag wird man mit Gewalt einziehen müssen. Naja, hautpsache Merkel, Juncker, Marx und Bedford-Strohn können sich in ihrer realitätsverachtenden Hypermoral weiter gut fühlen.

Sepp Kneip / 04.07.2018

Man hat selten einen so treffenden Artikel über die wahren Absichten der Merkel’schen “Flüchtlings”-Politik gelesen. Allerdings gibt es die Plattform “Fassadenkratzer”, die gerade die Migrationspolitik der Weltveränderer sehr kritisch unter die Lupe nimmt. Warum ist eigentlich nicht möglich, die Merkel’schen Absichten dem breiten Publikum zugänglich zu machen? Ja, der Mainstream spielt da nicht mit. Warum eigentlich nicht? Welche Sanktionen hätten die zu erwarten, die in großem Stil dem Bürger die Wahrheit sagen würden? Wie können die Strippenzieher, denen Merkel folgt, solche Macht ausüben? Fragen über Fragen. Ist es ein Wunder, wenn auch die Kirchen in dem Chor der Multikulturalisten mitsingen? War doch Peter Sutherland, einer der größten Befürworter der Umvolkung, Berater des derzeitigen Papstes. Ja, diese Herrschaften spinnen ihre Netze bis tief in alle Bereiche. Ich gebe Ihnen Recht, die Merkel’sche Politik verändert Deutschland. Das hat sie jetzt schon. Sind doch diejenigen, die derzeit Deutschland regieren bereits ganz auf der Linie der “Welterneuerer”, obwohl keiner weiß, wie die Welt dann aussehen soll. Sie können aber nicht die, die als echte Oppopsition das verhindern wollen, jetzt als den Schrecken an die Wand malen, der dann regieren könnte. Oder meinen Sie mit Ihrem letzten Satz die “Welterneuerer”, vor denen Sie Gottes Gnade erflehen? Dann gebe ich Ihnen wieder Recht.

Günter Jania / 04.07.2018

Hervorragende Analyse! Kein Zweifel, es gibt im Bundestag jede Menge dummes Volk, aber auch ich glaube nicht, dass Frau Merkel dazu gehört. Sie wird höchstwahrscheinlich sehr genau wissen, welche Folgen ihre Politik haben wird - so wie jeder vernunftbegabte Mensch das weiß. Rudelverhalten liegt in unseren Genen, das hat die Geschichte und auch die Gegenwart empirisch bewiesen: Siehe Irland, Belgien, Spanien, Jugoslawien, Kanada, Naher und Mittlerer Osten, Ruanda, … Wenn es hart auf hart kommt, hält jeder zu seinem Rudel. Und bis es hart auf hart kommt, ist immer nur eine Frage der Zeit! In Kosovo haben Muslime und Christen jahrzehntelang Tür an Tür gewohnt, gute nachbarschaftliche Beziehungen gepflegt, die gleiche Sprache gesprochen, untereinander geheiratet, bis eines Tages der Hass da war und das Morden begann, das in seiner Heftigkeit sogar die Kosovaren selbst überraschte. Überall entlang der Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen, wie bei den tektonischen Platten in der Erdkruste, kann und wird es auch zu Spannungen kommen, die sich irgendwann auch erdbebengleich entladen werden. Solche tektonische Grenzlinien bilden sich entlang von Kulturen, Moralvorstellungen, Religionen, Traditionen und nicht zuletzt entlang von Ethnien, Aussehen, Staatsgrenzen, Nationalfarben, Fußballvereinen, Nord und Süd usw. Wir finden immer wieder Motive und Unterschiede, selbst wenn es irgendwann nur noch eine Menschenrasse geben sollte, um uns abzugrenzen und unsere Rudel zu bilden. Unlängst habe ich mich über ein ähnliches Thema mit meinen Arbeitskollegen unterhalten. Da wurde die Meinung geäußert, dass alles nur eine Frage des Bewusstseins und der Erziehung wäre. Wenn man drei Kinder - ein weißes, ein schwarzes, ein gelbes - auf eine Insel bringen würde, und diese zusammen aufwachsen würden, wäre alles wunderbar und in Butter. Ich glaube das allerdings nicht. Früher oder später stünde es, aus welchen Gründen auch immer, zwei zu eins. Erst noch wenn es mehrere Kinder

Gernot Radtke / 04.07.2018

Ausgezeichneter Essay! Bis auf die Grätsche am Schluß der Ausführungen. Nehmen Sie, verehrter Herr Eisleben, doch bitte zur Kenntnis, daß der überwiegende Teil des AfD-Wähleranhangs enttäuschte Sozialdemokraten und Liberal-Konservative sind, die sich, gewiß auch wegen mangelnder Alternativen zum Merkelblock, der AfD zugewendet haben. Von denen geht gewiß nichts aus, vor dem uns nur noch die ‘Gottes Gnade’ bewahren könnte. Es sind überwiegend tüchtige, verantwortlich im Leben stehende Bürger, die genau diejenige republikanische Zersetzung befürchten, vor der Sie in Ihrem Beitrag so eindrücklich warnen. Wollen Sie etwa alleine gegen Merkels Masterplan angehen?

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