Gerald Wolf, Gastautor / 01.06.2021 / 14:00 / Foto: Raimond Spekking / 11 / Seite ausdrucken

Wissenschaftler sind nicht Glaubenschaftler

Was glauben und was nicht? Nehmen wir mal den Glauben an den Elefantengott Ganesha oder an den menschgemachten Klimawandel. Da so viele Andere ebenfalls daran glauben, kann das nicht völlig falsch sein. Es soll Menschen geben, die an nichts glauben, noch nicht einmal an sich selbst. Notorische Skeptiker sind das. Ganz sicher zählen sie nicht zu den Glücklichsten, womöglich noch nicht einmal zu den Glücklichen. Wie glücklich hingegen Kinder schauen, die soeben vom Weihnachtsmann beschenkt worden sind, oder Schüler, wenn sie für ihren Deutsch-Aufsatz ganz unverhofft eine Eins bekommen haben.

Jedermann und jedefrau schauen glücklich drein, wenn sie sich von Anderen bestätigt wähnen oder –­ was ist mehr? –­ geliebt. Wie gut das Geliebtwerden tut. Auch dem, der die Gutgläubigkeit des Anderen gar nicht verdient. Menschen, die, im Rampenlicht stehend, gewohnt sind, dass man an sie und ihre Fähigkeiten glaubt, geben sich mitunter recht bescheiden, wenn sie bejubelt werden. Sie stehen Modell für die vielen da unten, die liebend gern mit ihnen tauschten. Mitunter führt das geradewegs in die Glaubensraserei.

So sympathisch das mit dem Glauben und der Glaubensfähigkeit ist oder scheinen mag, es gibt eine Kehrseite. Allzu viele haben an den Sozialismus geglaubt, an den nationalen der Marke Stalin oder Mao oder Hitler. Oder an den von Ulbricht und Honecker. Andere setzen stattdessen auf den Glauben an den einen alleinigen Gott. Wohl wissend, dass er, wenn er es denn tatsächlich sein sollte, Kinder verstümmelt zur Welt kommen lässt oder noch bevor sie eine Sünde begehen können, zu Kranken macht, ja, sie sterben lässt. Unverzagt wird dennoch weitergeglaubt, von so vielen. Auch an irgendwelche Chefs oder Politiker, die das wahrlich nicht verdienen.

Doch gibt es zum Glauben immer eine Alternative: das Wissen. Und wenn das Wissen nicht zur Verfügung steht oder nicht ausreicht, dann ist es das Wissen um das Nicht-Wissen. Dieses in Wissen zu verwandeln, verlangt Anstrengung. Sofern es sich um ein persönliches Defizit handelt, dann durch Nachschlagen in Büchern und Zeitschriften, durch Befragen von Personen, die über das entsprechende Wissen verfügen, oder, heutzutage recht einfach, durch Klicken im Internet. Sind die Wissenslücken grundsätzlicher Art, ist es Sache von Wissenschaftlern, diese zu schließen. Sie beginnen dann mit einer Annahme, dass etwas so oder so sei, mit einer Hypothese also, aber mit dem Ziel, die Hypothese schnell durch Wissen zu bestätigen. Oder, auch das, die Hypothese abzulehnen.

Neue Erkenntnisse werden selten unwidersprochen akzeptiert

Die Anzahl von Wissenschaftlern geht heutzutage in die Millionen und Abermillionen. Ob das, was sie herausfinden, korrekt ist, wird in der Praxis entschieden oder, so in der Grundlagenforschung, über den Diskurs in der Fachöffentlichkeit. Und der zieht sich oft lange hin. Kaum jemals werden neuere Erkenntnisse unwidersprochen akzeptiert. Und immer gibt es dafür ausreichend Gründe, denn was schon ist so eindeutig wie das Ohmsche oder das Hebelgesetz. Oder die Erkenntnis, dass die Erbinformation durch Nukleinsäuremoleküle verschlüsselt wird. Doch sei gewarnt: Regelmäßig kommt es in der Wissenschaft zu Entgleisungen der pseudowissenschaftlichen Art.

Zum Beispiel wird bis zum heutigen Tag von vielen Neurowissenschaftlern glauben gemacht, irgendwann einmal durch ihre Methoden herausfinden zu können, wie unser Gehirn denkt, fühlt und glaubt – ein Gestrüpp aus hundert Milliarden Nervenzellen und dem Tausendfachen an synaptischen Verbindungen. Ich selbst habe das lange Zeit auch geglaubt. Wie ich heute weiß, ist in Anbetracht der astronomisch, ja „überastronomisch“ hohen Zahl von informationellen Kombinationsmöglichkeiten die Hoffnung auf eine solche Analyse geradezu absurd.

Machen wir uns nichts vor, wie in der Politik oder in der Wirtschaft ist es auch in der Wissenschaft gang und gäbe, irgendwelche Behauptungen auf Sockel zu heben, um daraus Dogmen zu machen, Doktrinen zu stricken. Alternative Befunde werden dann kurzerhand verworfen, vertuscht oder als „umstritten“ gebrandmarkt. Bedenklich, wenn dies mit politischem Rückenwind geschieht. Dann werden widersprechende Resultate oder Auffassungen in aller Öffentlichkeit verleumdet und deren Urheber verächtlich gemacht oder zum Schweigen gebracht. Im Regelfall genügt die Androhung von beruflichen Nachteilen.

Entsetzlich, wie man in der Sowjetunion zu Stalins Zeiten die Wissenschaft verbog. Hier wurde eine Irrlehre des Agarwissenschaftlers Trofim Denissowitsch Lyssenko, die der Vererbung erworbener Eigenschaften, zur Staatsdoktrin erhoben, um mit ihr zum Sturm gegen die „faschistische“ Genetik zu blasen. Auf so manche Genetiker warteten Konzentrationslager, die Gulags, wo ihnen der Tod drohte. In der DDR wurde der Kampf mit minderer Gewalt geführt, da das Land mit hochangesehenen, mutigen Genetikern aufwartete, die das Schlimmste verhüteten.

Dennoch sind auch hier erbliche Einflüsse auf die geistige Entwicklung des Menschen rundweg geleugnet worden, Erziehung und Umwelt seien die einzigen Faktoren, auf die es ankäme. Lyssenkos Theorie der Vererbung erworbener Eigenschaften folgend, wollte man den „neuen sozialistischen Menschentyp“ kreieren. Und auch hier fanden sich nicht zu knapp Menschen, die diese Ansichten unterstützten und für die Verbreitung des Dogmas sorgten. Den meisten der anderen fehlte der Mumm zum Widerstand. Vom Bildungsweg her waren sie Wissenschaftler, doch verdienten sie diese Bezeichnung nicht.

Glaube, Wissenschaft und Pseudowissenschaft

Das Wort „Glauben“ verbinden wir klischeehaft mit Religion. Dabei ist die Glaubensfähigkeit eine der Voraussetzungen, um überleben zu können. Andernfalls würden wir uns kaum aus der Wohnung und kaum aus dem Haus getrauen, oder in eine Einkaufspassage, geschweige denn auf ein Fahrrad oder in ein Auto, weil uns ja überall etwas Schlimmes passieren könnte. Dabei sind wir geradezu erpicht darauf, die Risiken, die das Leben nun mal bereithält, zu minimieren. Da heißt es, den Organismus mit genügend Vitaminen, Calcium, Magnesium, Eisen und Spurenelementen zu beliefern und zugleich ein Übermaß zu vermeiden. Auf den Lebensmittelangebot sollte „Bio“ stehen, „gentechnikfrei“ und nach Möglichkeit „vegan“, „laktose-“ sowie „glutenfrei“. Für ausreichend Bewegung ist zu sorgen, körperlich wie geistig. Am besten Sport, aber nicht zu intensiv. Wir glauben das einfach, ja, bilden uns ein, als ob wir das alles genau wüssten.

Indem die Corona-Ängste langsam zurückgefahren werden, nehmen zeitgleich die Sorgen um den Klimaschutz wieder den obersten Rang ein. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre wächst ständig, da der Mensch, heißt es, fossile Energieträger in Unmassen verbrenne. Würde das 2-Grad-Ziel verfehlt, käme es zu einer weltumfassenden Umweltkatastrophe, die die Natur und mit ihr die Menschheit nicht übersteht. Schon jetzt breiteten sich überall die Wüsten aus, heißt es, und die Versteppung nähme zu.

Anderen will das nicht gefallen. Im Gegenteil, sagen sie, CO2 sei ein wichtiger Pflanzendünger, und tatsächlich würde die Erde dank der höheren CO2-Konzentration  immer grüner, immer üppiger. Der Zugewinn an vergrünter Landmasse wäre mittlerweile doppelt so groß wie die Landfläche der USA. Offenkundig soll damit Verwirrung gestiftet werden, warum sonst suchen immer mehr Menschen aus anderen Ländern bei uns Zuflucht, allzumal Umweltflüchtlinge? Denn, so weiß man, wir sind ein reiches Land und können es uns leisten, allen diesen Menschen Schutz zu gewähren. Oder auch das harte Eignungsprinzip zugunsten von bislang unterdrückten Bevölkerungsschichten einzuschränken oder auch ganz aufzugeben. 

Diese und viele, viele weitere Feststellungen, wird uns gesagt, beruhen auf wissenschaftlicher Basis. Und daran muss man glauben, was sonst? Völlig undenkbar wäre es, alle die jeweiligen Belege aus eigener Kraft beizubringen.

Selbstredend finden sich, wie überall im Leben, auch in der Wissenschaft Querulanten, Leute, die mit pseudowissenschaftlichen Behauptungen versuchen, gegen den Strom zu schwimmen, um andere Menschen zu verunsichern. Doch wie soll man die einen von den anderen unterscheiden?

Ein Großteil der Bevölkerung verfügt nicht, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, über die Urteilsfähigkeit, unwahr von wahr und falsch von richtig zu unterscheiden. Umso wichtiger sei es, dass Wissenschaftler ihnen das abnehmen. Ansonsten droht Gefahr. Mein Tipp: Glauben Sie, woran und solange Sie können und dürfen, oder besser noch: Üben Sie sich in Skepsis.

 

Gerald Wolf ist emeritierter Magdeburger Universitätsprofessor, Hirnforscher und Institutsdirektor. In seinen Vorträgen und Publikationen widmet sich Wolf der Natur des Menschen, vorzugsweise dem Gehirn und dem, was es aus uns macht. 

Foto: Raimond Spekking CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost

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lutzgerke / 01.06.2021

@ E Ekat / Sokrates hat nicht gesagt, ich weiß, daß ich nichts weiß, er hat gesagt, ich weiß, daß ich nicht weiß. Damit hat er dem begrenzten Wissen des Menschen ein zeitloses Denkmal gesetzt.

lutzgerke / 01.06.2021

Die “Rassenhygiene” kommt dieses Mal nicht über die Völker, sondern zersetzt die Völker von innen. Designerbabys, Klone, da sind den Genetikern keine Grenzen gesetzt. Wer A will, muß B nehmen. / Der Transhumane wird eingeschleppt mit Corona. Corona ist das Brecheisen, um der Genetik das Tor zu öffnen und die Wissenschaftsdiktatur einzuführen. / Daß die Biotech-Labore und Pharmaindustrien es “gut” mit uns meinen und Parteioligarchen und Aktionäre “Gutes” im Sinn haben - der kann gleich an den Weihnachtsmann glauben / Im Übrigen ist der Elephantengott nur ein Aspekt der numinösen Gottheit. In Indien gibt es 3, 2 Millionen Götter, 3,2 Millionen Wege, die alle zur einen großen Gottheit führen. Technisch ist auch der Hinduismus monotheistisch. / Neue Besen kehren gut; Aber ist ist besser gewesen, Als bei den alten der Staub geruht. Friedrich Rückert    

Stephan Bender / 01.06.2021

Die Standardabweichung ist für einen Merkel-Statistiker einfach nicht pervers genug!

Jens Rickmeyer / 01.06.2021

Konfuzius (alter gelber Mann, um 500 vor Chr.) über Wissen: 知之爲知之、不知爲不知、是知也。— PS: CO2 ist kein »Dünger«, sondern neben H2O der essentielle Grundbaustoff aller Pflanzen. Und ohne Pflanzen gäbe auch keine Tierwelt.

Hartwig Hübner / 01.06.2021

Wissenschaftler sind nicht Glaubenschaftler? ++ Wissenschaftler existieren nicht. Es gibt weltweit keinen einzigen Wissenschaftler. Es gibt Menschen, die versuchen, sich methodisch echtes, verlässliches Wissen anzueignen. Daraus wird ein richtiger Schuh. ++ Wie es genauso wenig Wissenschaft gibt. Die ward niemals gesehen. Man kann mit ihr keinen Café trinken gehen oder ihr zärtlich den Arm berühren. ++ Der Begriff Szientismus sollte dem ehemaligen Professor geläufig sein. Er umfaßt die Kranheit, dem sinnentleerten Begriff “Wissenschaft” zu vertrauen und dabei ständig, permanent das Hirn, das unabhängige Denken, auszuschalten. ++ Eine andere viel besserer Übersetzung für das ebenso heute sinnentleerte Worte “Glaube” ist Vertrauen. ++ Das hört sich dann schon ganz anders an. Das Wort Vertrauuen gibt der Geschichte, der gleichen Geschichte wohlgemerkt, eine völlig andere Wendung. ++ Jeder Mensch muss an etwas glauben. Der Autor deutet zu Beginn seines Artikels es ja an. ++ Jedem Menschen muß ebenso klar sein, Prof hin oder her, Doktor her oder hin, die Erkenntnis des Menschen ist immer beschränkt. Das wird immer so sein müssen. Ist doch logisch. Wie will man beispielsweise 100 Millionen Jahre überprüfen? Das ist für keinen Menschen machbar. Daher fällt das automatisch in die Kategorie: purer Glaube. Das Verbrechen liegt darin, wenn die Wissenschaft das dann fälschlich und irreführend als “sicheres” Wissen verhökert. Das ist dann (ein) klassischer schwerwiegender Betrug. ++ Die Bedeutung eines guten Denkers liegt ja gerade darin, er kann dem Zuhörer, dem Lernenden, aufzeigen, logisch und beweisbar, wo das Nicht-Wissen (also purer Glaube) beginnt. Die Grenzen des Wissens sind elementar und entscheidend.

Hartwig Hübner / 01.06.2021

Vieles ist lediglich eine Sache der (richtigen) Definition und dem leidigen, zeitraubenden Problem der Haarspalterei, auch als Rabulistik bezeichnet. 95-90 Prozent der heutigen Möchtegern-Wissenschaftler wissen nicht, wie man korrekt exakt wissenschaftlich definieren MUSS. Aristoteles wußte es auch nicht, übrigens. ++ Anders gesprochen: das Hirn, das Gehirn ist die dem Menschen bis heute bekannte komplexeste Struktur, im uns bekannten Teil des Universums, von der wir sicher wissen, sie existiert. Kommt das an? Wer das nicht wissen tut, ist von vorvorgestern. ++ Glaube. Was ist Glaube? Im Rahmen der Wissenschaft von heute, bedeutet Glaube das: Nehmen wir die Doktorarbeit des Autors als Grundlage. Wieviele Fußnoten werden wohl darin enthalten sein? Der pure Glaube, der dümmste, primitivste aller Arten und Varianten des Glaubens, ist sehr verbreitet, innerhalb der heutigene Möchtegern-Wissenschaft. Und der geht so. Der Leser der Doktorarbeit des Autors ignoriert die Fußnoten und prüft keine oder nicht alle nach. Ist natürlich sehr zeitaufwendig. Aber im Kampf gegen den Glauben, absolut notwendig. Und was bedeutet Fußnoten nachprüfen? Der Leser muß den Weg bis zum Äußersten gehen, bis es nicht mehr weitergeht. Ist sehr, sehr zeitaufwendig und erfordert viel Knowhow. Wer tut das heute noch? Nur echte Fachleute, fähige Spezialisten. Der Mehrheit ist dieser Weg verschlossen. Der Mehrheit der Agenten im Wissenschaftsbetrieb. Also, was bleibt dem Leser nur als Ausweg? Der Doktorarbeit des Autors zu glauben. Da haben wir wieder unseren gefährlichen Glauben. ++ Auch kommt das daher, die allermeisten im Wissenschaftsbetrieb weigern sich, zur Originalliteratur zu greifen. Wer das nicht tut, sondern einzig Sekundärliteratur liest, ist als Wissenschaftler nicht mehr ernstzunehmen. Denn, durch falsche Interpretationen von Daten schleichen sich zum Teil gigantische Fehler ins System ein.

E Ekat / 01.06.2021

Von welcher Ausprägung von Wissen soll die Rede sein. Von gesichertem Wissen? Von Halbwissen ? Auch Unwissen ist Wissen ? Wer entscheidet über den Güte-Grad von Wissen? Wikipedia? Das PIK ? Merkel? Karl Marx? Wahrscheinlich die Gender-Wissenschaftler, ich glaube, inzwischen 200 Lehrstühle in der BRD.  Der Unterschied: was sich mathematisch beschreiben läßt und dabei naturwissenschaftlich gesicherten Regeln folgt, nur das ist gesichertes Wissen. Alles andere, sofern es einer zusätzlichen menschlichen Bewertung zugänglich ist, hat keine wissenschaftlich begründbare Basis, es ist letzten Endes Glaube, auch wenn das Gegenteil behauptet wird: es ist durch menschliche Bewertung “infiziert”. Also alle Sozialwissenschaften, Jura usw:  kein gesichertes Wissen, sondern menchliche Bewertung, eine dem Zeitgeist, einer Mode oder sonstwelcher Ideologie unterliegende Glaubensform, durch Beweis-Formeln aufgemotzt zwecks Tarnung und erhöhter Glaub (sic) würdigkeit.  “Ich weiß daß ich nichts weiß” eher kein griechisches Bonmot.

Jürgen Fischer / 01.06.2021

»Was die wissenschaftliche Einstellung und die wissenschaftliche Methode von der vorwissenschaftlichen Einstellung unterscheidet, das ist die Methode der Falsifikationsversuche. Jeder Lösungsversuch, jede Theorie, wird so streng, wie es uns nur möglich ist, überprüft. Aber eine strenge Prüfung ist immer ein Versuch, die Schwächen des Prüflings herauszufinden. (...) Das bedeutet natürlich nicht, dass ein Forscher, dem es gelingt, seine eigene Theorie zu falsifizieren, sich immer darüber freuen wird. (...) Wir brauchen in der Wissenschaft eine Art von Parteibildung für und gegen jede Theorie, die einer ernsthaften Prüfung unterworfen wird; denn wir brauchen eine rationale wissenschaftliche Diskussion. Und nicht immer wird die Diskussion zu einer klaren Entscheidung führen.« Wer das gesagt hat? Sir Karl Popper. 1972. Popper? Schon tot. 1972? Veraltet. Heute machen wir das ganz anders, da streben wir den wissenschaftlichen Konsens an. Wobei sich der Konsens oft genug als Nonsens entpuppt. Tja, so kam es, dass wir die Zustände haben, die wir gerade haben. Sir Karl muss das zum Glück nicht mehr miterleben. Er hat noch vieles Kluge geschrieben, viel mehr, als unsere Gefälligkeits- und Glaubens„wissenschaftler“ zu fassen imstande sind.

Alexander Mazurek / 01.06.2021

Nun, Glauben oder Wissen, das ist hier nicht wirklich die Frage, oder? Nachdem so viel Wissen sich später als Glauben erwies und “die” Wissenschaft als Werkzeug missbraucht wurde und wird. Derjenige ist Weise, der immer dazu lernt, egal von wem, wissen die wirklich Glaubenden.  Zweifeln hilft und ist nötig, dem stimme ich zu.

Dieter Weiß / 01.06.2021

Wahrscheinlich liegt der Opportunismus in der menschlichen Natur. Da währe es interessant mal nach dem entsprechenden Gen zu suchen. Bis dahin habe ich ein Zitat von Immanuel Kant: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen ..., dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen.“ Das ist heute so aktuell wie damals.

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