Gerd Buurmann, Gastautor / 23.04.2018 / 16:10 / Foto: Georges Biard / 6 / Seite ausdrucken


Natalie Portman: Peking ja, Jerusalem nein

Seit 2012 wird in Israel von einer privaten Organisation der Genesis Prize vergeben. Der Preis geht an jüdische Menschen, die auf ihrem Gebiet exzellentes erreicht haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der Musiker Itzhak Perlman und der Schauspieler Michael Douglas. Im Jahr 2018 ist der Preis mit zwei Millionen US-Dollar dotiert und geht an die Schauspielerin Natalie Portman.


Natalie Portman hat jedoch die Teilnahme an der Verleihung in Jerusalem abgesagt und begründet dies mit ihrer Kritik an der israelischen Regierung. Sie erklärt, sie habe den Eindruck vermeiden wollen, dass sie den als Redner geladenen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu unterstütze:


„Israel wurde vor siebzig Jahren als sicherer Hafen für Flüchtlinge des Holocausts gegründet. Aber die Misshandlung all jener, die heute unter Gräueltaten leiden, entspricht nicht meinen jüdischen Werten. Weil ich mich um Israel sorge, muss ich aufstehen gegen Gewalt, Korruption, Ungleichheit und Machtmissbrauch.“


Die Organisatoren der Verleihung haben angekündigt, das Preisgeld dennoch an Natalie Portman vergeben zu wollen und erklären:

„Wir fürchten, dass Frau Portmans Entscheidung unsere karitative Initiative politisiert. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren alles getan, dies zu vermeiden."


Keine Berührungsangst mit der chinesischen Diktatur

Natalie Portman hat erklärt, das Preisgeld anzunehmen, um es für den Kampf um Frauenrechte zu spenden.
 Seit dem Jahr 2011 findet im chinesischen Peking das Filmfestival Beijing International Film Festival statt. Das Filmfestival wird von der Regierung der Stadt Peking unterstützt und gefördert. Im Jahr 2016 verlieh das Festival einen Preis an Natalie Portman. Sie reiste hin und nahm den Preis dankend an. Im Gegensatz zu dem Genesis Prize wird der Preis in Peking von der Regierung kontrolliert.


China ist eine diktatorische Republik mit sozialistischer Einheitspartei. Israel jedoch ist eine parlamentarische Republik mit freien Wahlen und demokratischen Parteien. Man kann zum israelischen Premierminister stehen, wie man will, man kann ihn kritisieren und sogar boykottieren. Er wurde jedoch demokratisch gewählt. Er ist der demokratisch gewählte Vertreter des israelischen Volkes. 
Wer in Israel die Regierung kritisiert, hat nichts zu befürchten. Wer in China jedoch die Regierung kritisiert, muss mit Verfolgung, Hausarrest und weit schlimmeren Repressionen rechnen. Nur außerhalb Chinas und in demokratisch und rechtsstaatlich organisierten Ländern kann man die chinesische Regierung sicher kritisieren und boykottieren.


Natalie Portman hat sich dazu entschieden, die chinesische Regierung in ihrer anti-demokratischen Propaganda zu unterstützen, aber eine freie Organisation in Israel boykottiert sie, weil die Veranstalter es gewagt haben, den amtierenden und demokratisch gewählten Premierminister des Landes einzuladen.


Natalie Portman hat sich dazu entschieden, die Demokratie in Israel zu attackieren, aber die Diktatur in China unterstützt sie. Das darf sie natürlich. Es ist ihr Recht, zu boykottieren und zu unterstützen, wen oder was sie will. Sie wurde in einem freien Land geboren (Israel) und sie lebt in einem freien Land (USA). Das ist ihr Glück und ihr gutes Recht. Sie darf sich verhalten, wie sie will. Ihr Verhalten jedoch zeigt der Welt, wo sie steht und das Verhalten der Veranstalter des Genesis Prize zeigt, wo sie stehen. 


Natalie Portman ist in dieser Farce nicht das Vorbild.


Foto: Georges Biard CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost

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Leo Anderson / 23.04.2018

Man sollte Schauspieler nicht überschätzen oder zu ernst nehmen. Auch gute Schauspielerei ist nicht notwendig gleichbedeutend mit überdurchschnittlicher Intelligenz und Urteilsfähigkeit.

Christoph Hofmann / 23.04.2018

Alles nicht neu und noch weniger originell, lieber Gerd Buurmann. Der Kommunismus und seine Theorien waren schon immer die Luxus - Religion von nicht wenigen westlichen Prominenten, vor allem im Intellektuellen- und Kunstbereich, die nie in seiner Realität leben mussten (ich schon, 33 Jahre in einem sowjetischen Satellitenstaat namens DDR, 1 Jahr davon hintern den Mauern des MfS) - man denke an Grass: die DDR eine “kommode Diktatur”; aber auch an Hollywood - Größen wie Oliver Stone, den eine tiefe Freundschaft mit Chavez und Castro verband. Und weil wir eben in karibischen Gefilden sind:  Der verstorbene Komponist Hans Werner Henze, der bekennend homosexuell war, übernahm in den Siebzigern ein Lehramt in Cuba, obwohl er hätte wissen müsen, dass gleichgeschlechtliche Ausrichtung auf der Zuckerrohrinsel nicht nur kein Zuckerschlecken, sondern Gefahr für Leib und Leben bedeutete (und noch immer bedeutet). Man könnte die Aufzählung fortführen. Für das gesamte linke Lager westlicher Pägung galt und gilt: Gott segne die rote Räterepublik und erhalte meine gut renovierte kapitalistische Stube. Um auf Miss Portman zurückzukommen: Sie befindet sich ja in bester Gesellschaft - Standing Ovations für Abbas bei der EU, scheinheilige Höflichkeitsfloskeln beim Besuch von Netanjahu. Der “Mut” zu einer israelkritischen Haltung könnte schon mal Bonuspunkte für die nächste Oscar - Verleihung bringen. Dann ist der Handshake mit China auf jeden Fall Karriere - förderlicher und sicherer: der alte McCarthy liegt ja schon lange unter der Erde. Christoph Hofmann

Martin Landvoigt / 23.04.2018

Schade! Ich fand Frau Portman immer äußerst attraktiv und ich bewunderte sie in der Kinderrolle bei Leon, der Profi. Aber so zeigt sich, dass eine kritische Reflektion keineswegs zu erwarten ist, wenn jemand gut aussieht und einen starken Eindruck hinterlässt.

Volker Kleinophorst / 23.04.2018

Woran man wieder gut erkennt: Die Juden gibt es genau so wenig wie die Deutschen. Und es gibt antijüdische Juden und antideutsche Deutsche. Das man ihr den Preis dennoch verleiht… Kopfschütteln

Dietmar Schmidt / 23.04.2018

Sehr geehrter Herr Buurmann, Israel ist umgeben vor Feinden und wird aus moralischen Gründen von den “Gutmenschen” auf der ganzen Welt angegriffen. Einige aus Deutschland sind da auch ganz eifrig dabei. Für mich haben die alle ein Rädchen ab, denn mit Krawatte und Schlips, aus sicherer Entfernung, kann man sich wohl beruhigt hinstellen und das Kritisieren was andere tun um zu überleben. Na Klasse. Gruß D. Schmidt

Reinhard Schilde / 23.04.2018

Vielleicht sollten Schauspieler doch lieber bei ihrem Job bleiben, die Leute mit guten Filmen unterhalten und nebenbei für irgend ein Parfüm werben.

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