Peter Grimm / 13.02.2017 / 15:33 / Foto: Stefan Klinkigt / 6 / Seite ausdrucken

Die Gnadenerweise des Präsidenten

Frank-Walter Steinmeier ist nun endlich Bundespräsident. Da das Ergebnis feststand, glich die Wahl auch eher der bürgerlichen Variante einer Krönungsmesse. Unser Präsident war, wie bei Monarchen, die den Thron besteigen, üblich, als Personalie alternativlos. Das scheinen die politischen Verantwortungsträger über Parteigrenzen hinweg ebenso gut zu finden, wie etliche Medienvertreter. „Der Anti-Trump“ waren einige Kommentare in der deutschen Presse überschrieben. „Er ist all das nicht, was Donald Trump ist“, schrieb beispielsweise Focus-Online und die „Rheinische Post“ kommentierte im Gleichklang „Steinmeier ist der Anti-Trump. Er twittert nicht, er erklärt lieber ausführlich und abgewogen.“

Nun, mit Donald Trump, den Steinmeier als Außenminister bekanntlich noch einen „Hassprediger“ nannte, hat unser neues Staatsoberhaupt wirklich wenig gemein. Die präsidiale Machtfülle des US-Präsidenten unterscheidet sich doch erheblich von der Bedeutung des Hausherrn im Schloss Bellevue. Auch die Legitimation ist eine andere. Den einen durften die Bürger wählen, den anderen haben sich Koalitionspolitiker im Hinterzimmer ausgekungelt.

Doch „Anti-Trump“ zu sein ist populär und warum sollte man nicht ein wenig politisches Kapital aus dem schlechten Ruf des US-Präsidenten schlagen? Aber wie geht der gute Präsident denn nun künftig mit dem bösen Präsidenten um? Wird Präsident Steinmeier den Präsidenten „Hassprediger“ mit Nichtachtung strafen? Nein, unser neues Staatsoberhaupt, so hören wir, lässt Gnade walten. Er habe sich offen für Gespräche mit US-Präsident Donald Trump gezeigt, ihn aber gleichzeitig als „schwierigen Partner“ bezeichnet, wird berichtet:

„Selbstverständlich darf man sich den Gesprächsmöglichkeiten, wo sie sich bieten, nicht entziehen. Deshalb werden wir schauen, wie wir mit dem amerikanischen Präsidenten umgehen werden“, sagte er am Sonntag in einem Interview für die ARD-Sendung „Farbe bekennen“. Seine Majestät, der deutsche Bundespräsident, wird also mal schauen, wie er mit dem amerikanischen Präsidenten umgeht? Er würde ihm sogar die Gnade eines Gesprächs erweisen?

Beim Lesen dieser Meldung habe ich mich ernstlich gefragt, welche Vorstellung unser „Anti-Trump“ von seinem neuen Amt hat? Vielleicht erklärt er ja noch, wie er das mit den Gesprächen meint. Wir lesen: „Das wird nicht leichter sein, dieses Gespräch, als viele andere mit anderen schwierigen Partnern.“ Na immerhin ist in der Welt des Präsidenten Steinmeier der Kollege Trump nicht schlimmer als die Herren Erdogan oder Putin. Das ist doch schon mal beruhigend, denn auch da konnte man sich ja nicht ganz sicher sein. Immerhin hat er die beiden Letztgenannten noch nie „Hassprediger“ genannt. Oder hat man das bloß nie erfahren?

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Foto: Stefan Klinkigt

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Leserpost (6)
Ruth Hellweg / 14.02.2017

Dieser Präsident hat nix zu sagen, in jeglichem Sinne nicht. Darum ist es dann auch nicht schlimm, wenn seine Reden kurz ausfallen. Und als Grüß-August kann man auch nicht all zu viel falsch machen. Wenn man auf einer karnevalesken Veranstaltung gewählt wird, hat das überhaupt Bestand bis nach Aschermittwoch? ;-))))) Na Hauptsache, er wohnt schön.

JF Lupus / 14.02.2017

Nach Gauck, dachten wir, könne es nicht schlimmer kommen. Wir irrten.

Ernst Siegel / 13.02.2017

“Deshalb werden wir schauen, wie wir mit dem amerikanischen Präsidenten umgehen werden“. Ich musste das mehrfach lesen um sicher zu gehen, das mir meine Augen keinen Streich spielen. Ist es wirklich möglich, das ein recht durchschnittlicher SPD Politiker solche Äußerungen von sich geben darf? Da kann ich nur sagen: Die Dummheit feiert mal wieder Triumph! Merkt der noch was? Glaubt er, das Trump das so einfach auf sich beruhen lässt?  Die Retourkutsche wird kommen, ganz sicher!

Thorsten Schmidt / 13.02.2017

“Den einen durften die Bürger wählen, den anderen haben sich Koalitionspolitiker im Hinterzimmer ausgekungelt.” Die Wendung vom Hinterzimmer in dem Steinmeier ausgekungelt wurde, kann man in diesen Tagen häufig lesen. Das er ausgekungelt wurde, kann man sicher so stehen lassen. Aber wo ist in diesem Fall das Hinterzimmer? Es war überall zu lesen, das Gabriel und Seehofer sich mit Merkel im Bundeskanzleramt zu dieser Personalie getroffen haben. Nicht anzunehmen, das Merkel die beiden in einem Hinterzimmer abgefertigt hat und nicht etwa in ihrem Amtszimmer. “Hinterzimmer” ist ein Synonym für “in aller Heimlichkeit” - aber davon kein hier keine Rede sein! Hier hat das Auskungeln mit Ansage in aller Öffentlichkeit stattgefunden.

Leo Hohensee / 13.02.2017

Ich glaube, wenn Trump weiterhin tut was er sagt oder gesagt hat – einfach nur das und nichts sonst – sowie weiteres amerikanische Ausbreitungsbegehren, gegen den Widerstand mächtiger Gegenwehr, fallen lässt indem er sich nach innen richtet, dann werden sie sich (Steinmeier etc.) in Kürze Mauselöcher suchen, hinein kriechen und sich verstecken. Bürger und Wähler in anderen Ländern werden daran erkennen – es geht : Man kann Wahlversprechen einlösen.

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