Anabel Schunke / 17.09.2020 / 06:00 / Foto: Achgut.com / 166 / Seite ausdrucken

Die Selbstaufgabe der FDP

Ich erinnere mich noch gut, als Christian Lindner nach Tagen zäher Verhandlungen im November 2017 vor die Presse trat und verkündete, dass es besser sei, „nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“ und damit der ersten Jamaika-Koalition auf Bundesebene eine Absage erteilte. 

Nicht Wenige warfen ihm damals vor, unmutig agiert zu haben. Die damalige Verhandlungsführerin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, sagte, die FDP hätte sich nicht für die gemeinsame Verantwortung entschieden. Am Ende gab es, unter heftigem Zähneknirschen vieler SPD-Mitglieder, eine Neuauflage der Großen Koalition. 

Entgegen vieler anderer Stimmen äußerte ich mich damals positiv zur Entscheidung der FDP. Das mag nicht zuletzt auch daran liegen, dass eine Koalition zwischen Grünen, FDP und CDU – anders, als es bei vielen Journalisten-Kollegen der Fall ist – nicht zu meinen feuchten Polit-Träumen gehört. 

Für mich war die Absage an eine Koalition mit den Grünen alles andere als unmutig. Sie war notwendig. Wirft man Politikern und Parteien oft genug vor, es würde ihnen nur um Macht gehen, belegte die FDP mit ihrer Entscheidung, nicht zu regieren, doch ausnahmsweise das Gegenteil. Man hatte aus dem Rauswurf aus dem Bundestag 2013 gelernt. Damals hatte man sich von der unter Merkel zur sozialdemokratisch entwickelten CDU marginalisieren lassen. Eine Koalition mit eben dieser sozialdemokratischen CDU und den Öko-Sozialisten hätte auch noch das letzte bisschen Liberalismus aus der FDP geprügelt.

Vom bunten Polit-Buffet hier und da die Rosinen herauspicken

Abgesehen davon träumen von solchen Koalitionen ohnehin nur diejenigen, die grundsätzlich keine Ahnung von den großen politischen Ideenschulen haben und deshalb nicht verstehen, weshalb Liberalismus und grüner Öko-Sozialismus nie auf einen Nenner kommen werden. Es sind jene, die deshalb glauben, man könne sich vom bunten Polit-Buffet hier und da die Rosinen herauspicken. Ein bisschen Umwelt ist schön. Grüne wählt man für’s Gewissen. Und die FDP und CDU sollen mit ihrer Realpolitik dafür sorgen, dass wir zumindest am Ende nicht alle auf Eseln reiten. Aber so funktioniert das nicht. Man kann nicht einerseits fordern, dass Parteien ihr Profil wieder schärfen und sich andererseits für Koalitionen aussprechen, die nur dann funktionieren, wenn keine Partei noch irgendwelche Prinzipien verteidigt. Dass die FDP zumindest damals noch so etwas wie Überzeugungen hatte, lässt sich ja eben genau daran erkennen, dass man sich nicht auf diese Koalition eingelassen hat. 

Es war das letzte Mal, dass ich Hoffnung in die FDP gesetzt habe. Eigentlich hatte ich sie schon 2016 verloren. Als man zwar gute Ideen bezüglich einer Trennung von Einwanderung und Asyl vorlegte, aber irgendwie der Biss fehlte, sich auch wirklich damit Gehör zu verschaffen. Als man immer wieder zu Themen wie Asyl und Islam schwieg, als man hätte für meinen Geschmack laut sein müssen. In der Opposition ist das freilich nicht immer einfach. Angesichts einer linksgrün dominierten Medienlandschaft, die lieber ein drittes Mal Robert Habeck in eine Talkshow einlädt als einmal Christian Lindner, sowieso.

Das Problem besteht für die AfD allerdings in noch größerem Ausmaß. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass den Wählern der AfD auffällt, wenn sie zu gewissen Themen nicht gehört wird und die AfD es versteht, ihre Positionen dann anderweitig an die eigene Klientel zu bringen. Die FDP ist hingegen an einem Punkt der Selbstmarginalisierung angelangt, an dem es dem Wähler nicht einmal mehr auffällt, wenn man zu gewissen Themen nichts von ihr hört. Seit Jahren versäumt man es, sein Angebot lautstark zu formulieren. Im Endergebnis sinkt die Nachfrage nach einer liberalen Kraft in der deutschen Politiklandschaft. Das belegen nicht zuletzt die aktuellen Zahlen aus NRW.

Probleme, nicht einzuschlafen

Ja, wenn man einmal eine Weile die Stories auf Christian Lindners Instagram verfolgt, hat man schon arge Probleme, nicht einzuschlafen. Das ist gerade angesichts der Tatsache, dass wir in Deutschland akut einen Haufen Baustellen haben, bei denen eine klare liberale Position dringend erforderlich wäre, schon ein Armutszeugnis. Schlimmer noch: Es ist Arbeitsverweigerung und völlige Selbstaufgabe.

Ja, alles an dieser Partei wirkt mittlerweile lieb- und kraftlos. Mit #GermanMut wollte man einst punkten. Spätestens nach der Landtagswahl in Thüringen muss auch dem Letzten klar geworden sein, dass von dieser Partei alles, aber kein Mut zu erwarten ist. Aus „besser nicht regieren, als falsch regieren“ hätte in Thüringen „lieber regieren, als die Falschen regieren zu lassen“ werden sollen. Man hätte es durchziehen müssen. Gegen den Druck von Links und deren Wählerklientel, die einen sowieso nicht wählt. Man stand schon auf dem 10-Meter-Brett, bereit zu springen, und machte dann doch in letzter Sekunde einen feigen Rückzieher. Was folgte, war ein unwürdiges Entschuldigungs-Spektakel von Christian Lindner und die verpasste Chance, erstmalig einen liberalen Ministerpräsidenten zu stellen. 

Bis heute begreift die FDP nicht, dass der Kampf gegen die AfD nicht mit substanzloser, hysterischer Abgrenzung funktioniert, sondern mit guter Politik. Dass das eigene verlorene Wählerpotenzial nicht bei den Grünen oder den Linken liegt, sondern vor allem bei der AfD, und dass man diese Menschen nicht zurückgewinnt, indem man sie verteufelt, sondern indem man ihnen ein gutes Alternativangebot liefert und dieses vor allem auch mit Leidenschaft und Biss formuliert. Indem man zeigt, dass es auch weniger populistisch, aber durchaus kritisch geht. 

Stattdessen ist die FDP zum Inbegriff dessen geworden, was sich am ehesten mit „Liberal, scheiß egal“ umschreiben lässt. Wer glaubt, er könne angesichts brennender Flüchtlingscamps in Griechenland und eines bevorstehenden Wirtschaftseinbruches durch die Corona-Maßnahmen Wähler mit der Abschaffung des Soli und freiem W-Lan in Schwimmbädern gewinnen, der braucht sich am Ende nicht wundern, wenn sich immer mehr von ihnen fragen, wofür es eigentlich noch die FDP braucht, wenn die Probleme, die einem selbst als dringlich erscheinen, aus purer Angsthasenmentalität seit Jahren gar nicht oder allenfalls nur halbherzig besetzt werden. 

Wirklich noch die Zeit für Floskeln?

Knappe vier Minuten widmete Christian Lindner dem Thema Moria, als er zuletzt vor die Presse trat. Deutschland hätte eine humanitäre Verantwortung, sagt er. Es ginge vor allem um die Aufnahme von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen. Einen nationalen Alleingang dürfe es von Deutschland, anders als 2015, jedoch nicht geben. Vielmehr bräuchte es eine europäische Lösung, so Lindner, und man möchte ihn augenblicklich schütteln und fragen, wer mit diesen Plattitüden aus 2015/16 im Jahre 2020 noch etwas anfangen soll? Die ehemaligen FDP-Wähler, die als Unternehmer angesichts der Zuwanderung aus mehrheitlich islamischen Ländern und einer Rekordsteuerbelastung das Land in Scharen verlassen? Haben wir angesichts einer derart raschen Abwanderung von Nettosteuerzahlern und einer unkontrollierten Zuwanderung von mehrheitlich Transferleistungsempfängern wirklich noch die Zeit für Floskeln, die schon vor fünf Jahren die politische Debatte um Asyl und Zuwanderung bestimmten?

Hat der FDP-Vorsitzende zudem verpasst, dass es bereits eine europäische Lösung gibt? Die überwiegende Mehrheit der EU-Länder möchte keine weiteren Migranten aufnehmen. Auch nicht jene Länder wie Österreich und Dänemark, die sich vor Kurzem noch an der Aufnahme beteiligten. Athen fürchtet bei einer Umverteilung gar, dass es zu einer Kettenreaktion kommt und reihenweise Camps angezündet werden, um sich so seine Eintrittskarte nach Deutschland zu verschaffen. Die Bundesrepublik steht isoliert da, und noch immer erzählt man von einer europäischen Lösung, weil man zu borniert ist, zu erkennen, dass die Lösung darin besteht, den deutschen Weg abzulehnen. 

Das Ganze hat etwas von den üblichen Gesprächen über Asyl mit dem Durchschnittsbürger, der stets mit hundertprozentiger Sicherheit nach einiger Zeit Weisheiten wie „Wer Straftaten begeht, muss ausgewiesen werden“ von sich gibt, woraufhin alle in der Runde nicken. Das Gleiche gilt für Talkshow-Debatten, in denen zum 5367. Mal irgendein Politiker sagt, dass, wer bleiben will, sich an unsere Werte anzupassen und zu integrieren hat. 

Dass weder Straftäter seit Anbeginn der Zuwanderung über das Asylrecht nach Deutschland automatisch ausgewiesen werden noch Menschen, die sich „nicht an unsere Werte anpassen“, spielt dabei keine Rolle. Was zählt, ist allein die hohle Geste der Aussage. Als würde man jemandem auf die Schulter klopfen, weil er sagt „Wer im Supermarkt ein paar Tomaten mitnimmt, sollte diese bezahlen“, während man den, der sich traut, die Frage in den Raum zu werfen, warum dennoch immer mehr Kunden ohne Konsequenzen Tomaten mitnehmen, ohne zu bezahlen und wann man gedenkt, endlich etwas dagegen zu tun, als Hetzer verunglimpft. 

Es müssten eigentlich goldene Zeiten für den Liberalismus sein. Selten gab es so viele Themen und damit einhergehende politische Entscheidungen, die dem so zuwiderlaufen, wie es aktuell der Fall ist. Sie aufzuzeigen und liberale Alternativen zu formulieren, würde einen, wenn nicht sogar den essenziellen Beitrag liefern, um den Menschen wieder in Erinnerung zu rufen, was die großen Vorteile des Liberalismus sind. Warum der Liberalismus sich als Erfolgsmodell für Frieden und Wohlstand einst gegen andere Gesellschaftsmodelle durchsetzte. Warum wir den Meinungspluralismus der durch die political correctness verursachten Meinungskonformität vorziehen – auch und gerade wenn es um Meinungen geht, die uns selbst zuwider sind. Warum ein Mietendeckel wie in Berlin eine Scheißidee ist. Genauso wie Steuererhöhungen in Krisenzeiten, wenn man ohnehin schon die höchste Steuer- und Abgabenlast weltweit hat. 

Liberal bedeutet eben nicht scheißegal

Statt sich dem Islam in Deutschland anzubiedern, wäre es unbedingt wichtig, zu erkennen, dass der strenge Islam der direkte Antagonist der eigenen Ideenschule ist. Dass, wer für Meinungspluralismus, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung und Toleranz gegenüber Minderheiten und marktwirtschaftlichen Leistungsgedanken ist, für das selbstverantwortliche Individuum, für Fortschritt und Wohlstand, unmöglich eine Religion hofieren kann, die in all diesen Punkten das exakte Gegenteil darstellt. 

Und dass man in diesem Sinne auch keine völlig unkontrollierte Zuwanderung aus eben diesen Ländern befürworten oder dem Ganzen zumindest gleichgültig gegenüberstehen kann. Liberal bedeutet im eigentlichen Sinne eben nicht scheißegal. Der Liberalismus muss wehrhaft sein. Vor allem gegenüber jenen, die seine Freiheiten ausnutzen, um ihn abzuschaffen. 

Wer Kant verstanden hat, weiß um die Intelligenz und Schönheit des liberalen Freiheitsbegriffes. Wer einmal Milton Friedman gelauscht hat, wenn er anhand eines Bleistiftes die Vorteile des freien Marktes erklärt, realisiert, auf welche geniale Art und Weise die „unsichtbare Hand“ Adam Smiths funktioniert. Und wer einmal Hayeks Dekonstruktion des Begriffes der „sozialen Gerechtigkeit“ gelesen hat, ist sich bewusst, dass nicht alles, was sich gut anhört, auch automatisch zu positiven Effekten führt. 

Die staatsgläubige Bevölkerung der Bundesrepublik hatte nie sonderlich viel für den Liberalismus, der ihr all den Wohlstand und Frieden erst ermöglicht hat, übrig. In Zeiten, in denen sich der Totalitarismus in Form von political correctness, Open-Border-Ideologie und Öko-Diktatur jedoch wieder Bahn bricht und eine wachsende Klientel nur noch „Ansprüche“ ohne die Bereitschaft zur Gegenleistung an den Staat formuliert, ist das Bedürfnis nach einer starken liberalen Kraft bei der noch an die Leistungsgesellschaft glaubenden Mittelschicht umso größer. Nie haben sich so viele Menschen in Deutschland ihrer politischen Heimat beraubt gefühlt. Nie war es so einfach, mit den richtigen Themen, Wähler zu gewinnen. 78 Prozent der Deutschen sind mittlerweile der Meinung, man könne seine Meinung zu bestimmten Themen nicht oder nur noch mit Vorsicht äußern. Ist das kein Thema für eine liberale Partei? 

Die FDP wird sich bald entscheiden müssen, ob sie den Weg ins politische Nirwana geht oder doch ihren Mut wiederentdeckt. Mit sozialliberalem Wischiwaschi funktioniert es nicht. Ob man für etwas anderes allerdings das richtige Personal hat, bleibt fraglich. 

Foto: Achgut.com

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Tino Harrer / 17.09.2020

Frau Schunke, wieder viel Richtiges dran- aber der German Mut der FDP ist lange aufgebraucht. Das reicht noch nicht mal für Opposition gegen die gröbsten Klopse. Leider!

Charles Brûler / 17.09.2020

Die Lindner-FDP hat die Demokratie entscheidend weiterentwickelt! Das Wesen der Demokratie ist normalerweise der Verrat. Wenn die Stimmzettel in der Urne liegen, kann der Sieger machen was er will. Der Fortschritt der FDP ist nun, dass die FDP den Wähler schon VOR der Wahl betrogen hat, so dass man sie gar nicht erst wählen tut.

Dİrk von Riegen / 17.09.2020

@Steffen Schwarz Zitat ihrerseits: “Mit ganz wenigen Ausnahmen die fundiertesten Beiträge zum Zustand in D , welcher der katastrophalste seit WK 2 ist.” İch glaube, dass sie da einen beliebten İrrtum nachlaufen, wenn sie hier quasi Aepfel mit Birnen vergleichen. İn Gegensatz zur Zeit der NS-Zeit, wo auch sechs Jahre Krieg enthalten sind, haben wir es heutzutage größtenteils mit einer Politik und auch Gesellschaft zu tun, wo der Satz von der “spaetrömischen Dekadenz” eines Westerwelle wohl kaum treffender diesen Zustand beschreibt. Dagegen war nach Ende des zweiten Weltkriegs ein nicht geringer Teil des Deutschen Reichs durch den allierten Bombenterror zwar zerstört worden, die deutsche Gesellschaft aber in ganzen noch völlig intakt. Dieses sieht man auch sehr deutlich an die Jahre des “Wirtschaftswunder”, wo die “alten” Tugenden der Deutschen, Fleiß und Leistungsbereitschaft ihre letzte “Hochzeit” erlebten. Dieses ist aber der gewaltige Unterschied von 1945 ff und den heutigen Deutschland, wo all diese “Tugenden” den Deutschen anscheinend abhanden gekommen ist und es deshalb von Seiten der Deutschen, eine alternde und weitgehend dekadent gewordene Gesellschaft, auch nie wieder so etwas wie ein “zweites” Wirtschaftswunder geben wird. Schauen sie sich doch nur diese ganzen “Schneeflökchen” heutzutage nur an. Wollen sie damit wirklich noch irgendetwas reißen…?

Dr. Roland Mock / 17.09.2020

Frau Schunke schreibt, man möchte Lindner schütteln, daß er zu sich kommt und loslegt, endlich Opposition zu betreiben. Das wird nicht passieren. Die FDP hat sich klar entschieden, eine weitere Partei zu sein, die der sozialistischen Regierung in den A… kriecht. Statt sie mitsamt ihrem Klimawahn zu bekämpfen; so wie es einer Partei, der man einmal Wirtschaftskompetenz zusprach, anstünde. Ich glaube, der FDP fehlt inzwischen auch das entsprechende Personal. Bei Bundestagsdebatten zum Thema Energiepolitik z.B. gräbt die AfD den Schwafellaschis von der FDP so etwas von eindeutig das Wasser ab. Ich jedenfalls habe die FDP 2017 (und damals schon mit Bauchschmerzen) das letzte Mal gewählt.

Werner Kersting / 17.09.2020

@Paul Mittelsdorf, sie beschreiben exzellent,  was die Gründe sind, weshalb sie die AfD wählen.  Da kann ich ihnen nur beipflichten . Nach einer 30 jährigen CDU Mitgliedschaft als Wertkonservativer musste ich diese Partei mit ihrer pro islamischen Einstellung verlassen.  Habe derzeit eine politische Heimat in der AfD auch deshalb gefunden, weil sie noch islamkritisch ist. Ich habe eine Zeitlang nach meinem Austritt aus der CDU gedacht, FDP anstelle der CDU zu wählen. Konnte mich aber nie wirklich dazu entschließen.

Swetlana Winkel / 17.09.2020

Die FDP ist unsere einzige Chance, wir haben nur diese eine liberale Partei mit all ihren Macken. Liberale Standpunkte sind nicht immer einfach. Ich kann verstehen, dass man zwischen humanitären Gesichtspunkten und sich vor Ausbeutung zu bewahren, nicht immer so leicht eine Linie ziehen kann. Man bekommt Schelte von Presse und Öffentlichkeit, wenn man eigene Positionen vertritt.  Schelte ist unschön, und sie verunsichert auch. Als Liberaler hinterfragt man dann seine Position, man nimmt die Gegenposition ein um zu wissen, wie sie sich anfühlt und um sicher zu sein,  nichts zu versäumen. Aber man muss auch wieder zurück auf seinen neutralen Ausgangspunkt, einen Ausgangspunkt, der die Grundfesten liberalen Gedankenguts fest im Auge hat:  Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft, Sicherheit durch und vor dem Staat. Aber liberale Positionen erschöpfen sich natürlich nicht in der Migrationspolitik, da hat Frau Schunke absolut recht. Warum verfolgt Lindner nicht weiter die Position der Liberalen von vor 2-3 Jahren. Da träumte er noch von der Stützung der Leistungsträger, egal auf welcher Stufe der Gesellschaft sie stünden. Leistungsträger haben keine Zeit sich ständig Gehör zu verschaffen und lautstark Forderungen durchzusetzen. Leistungsträger brauchen eine starke Stimme und diese sollte und müsste die Stimme der Liberalen sein! Und warum hat Lindner seine Forderung nach Mut aufgegeben? Einmal hat er ihn bewiesen beim Ablehnen einer Koalition, die keinen Raum für liberale Ideen ließ. Mut muss in der FDP wieder eine Rolle spielen.  Sie muss sich trauen, selbst Antworten auf dringende Fragen zu finden und das, was als richtig erkannt wird auch zu verfolgen, egal ob andere gleiche oder konträre Positionen einnehmen. Eine richtige Position wird nicht falsch, weil z.B. auch die AFD sie verfolgt und wird nicht richtig weil Grüne und Mainstream dem anhängen. Es ist unsere Verantwortung liberales Gedankengut weiter zu tragen es nicht aufzugeben.

Barbara Müller / 17.09.2020

Nun ja es ist wohl eine deutsche Tugend ein “totes Pferd zu reiten” UNd aus der Geschichte lernen können wir auch nicht, sonst wüssten unsere Poltiker wenigstens ansatzweise, was wahrscheinlich passiert, wenn das Pendel in die andere Richtung ausschlägt.

Margit Broetz / 17.09.2020

Versteht man unter liberal das Hochhalten bürgerlicher Freiheiten wie z.B. Meinungsfreiheit, d.h. Schutzrechte gegen Staat und Konzerne, waren die letzten Liberalen Gerhart Baum und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Wenigstens manchmal. Versteht man unter Liberalismus “Alles soll durch den Markt geregelt werden”, à la Mises, d.h. das Recht des Stärkeren in der Maske der Zivilisation, ist es die FDP heute noch. Nur hat sie wie die anderen ihre Grundsätze stets dem Machterhalt geopfert, auch bei der Ablehnung der Koalition mit Schwarz-Grün, denn sie wußte dann geht es unter die Fünf-Prozent-Hürde. Die “Steuersenkungspartei” hat noch jede Steuererhöhung mitgemacht. Außer Korruptionsoptimierung ist kein Programmpunktt unverzichtbar.

herbert binder / 17.09.2020

Den Herrn Lindner habe ich mir bis heute einmal etwas genauer angetan, sehr geehrte Frau Schunke, und zwar am Wahlabend NRW 2017. Danach hatte ich das Gefühl, den Mann kenne ich in- und auswendig, sein Gefolge quasi automatisch mit eingeschlossen. Mein “vorschnelles” Urteil habe ich nicht korrigieren müssen, obwohl es zwischendurch den Jamaika-Ausstieg gab. Hatte da wirklich jemand den Aufstand geprobt, oder nur die Nerven verloren? Ich habe den Vorfall auf dem Konto “Ausreißer” erfaßt. Sowas braucht keiner.

Ralf Schulze / 17.09.2020

Westerwelle empfand ich immer, als wolle er “Tod in Venedig” spielen und Mamis Liebster zugleich sein. Lindner empfinde ich so, als wolle er sich am liebsten im Nadelstreifen Anzug, Zigarre im Mund und mit nem Opakamm sich die Pomadenhaare nach hinten glatt kämmen und und dabei auf der Motorhaube eines Mercedes AMG s sitzed einen Werbespot drehen, der kleinen Leute Bitcoingeschäffe aufschwatz und dabei sagt….... “Sieh her, das alles kann auch bald Dir gehören” . Und genau das war und ist der Geist der FDP nach dem Grafen gewesen. Westerwelle war ein Blender und in sich verliebt und auch Lindner war Karrieregeil. Von diesen Leuten kann man keine Zukunftsvision verlangen. Da ist der Kevin K. dagegen ja noch der Visionär der Stunde. Faden und Knöpfe halten den Lindner noch zusammen. Das Abweichen von Merkels Machtgeleit stand im gut. Nur hat er dann zu lange in den Spiegel geschaut um sich Mut zu machen, oder sonst was, um dann in Belanglosigkeiten zu verfallen. So wird er immer sein…... der kleine Möchtegerngroß.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Anabel Schunke / 11.09.2020 / 06:06 / 195

Wer sind eigentlich „Wir“?

Moria ist abgebrannt. Im griechischen Flüchtlingscamp auf der Insel Lesbos hatte es schon in der Vergangenheit immer wieder gebrannt. Zum Teil wurden die Brände mutwillig…/ mehr

Anabel Schunke / 21.08.2020 / 06:25 / 72

Polizei- oder Migrantengewalt?

Dass der Tod von George Floyd auch hierzulande politisch ausgeschlachtet und zu einer Diskussion über Rassismus und Polizeigewalt führen würde, war mir bereits in dem…/ mehr

Anabel Schunke / 21.06.2020 / 17:19 / 145

Laue Sommernächte in Stuttgart 

400 bis 500 Täter haben in der gestrigen Nacht zum Sonntag Polizisten angegriffen, Scheiben eingeschlagen und Läden geplündert. Gemäß der Pressekonferenz der Polizei Stuttgart gäbe…/ mehr

Anabel Schunke / 22.04.2020 / 06:15 / 93

Chronik einer angekündigten Ausweisung

Im Fall der Gruppenvergewaltigung von Mülheim ist das Urteil gefallen. Es fiel, wie zu erwarten, aufgrund des Alters der Angeklagten, mild aus. Zwei Jahre und…/ mehr

Anabel Schunke / 21.04.2020 / 06:25 / 180

Viele Männer und wenige Frauen – Das Problem mit der Zuwanderung

Lange hat das Thema Flüchtlinge die Gemüter in den sozialen Medien nicht mehr so erhitzt, wie in den letzten Tagen. Während die meisten deutschen Redaktionen…/ mehr

Anabel Schunke / 16.03.2020 / 13:25 / 57

Hoch die Tür zum iranischen Neujahrsfest!

Der neue Corona-Hotspot liegt in Europa. Erstmals verzeichnete die Weltgesundheitsorganisation WHO außerhalb Chinas mehr als 10.000 Neuinfektionen an einem Tag. In Bayern wird der Katastrophenfall…/ mehr

Anabel Schunke / 24.02.2020 / 06:08 / 122

Wer erreicht die Menschen noch, die sich sorgen?

In Zeiten, in denen die subjektive Moral und die eigene Angst, man könne von Anderen auf der „falschen“ Seite verortet werden, über allem stehen, hat…/ mehr

Anabel Schunke / 22.02.2020 / 06:24 / 259

Ich habe dieses Land satt

Im Juni 2016 schrieb ich in Bezug auf die unkontrollierte Zuwanderung, dass ich gar nichts müsse. Aber ich musste. Genau wie alle anderen Deutschen. Entrechtet…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com