Ulli Kulke / 31.10.2021 / 10:00 / Foto: Axel Springer / 30 / Seite ausdrucken

Im Zentrum des Sturms – „Die Welt” wird 75

Die Bundesrepublik wird von „Die Welt“, erstmals im April 1946 erschienen, an Alter um gut drei Jahre übertroffen. Die Geschichte der beiden ist aufs Engste verwoben und auch die der jeweiligen Protagonisten.

Zufällig passt es bestens zum derzeitigen Wirbel um die Bild-Zeitung und den Rauswurf ihres Chefredakteurs. Für viele ist sie mal wieder das Skandalblatt schlechthin, nach der Devise: klar, Springer-Konzern, wie immer. Dabei handelt es sich bei der „Bild“ und ihren Ablegern, der „Roten Gruppe“, nur um die eine Seite des Hauses. Ein wenig im Schatten ihrer täglichen öffentlichen Aufmerksamkeit steht dabei Springers „Blaue Gruppe“, die Welt ebenfalls mit ihren Ablegern, die gerade sehr erfolgreich dabei ist, nach und nach von Print auf digital umzusteigen. Springers anderes Gesicht. Es kommt etwas zurückhaltender daher. Wirklich?

Wohl ohne die Verwerfungen im Hause zu ahnen, hat Thomas Schmid dieser Tage eine fulminante Geschichte der Zeitung Die Welt geschrieben. Anlass: ihr 75. Geburtstag. Nicht zu unrecht bemerkt Schmid gleich zu Beginn seiner umfangreichen wie tiefgehenden und feingeistigen Biografie dieses Mediums: „Wohl keine andere Zeitung in der Geschichte der Bundesrepublik hat, abgesehen vom Boulevard, über die Jahrzehnte hinweg so polarisiert wie Die Welt“.

Allein dieses Attribut muss noch kein Qualitätsmerkmal sein, aber es berührt eben durchaus – auch – die Geschichte der Bundesrepublik selbst. Die übrigens von der Welt, erstmals im April 1946 erschienen, an Alter um gut drei Jahre übertroffen wird. Schmid, geboren 1945, ist dabei noch einmal drei Jahre älter, der Älteste dieser drei also. Und man darf ihn mit seiner persönlichen Vita getrost auch als Protagonisten bezeichnen, sowohl der Welt als auch der westdeutschen Nachkriegsgeschichte in ihren aufregendsten Epochen: vom linken „Betriebsarbeiter“ zu Zeiten der Anti-Springer-Kampagnen über den maßgeblichen Intellektuellen der gemäßigten Grünen in ihren ersten Parteijahren, und später, im wiedervereinigten Land, zunächst zum Meinungs- und schließlich Chefredakteur und Herausgeber des Springer-Flaggschiffs Welt. Das ja für ihn einst auf der anderen Seite der Barrikade residierte.

Die äußerst lesenswerte, im Umfang eines Taschenbuches über acht Folgen seines Blogs („Thomas Schmid. Die Texte“) laufende Biografie der Welt ist hier zu lesen: Teil 1 und Teil 2 und Teil 3 und Teil 4 und Teil 5 und Teil 6 und Teil 7 und Teil 8. Als eine Art „Bonus“ auch noch ein Briefwechsel zwischen Schmid und Peter Schneider, dem Vater des „Springer-Tribunals“ von 1968. Die Korrespondenz hatte sich aus der Veröffentlichung dieses Blogs ergeben – und dabei Schmid eine etwas heikle Erinnerung aus früheren Tagen beschert. Der er sich stellte.

Die vermiefte Aura eines Untoten – aber Die Welt behielt recht

Würde sich statt eines papierenen Presseproduktes ein 75-Jähriger aus Fleisch und Blut Schmids Laudatio anhören müssen, er wäre gerührt über all das, was er geleistet, aber auch gemeinsam mit seinem Spiritus rector Axel Caesar Springer mitgelitten hat. Wie sehr er zum Beispiel in der entscheidenden Frage der Nation, der Wiedervereinigung nämlich, gegenüber der gesamten übrigen veröffentlichten Meinung schließlich recht behalten sollte, aber deshalb zuvor über Jahrzehnte ohne Not die vermiefte Aura eines Untoten ausstrahlte, ewiggestrig: „In dem Maße aber, in dem links von der Mitte die Mauer zum Unthema wird, die Welt aber bei ihrer Haltung bleibt, gerät sie in Ruch der Starrsinnigkeit und eines geifernden Antikommunismus.“ Gewiss, es war dies der Eindruck zwar, der bei vielen Zeitgenossen des geteilten Deutschlands dominierte, die zwischen den 60ern und 80ern politisiert wurden. Und doch ist dies nur die halbe Geschichte.

Vor allem würde jener fiktive 75-Jährige mit kindischer Freude hören, welche Überraschungen, wie viel Unerwartetes er für den heutigen Springer-Freund wie -Feind in seiner Vita zuwege gebracht hat. Für die Zeitung gilt dies in all ihren wechselhaften Epochen, in denen sie sich über weite Strecken durch eine politisch heterogene Mitarbeiterschaft – von links bis rechts – auszeichnete, die heute kaum jemand ahnt. Der „Alte“, Konrad Adenauer, meinte 1947, in seiner Laudatio zum ersten Welt-Geburtstag, in aller rheinischen Freundlichkeit das Blatt als SPD-Zeitung mahnen zu müssen: „Die CDU der britischen Zone hat öfters das Empfinden gehabt, als ob von der ‚Welt’ zu wenig daran gedacht würde, dass von ihr alle Parteien berücksichtigt werden müssen.“ Dabei hatten gerade zu der Zeit der Redaktion zahlreiche Kollegen angehört, die auch in der Nazizeit als Journalisten in parteigenehmen Blättern gearbeitet haben. Damals gehörte die Zeitung noch nicht Springer. Erst 1953 kaufte er sie – und stellte gleich einen neuen Chefredakteur ein, für viele Jahre: Hans Zehrer, bis 1931 in gewisser Weise Wegbereiter Hitlers.

Schmid: „Es ist nicht einfach zu erklären, was die beiden verband. Zehrer war in der Weimarer Republik ein bekannter Publizist der extremen Rechten gewesen, Springer dagegen war nie Nationalist. Doch als sich die beiden auf Betreiben Springers 1941 zum ersten Mal auf Sylt treffen und lange Wattspaziergänge unternehmen, lässt sich Axel Springer von der düster-dräuenden Gedankenwelt Zehrers begeistern. Obwohl beide später immer wieder heftig aneinandergeraten, blieb es bei Springers Faszination bis zu Zehrers Tod.“

Dabei war es gerade Zehrer, der als Chef bis zu seinem Tod 1966 bemerkenswerte Autoren, darunter eher linke bis linksliberale Edelfedern, als feste Mitarbeiter der Welt rekrutierte: „Er beschäftigte Conrad Ahlers, Friedrich Luft, Willy Haas, Gösta von Uexküll, Gerd von Paczensky, Georg Ramseger und Erich Kuby, Paul Sethe kommt von der FAZ, Sebastian Haffner wird fester Autor des Blattes.“ Schmidt sieht die „Welt“ in diesen Jahren als zwischen „Abendland“ und Gruppe 47 stehend, „als ein Verbindungssteg zwischen beiden Milieus“.

Durchaus hoffnungsvoll, was die deutsche Einheit anging

In den Jahren vor und nach dem Mauerbau 1961 war all dies durchaus kompatibel mit der harten publizistischer Kritik an der DDR, der auf politischer Ebene schließlich allen voran der SPD-Mann Willy Brandt („ein riesiges Konzentrationslager“) zur Seite stand, zu dem Springer in diesen Jahren ein vertrauensvolles Verhältnis pflegte, bevor er dessen Ostpolitik später scharf bekämpfte. Schmid zeichnet dieses Verhältnis mit genauem Blick nach, wie auch viele andere gar nicht mal so naheliegende Facetten des Presse-Tycoons. Und auch, wie Springer in den 50er Jahren durchaus hoffnungsvoll war, was die deutsche Einheit anging, er dann bei einem Überraschungsbesuch in Moskau allen Ernstes die naive Hoffnung pflegte, die Einheit eigenhändig mit Chruschtschow besiegeln zu können, dabei bitter enttäuscht und erniedrigt wurde.

Unmittelbare Folge: Springer schwört nach seinem erfolglosen Trip seine Blätter, darunter auch die Welt, immer heftiger auf harten Antikommunismus ein, den in dem Maße bald immer weniger Zeitgenossen nachvollziehen konnten oder wollten. Mit dem sich Springer und sein Flaggschiff Welt bei einer bald wechselnden Stimmung im Land ins Abseits stellte. Bei der Bild-Zeitung, deren Geschäftsmodell der Krawall war, konnte dies noch funktionieren. Die Welt dagegen, mit intellektuellem Anspruch, wurde von der Zielgruppe zunehmend mit spitzen Fingern angefasst. Im Nachhinein gesehen vielleicht nicht unbedingt zu recht, aber das spielte keine Rolle.

So war die Welt aufgestellt, als der Springer-Konzern Ende 60er, Anfang 70er Jahre dann zu Felde zog – sowohl gegen die neue Ostpolitik der Regierung Brandt/Scheel als auch gegen die militanter werdende Studentenbewegung, für die der Konzern zur beliebtesten Zielscheibe wurde. Die Anti-Springer-Kampagne bezeichnet Schmid als die „wohl erfolgreichste Kampagne der Bundesrepublik“.  

Schmid hat sich für seine „Weltgeschichte“ viel Raum und – wie der Leser spürt – auch Zeit genommen, er hat viel geblättert in den Jahrgängen, in der nationalen Frage durchaus Zwischentöne aufgespürt aus der ja nach wie vor breit aufgestellten Autorenschaft, auch andere Entdeckungen, überraschende Wendungen in dem Blatt, mit denen manches festgefügte Bild über „Springer“ stark differenziert wird. Etwa, was die lange Jahre gehegte Behauptung angeht, der komplette Verlag, also auch die Welt, habe die Pogromstimmung angeheizt, die am 2. Juni 1967 im Tod von Benno Ohnesorg kulminierte. Oder habe Ostern 1968 mitgeschossen, als der Rechtsradikale Josef Bachmann mit seiner Pistole auf dem Berliner Kurfürstendamm der SDS-Ikone lebensgefährliche Verletzungen beibrachte, an deren Spätfolgen er 1979 starb. Es gab sie auch in der Welt, die verständnisvollen Töne gegenüber der aufbegehrenden Jugend, auch der Berliner Studenten. Und auch wenn die Welt ihren Grundton der Solidarität mit den USA im Vietnamkrieg pflegte, so finden sich doch selbst bei oberflächlichem Blättern deutlich mehr nachdenkliche Töne in der Zeitung, als sich das mancher in seiner klaren Einteilung der Medienwelt träumen lässt.

Die Rolle erwachsen gewordener Altlinker

Schmid veröffentlichte die insgesamt acht Teile der Welt-Geschichte Zug um Zug. Peter Schneider, Organisator des „Springer-Tribunals“, das den Höhepunkt der Kampagne gegen den Verlag nach den Schüssen auf Rudi Dutschke darstellen sollte, las mit besonderem Interesse den fünften Teil, in dem es auch um Schneiders Rolle in der Kampagne ging. Woraus sich eine Korrespondenz der beiden um wiederum Schmids eigene linke Vergangenheit aus jenen Tagen ergab, die dieser dann ebenfalls in einem Sonderteil dokumentierte. Zwei Protagonisten jener bewegten Tage.

Kurzer Exkurs: Wenn es schon um Peter Schneider, den Springer-Verlag und die Rolle erwachsen gewordener Altlinker damals und heute geht: Der Autor dieser Zeilen, irgendwie auch ein „Altlinker“, kann sich da nicht den Hinweis verkneifen, dass er im Jahr 2008 Peter Schneider gemeinsam mit Ernst Cramer, den Grandseigneur des Springer-Verlags, in einem sehr breit angelegten gemeinsamen Interview der „Welt am Sonntag“ die Ereignisse von 1968 sowie die damalige Rolle von „Bild“ und „Welt“ ausführlich ausdiskutieren ließ. Im Auftrag von Chefredakteur Thomas Schmid. Cramer (geb. 1913), der 1939 nach sechs Wochen KZ-Haft in die USA floh, 1945 als Angehöriger der US Army zurückkehrte, seit Anfang der 60er Jahre einer der engsten Weggefährten Axel Springers bis zu dessen Tod war – als Chefredakteur, Herausgeber und Aufsichtsratsmitglied –, sagte darin, er halte Dutschke für einen echten deutschen Patrioten. Und dass er nichts gegen die Umbenennung einer Straße in „Rudi-Dutschke-Straße“ habe, auch nicht, dass sich dadurch vor dem Verlagsgebäude eine Kreuzung „Axel-Springer-Straße, Ecke Rudi-Dutschke-Straße“ ergeben habe.

Die „Studentenunruhen“, als „links“ und „rechts“ noch vermeintlich einfacher verortbar war, als der Kalte Krieg tobte – es waren die Zeiten, da der Springer-Verlag in den Augen eines deutungsmächtigen Teils der Öffentlichkeit zu der ganz besonderen Rolle kam, die ihm dort heute noch auszeichnet: Wahlweise rechts, faschistisch, CDU-hörig, antikommunistisch (was damals weitverbreitet als Schimpfwort galt). Zeiten, in denen der Marsch nicht nur durch die Institutionen, sondern auch durch die – anderen – Redaktionen begann. Sie stellen in Schmids Acht-Akter den Höhepunkt dar, wobei er in gewohnt feingeistiger Sprache auch aus dieser Zeit manch schräges Bild zurechtrückt. Spannung verliert das Opus magnum auch danach nicht, was dann die Zeiten der Wiedervereinigung angeht, der ersten rotgrünen Bundesregierung, der 16 Merkel-Jahre und der weiteren Zeiterscheinungen sowie die entsprechenden Diskurse im deutschen Blätterwald.

Als Axel Springer 1985 starb, stand in der taz, die man getrost als Kind der Anti-Springer-Kampagne ansehen darf, eine bemerkenswerte Einschätzung: Dass man sich dereinst womöglich noch wehmütig an die Zeiten dieses Verlegers aus Fleisch und Blut erinnern werde. Wenn nämlich dereinst eine anonyme Gesellschaft des Großkapitals den Verlagskonzern lenke, und in die Ausrichtung seiner Blätter – ergo auch der Welt – hineinregieren werde. Diese Ära ist längst eingeleitet. Anders als prophezeit, und man darf wohl behaupten, dass Springer sich heute weder im Grabe umdreht noch mit Argusaugen aus dem Himmel zürnt. Und die taz darf sich weiterhin am Springer-Verlag abarbeiten.

Was man in jener einstigen Alternativzeitung 1985 nicht ahnte: Das neue Jahrtausend sollte in der „Welt“ Begegnungen der ganz besonderen Art hervorbringen. Als Mathias Döpfner 1998 erst Chefredakteur, dann Verlagschef wurde, kamen in den folgenden Jahren eine erkleckliche Reihe von aktuellen oder früheren Taz-Mitarbeitern „herüber“ zur Welt, in den einst verhassten Springer-Verlag (darunter auch der Schreiber dieser Zeilen). Sogar ein früherer, langjähriger Angehöriger der KPD/AO kam, wurde vorübergehend Kommentarchef des Blattes. Schmid, als Linker einst eher der Sponti-Szene zugeneigt, gehörte der Welt-Redaktion von 1998 bis 2000 an, kehrte 2006 als Chefredakteur zurück, wurde 2010 auch Herausgeber von „Welt“ und „Welt am Sonntag“. 2014 räumte er sein Büro im Verlag und schreibt seither den Welt-Blog „Thomas Schmid. Die Texte“. 

 

Ulli Kulke war von 2001 bis 2016 Reporter und Autor von Welt und Welt am Sonntag und schrieb auch danach für beide Blätter.

Foto: Axel Springer

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lutzgerke / 31.10.2021

Herausgeber der “Welt” ist seit 2014 Stefan Aust, der schon aus dem Spiegel ein extremistisches Blatt gemacht hat. Vorher war Aust Gesellschafter bei N24, nun sind Welt und N24 zusammengelegt. Komischerweise wird die Welt noch immer als konservativ wahrgenommen. Bis 2008 war Die Welt tatsächlich konservativ und lustig rüpelhaft gegen EU und Euro eingestellt: Die Halluzinationen der Euro-Eliten Veröffentlicht am 23.07.2005 Von Daniel Hannan - Die EU-Institutionen verhalten sich so, als hätte es die beiden ablehnenden Referenden zur europäischen Verfassung gar nicht gegeben. .. Die Euro-Eliten haben viel zuviel in das Projekt investiert, um sich von einer Nichtigkeit wie einem Nein von ihrem Ziel abbringen zu lassen. “In meinem Herzen”, sagte der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker, “glaube ich nicht, daß die Völker Frankreichs und der Niederlande gegen die europäische Konstitution votiert haben.” Sie mögen diese Äußerung für eine Selbsttäuschung halten. Doch falls Herr Juncker halluziniert, dann leidet eine ganze Reihe anderer EU-Politiker an derselben Halluzination.” / Daniel Hannan hatte in Die Welt jahrelang eine Kolumne und trotz - oder wegen - seines englischen Humors ist der geniale Wortakrobat nie zum Zug gekommen. Der Absturz der Welt war aus meiner Sicht der Mangel an Eloquenz und konservativem Material. / “In Italien steht die EU hoch im Kurs - Kolumne 01.04.2006 Von Daniel Hannan - Italien ist die letzte Hochburg der Europhilen. Zumindest dort ist der alte Glaube noch stark. Oppositionsparteien lassen während eines Wahlkampfs traditionell euroskeptische Töne vernehmen - sogar Angela Merkel hatte sich vor der Bundestagwahl für eine umfassende Re-Nationalisierung von Kompetenzen ausgesprochen. ” Auch interessant. Ich hatte bis zur letzten Minute immer den Eindruck, ich bin der letzte Mohikaner, der an Die Welt glaubt. Daniel Hannan hat übrigens eine Website.    

Frances Johnson / 31.10.2021

Die Welt gibt es heutzutage zweimal. Ihre Hommage hier, Herr Kulke - schön - richtet sich an das Blatt Hidebeza=Hinter der Bezahlschranke und scheint mir dort auch berechtigt. Davor allerdings eine Mélange aus Panorama und was der linksgrüne Bürger so will , in entsprechend angepasst-unterwürfigem, und ach, häufig langweiligem Stil. Ich gratuliere also nur Hidebeza, die immerhin - lobenswert - bezahlbar bleibt, wo sich alles tummelt, was schreiben kann und auch noch ein Quentchen Kritik.

Albert Pflüger / 31.10.2021

Zu Zeiten, in denen sich in der Redaktion der FAZ noch kluge Köpfe versammelten, konnte die “Welt” niemals deren Niveau erreichen. Ob sie es auch heute noch schafft, sie zu unterbieten, kann ich nicht beurteilen, viel Raum nach unten ist da ja nicht mehr, und da tummeln sich ja schon Alpenprawda und “Zeit”.

Hannes Schuster / 31.10.2021

Ich lese die WELT gerne. Dass dort neben Broder oder Don Alphonso auch Hannes Stein und Deniz Yücel schreiben, empfinde ich als Bereicherung (im ursprünglichen Wortsinne), auch wenn ich die Meinung letztgenannter meist nicht teile. Im Übrigen gibt es dort noch kritische, eigenständig recherchierte Artikel von Leuten wie Dorothea Siems, Anna Schneider, Klaus Geiger, Marcel Leubecher oder auch Robin Alexander, die Fakten (z.B. zu Wirtschaft, Migration, Staatsfinanzen) in die öffentliche Diskussion bringen, die man in anderen Redaktionen aus volkspädagogischen Gründen wohl unter Verschluss hält. Wer sich hier im Kommentarbereich über die auch linkslastigen Beiträge echauffiert, sollte nicht vergessen, was die Referenzgrößen sind. Das FAZ-Abo habe ich natürlich vor einigen Jahren in den Wind geschossen und Spiegel, Zeit & Co. braucht man wohl nicht näher zu erörtern. Also seid (aus liberal-konservativer Sicht) froh darüber, wenigstens die WELT zu haben.

Daniel Oehler / 31.10.2021

Die Welt WAR einmal eine Zeitung für Konservative. Durch penetrante Russophobie in Gestalt permanenter Polemik gegen das konservative Russland schadet die Welt massivst dem Konservativen in Europa. Das ist im Interesse der USA, die Russland als Gegner brauchen, um die Aktionäre der Rüstungskonzerne mit höheren Militärausgaben zu beglücken, aber für Deutschland, Europa und den Weltfrieden ist das schädlich. Um den militärisch-industriellen Komplex zu Beglücken hat Washington das dem Westen zugeneigte konservative Russland in die Arme des immerhin von einer kommunistischen Partei regierte China getrieben. Seriöse Politik geht anders. Und die Welt war und ist ein Instrument dieses Irrsinns.

Sabine Drewes / 31.10.2021

Herr Kulke, es bleibt Ihnen unbenommen, sich genauso wie Thomas Schmid über die früher einmal klar antikommunistische Haltung der WELT zu echauffieren und sie als „Starrsinn geifernder Antikommunisten“ abzutun. Aber hat die WELT es wirklich nötig, beim Rückblick auf ihre 75jährige Geschichte ausschließlich Altlinke (gar einstige bekennende Kommunisten und Maoisten) zu Wort kommen zu lassen, welche bis vor ca. 20 Jahren mitnichten prägend für diese Zeitung waren? Finden Sie das fair? Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der der Kommunismus von den Linken im Westen massiv schöngeredet und verharmlost worden ist, trotz aller Fakten, die damals schon gegen diese menschenverachtende Ideologie offen auf dem Tisch lagen. Dagegen hatte sich die WELT lange gewehrt. Völlig zu recht. Sie hatte nicht mit zweierlei Maß gemessen wie so viele andere, die ausschließlich den Nationalsozialismus verurteilt haben und die sofort wie von der Tarantel gestochen aufschrien, wenn Moskau und Ost-Berlin, wenn der „Wandel durch Annäherung“ berechtigte Kritik von der WELT erfuhren. Besonders bezeichnend finde ich: Weder Sie noch Schmid bringen es fertig, mit Ausnahme von Axel Springer, all die Namen zu benennen, die sich jahre- und jahrzehntelang darum verdient gemacht hatten, das Bewusstsein für die Einheit der deutschen Nation zu bewahren und am Ziel der Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit festzuhalten. Sie wissen sicherlich, dass diese Journalisten in der deutschen Medienlandschaft eine ziemliche Ausnahmeerscheinung waren. Hätte ich die WELT – übrigens völlig freiwillig, ohne jeden Druck und Zwang – nicht von jüngsten Jugendbeinen an gelesen, wäre dieses Thema vermutlich nie in diesem Maße zu meinem Thema geworden. Das verdanke ich etlichen WELT-Autoren, die Sie kritisieren, ohne sie namentlich zu nennen. Über einen habe ich hier auf der Achse am 15. August 2021 geschrieben. Er ist nicht der einzige, der von der WELT im 75. Jahr ihres Bestehens totgeschwiegen wird.

Jürgen Schäfer / 31.10.2021

Ohne jetzt die Einzelheiten des Artikels mitgenommen zu haben, finde ich es als Alt68er, der die linksextreme und GRÜNE Phase 1982 strikte verlassen hat (nach später Erkenntnis, daß die westlichen Länder an Freiheit -für die wir ja anfags gegen das klerikal-reaktionäre und autoritäre Adenauersche CDU-Deutschland eintraten als “anti-autoritäre Studentenbewegung- und Lebensalltag, Wohlstand weitest überlegen waren den brutal-diktatorischen Regimen im kommunistischen Moskau-Block) zum entschiedenen Westler + Anti-Kommunisten (gegen das DKP-Lager aber schon ab 1970) wurde bis heute mit langjährigem CDU-Wählen, seit 2013 aber aus patriotischen Gründen AfD, für inakzeptabel, daß Die Welt, die ich damals gerne las (wie die FAZ) wegen der Linie gegen SPD und GRÜN und DDR und wegen großer kons. Journalisten wie Enno von Loewenstern, Herbert Kremp, unter Billigung der Springer-Verlagsleitung von Leuten aus der grünrot-extremen TAZ überflutet wurde bis heute und -wohl um einen guten Kontakt zur SPD-GRÜN-Regierung ab 1998 herzustellen- einen Chefredakteur (selbiges sogar auch einige Zeit bei der FAZ-FAS) Thomas Schmidt installierte aus dem GRÜNEN Cohn-Bendit-Zirkel. Dazu ändert meine Meinung auch nicht, daß Schmidt, Co-Autor von CoBendits Buch pro Multikultur, heute eher ins moderat-linke Lager gerückt ist.

Klaus Schmid Dr. / 31.10.2021

Der klassische, neutral berichtende und abwägende Journalismus in Deutschland ist mausetot, auch in der WELT. Der Journalismus hat sich als eine politische Partei etabliert die nirgend gewählt wurde und auch nicht abgewählt werden kann - er ist nicht unähnlich einer Diktatur die sogar über den “echten” politischen Parteien steht und diese lenken kann. Besserung ist nicht denkbar bzw. erst wenn die Lage so düster wird dass sich all die Journo-Aktivisten-Fuzzis mit dem Studium der politischen Wissenschaften etc. auf der Strasse wiederfinden.

Hartmut Dicke / 31.10.2021

Mit Rührung und Wertschätzung gelesen - vielen Dank!

Peter Bekker / 31.10.2021

Der erste Beitrag, diesmal von Frau Schönfeld, die sonst eher Gesinnungsdiskutanten unangenehme Wahrheiten um die Ohren haut (aber wie!), bringt es bereits auf den Punkt. Die WELT, vor gefühlt hundert Jahren mit intellektuell zwar schlichter aber immerhin sachlich-konservativer Tonart (Herrn Broder gab’s mal ohne Bezahlschranke) unterwegs, ist längst im Mainstream angekommen, wo sie sich den Sauerstoff mit zu vielen teilen muss. Jegliches Erkennungsmerkmal ging verloren. Geblieben ist nur Schlichtheit, die sich im Niveau der Leser-Zuschriften widerspiegelt. Covid wäre DIE Chance - auch für andere - gewesen eigenes Profil zurückzugewinnen. Nicht durch ‘Lager-’ sondern sauberen Journalismus, heißt kritisches Hinterfragen von Dogmen. Es gäbe so viel zu ernten, vor allem Anstand. Stichworte: tatsächliche Virulenz, PCR-(Un)Genauigkeit, Testergebnis vs. Klinik, Betten-Belegungs- und Todesursachen-Betrug, Diskussion von Kollateralschäden, und und. Derartige Recherchen führten jedoch schnurstracks zu den Machenschaften der Politik. Und das ist in D inzwischen (wieder) existenzbedrohend. Die WELT - komplett verzichtbar.

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