Klaus-Dieter Humpich, Gastautor / 14.09.2020 / 12:54 / Foto: Pixabay / 13 / Seite ausdrucken

Gut und günstig: Kernkraftwerke vom Band

Das zentrale – man könnte fast sagen einzige – Problem der kerntechnischen Industrie sind ihre außergewöhnlich hohen Kosten. Zwar war die Kostentreiberei durch immer neue und absurdere Forderungen das wirksamste Kampfmittel der „Anti-Atomkraft-Bewegung“, aber das ist auch nur die halbe Wahrheit. So gab es immer Kriegsgewinnler in den eigenen Reihen, die jedes hingehaltene Stöckchen begeistert übersprungen haben, um Forschungsgelder und anderes abgreifen zu können. Allgemein herrschte die Meinung vor, man sei so überlegen konkurrenzfähig, dass man ein paar Kröten problemlos schlucken könnte. Stellvertretend hierfür mag der „Kernfänger“ stehen, ein Millionen teures Bauteil als Produkt eines Hirngespinstes der Filmindustrie in Hollywood.

Nur kommt leider bei permanenten Zugeständnissen ein Milliönchen zum nächsten. Oder das gern gepflegte Unwesen des „nuclear grade“, wo sich durch ein paar Stempel und Formulare auf wundersame Weise der Preis eines Bauteils vervielfacht. Oder Genehmigungsverfahren, in denen „Spezialisten“ endlose Diskussionen über abseitige Detailprobleme führen – selbstverständlich in Stundenlohnarbeit zu Stundensätzen, die selbst Gewerkschaftsfunktionären die Schamröte ins Gesicht treiben würden. Ging alles so lange gut, bis man feststellen musste, dass man den Ast, auf dem man saß, selbst abgesägt hatte.

Es ergeben sich nun zwei Möglichkeiten: Der deutsche Weg, in dem sich die Kombinatsleiter um den Preis hoch subventionierter Windmühlen und Sonnenkollektoren vollständig aus dem angestammten Geschäft zurückzogen oder eine Umkehr, wie sie in anderen Ländern eingeschlagen wird. Wie so oft kann man zwar im Irrsinn vorangehen, es gibt aber keine Garantie, dass einem andere folgen. Plötzlich machen neue Player – Korea, China, Russland – die Milliardengeschäfte. Für manche Länder ein heilsamer Schock. Jedenfalls für die, in denen regierende Politiker nicht mit religiös anmutendem „Weltrettungswahn“ ihren erbärmlichen Bildungsstand glauben kaschieren zu können.

Der Weg in Großbritannien

In Großbritannien war man schon immer positiv gegenüber der Kernenergie eingestellt. Es gab nie eine so gewalttätige „Anti-Atomkraft-Bewegung“ wie in Deutschland, und es gelang auch nie, den Ökosozialismus in den Regierungen zu etablieren. Im Gegenteil, in GB ist das Rechnen noch erlaubt. Der Ausflug in die Windenergie ist gescheitert. Mögen die Schlangenölverkäufer der Windindustrie auch noch so phantastische Erzeugungskosten aus dem Hut zaubern. Es zählt nur der Strompreis an der Steckdose des Endverbrauchers, also einschließlich der Backup-Kraftwerke, der gesamten Netzkosten und so weiter. Ferner hat man in GB schon länger die Bedeutung qualifizierter und gut bezahlter Industriearbeitsplätze erkannt. Die Finanzindustrie in London kann weder das ganze Land ernähren, noch bietet es für alle Menschen geeignete Arbeitsplätze.

Insofern ist es logisch, dass man die vorhandenen Kernkraftwerke nicht nur ersetzen will, sondern sogar von einem Ausbau ausgeht. Die Befreiung von ökosozialistischen Träumereien in Brüssel durch den Brexit beschleunigt diesen Prozess erheblich. Es sollte im Zusammenhang mit dem Brexit nie vergessen werden, dass das Theater um den Neubau des Kernkraftwerks Hinkley Point C (HPC) erheblich die Abneigung gegen den europäischen Zentralstaat verstärkt hat: Wenn ein kleiner ferner Alpenstamm meint, die Energiepolitik einer frei gewählten britischen Regierung über Prozesse bestimmen zu können, ist Schluss für jeden aufrechten Britannier. Schließlich hat sich diese stolze Nation nicht einmal durch einen gewissen Adolf Hitler auf die Knie zwingen lassen.

Die Bedeutung des Finanzierungsmodells

In GB ist allen klar, dass der vereinbarte Preis für die elektrische Energie aus dem im Bau befindlichen Kernkraftwerk HPC den Gipfel einer verfehlten Entwicklung darstellt und dringend gesenkt werden muss. Bemerkenswert ist, dass eine Analyse zu dem Ergebnis kommt, dass das Finanzierungsmodell der dickste Brocken beim Energiepreis ist. Für HPC ergibt sich ein Anteil von 2/3 an dem Strompreis. Von dem vereinbarten Strike Price von 92,50 GBP/MWh entfallen volle 62 GBP/MWh auf die Finanzierungskosten. Mit anderen Worten: Lediglich ein Zahlungsstrom von rund 30 GBP pro produzierter Megawattstunde elektrischer Energie (über die Betriebsdauer von 60 Jahren gerechnet) dient dazu, die gesamten Investitions- und Betriebskosten zu bezahlen.

Der Löwenanteil von 62 GBP/MWh dient ausschließlich zur Finanzierung der in der Bauzeit anfallenden Kosten. Noch interessanter ist, wenn man die Investition mit den Konditionen von sonstigen Infrastrukturmaßnahmen in GB ansetzt: Dann wäre lediglich ein Zahlungsstrom von 26 GBP/MWh nötig. Volle 36 GBP/MWh entfallen also allein auf die Abdeckung des Risikos während der Bauzeit dieses Kernkraftwerks. So wurde im Bezugsjahr 2016 die „Verzinsung“ („weighted average cost of capital“) nach Steuern mit 9,2 Prozent angesetzt. Eine seltsame Wette zwischen (dem nie gefragten) Stromkunden und dem Hersteller. Auf jeden Fall bieten sich hier reichhaltige Möglichkeiten für „Finanzinnovationen“ im Zeitalter der „Nullzinspolitik“ und stetig steigender Staatsverschuldungen.

Welch zerstörerische Wirkung Planwirtschaft in den Händen von Politikern mit Hang zur „Systemveränderung“ hat, zeigt sich am Vergleich der „Preise“ für Wind- und Sonnenenergie mit Kernenergie. Einerseits Anschlusszwang, Einspeisevorrang, Backup-Kraftwerke und so weiter, die bewusst nicht in den Strompreis eingerechnet, sondern zusätzlich dem Endverbraucher über „Netzentgelte“ abgeknöpft werden und andererseits alle möglichen fiktiven Kosten, wie Entsorgungskosten und so weiter, die durch den Strompreis unmittelbar abgedeckt werden müssen. Wenn dann besonders schlichte Gemüter einfach beide Zahlen vergleichen, ergeben sich volkswirtschaftlich tödliche Konsequenzen. Es zählt nämlich nur der Gesamtpreis auf der Rechnung des Endverbrauchers, deren Kostendifferenzen zu Konsumverzicht und Arbeitsplatzverlusten an anderer Stelle führen. Hier verschaffen sich gerade Staaten, die Stromversorgung als „öffentliches Gut“ (Zinssätze von Staatsanleihen) betrachten, zur Zeit große Vorteile.

Die Notwendigkeit der Serienfertigung

Die Erfahrung zeigt, dass eine Serienfertigung (möglichst) identischer Kraftwerke ein großes Einsparpotenzial birgt. Allerdings ist das insbesondere bei den unterschiedlichen Zulassungsbestimmungen der einzelnen Länder nicht ganz einfach. So ist der Reaktor Flamanville 3 vordergründig genauso ein EPR-Kernkraftwerk wie die Reaktoren in Hinkley Point. Praktisch haben sie aber etwa 30 Prozent mehr Kabel und Rohrleitungen. Gravierend ist auch das Back-Up eines analogen unabhängigen Abschaltsystems zusätzlich zu den beiden digitalen Kontrollsystemen. Solche Änderungen können schnell und kostenträchtig auf andere Systeme rückkoppeln. In diesem Sinne ist HPC eher schon wieder ein „First Of A Kind (FOAK)“.

Die ersten gravierenden Einsparungen werden erst bei dem Nachfolgeprojekt in Sizewell eintreten. Es ist bereits in Vorbereitung. Dort soll (fast) eine Kopie von HPC entstehen. Wie schon bei einer Doppelblockanlage die Einsparungen durch Erfahrung zunehmen, zeigt sich bei HPC in der Anzahl der Arbeitsstunden für die Betonarbeiten: Bei Block 1 wurden noch 25 Stunden für die Einbringung einer Tonne Betonstahl benötigt, bei Block 2 nur noch 16 Stunden. Je mehr (wieder) in der Kerntechnik erfahrene Fachkräfte vorhanden sind, je besser laufen die Baustellen. Man hat deshalb bereits großen Wert auf Ausbildungszentren gelegt, in denen zum Beispiel Schweißer geschult werden, bevor sie auf die Baustelle kommen.

Erst konstruieren, dann bauen

Bevor man mit dem Bau beginnt, muss ein Kraftwerk bis ins letzte Detail durchkonstruiert sein. Jede Änderung in der Bauphase führt nicht nur zu Verzögerungen, sondern wirkt sich auch meist auf schon installierte Bauteile aus. Es sind gravierende Änderungen nötig, die oft zu weiteren Änderungen führen. Eine Kostenexplosion ist unweigerlich die Folge. Man denke nur an die „ewige Baustelle“ des EPR in Olkiluoto. Dies hat nichts mit Kernkraftwerken an sich zu tun, sondern ist das Ergebnis von Missmanagement. Ebenso wichtig ist der Einsatz von qualifizierten und in der Kerntechnik erfahrenen Fachkräften und eine ständige Qualitätskontrolle. Geht man die Sache zu lax an, laufen die Kosten davon (Vogtle, Summers, Flamanville). Jede nicht fachgerechte Dokumentation oder gar Pfusch führt zu Neuanfertigungen und Terminüberschreitungen. Dies kann sogar renommierte Unternehmen wie Westinghouse oder Areva in den Ruin führen.

Management des Risikos

Je komplexer oder einzigartiger ein Projekt ist, desto risikoreicher. Es gibt auch bei sonstigen Großprojekten beträchtliche Kostensteigerungen (Berliner Flughafen, Elbphilharmonie und so weiter). Die Auswertung zahlreicher erfolgreicher und nicht so erfolgreicher Bauvorhaben hat zu 14 Punkten geführt, die ausschlaggebend erscheinen:

  1. Finanzierung. Steht die Finanzierung vor Baubeginn und ist robust gegen unerwartete Einflüsse von außen (Finanzmarkt) und durch das Projekt (zum Beispiel Pleite eines Zulieferers)? Bei langen Bauzeiten muss sie ständig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Insbesondere bei innovativen Modellen muss Übereinkunft bei allen Kapitalgebern bestehen.
     
  2. Vorschriften. Sind alle Vorschriften bekannt und verstanden? In der Kerntechnik kann ein nicht vollständig oder falsch ausgefülltes Formular ein Bauteil in Schrott verwandeln. Zumindest sind zeitaufwendige und teure Nachprüfungen erforderlich.
     
  3. Unternehmensführung. Ist die Führungsstruktur definiert und dem Projekt angemessen? Bei einem Kernkraftwerk gibt es hunderte Lieferanten aus allen Kontinenten, Kulturen, Sprachen und mit unterschiedlichsten Unternehmensstrukturen. Die Verantwortungen müssen klar definiert und eindeutig abgegrenzt sein. Alle Beteiligten müssen stets die gleiche Sprache sprechen.
     
  4. Standortdaten. Sind alle Standortbedingungen bekannt, verstanden und vollständig und ausreichend berücksichtigt? (Negativbeispiel: Tsunamis in Fukushima)
     
  5. Verfahrenstechnik. Sind alle chemischen und physikalischen Prozesse verstanden und alle notwendigen Daten dokumentiert? Insbesondere bei Innovationen sind die Auswirkungen auf andere Teilverfahren genau zu beobachten und etwaige Rückkoppelungen zu prüfen.
     
  6. Konstruktion. Handelt es sich um ausgereifte Konstruktionen bei allen Baugruppen? (Negativbeispiel: Vibrationen in den ersten Hauptkühlmittelpumpen beim AP1000).
     
  7. Kostenvoranschläge. Sind die Kostenvoranschläge vor Vertragsabschluss auf ihren Realitätsgehalt überprüft? Nachträge, Substandards aus Not oder gar Firmenpleiten sind gleichermaßen schmerzhaft für ein Projekt. Jeder Zulieferer muss – wie vor allem auch der Generalübernehmer – in erhebliche finanzielle Vorleistungen gehen (Genehmigungen und Zulassungen), um überhaupt lieferfähig zu sein. In einem so engen und stark regulierten Markt kann daher schon eine Nichtberücksichtigung bei der Auftragserteilung zur existenziellen Bedrohung werden (siehe Horizon in GB).
     
  8. Vertragliche Schnittstellen. Sind Schnittstellen eindeutig definiert und von allen Beteiligten verstanden und akzeptiert? Sie müssen in allen Phasen des Projekts gemanagt werden.
     
  9. Projektleitung. Ist die Projektleitung ausreichend qualifiziert, fachlich und menschlich geeignet und durchsetzungsfähig? Ist die Organisationsstruktur robust genug für die Projektlaufzeit?
     
  10. Datenverwaltung. Für ein Kernkraftwerk sind tausende Dokumente und technische Zeichnungen notwendig. Sie müssen jederzeit auf der Baustelle griffbereit sein. Das ist heute nur noch papierlos möglich. Alle Daten und Datenformate müssen konsistent sein. Jegliche Änderung muss genau und nachvollziehbar dokumentiert werden. Grundvoraussetzung ist eine ausfallsichere Datenverarbeitungsanlage mit Internet-Verbindungen großer Bandbreite. Üblich ist heute das gesamte Kernkraftwerk als 4D-Modell. Damit lassen sich nicht nur alle Anlagenteile aus beliebiger Sicht betrachten (zum Beispiel Kollisionskontrolle), sondern auch stets im aktuellen oder gewünschten Bauzustand.
     
  11. Baustelleneinrichtungen. Sind alle Hilfsmittel (zum Beispiel Schwerlastkran) zeitgerecht vorhanden und für den Einsatz geeignet? Sind erforderliche Hallen und Werkstätten einsatzbereit. Ist Arbeitsschutz und Strahlenschutz stets gewährleistet?
     
  12. Zulieferketten. Sind die Verfahren zur Auftragserteilung, Lieferung (individuelle Verkehrswege zur Baustelle) und Qualitätskontrolle vorhanden? Sind die speziellen Vorschriften der Genehmigungsbehörden berücksichtigt und den potenziellen Lieferanten bekannt? Gibt es Anreize für besondere Qualität und Termintreue?
     
  13. Fachkräfte. Ist gewährleistet, dass jeweils zum erforderlichen Zeitpunkt ausreichend Fachkräfte mit gültiger Zulassung auf der Baustelle vorhanden sind? Diese Fachkräfte müssen nahtlos in den örtlichen Arbeitsschutz (Strahlenschutz und so weiter) und das Qualitätsmanagement integriert werden. Eventuell müssen rechtzeitig Schulungen oder Nachprüfungen organisiert werden.
     
  14. Betriebsvorbereitung. Ist der Übergang von Errichtung zu Betrieb organisiert? Ist zum Beispiel die spätere Betriebsmannschaft frühzeitig genug auf der Baustelle integriert? Ist der Wissenstransfer vom Generalunternehmer zum Kunden (zum Beispiel unterschiedliche Datenverarbeitungssysteme und Firmenkultur) zu jedem Zeitpunkt garantiert?

Zurück ins Mittelalter – mit allen Konsequenzen

Die vorhergehende Aufzählung soll vor allem Laien ein Gefühl vermitteln, wie vielfältig der Bau von Kernkraftwerken ist. Ein paar Promille der Baukosten sind zum Beispiel für einen Software-Entwickler ein ausgesprochener Großauftrag. So ist es nicht verwunderlich, dass die kerntechnische Industrie immer eine Triebfeder hoch industrialisierter Gesellschaften war und ist. Die „Abfallprodukte“ (zum Beispiel Simulationsprogramme, probabilistische Methoden, Werkstoffwissenschaften, Arbeitsschutz und so weiter) sind stets schnell in andere Industrien nutzbringend eingeflossen.

Man darf aber nie die alte Volksweisheit „wer die Musik bestellt, bestimmt die Kapelle“ außer Acht lassen. Wenn man selbst keine Kernkraftwerke mehr baut und betreibt, ist man sehr schnell raus aus dem Spiel. Ganz analog, wie man es aus Luft- und Raumfahrt und der Rüstungsindustrie kennt. Andererseits ist „Atomausstieg“, „Kohleausstieg“ und „Benzin- und Dieselausstieg“ ein probates Mittel, um eine Industriegesellschaft wieder auf den Stand des Mittelalters zurückzuführen – mit allen gesellschaftlichen Konsequenzen. Gesellschaftssysteme sind träge, deshalb sind die Konsequenzen nicht unmittelbar fühlbar. Wer glaubt, gegebenenfalls könnte man ja einfach das Rad zurückdrehen, ist naiv. Wenn Technik so einfach geht, wäre Afrika längst ein weiteres China.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Klaus-Dieter Humpichs Blog Nuke-Klaus.

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Leserpost

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Volker Voegele / 14.09.2020

Im wesentlichen planen nur China, Russland und Indien für die nächsten beiden Jahrzehnte Kernkraftwerke KKW in einer moderaten Anzahl (- insgesamt ca. 80-100), die einen signifikanten Anteil zur Stromerzeugung dieser Länder beitragen können. Vom Komponentengeschäft für den nichtnuklearen Bereich von KKW abgesehen, spielt Deutschland in diesem Kraftwerksmarkt praktisch keine Rolle mehr. Die in Deutschland gebauten Kernreaktoren waren technisch gut und kostengünstig. Der Höhepunkt des kommerziellen Reaktorbaus war in den 1970-er und 1980-er Jahren (- mit den sogenannten Reaktoren der II. Generation). Daran hätte man ohne Hektik, mit Umsicht und mit Hilfe der damals noch vorhandenen Kernforschungszentren Karlsruhe und Jülich mit Weiterentwicklungen anknüpfen können. Geld ändert zwar nicht die Physik, aber unter Verwendung der Hunderten von Milliarden Euro, die der Murks der „Energiewende“ die Stromkunden völlig unnötig kostet, wäre man sicherlich in der Lage gewesen, schon in den 2020- bis 2030-er Jahren mit dem Bau eines KKW-Prototyps der Generation IV zu beginnen. Der Charme der Reaktorkonzepte IV sind unter anderen die extrem hohen Kriterien für Sicherheit & Nachhaltigkeit, ohne dass man die Wirtschaftlichkeit aufgeben muss (- siehe z. B. Wikipedia unter ‘Generation IV International Forum’), Der in einigen Artikeln von Achgut schon beschriebene Dual-Fluid-Reaktor wäre eine mögliche Variante der Generation IV-Klasse. Auch wenn das für viele Leute ziemlich theoretisch klingt, können Ingenieure, Techniker und Physiker in der Regel verdammt gut planen, sagen wir im Gegensatz zu Politikern.

H.Störk / 14.09.2020

@Rolf Mainz: “Ich fände das Thema der Endlagerung viel bedeutender…”————————- was sollte man bei der Kernenergie großartig endlagern? Das ist nicht die chemische Industrie, da fallen nicht tausende Tonnen Gift an. Benutzte Brennelemente von Leichtwasserreaktoren sind Wertstoffe, die schmeißt man nicht weg! Die läßt man ein paar Jahre abklingen, meinetwegen auch ein paar Jahrzehnte, wenn man gerade kein Jod-131 und kein Technetium für medizinische Zwecke braucht, und dann geht es in die Aufarbeitung, um daraus Brennstoff für die nächste Generation zu machen. In den 80ern stand die BD kurz davor, den Brennstoffkreislauf zu schließen - der “Müll” von heute wäre dann schon Brennstoff für die nächsten 600 Jahre gewesen. Endlagerung ist was für Grüne und Schulabbrecher. Wer rechnen kann, recycled.

Roland Müller / 14.09.2020

Auf die gleiche Weise erreicht auch das Verfahren für die Zulassung von Medikamenten mühelos eine dreistellige Millionenhöhe und zum Teil sogar Milliardenhöhe. Korruption ist halt überall auf der Welt ein Problem. Nicht gerade selten in Deutschland.

G. Kramler / 14.09.2020

Die soziale Lösung fehlt da noch: man muss, vorbereitend, die kommende Generation spätestens ab Schulalter schon mit den Vorteilen der Kernkraft indoktrinieren, damit sie dann mit Begeisterung solche bauen bzw. bauen lassen.

Rolf Lindner / 14.09.2020

Wer schon einmal am Entwurf, Aufbau und an der Inbetriebnahme von größeren Industrieanlagen beteiligt war, dem sind die aufgeführten Punkte vertraut. Hat sich erst einmal ein Anlagenbauunternehmen und ein Anwender bzw. Auftraggeber schon einmal oder mehrmals mit solchen Projekten beschäftigt, dann ist das alles eingetaktet. Fängt man von vorn an, zahlt man wahrscheinlich immer erst einmal drauf. Das ist im Großen wie im Kleinen so. Der Besitz der Logistik eines solchen Prozesses ist ein Kapital an sich. Logistik hat nicht nur dem Namen nach etwas mit Logik zu tun. Das erfordert logisch bzw. rational denkende Menschen, also die Hasssubjekte von Rotgrün. Industrieanlagen kann man nicht mit Geschwätzwissenschaften und gutmenschlichen Träumereien errichten, weshalb alles, was mit Substanz zu tun hat, für Rotgrün des Teufels ist und vernichtet werden muss.

Karsten Dörre / 14.09.2020

Man habe gewaltige Potentiale an der nördlichen Küste Schottlands Windenergie und Gezeitenkraftwerke (Wellenenergie) zu errichten, so zumindest der Plan. Wenn alles irgendwann mal klappt 236 TWh/Jahr. Grundsätzlich finde ich “erneuerbare” Energien spannend, da wo diese niemanden gesundheitlich stören oder die Umwelt verschandeln. Genauso wie bei den Antriebsarten Elektro nicht allein übrigbleibt, wird es auch mit der Energiegewinnung sein. Die Elektroraketenantriebe, Elektrokampfjets, Elektro-U-Boote möchte ich noch erleben - Wünsche darf man ja haben.

Thomas Brox / 14.09.2020

Ein sehr interessanter Artikel, der anhand der Errichtung von Kernkraftwerken aufzeigt, wie komplexe Projekte kompetent umgesetzt werden. Blödland ist das Gegenbeispiel: Eine Gesellschaft, die in allen möglichen Vorhaben scheitert. Der deutsche “Staat” als Sinnbild für teure, größenwahnsinnige Unfähigkeit. Wie die aufgeführten 14 Punkte zeigen, sollte vor allem der deutsche “Staat” die Finger von irgendwelchen komplexen Projekten lassen - in keinem einzigen Punkt würden die Anforderungen erfüllt werden. Leider hat auch ist die deutsche Privatwirtschaft zunehmend Mühe die Anforderungen zu meistern. Die Inkompetenz frisst sich langsam durch alle Bereiche durch. Objektiv betrachtet braucht Blödland diese Fähigkeiten sowieso nicht mehr. Eine mittelalterliche Wirtschaft hat den großen Vorteil, dass jeder Idiot, der bis dahin überlebt hat, damit zurecht kommt. Und Holz für die Scheiterhaufen gibt es ja hier genug.

Jörg Themlitz / 14.09.2020

In einem größeren Gebäude Baujahr um 1890 / 1900 hängen mehrere Zeichnungen Konstruktionen von selbigem. Ein Freund, Planer Heizung, Lüftung, Sanitär, wirft einen Blick darauf und kommentiert, ´So eine detaillierte Planung wird heutzutage nicht mehr durchgeführt.`; Das Gleiche habe ich im Anlagenbau, Brauerei, Molkerei etc. erfragt. Übrigens auch bei der Elbphilharmonie. (Private Führung und Informationen aus erster Hand. zum Zeitpunkt als die Rolltreppe wieder herausgenommen werden sollte) Das war für mich im Computerzeitalter eine Überraschung. Nach dem Motto, ´dafür gibt es doch auch was von…` also macht Euch nicht soviele Gedanken. Wenn diese Situation allgemein so ist, nehme ich mal an, beim Kernkraftwerksbau ist es auch so. In Finnland (Kernkraftwerk), bei dem Teil den ich als Konstruktion und Stellung von Personal gesehen habe, war es so.

Petra Wilhelmi / 14.09.2020

Es sind ja leider nicht nur die aufgeführten Industrien, die Deutschland abschafft. Dazu kommt noch die chemische Industrie, der Maschinenbau dank der Abschaffung von Diesel/Benzinauto und der chemischen Industrie sowie der Energieindustrie u.a. Dazu kommen noch massenweise Zulieferer für diese Industrien sowie Industrien der Konsumgüterwirtschaft. Plastik kann nicht unbedingt überall ersetzt werden, weil man sehr oft ein wertloses Produkt dadurch bekommt, was für den Alltag ungeeignet ist oder DDR-Niveau hat und man gezwungen ist, auf amazon umzusteigen. Jetzt ist die Modeindustrie an der Reihe, wie ich heute Morgen im Teletext las. Wir sollen wieder dazu animiert werden, unsere Kleidung selbst herzustellen, wie weiland in der DDR. Man kann zur Mode stehen, wie man will, aber, das heißt, dass wiederum Zulieferer den Bach hinuntergehen und die Leute auf amazon umsteigen, wo man Mode aus China und woanders her kaufen kann - auch für 1 Saison. So geht nacheinander aus ideologischen Gründen eine Industrie nach der anderen über den Jordan. Es wird nicht sehr lange dauern und die Süßwarenindustrie ist im Visier und dann die Foodfertigungindustrie usw. usf. Das kostet Millionen von Arbeitsplätzen, aber das Geld kommt ja aus dem Bankautomat. Deutschland wird sämtliche Fertigkeiten, Technologien und Kunden verlieren. Andere Länder - nicht zuletzt China - stehen Gewehr bei Fuß. Man darf auch nicht annehmen, dass die in Deutschland produzierenden Unternehmen auf Deutschland angewiesen wären. Andere Staaten würden sie mit Kusshand aufnehmen, wenn sie denn auf der Höhe des technologischen Fortschritts sind. Leider ist Deutschland unter der Fuchtel der Grünen, die Technologiefeinde sind. Ich sehe das auch so, dass wir ins Mittelalter zurück katapultiert werden sollen, warum auch immer. Aus dem Exportland wird ein Importland werden, dass beginnend bei Nahrungsmitteln bis zur allerletzten Schraube alles importieren muss. Leider wird dafür Deutschland kein Geld mehr haben.

Hansgeorg Voigt / 14.09.2020

Während in GB das Wasser aus der Leitung tröpfelt, wird das in Dummland bald beim Strom so sein. Eines fröhlichen Tages im Winter werden die Dummland-Anrainer ihren Strom für sich brauchen und es gibt weder Wind noch Sonne. Dann geht das Licht aus. Es wird dann so sein, wie im Atomaren Winter, Kein Wasser, kein Gas, kein Licht, keine Heizung, keine gekühlten Lebensmittel und keine Nachricht aus dem Äther. Wie mir vertrauliche Quellen mitgeteilt haben, gibt es Anlagen, die ohne Strom einfach Umweltkatastrophen auslösen weil die Steuerung weg ist. Am Schlimmsten dürfte das Fehlen der Toilettenspülung sein, wenn das dazugehörige Papier schon Hamsterkäufe ausgelöst hat. Michelland wird Dummland!

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