Rainer Bonhorst / 09.06.2019 / 13:30 / Foto: DonRosa / 11 / Seite ausdrucken

85 Jahre Donald Duck – eine Ente unserer Zeit 

In diesen politisch unruhigen Zeiten empfiehlt es sich, ab und zu ein bisschen Zeit den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu widmen. Darum hier einige Zeilen zum 85. Geburtstag von Donald Duck. 

Die Ente, genauer: der Erpel kann dank seiner 85 Jahre als eine Symbolfigur unserer Epoche gelten. Er selber ist Vorkriegskind und erlebt, ähnlich wie so viele Human-Zeitgenossen, heute als alter weißer Erpel prekäre späte Jahre am Rande einer bunten und gegenderten Gesellschaft. Einerseits hat Donald um sich herum Jahrzehnte des scheinbar unaufhaltsamen Aufstieges beobachtet. Und doch war und ist er – auch dies kann als symbolhaft gelten – eine zutiefst unglückliche Gestalt.

Dieses Unglück im Überfluss macht ihn zu einer hochmodernen Figur. Ja, fast wirkt die Ente als Unglücksrabe wie die gefiederte Verkörperung unserer von German angstgeplagten Landsleute. Und tatsächlich ist der Uramerikaner erst in Deutschland zu dem geworden, was er ist. In seiner amerikanischen Heimat ist er lange ein eindimensionaler Charakter geblieben, ein cholerischer Pechvogel, mehr nicht.

In Deutschland ist er dank der mütterlichen Betreuung durch Erika Fuchs zu einer Ente mit Tiefgang herangereift. Die Übersetzerin hat ihn und sein Comic-Team nicht nur sprachlich durch ihr „ächz, stöhn, fluch!“ literarisch auf eine höhere Ebene gehoben. Donald Duck ist unter ihrer Ägide zur großen tragischen Gestalt geworden, ein ewig Strebender und doch an seinen Unzulänglichkeiten immer wieder Scheiternder. Es wäre übertrieben, ihn faustisch zu nennen, aber auch bei ihm handelt es sich zuweilen um das moralische Scheitern eines von menschlichem Sehnen Getriebenen. 

So unterlag, um nur ein Beispiel zu nennen, Donald Duck einst am Nordpol wieder einmal dem Glückspilz Gustav Gans. Im fairen Wettkampf? Nein. Donald versuchte, den Konkurrenten mit einer falschen Wegekarte teuflisch austricksen. Vergebens. Gustav, der amoralische Müßiggänger gewann den Preis und konnte sich obendrein über seinen Vetter moralisch erheben. Auf dessen verzweifelte Frage, warum er schon wieder das Nachsehen hatte, sagte Gustav in der Pose eines Ethikrats: „Weil du eine Karte gefälscht hast!“

„Weil du nicht an die Erderwärmung glaubst“

Das ist eine Episode aus alter Zeit. Heute, da Klimawandel und abschmelzende Gletscher unsere tägliche Bedrohung sind, würde der polare Wettlauf sicher anders enden. Gustav Gans würde dem unterlegenen Donald die Niederlage mit den Worten erklären: „Weil du nicht an die Erderwärmung glaubst.“

Damit kommen wir zu der Frage, wie relevant Donald Duck und sein Team für die heutige Zeit und für uns Deutsche sind. Wer zum Beispiel könnte der Unglücksvogel sein, der in seiner Not nicht weiß, wie ihm geschieht? Hier drängt sich keine Einzelperson auf, wohl aber eine Personengruppe, die unter dem Label „SPD“ firmiert. Ja, die SPD ist der Donald Duck unserer Tage. Sie hat zwar keine Karte gefälscht, hat aber im Packeis unserer bitterkalten Politik die Orientierung verloren.

Gibt es einen ewig gewinnenden Gustav Gans? Etwa die Grünen? Nein, die sind eher wie Donalds Neffen Tick, Trick und Track – weniger verwirrt als ihr Onkel, aber eben doch nur Neffen. Sie sind allseits beliebt, geradezu zum Knuddeln, aber es ist ungewiss, ob sie in der politischen Erwachsenenwelt auf Dauer einen Spitzenplatz behaupten können. Andererseits ist es nicht verwunderlich, dass schlaue Neffen einem konfusen Onkel über den Kopf wachsen.

Wer sonst könnte Gustav Gans sein? Friedrich Merz sieht ein bisschen aus wie der selbstverliebte Gustav. Und im Personal-Geschnatter der CDU um Daisy Duck, die als AKK eine Randfigur der Geschichte bleiben könnte, könnte er am Ende der Gewinner werden. Allerdings umgibt ihn auch ein Hauch von Dagobert Duck. Und diesen stinkreichen Onkel schließt man nicht so leicht ins Herz.

Letzten Endes muss Donald Duck eben doch allein für sich stehen. Er muss sich weiter an der Armutsgrenze mitten im Reichtum durchboxen: als  Zielgruppenente der Linken. Aber selbst eine grünrotrote Koalition wir ihn kaum aus seiner Hartz-Vier-Wut befreien können. Donald Duck wird nie ein Gustav Gans werden und schon gar kein Onkel Dagobert. 

Oder vielleicht doch? Schließlich ist Mr. Duck kein gebürtiger Deutscher sondern ein Amerikaner. Er kann als „white trash“ seinen Namensvetter Donald noch einmal ins weiße Haus wählen, in der Hoffnung doch noch ein Dagobert Duck zu werden. Das ist schließlich der american dream: vom Donald zum Dagobert. Oder vom Donald Duck zum Donald Trump.     

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

WOLF-D. SCHLEUNING / 09.06.2019

Es fehlen: Franz Gans/Martin Schulz, Schweinchen Schlau/Phillip Amthor, und vor allem Angela Merkel/Gundel Gaukeley.

Emmerich D. Erpelsterz / 09.06.2019

Die SPD sei der Donald Duck dieser Tage? Unfassbar! Diese Formulierung dürfte in der Blog-, ach was sage ich, in der Pressegeschichte der letzten beiden Jahrhunderte ohne Beispiel sein. Es ist höchste Zeit, den Begriff des “Sitzredakteurs” wieder ernst zu nehmen, denn es ist unvermeidlich, den oder die Verantwortlichen für diese Ungeheuerlichkeit vor ein Tribunal zu zerren. Jeden Schurken aus der Geschichte könnte man eher heranziehen, um einen Bezug zur SPD herzustellen. Schnorchel Schachermann, Kasimir Koeberle… Ganz egal. Aber Duck? Diese durch und durch ehrliche Haut. Eine SPD wäre in Entenhausen nicht vorstellbar. Erst recht nicht in persona Donald Duck. Ich fürchte, Achgut muss zur Ordnung gerufen werden, quid quod bonus malus fidibus! Sie hören von mir!

Anders Dairie / 09.06.2019

Mir gefiel immer, dass diese “Brut” selten oder nie mit Alkohol und Drogen in Verbindung kam. Die Redaktion hat die gute Erziehung der lesenden Jugend wenigstens versucht.  Obwohl Enten durch jede Mengen Gras watscheln.  Mit Tiefgang, wie ich lese.  Auch dafür einen Glückwunsch zum 85-sten.

Alexander Peter / 09.06.2019

DD ist ein Einzelkämpfer, stets tapfer Anerkennung, Erfolg, Glück und Daisy hinterher jagend. Gleichwohl sind seine Antipoden, Gustav, Nachbar Zorngiebel, A und B-Hörnchen, ihm stets mindestens eine Schnabellänge voraus. Im Grunde seines Herzens Romantiker (“Und liege ich derheinst auf der Baahare, dann legt mir meine Guitaahare mit ins Grab”) und Optimist ist er ein ewiger Verfechter des American Way of Life for Ducks. Erfolglos in vielen Berufen, käme er nie auf die Idee, nach “Vater Staat” zu rufen. Alleine das unterscheidet ihn sehr gründlich vom Kollektiv SPD (“schreiten Seit an Seit”), das stets das Gute will und stets das ....lassen wir das. Auch würde Daisy “Andrea” erst einmal zu einem Benimmkurs schleppen, Schminktipps geben und die vierschrötige, trampelige Ex-Vorsitzende (demnächst wahrscheinlich auf einem gutdotierten Versorgungsposten zu finden) neu einkleiden. Ne, diese miesepetrige Truppe hat mit Donald nix gemein.

Friedrich Neureich / 09.06.2019

“Sie hat zwar keine Karte gefälscht”: Doch, genau so würde ich den Verrat der SPD an allen ursprünglich sozialdemokratischen Idealen bezeichnen. @Frank Stricker - Düsentriebs gibt es in DE fast keine mehr, nur noch grüne Drüsendiebs.

Andreas Rühl / 09.06.2019

Witzisch. Es ist und bleibt eine grandiose Idee, eine ente in einen matrosenanzug zu stecken. Wilhelms streben nach dem Platz an der Sonne wird damit auch noch nach Jahrzehnten ein Denkmal gesetzt. Versager werden immer populaerer sein als die Sieger, die auch nur auf Abruf Sieger sind. Verlierer des Lebensspiels ist jeder. Das wissen alle. Und lieben diese ente.

Wolfgang Kaufmann / 09.06.2019

Und die einzige Opposition besteht aus mürrischen Zeitgenossen wie 176-167, 176-176, 176-617, 176-671, 176-716 und 176-761, deren Fahndungsfotos und Schandtaten ganze Zeitungen füllen. Da danken Tick, Trick und Track und das ganze Fähnlein Fieselschweif doch täglich dem lieben Gott, dass sie kein „Pack“ sind so sind wie jene.

H.Milde / 09.06.2019

Donald schon 85? Jubel, jubel, klatsch,klatsch,klatsch! Danke für den Beitrag, vielleicht gibt´s noch mehr über Donals & Co, als Spiegelbild unserer Politwelt, Rubrik “Neues aus Entenhausen, in Donaldistan”, da es ja kein “Antidepressivum” mehr von Archi W. Bechlenberg geben wird? Seufz, ächz, heul.

Jan Stunnenberg / 09.06.2019

Gustav Gans würde dem unterlegenen Donald die Niederlage mit den Worten erklären: „Weil du die Wetterdaten gefälscht hast!“

Lef Kalender / 09.06.2019

War da nicht auch Oma Duck, die letzte, die damals noch ihr Elektroauto fuhr, als der Verbrennerboom schon begonnen hatte? Heute forden die selbsternannten Konservativen (F!F!F!) die Wiederauferstehung von Omas Auto - schon kurios.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Rainer Bonhorst / 20.08.2019 / 16:30 / 0

Das hohe Me-too

In Salzburg, wo man ein Herz hat und die Musik liebt, darf Placido Domingo noch auftreten. Ein Gnadenakt für den Sänger und Dirigenten, um den…/ mehr

Rainer Bonhorst / 16.06.2019 / 13:00 / 19

Nachruf auf den Humor

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Aber wer soll lachen, wenn der Humor selber verschwindet? Die New York Times hat den gezeichneten politischen Humor aus der Zeitung…/ mehr

Rainer Bonhorst / 30.04.2019 / 12:00 / 4

Ein EU-ferner Marathon

Hier ein weiterer kurzer Hinweis darauf, dass England nicht hundertprozentig in die bierernste Europäische Union passt. Ich spreche (respektive schreibe) vom London Marathon, der wieder…/ mehr

Rainer Bonhorst / 11.03.2019 / 15:00 / 5

Sind wir die „Verkrampften“?

Hat Annegret Kramp-Karrenbauer recht, wenn sie sagt, dass wir Deutschen die verkrampfteste Nation der Welt sind? Ihr selbst gewählter Kalauer auf den Vorderteil ihres Doppelnamens,…/ mehr

Rainer Bonhorst / 05.03.2019 / 14:00 / 21

Zum Faschings-Ende eine politische Humor-Analyse

Morgen, am Mittwoch, ist es geschafft. Darum zum Ende der Narretei schnell noch eine wissenschaftlich leider nicht tragfähige Humor-Analyse unter besonderer Berücksichtigung des Politiker-Humors und…/ mehr

Rainer Bonhorst / 28.02.2019 / 15:00 / 20

Über betagte hellhäutige Personen nichtweiblichen Geschlechts 

Schon wieder musste ich mich mit dem bescheuerten Begriff „alter weißer Mann“ herumschlagen. Ich halte diesen Begriff für das Unwort der Saison, vorzugsweise benutzt von…/ mehr

Rainer Bonhorst / 08.02.2019 / 06:15 / 20

Sie hat unser Traum-England geschaffen

Mitten im Brexit-Tumult sollten wir an England als deutschen Sehnsuchtsort denken. Dieses England hat für uns die jetzt verstorbene Rosamunde Pilcher geschaffen, unterstützt von der…/ mehr

Rainer Bonhorst / 06.12.2018 / 16:00 / 13

Mein gemischter Freistaat

Bayern feiert zur Zeit hundert Jahre Bayern. Genauer: hundert Jahre Freistaat Bayern. Die Bayern gibt es natürlich schon viel länger. Schon so lange, dass man…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com